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Cover oder Schirm?

Die Worte Buchmesse 2013, Frankfurt

Autoren geben Wörtern Farbe. Auf der Frankfurter Buchmesse waren es etwa 1500 Autoren. Mit ihnen und um sie herum lockten 3000 Veranstaltungen. Die Vermittlung des Wortes stand natürlich im Zentrum. Und sie findet in immer stärkerem Maße über das Event hinaus an der Schnittstelle Digital und Analog statt. Rund 7300 Aussteller aus 100 Ländern nahmen an der Präsentation tonnenschwerer Buchproduktion teil. Rund 276.000 Besucher konnten sich davon überzeugen, wie sich leichtfüßig die digitale Welt in die fast sakrale Printwelt einschleicht. Eine lautlose Revolution der Trägermedien, wohl eher nicht der geistigen Dimension.

Das Buch Frankfurter Buchmesse 2013

Keine Angst. Es gibt sie noch, die Fangemeinde der klassischen Buchkunst. Sie ist quicklebendig, wie die junge deutsche Autorin und Buchgestalterin Judith Schalansky beweist. Sie hatte sich Monate vor Veröffentlichung ihres Romans „Der Hals der Giraffe“ mit Schriftsatz, Papier und Leineneinband des Buches beschäftigt, um eine angemessene Form für den Inhalt zu finden. Dafür hatte sie 2012 – also im Vorfeld der Frankfurter Messe – von der Stiftung Buchkunst in Frankfurt den 1. Preis für „das schönste Buch“ erhalten.

Frankfurter Buchmesse 2013Das Lesen

Beim digitalen Lesen – insbesondere von Romanen und Krimis – steigt der Umsatz von E-Books in Deutschland voraussichtlich bis 2017 auf 852 Millionen Euro. Es steigt auch der Einfluss digitaler Großkonzerne auf das Leseverhalten der Menschen weltweit. Auf der Frankfurter Buchmesse war fast an jedem Stand zu beobachten, wie diskret und komplementär sich die traditionellen Print-Produkte mit den digitalen Endgeräten in der Hand von Ausstellern und Besuchern verbinden.

Der Übergang Frankfurter Buchmesse 2013

Ganz besonders die Jugend wurde angezogen von den Frankfurt Hot Spots und ihren Ausstellern: Dazu gehörten Datenmangement, neue Produktionsservices, Mobile Publishing, digitales Lernen oder Social Reading. Aber sie drängelten – oder lümmelten – sich auch in der großen, lichten Halle des diesjährigen Gastlandes Brasilien. Vor den teilweise mit Büchern bestückten riesigen Pappwaben wühlten sie sich in die bunten Matrazen ein, zückten ihre Smartphones und Tablet-PCs, diskutierten mit den Nachbarn, standen wieder auf und blättern in den analogen Büchern.

Frankfurter Buchmesse 2013, TschubelDer Markt

Vor allem in der Belletristik steht dem E-Book ein großes Wachstum bevor. So hat sich der Umsatz von E-Books in dieser Sparte in 2012 mit 144 Millionen Euro knapp verdreifacht. In diesem Jahr wird der Anteil am Gesamtverkauf von Belletristik etwa sechs Prozent betragen.

Und es kommen immer mehr neue E-Book-Lesegeräte auf den Markt. Ein gut getestetes Gerät hält hier rantlos.de-Mitarbeiter Dr. Klaus Tschubel in der Hand. Das Kobo Glo wurde „Computerbild-Test-Sieger“ im Vergleich mit sieben Produkten von anderen Herstellern. Besonders hervorgehoben wurden die einfache Bedienbarkeit über Touchscreen, die Unterstützung aller wichtigen Formate, die gut lesbare Anzeige inklusive Frontbeleuchtung für alle Lichtverhältnisse sowie die lange Akkulaufzeit und das robuste Gehäuse.

Frankfurter Buchmesse 2013Der Social Reader

Im Foto links ist noch die Atmosphäre eines Wohnzimmers mit Bücherwand eingefangen. Gemütlich. Die Vielzahl der Besucher darin  ist aber nur auf einer Messe möglich. Mit dem Pioniergeist und dem digitalen Wandel gehe auch ein „Wandel des Lesens“ einher, sagte Direktor Juergen Boos bei der Eröffnung der diesjährigen Frankfurter Buchmesse: „Lesen wird sozial. Es wird Teil eines Gesprächs, wird in das tägliche Leben integriert. Es entstehen viele persönliche Formen des Lesens, vielleicht genauso viele wie es Formen von Gesprächen gibt: still und konzentriert oder laut und übermütig.“

Der Mehrwert Frankfurter Buchmesse 2013

Wer heute ein Buch kauft, ist immer noch mehrheitlich „Papierkäufer“. Aber immerhin 13 Prozent davon lesen regelmäßig auch E-Books. Und es geht heute schon und erst recht zukünftig nicht nur um einfache Texte. Ein IDPF-Workshop in Frankfurt war denn auch überschrieben mit „Schön, schöner, E-Book“. Geboten wurde eine Gebrauchsanweisung für das Buch von morgen. Thematisiert wurden insbesondere Design und Typografie sowie die Möglichkeiten zum Erstellen komplexer und medial angereicherter E-Books.

Frankfurter Buchmesse 2013Die Standards

Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass jeder vierte Bundesbürger Bücher auch digital liest. Hier verankern die Oligopole des digitalen Publizierens technologische Standards. Und diese wiederum beeinflussen auch das Leseverhalten der Kunden bis hin zu den Endgeräten. Und so erhielt man auf der Messe nicht unbedingt ein komplettes analoges Buch geschenkt, aber schon eher mal einen Gutschein, über den der Interessierte sich mal ein Buch kostenlos auf sein Lesegerät herunterladen kann. Ein Gutschein lässt sich denn auch leichter beim langen Marsch durch die Hallen transportieren. Irgendwann fällt dann auch die Leinentasche weg, in denen das viele Papier eingesackt wird….

Die Synthese Frankfurter Buchmesse 2013

2,2 Prozent weniger Besucher als 2012 haben auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse die neue und alte Welt des Buches (analog oder/und digital) erleben, erlesen, erlaufen können. Schon an den drei Fachbesuchertagen kamen 143.000 Besucher. An den großen Fachkonferenzen gab es 3500 Teilnehmer aus 72 Ländern. Vor dem Hintergrund, dass 17 Prozent mehr ausländische Journalisten als im Vorjahr kamen, sprach Buchmesse-Sprecherin Katja Böhne von einem „Zeichen für die Interantionalisierung der Messe“. Ehrengast der Buchmesse 2014 ist Finnland (8. bis 12. Oktober 2014).

Text und Fotos: Dieter Buchholtz

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    Tags: für, prozent, so, noch, e-books, e-book, schon, großen, fast, eher




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