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Michelstadt – eine Perle im Odenwald

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Das antike Rathaus in Michelstadt

Mit Sicherheit haben die Meisten das Foto schon mal irgendwann irgendwo gesehen. Wahrscheinlich als Titel auf einem Bildkalender. Das originelle Rathaus von Michelstadt im Odenwald, ein wunderschöner Fachwerk-Bau im spätgotischen Stil, in der vorderen Hälfte auf dicken Eichenstempeln stehend und daher von allen Seiten zugänglich, weil es lange Jahre als Markt- und Gerichtshalle diente. Obendrauf passende Türmchen, Baujahr 1484. Nicht Wenige fühlen sich allein schon von diesem Bild angelockt, in den Odenwald zu fahren und, vor allem, Michelstadt mit seinem alten Rathaus zu besuchen. Wohl keiner von denen wieder abgereist, ohne dieses Wahrzeichen des Städtchens –  ja, der ganzen Region – selbst auf den digitalen Chip gebannt zu haben.

Ja, man muss ihn kennen!

Und Sie? Sind Sie vielleicht auch einer von denen, die da sagen: „Odenwald? Ja, gehört habe ich davon schon. Aber ich war noch nie dort. Muss man den kennen?“  Die Antwort ist einfach: „Ja, man muss!“. Jenes freundliche, gerade einmal bis 626 Meter ansteigende, Mittelgebirge zwischen Darmstadt und Heidelberg, Bensheim an der Bergstraße und Miltenberg am Main. Drei Bundesländer üben in mehr oder weniger großen Regionen dort Hoheitsrechte aus – (Süd)Hessen im Norden, für Bayern dessen Bezirk Unterfranken im Osten und das nördliche Baden-Württemberg im Süden.  Und da alle drei den interessierten Zeitgenossen nicht nur Landschaft, sondern darüber hinaus fast im Übermaß kulturelle, geschichtliche, architektonische und (auch nicht unwichtig) kulinarische Attraktionen zu bieten haben, beschlossen die Odenwälder , ihre Gäste zum Beispiel auf einem „Dreiländer-Wanderweg“ durch die Fluren zu führen. Natürlich nur, so weit deren Füße tragen.

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Reich bestückt mit Fachwerkhäusern ist die Altstadt

Man lasse sich, im Übrigen, durch die letzte Silbe des Namens nicht schrecken. Denn der „Wald“ ist (im Gegensatz etwa zum Schwarzwald) hier nicht übermächtig. Es ist, vor allem, ein freundlich-lichter Mischwald, der sich immer wieder öffnet und den Blick über weite Wiesen und Felder zu Dörfern und häufig auch auf mit Burgen oder deren Ruinen „besetzte“ Bergkegel frei gibt. Inmitten all dessen, wiederum, kreuzen sich zwei Bundesstraßen, die B 45 und die B 47. Es sind alte, traditionsreiche Handelswege – von Frankfurt nach Augsburg der eine, von Worms nach Würzburg der andere. Und genau hier liegt Michelstadt – die Perle des Odenwalds.

Genau genommen könnte man sogar von einer Doppelstadt sprechen. Denn das rund 13 000 Einwohner große Städtchen Michelstadt geht in Wirklichkeit praktisch nahtlos über in das benachbarte Erbach, das Verwaltungszentrum des Odenwaldkreises.  Und so wie Michelstadt den Touristen – über das schon beschriebene alte Rathaus hinaus – eine Menge an Besichtigungswürdigem zu offerieren hat, so kann auch Erbach mit, zum Teil einzigartigen,  Attraktionen aufwarten. Da ist zum Beispiel das in Europa einmalige Elfenbeinmuseum. 1783 hatte der letzte Reichsgraf, Franz I., an diesem Ort die Elfenbeinschnitzerei eingeführt. Das ist eine hohe, außerordentlich filigrane Kunst, die hier noch heute betrieben wird – allerdings seit langem nicht mehr aus Elefantenzähnen. Vielmehr kommt das Material mittlerweile zumeit aus Russland und ist ziemlich alt. Denn es besteht aus den Stoßzähnen der prähistorischen Mammuts, die offensichtlich in großer Zahl in den Permafrostböden Sibiriens gefunden werden.

Einmalige antike Sammlung

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Die Wasserburg Fürstenau

Und dann die gräfliche Familie derer von Erbach zu Erbach. Im Schloss der Kreisstadt kann eine wohl weltweit unvergleichliche Sammlung  antiker Statuen bewundert werden, jede einzelne davon ein Original. Vor einigen Jahren hat die hessische Landesregierung die Schätze den adligen Besitzern abgekauft und sie dadurch davor bewahrt, auf den internationalen Märkten versteigert zu werden. Die von Erbach zu Erbachs sahen sich nicht mehr in der Lage, mit eigenen Mitteln das Schloss und die dazu gehörenden Gebäude zu erhalten, zumal sie mit ihren Verwandten aus der Linie Erbach-Fürstenau nur einen Steinwurf entfernt im Michelstädter Ortsteil Steinbach noch eine weitere Burganlage vor dem Verfall bewahren müssen. Es handelt sich um die 1250 erstellte und im 16. Jahrhundert im Renaissance-Stil umgebaute, einstige Wasserburg Fürstenau – ursprünglich errichtet von Kur-Mainz zum Schutz seiner Besitzungen gegen Zugriffe der Würzburger Bischöfe.

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Die Einhards-Basilika

Doch damit noch nicht genug der geschichtsträchtigen Kleinodien. Wieder nur ein paar Meter sind es von Schloss Fürstenau bis zur sogenannten Einhards-Basilika. Das in reinster Romanik erhaltene Bauwerk ist eines der wenigen noch existierenden Zeugnisse karolingischer Architektur. Sein Erbauer war zu Beginn des 9. Jahrhunderts  Einhard, einer der wichtigsten Berater am Hofe Karls des Großen und, darüber hinaus, auch noch dessen Biograf. Freilich hielt es den früh-mittelalterlichen Gelehrten nicht lang in der odenwälder Einsamkeit. Er zog in das damals wohl schon belebtere Mulinheim an den Main. Das ist das heutige Seligenstadt – ganz recht, von wo heute täglich die Staus auf der Autobahn 3 gemeldet werden. Hier gründete Einhard erneut ein großes Kloster. Die Legende erklärt den Ortswechsel so: Einhard hatte „aus Sorge“ seinen Notarius Ratleik beauftragt, die in Rom liegenden Gebeine der Heiligen Marcellinus und Petrus Martyr zu „sichern“ und in den Odenwald zu bringen. Wer das mit dem Begriff „rauben“ übersetzen wollte, läge gewiss nicht falsch. Das gelang auch unter abenteuerlichen Umständen. Nicht lange Zeit nach dieser „Übersiedlung“ („translation“) hatte Einhard angeblich einen Traum, in dem die Heiligen weinten. Er deutete das als Trauer über den von ihnen als nicht angemessen emfpundenen Ort. Das reichte damals noch als Begründung für den Umzug ins heutige Seligenstadt, wo die Reliquien von Pilgern noch immer verehrt werden.

Ausflugsziele und Wanderungen

Beerfelden

Dreischläfriger Galgen bei Beerfelden

Für die Gestaltung eines erlebnisreiches Wochenendes würden schon die beschriebenen Orte ausreichen. Allerdings birgt der Odenwald noch weitaus mehr zum Sehen oder für Aktivitäten. Da wäre (grusel, grusel) zum Beispiel der Galgen bei Beerfelden. Oder der Siegfriedsbrunnen bei Grasellenbach, wo – der Sage nach – der „grimme Hagen“ aus dem Nibelungenlied dem heldenhaften Siegfried den tödlichen Stich versetzt und damit den Untergang der Nibelungen eingeleitet hat. Oder eine Entdeckungstour am Felsenmer oberhalb des Lautertals mit den riesigen Granitblöcken, von denen noch viele Zeichen der Arbeit römischer Steinmetze aufweisen. Oder ein Ausflug nach Darmstadt mit seinen Jugendstil-Baudenkmälern. Oder ins romantische Heidelberg, an die wein-fröhliche Bergstraße mit dem Fürstenlager im Bensheimer Stadtteil Auerbach, wo unter anderem Deutschlands höchster Mammutbaum bewundert werden kann. Oder vielleicht auf eine Wanderung über den Blütenweg, der sich von Darmstadt bis Heidelberg immer auf der Höhe entlang dem Westhang des Odenwaldes zieht und über Burgen und durch Weinberge führt. Wer Glück hat, kann dabei durchaus auf sangesfreudige Gruppen stoßen, die dem „Baum im Odenwald“ ein Ständchen bringen oder vielleicht auch  ein Hoch ausbringen auf den „Schluckspecht aus dem Odenwald“. Letzteres ist jedoch wohl abhängig von der Dauer der zuvor in einer Wirtschaft verbrachten Zeit…

Gisbert Kuhn

Infos:

Gästeinformation Michelstadt

Marktplatz 1

64720 Michelstadt

Tel: 06061 97941-10

Internet: touristik@michelstadt.de

 oder

bei den Geschäftsstellen des Odenwaldklubs, im Internet aufgeführt.

Anfahrt: Autobahn A 5 (Bergstraßen-Autobahn), Ausfahrt Weinheim, dann B 38 über Lindenfels sowie B 47 Reichelsheim bis Michelstadt,

oder

Ausfahrt Heppenheim und B 460 bis Lindenfels und weiter wie oben,

oder Ausfahrt Bensheim und B 47 bis Michelstadt.




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