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Advent, Advent, die Wohnung brennt – wer haftet?

Es ist Adventszeit und Weihnachten steht vor der Tür. Da brennt schon mal gerne der Adventskranz resp. der Christbaum, wenn bei trockenen Zweigen echte Kerzen im Gebrauch sind. Wer haftet dann eigentlich für den Schaden? Doch sicher die Haftpflichtversicherung, möchte man meinen. Aber so einfach ist das nicht.

Versicherungsschutz eventuell eingeschränkt
Grundsätzlich kann für Brandschäden in der Wohnung natürlich die Haftpflichtversicherung aufkommen. Sie ist jedoch dann ganz oder teilweise von der Leistung befreit, wenn der Weihnachten01Versicherte den Schaden „grob fahrlässig“ herbeigeführt hat. Das besagt § 81 Abs.2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG). Dort sagt das Gesetz nämlich: „Führt der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall grob fahrlässig herbei, ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen.“ Je nach der festgestellten Schwere der Fahrlässigkeit kann das auch bis zur vollständigen Leistungsverweigerung führen.

Wann aber dem Versicherten ein grob fahrlässiges Verhalten vorgehalten werden darf, kann nur in jedem Einzelfall, d.h. im Zweifel durch ein Gericht festgestellt werden. Eine Kernfrage dabei ist immer, inwieweit der Versicherte seiner Aufsichtspflicht bei brennenden Kerzen nachgekommen ist. Kerzen unbeaufsichtigt brennen lassen, „mal eben“ für zwei, drei Stündchen ins Kino: das geht schon mal gar nicht und das dürfte auch jedem einleuchten. Aber das Leben ist natürlich vielfältig und so sind es auch die Umstände, unter denen ein Brandschaden eintreten kann. Zur Orientierung hier einige Beispiele, wie Gerichte entschieden haben.

Grobe Fahrlässigkeit wurde bejaht:
Kerzen am Adventskranz versehentlich brennen lassen und einkaufen gegangen.
– Im Nachbarzimmer zu Abend gegessen und brennende Adventskranzkerzen ohne
Aufsicht gelassen.
– Für 15 Minuten den Nachbarn besucht und Kerzen brennen gelassen.
– Ein Bad genommen und einem 6-Jährigen die Aufsicht über die brennenden Kerzen
überlassen.
– Für 30 Minuten das Haus für Gartenarbeiten verlassen, während die Kerzen
brannten.

Grobe Fahrlässigkeit wurde verneint:
– Mit der Tochter kurz den neuen Puppenwagen ausprobiert, während die
Christbaumkerzen  brannten.
– Beim Fernsehen neben dem Weihnachtsbaum versehentlich eingeschlafen.
– Das Kind wollte nicht an einem Ausflug der Eltern teilnehmen und quengelte heftig,
während der   Vater schon im Auto wartete und hupte; die Mutter vergaß die
Adventskranzkerzen zu löschen.
– Der Ehemann zündete eine Adventskranzkerze an und wollte seine schlafende Frau
wecken. Dabei  kam es unvorhergesehen zum Sex.
– Ein Toilettengang bei brennenden Kerzen.
– Öffnen der Haustür und der Versicherungsnehmer ist ausgesperrt.

Dietrich Kantel





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