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Im Rhythmus der weißen Männer

Goldener Herbst. Wer kennt ihn nicht? Wer sehnt ihn nicht herbei? Wer freut sich nicht über die letzten wärmenden Sonnenstrahlen? Wenn es dann so ein Tag ist oder sich sogar solche Ausnahme-Stunden aneinanderreihen, dann erwacht die schon verabschiedete sommerliche Grill-Lust. Dann zieht es nach draußen, dann verschwinden schnell die gerade herausgeholten Winterjacken und Herbstschals…und dann lockt vielleicht auch wieder eine Stippvisite ins Städtchen. 

weisse Hosen 1Hier im urban life brummt wieder einmal das pralle Leben. An den Outdoor-Tischen der In-Restaurants und Cafés drängen sich Genießer auf Zeit. Altersgrenzen scheint es nicht zu geben. Vor wenigen Tagen erlebten meine Frau und ich so einen Ausnahmetag, also ein Sonntag im mehrfachen Sinne. Ort der spätsommerlichen Entspannung: Die City von Bonn. Genauer: Der Marktplatz. 

Wir belegen einen der vielen Tische und warten auf unseren Cappuccino. Urlaubsfeeling stellt sich ein. Relaxen und die Show der vielen vorbei strömenden Menschen sind angesagt. Plötzlich taucht ein Mensch im komplett weißen Dress auf. Er trägt eine mittelgroße schwarze Tasche. Dann ein Zweiter: Er hält vor sich eine Posaune. Dann ein Dritter, er buckelt sich mit einem mittleren Schlagzeug ab. Es werden mehr weiße Männer … zwei Frauen sind auch mit von der Partie. Alle konsequent in Weiß. 

Mitten auf dem Platz vor der Kulisse des barocken Bonner Rathauses sammeln sich die Weißen zu einem Halbrund. Teilweise holen sie weitere Blasinstrumente aus dunklen Taschen. Mitten drin positioniert sich einer der offensichtlich schon etwas älteren Musiker mit einer riesigen, knallroten Tuba.

Mit dem Smartphone im Video-Anschlag lese ich gerade noch mitten auf der blutroten Tuba: „c’est ca! sans sax“ …und dann geht es auch schon los. Der Schlagzeuger gibt ein paar Takte vor. Die weiße Schar der Blechbläser nimmt den flotten Rhythmus auf. Immer mehr Zuschauer und Zuhörer gruppieren sich um die kleine Brass-Band. Es reißt mit, es wird geklatscht und auch teilweise mit gesungen, wenn ein bekannter Titel in Szene gesetzt wird. Die musikalischen „Albinos“ haben es gut drauf. Wir fühlen uns mediterran so richtig wohlig angetan. 

Ach ja, dann will ich noch ein paar Informationen über die Überraschungsmusiker einholen. Der Herr links außen mit der Trompete ruft mir zu, dass sie extra von Maastricht nach Bonn gekommen sind und am Tag zuvor in Ahrweiler waren. Und dann sind sie auch schon in einer der Seitenstraßen verschwunden. 

Herrlich, wenn der Weg immer wieder auch das Ziel sein kann. Dann kann das Leben floaten. Dann kann es eben glatt passieren, dass plötzlich die weißen Männer auftauchen, Schwung in die Seele bringen um genauso schnell wieder wegtauchen. Wir trinken auf diese Beschwingtheit einen Aperol Spritz. Wieder zu Hause, lassen wir das Video nochmals durchlaufen. Herrlich so ein Tagesurlaub. Einfach empfehlenswert. Nicht spektakulär, aber es tut nur gut. Ein bisschen über die Maastrichter Straßenmusiker ist auch bei YouTube zu finden.

bu




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