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Biken unter Strom

Mit dem e-Bike ist keine Steigung zu schwer

Die Welle rollt. E-Bikes sind kein Geheimtipp mehr, und am Berg steht das Radl richtig unter Strom. Auch die etwas älteren Sportbegeisterten freuen sich dann über hilfreichen Schwung in der Steigung. Längere Strecken lassen sich genussvoll und umweltfreundlich zurücklegen. Ein Blick in diese Biker-Welt.

Wir fiebern mit der schleichenden Entwicklung des Elektroautos, dabei kann es noch Jahrzehnte dauern, bis unserem Mobilitätsverhalten entsprechende und vor allem bezahlbare Modelle auf den Markt kommen. Der aufgeregte Diskussion um die angebliche Lösung aller Verkehrs- und Umweltprobleme lässt oft genug vergessen, dass ein funktionierendes Elektrofahrzeug längst hunderttausendfach auf unseren Straßen fährt: Die Rede ist vom E-Bike – einem Fahrrad, dessen Unterstützungsantrieb dem Fahrer einen erklecklichen Teil der Tretleistung abnimmt.

E-Bikes sind nichts Neues. In Asien dienen sie gleichzeitig als Verkehrsmittel wie als Statussymbol für jene, die auf dem Sprung vom Fahrrad zur motorisierten Fortbewegung sind. Hierzulande gibt es funktionierende Elektroräder seit rund 15 Jahren, doch so richtig „trendy“ wurden sie erst ab 2005. Fanden damals bundesweit 25.000 E-Bikes ihre Käufer, waren es 2008 bereits vier Mal so viele; in der Saison 2012 dürfte die 400.000-Stück-Marke geknackt worden sein. Experten rechnen damit, dass langfristig jedes fünfte in Deutschland verkaufte Rad ein E-Bike sein könnte, was gut 0,8 Millionen Exemplaren entspräche. Und seit Bosch, der Elektronik-Riese der Automotive-Branche, vor zwei Jahren einen eigenen E-Bike-Antrieb vorgestellt hat, der inzwischen tausendfach verbaut wurde, dürfte klar sein, dass das Thema nicht mehr nur ein paar mittelständische Radhersteller interessiert. Selbst Haushaltsgeräte-Spezialist AEG hat unlängst auf der Fahrradmesse Eurobike einen eigenen E-Bike-Motor vorgestellt.

E-Bikes mit drei Unterstützungsstufen

Hochleistungsantrieb am iBike
Foto: Bosch

Unterstützungsantrieb – wie funktioniert das? Der Clou beim E-Bike ist, dass der Motor nur dann arbeitet, wenn der Radfahrer selbst in die Pedale tritt. Beine hochnehmen und Gas geben wie beim Mofa läuft nicht. Die Elektronik misst, mit wieviel Leistung der Radler in die Pedale tritt, und gibt je nach Einstellung und Modell die entsprechende Motorkraft dazu. Die meisten E-Bikes bieten drei Unterstützungsstufen: In der Regel 50, 100 und 150 Prozent. Bringt der Radfahrer beispielsweise 120 Watt aufs Pedal, leistet der Motor zusätzlich zwischen 60 und 180 Watt. Übrigens: Eine Gesamtleistung von 300 Watt reicht aus, um gut trainierte Rennradfahrer am Berg stehenzulassen.

E-Bikes sind ziemlich unkomplizierte Fahrzeuge. Akku aufladen, anschalten und los – das Elektrorad muss weder umständlich zugelassen noch versichert werden, es darf ganz normal auf Radwegen bewegt werden und eine Helmpflicht gibt es auch nicht. Der Preis dieser rechtlichen Einstufung als Fahrrad ist jedoch, dass der Zusatzmotor nur 250 Watt leisten und bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützen darf. Wer schneller radeln will, muss die volle Antriebsleistung selbst erbringen – und hat gegenüber besagtem Rennradfahrer wieder das Nachsehen.

Beim E-Bike zählt es nicht, Temporekorde aufzustellen. Unterstützung im Kampf gegen den Wind und die Steigung, dass ist es, was sich die meisten Käufer versprechen. Radreisende können sich auch mit viel Gepäck an Bord an schwierige Strecken wagen; Berufspendler kommen nun nicht mehr nassgeschwitzt im Büro an. Und junge Eltern, die ihren Nachwuchs im Anhänger zum Kindergarten ziehen, erreichen auch ohne übermenschliche Anstrengungen rechtzeitig ihr Ziel. Ältere Fahrradfreunde oder solche, die aus Fitnessgründen wieder in die Pedale treten wollen, können ohne große Mühe landschaftlich schöne Strecken erkunden, die ihnen auf dem normalen Rad vielleicht nicht zugänglich wären.

Reichweiten mit Lithium-Ionen-Akkus bis 50 Kilometer

Daneben entscheiden sich auch immer mehr ambitionierte Radfahrer für ein E-Bike, zumal es eine immer größere Modellvielfalt gibt, die nun auch sportliche Konzepte bis hin zum vollgefederten E-Mountainbike umfasst. Egal, was man mit seinem E-Bike anstellt: Fahrspaß ist garantiert. Ein leichter Druck aufs Pedal, und schon schiebt der Antrieb nach vorne, ganz schnell erreicht man ein flottes Reisetempo und hat doch das Gefühl, sich kaum anzustrengen. Der Aha-Effekt stellt sich dann an der ersten Steigung ein. Am Berg kann der Motor seine ganze Kraft entfalten, ohne dass man in den Regelbereich der 25 km/h kommt. Der E-Biker hat die Wahl: entweder ohne merklich Anstrengung im gewohnten Tempo nach oben fahren oder mit dem gewohnten Kraftaufwand doppelt so schnell unterwegs sein…

Längst sind die hochwertigen E-Bikes mit langlebigen und leichten Lithium-Ionen-Akkus unterwegs. Sie erlauben Reichweiten um die 50 Kilometer und können bis zu 2000 Mal wieder aufgeladen werden können (Bosch-Elektrofahrrad). Abhängig ist das unter anderem vom Unterstützungsgrad und der Fahrstrecke. Bei aktuellen Modellen ist der Speicher je nach Kapazität in einer bis vier Stunden wieder voll – im günstigsten Fall kann ein Tourenradler die Fahrt nach der Mittagsrast mit vollem „Tank“ fortsetzen. Ohnehin steht man im Alltagseinsatz eigentlich nie ohne Strom da, liegen die durchschnittlich pro Tag zurückgelegten Strecken doch deutlich unter der maximalen Reichweite.

„Extra Energy“ liefert heimliche Qualitätskontrolle

Die moderne Speichertechnik, die aufwendige Steuerelektronik und der Antrieb selbst sorgen freilich dafür, dass E-Bike deutlich teurer sind als normale Fahrräder. Unter 1.500 Euro gibt es im Fachhandel nur absolute Einsteigermodelle; gute E-Bikes sind mit ab 2.000 Euro aufwärts rund zweieinhalb mal so teuer wie entsprechend ausgestattete Normal-Räder, dabei rund sechs bis sieben Kilo schwerer. Von Billig-Angeboten sollte man die Finger lassen:  Oft werden Exemplare aus asiatischer Produktion für einige Hundert Euro angeboten, die im Herstellerland nur einen Bruchteil kosten, technisch minderwertig sind und teils nicht einmal den hierzulande geltenden Bestimmungen entsprechen. Auch die Ersatzteilversorgung ist bei solchen Bikes ein Lotteriespiel. Längst gibt es Radhändler, die sich auf E-Bikes spezialisiert haben und unterschiedliche Marken und Modelle anbieten. Dort lassen sich die Unterschiede im direkten Vergleich „erfahren“. Unabhängige Informationen zu technischen Details und Messwerte finden Interessierte etwa in den Publikationen von „Extra Energy“, einer Organisation, die eine Art heimliche Qualitätskontrolle der Branche darstellt.

Wer beim kompetenten Radhändler am Ort ein E-Bike ausprobieren will, sei jedoch gewarnt: Nach der Testfahrt wieder auf ein unmotorisiertes Fahrrad umzusteigen, kann ernüchternd sein. So ernüchternd, dass man vielleicht schnell eine Kaufentscheidung trifft…

 

INFO

Was für Motoren gibt es?

Drei Antriebskonzepte lassen sich unterscheiden: Vorderradnabenmotor, Hinterradnabenmotor und Zentralantrieb. Nabenmotoren haben den Vorteil, dass sie keine speziellen Rahmenkonstruktionen erfordern; die damit ausgestatteten E-Bikes ähneln also am ehesten normalen Fahrrädern. Elektrifizierte Tourenräder etwa werden oft mit Vorderradnabenmotor ausgestattet; dann kann hinten eine Nabenschaltung verbaut werden. Ihr Nachteil: Kräftige Nabenmotoren können bei ungünstigen Straßenverhältnissen und in bestimmten Fahrsituationen, etwa an steilen Anstiegen, durchrutschen.

Hinterradnabenmotoren finden sich an vielen sportlichen E-Bikes. Sie bieten ein aufgeräumtes Bild, da die komplette Sensorik der Motorsteuerung ebenfalls in der Nabe steckt. Ein Nachteil ist, dass sie nur mit Kettenschaltungen kompatibel sind; je nach Positionierung des Akkus machen sie das Rad ziemlich hecklastig.

Mittelmotoren wie das bewährte Panasonic-System oder der Bosch-Antrieb sind schwerpunktgünstig um das Tretlager herum konstruiert. Die Motorkraft wird in den Tretantrieb eingeleitet, was ein kompliziertes Getriebe nötig macht. Die meisten Mittelmotoren können nicht mit Mehrfach-Kettenblättern wie am Mountainbike kombiniert werden, wodurch die Optionen bei der Gangschaltung etwas eingeschränkt werden.

Die Bedienung

Bordcomputer mit seperater Bedieneinheit
Foto: Bosch

An der Steuereinheit am Lenker lässt sich der Grad an Unterstützung einstellen und der Ladestand des Akkus kontrollieren. Hochwertige E-Bikes sind mit einem Display versehen, das außerdem die Funktionen eines Fahrradtachos übernimmt und zum Teil genau anzeigt, wie stark der Motor gerade unterstützt. Einige Modelle bieten einen zuschaltbaren „Rekuperationsmodus“: Dann arbeitet der Antrieb als Generator und lädt in geringem Umfang den Akku auf. Dabei wirkt er wie eine Motorbremse, die man in der Abfahrt nutzen kann, um die Bremsen zu schonen und nicht zu schnell zu werden.

 

Kleines E-Bike-ABC

Akku

Moderne E-Bikes fahren mit Lithium-Ionen-Akkus, die um die 3,5 Kilo wiegen. Bei den allermeisten Modellen ist der Stromspeicher abnehmbar und steckt entweder unter dem Gepäckträger oder zwischen Sitzrohr und Hinterrad. Li-Ion-Akkus kennen keinen Memory-Effekt und vertragen Hunderte von Ladezyklen; ihre Lebensdauer kann allerdings durch die richtige Handhabung verlängert werden: So sollten sie nie komplett entleert werden, stattdessen sollte man den Akku nach jeder Fahrt wieder ans Stromnetz hängen.

E-Bike

Ein Fahrrad mit elektrischem Unterstützungsmotor, der nur dann wirkt, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, und eine maximale Nennleistung von 250 Watt hat. Der Zusatzantrieb unterstützt bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h, wobei der Gesetzgeber zehn Prozent Toleranz gewährt; über diese Geschwindigkeit hinaus muss der Fahrer die komplette Antriebsleistung selbst erbringen.

Fahrradhelm

Auch wenn es für 25-km/h-E-Bikes keine Helmpflicht gibt, empfiehlt es sich, angesichts der zügigen Geschwindigkeiten einen Kopfschutz zu tragen. Neuerdings geht das Bundesverkehrsministerium für schnelle, zulassungspflichtige Modelle (bis 45 km/h) allerdings von einer Helmpflicht aus – weil sie Krafträder sind, muss genau genommen sogar ein Motorradhelm getragen werden.

Pedelec

„Pedal Electric Cycle“, ein anderes Wort für E-Bike. Der Begriff stammt aus der Zeit, da man unter „E-Bike“ noch eine Art Elektromofa verstand.

Reichweite

Auf dem iBike sollte man Helm tragen

Wie viele Kilometer sich mit elektrischer Unterstützung zurücklegen lassen, hängt stark vom gewählten Unterstützungsgrad, der Strecke und der Fahrweise ab, außerdem von der Kapazität des Akkus. Diese wird in Wattstunden (Wh) angegeben – eine Kapazität von 360 Wh etwa bedeutet, dass die gespeicherte Energie für drei Stunden Fahrt mit 120 Watt Unterstützungsleistung reicht. Die durchschnittlichen Tagesstrecken können von so ziemlich jedem E-Bike mit einer Akkuladung bewältigt werden; bei längeren Bergfahrten geht den meisten Modellen jedoch nach 15 bis 20 Kilometern der Saft aus.

Schnelle Klasse

Bei den schnellen E-Bikes unterstützt der Antrieb bis maximal 45 km/h. Voraussetzung ist eine Zulassung (Mofakennzeichen), außerdem muss der Fahrer einen Führerschein besitzen, mindestens die Mofa-Fahrerlaubnis. An schnellen E-Bikes müssen Rückspiegel sowie seitliche Reflektoren angebracht sein. Wenn der Antrieb eingeschaltet ist, dürfen schnelle E-Bikes nur auf Radwegen gefahren werden, die auch für Mofas freigegeben sind. Außerdem besteht, wie oben erwähnt, laut Gesetzgeber eine Helmpflicht – zumindest theoretisch, zumal es noch keine Gerichtsurteile zu dem Thema gibt.

Tretfrequenz

E-Bikes dosieren die Unterstützungsleistung nicht nur analog zum Krafteinsatz des Fahrers, sondern reagieren auch auf seine Tretfrequenz. Viele Modelle sind auf den eher ruhigen Tritt eines Tourenfahrers abgestimmt (um die 70 U/min); wenn man schneller tritt, lässt die Unterstützung nach. Es gibt jedoch auch E-Bikes, die unabhängig von der Tretfrequenz unterstützen. Manche Hersteller bieten unterschiedliche Motorabstimmungen an, je nachdem, ob der Kunde lieber ruhig tritt oder sportlicher mit 80 bis 90 U/min.

Unterstützungsgrad

In der Regel stehen drei Einstellungen für die Antriebsunterstützung zur Verfügung; üblich sind 50, 100 und 150 %. Die maximale Reichweite erhält man beim niedrigsten Unterstützungsgrad. Die Messelektronik des Antriebs ermittelt, wie viel Kraft der Fahrer aufs Pedal gibt, und regelt die Motorunterstützung entsprechend dazu.

Die moderne Speichertechnik, die aufwendige Steuerelektronik und der Antrieb selbst sorgen freilich dafür, dass E-Bike deutlich teurer sind als normale Fahrräder. Unter 1.500 Euro gibt es im Fachhandel nur absolute Einsteigermodelle; gute E-Bikes sind mit ab 2.000 Euro aufwärts rund zweieinhalb mal so teuer wie entsprechend ausgestattete Normal-Räder, dabei rund sechs bis sieben Kilo schwerer. Von Billig-Angeboten aus dem Internet sollte man tunlichst die Finger lassen: Oft werden Exemplare aus asiatische Produktion für einige Hundert Euro angeboten, die im Herstellerland nur einen Bruchteil kosten, technisch minderwertig sind und teils nicht einmal den hierzulande geltenden Bestimmungen entsprechen. Auch die Ersatzteilversorgung ist bei solchen Bikes ein Lotteriespiel.

Kaspar Gebel

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    Tags: für, e-bikes, man, so, euro, bosch, hat, gibt, e-bike




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