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Träume erfüllt

Hat der Übergang vom Berufsleben in den sogenannten Ruhestand ihr Leben verändert? Haben jene, denen dieser Einschnitt noch bevorsteht, Sorge, vielleicht sogar Angst davor? Oder schaut der Eine oder die Andere möglicherweise auch mit gespannter Erwartung auf das “Abenteuer Rente”? rantlos hat ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen gefragt. Die Antworten sind entsprechend verschieden ausgefallen. Wir veröffentlichen sie in zeitlich kurzen Abständen.

Dr. Hans Angermeyer (Jahrgang 1945)

Für seinen Werdegang waren die folgenden Aufgabenstellungen richtungsweisend:

Studium der Literaturwissenschaften, Philosophie und Kunstgeschichte bis 1970

Berater und Führungskraft in der IBM Deutschland bis 1981

Geschäftsführung der GMO-Gesellschaft für Management und Organisation bis 1991

Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Organisation e. V. bis 1996 (ehrenamtlich)

Ständiger Managementberater seit 1992

 

Dr. Hans Angermeyer
©sepp spiegl

rantlos:  Hat sich der Übergang vom Berufsleben in den “Ruhestand” bei Ihnen “klassisch” (also mit Erreichen der Altersgrenze) vollzogen, oder sind Sie – selbstbestimmt, über Altersteilzeit, gesundheitsbedingt –  vorzeitig gegangen?

Angermeyer: Ich habe den Übergang langfristig geplant. Nachdem ich mich 1992 selbständig gemacht hatte, wollte ich immer nur noch einen bestimmten, und zwar selbstbestimmten, Teil meiner Zeit produktiv arbeiten; meine Ausrichtung als Managementcoach ließ dieses tageweise Arbeiten gut zu – auch finanziell. Als gesundheitliche Probleme in der Familie ab 2003 immer mehr zunahmen, war dies eine sehr gute Basis, den neuen Herausforderungen zeitflexibel begegnen zu können. Immerhin hat sich diese “Übergangsphase” über einen Zeitraum von fast zehn Jahre hingezogen. 

rantlos: Hatten Sie Sorgen vor dem neuen Lebensabschnitt. Etwa Angst vor dem “schwarzen Loch” oder die Befürchtung, nicht mehr gebraucht und zum “alten Eisen” geworfen zu werden?

Angermeyer: Da ich das Glück hatte, diesen Weg über einen langen Zeitraum selbst beeinflussen zu können, hatte ich vorher wenig Befürchtungen. Als es dann aber doch so weit war, gab es ehrlicherweise schon mal depressive Phasen. Aber eines war klar: Ich wollte niemals zurück in meine alte Tätigkeit. Ein Beleg dafür ist, dass ich in meinem Lebenslauf  ja immer neue Dinge probiert hatte.

rantlos: Haben sich Sorgen bewahrheitet? Oder haben Sie – im Gegenteil – neue Freiheiten und bis dahin ungekannte Möglichkeiten erfahren?

Angermeyer: Ich glaube, dass mit zunehmendem Alter die Phasen, in denen man sich Sorgen macht,  zunehmen. Dazu trägt auch bei, dass im Umfeld Schicksalsschläge näher kommen. Die neuen  zeitlichen Freiheiten ließen sich bei mir gestalten mit Golf- und Gitarrespielen. Für die Wintermonate habe ich mein Hobby – Modelleisenbahn – ausgebaut. Und ich habe wieder Freude am Lesen. Aber so richtig was Neues ist mir noch nicht über den Weg gelaufen. Doch wer weiß…

rantlos: Hatten Sie sich gezielt auf die bevorstehenden Veränderungen vorbereitet? Wenn ja – allein, mit der Familie, mit Freunden oder professionellen Beratern?

Angermeyer: Ich habe mir ja schon vor langer Zeit einen solchem Umstieg aus dem Berufsleben vorgestellt und entsprechend auch die finanziellen Voraussetzungen dafür geschaffen. Unser Haus war abbezahlt, Rücklagen waren gebildet. Ich habe meine damalige Bankberaterin sicherlich genervt, wenn ich immer wieder meine Hochrechnungstabelle für das künftige Monatseinkommen zum Gespräch mitbrachte. Aber ich habe das ziemlich alleine durchgezogen.

rantlos: Welchen Stellenwert hatte “die Arbeit” früher in Ihrem Leben eingenommen?

Angermeyer: Ich habe die oben beschriebenen Arbeitsabschnitte, die damit verbundenen verschiedenen Aufgaben, immer sehr gerne, mit vollem Engagement und meist auch mit gutem Ergebnis gemeistert. Mir war immer sehr wichtig, dass Arbeiten mit Menschen auch zu gemeinsamen Erfolgserlebnissen führten. Gute Ergebnisse setzen gemeinsames Tun unter guter Führung voraus. Das führt aber auch heute bei Gesprächen über Familiengeschichten zu Bemerkungen meiner Kinder: “Das weißt Du doch nicht. Damals warst Du doch gar nicht da”.

rantlos: Hatten Sie vielleicht einen Lebenstraum, den Sie sich jetzt erfüllen konnten?

Angermeyer: Ich habe mir viele Träume schon im Berufsleben erfüllen können, z. B. dass mir Menschen positive Rückmeldungen gegeben haben. Vereinzelt passiert das noch heute in speziellen Situationen.

rantlos: War der Eintritt in den Ruhestand mit – möglicherweise sogar deutlichen – finanziellen Einbußen verbunden?

Angermeyer: Wie schon angedeutet, hatte ich die finanzielle Entwicklung immer im Auge. Daher war es kein finanzieller Rückschritt. Aber das mit dem zusätzlichen “Taschengeld” geht jetzt von der Substanz.

rantlos: Ohne Zahlen zu nennen – wie setzen sich strukturell Ihre jetzigen Einkünfte zusammen? Z. B. Rente/Pension, Immobilienbesitz, Miteinnahmen, Aktien und Anlagen…?

Angermeyer: Da wir beide – meine Frau und ich – berufstätig waren, kommen hier verschiedene Beträge zusammen, die sich zu einem ordentlichen Monatsbetrag summieren. 2/3 sind erworbene Pensions-/Renten- und Betriebsrentenansprüche. 1/3 sind Auszahlungen von Lebensversicherungen. Unser Haus in Bonn gehört uns schuldenfrei. Für die Extras greifen wir auf ein Depot von verschiedenen Anlagen, die zu einem nicht geringen Teil  im “Oikocreditbereich” liegen, zurück.

rantlos: Wie schätzen Sie Ihre jetzige Lebenssituation ein? Sehr gut, gut, ausreichend, schlecht?

Angermeyer : Das kann ich nicht mit einer Note beantworten. Natürlich geht es mir, bezogen auf die obigen Fragen, zwischen gut und sehr gut. Wenn ich jedoch an die Schattenseiten meiner Lebenssituation denke, geht es mir eher ausreichend.

rantlos: Was erwarten Sie, mit Blick auf die Zukunft, von “der Politik”?

Angermeyer: Die vordergründige Erwartung ist, dass die Politik sicherstellt, dass das erarbeitete Kapital nicht wesentlich vernichtet wird, denn es kommt ja nichts mehr hinzu. Wichtiger allerdings ist, dass wir wegkommen von den unsinnig steigenden Belastungen der jetzt arbeitenden jungen Generation und es ihr ermöglichen, annähernd Perspektiven aufzubauen, wie wir sie zum Glück hatten.

 

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