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Rechtsschutzversicherung – sinn- voll ?

Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand. Das sagt nicht nur der Volksmund. Ganz so ist es zwar nicht. Jedoch steckt darin ein wahrer Kern: nicht selten ist der Ausgang eines Rechtsstreites ungewiß. Und beschreitet man erst einmal den Gerichtsweg, kommen oft nicht unerhebliche Kostenrisiken auf den Rechtssuchenden zu. Da kann sich beruhigt fühlen, wer eine Rechtsschutzversicherung hat.

Erstberatung

rechtsschutzDoch Kosten fallen auch schon vor dem Gang zum Gericht an. Wer ein juristisches Problem hat ist als Rechtslaie schlecht beraten, wenn er meint, der Blick in den Gesetzestext einer entsprechenden Taschenbuchausgabe oder auch in die vom Bundesjustizministerium online gestellten Gesetze allein würde den Fall schon klären. Der Gang zum Anwalt ist da der bessere Weg und sei es auch nur, um eine fachlich fundierte Einschätzung der Rechtslage zu erhalten. Etwa im Rahmen einer Erstberatung. Aber auch die kostet natürlich Geld. Das Rechtsanwaltsvergütunsgesetz bestimmt, daß der Rechtsanwalt für ein erstes Beratungsgespräch „höchstens“ 190 EUR verlangen darf – wenn keine individuelle Honorarvereinbarung getroffen ist. Dann darf der Anwalt auch eine höhere Gebühr verlangen. Natürlich geht es auch günstiger. So werden telefonische Beratungen angeboten, die nach Minuten abgerechnet werden, z.B. „1,99 Euro je Minute“. In sehr einfachen Fällen kann so eine telefonische Beratung ausreichen. Oft sind jedoch Dokumente oder Schriftwechsel zu prüfen. Die müßte der Anwalt schon einsehen können, um ausreichenden und seriösen Rat erteilen zu können. Da ist das persönliche Beratungsgespräch in einer Kanzlei mehr oder weniger unumgänglich.

Natürlich geht eine Erstberatung auch günstiger. Da wird angeboten: Erstberatung für 50 Euro. Hier muß man selber für sich entscheiden, ob Discount-Preise eine angemessene Beratungsleistung erwarten lassen können. Sollte eine solche Erstberatung z.B. eine Stunde Zeit erfordern: welcher Anwalt kann von einem solchen Stundensatz wirklich leben? Schließlich hat er einen Kanzleibetrieb mit Angestellten zu finanzieren, bevor er den ersten Euro selber verdient, wovon er dann noch Steuern und seine eigene Krankenversicherung bezahlen muß. Die rheinische Faustregel „Watt nix kost is nix“ sollte nicht ganz außer Acht gelassen werden.

Hohe Kostenrisiken

Teurer wird es dann für den Ratsuchenden, wenn eine umfassendere Rechtsprüfung erforderlich ist, die weder am Telefon, noch in einem Beratungsgespräch von 30 oder 60 Minuten abgehandelt werden kann. Und richtig teuer wird es dann schnell, wenn der Gang zum Gericht unabweisbar ist, um seine Interessen durchzusetzen und wenn der Streitwert hoch ist. Dann steigt auch das Kostenrisiko und geht schnell in die Tausende. Ist man selber in der Position Klage vor einem Zivilgericht erheben zu müssen, sind die Gerichtsgebühren zunächst einzuzahlen, bevor das angerufene Gericht die Klage zuläßt. Der Anwalt wird ebenso einen Kostenvorschuß verlangen, bevor er die Klage erhebt. Im schlechtesten Fall, d.h. im Falle des Unterliegens vor Gericht müssen die eigenen Anwaltskosten getragen werden, die Gerichtsgebühren und auch noch die Kosten des gegnerischen Anwaltes.

Auswahlkriterien

Wer über eine Rechtsschutzversicherung verfügt, die die Anwalts- und Prozeßkosten übernimmt, ist, jedenfalls was die Kosten angeht, auf der sicheren Seite. Wer noch nicht über eine solche Versicherung verfügt, sollte sich angesichts der heute vielfach bestehenden rechtlichen Risiken im Alltag also überlegen, eine solche abzuschließen – auch als Privatperson.

Rechtsschutzversicherungen gibt es für Verbraucher in vielen Variationen und Kombinationen. Es gibt Policen, die mit breitem Leistungsspektrum oder solche, die auf ein oder nur bestimmte einzelne Rechtsgebiete zugeschnitten sind. Angesichts der Alltagsrisiken ist für den Durchschnittsverbraucher Rechtsschutz für Straßenverkehr, allgemeines Vertragsrecht, Mietrecht (für Mieter wie private Vermieter gleichermaßen), Arbeitsrecht, Verwaltungsrechtsschutz, Online-Rechtsschutz oder der Verwaltungsrechtsschutz im Privatbereich empfehlenswert.

Bei der Wahl der Rechtsschutzversicherung sollte zudem darauf geachtet werden, ob der Anwalt frei gewählt werden kann oder zwingend aus einer Anwaltsliste des Versicherers gewählt werden muss. Die Höhe der Versicherungssumme ist wichtig. Sie sollte möglichst unbegrenzt sein. Und der Rechtsschutz sollte nicht nur für gerichtliche Verfahren bestehen, sondern auch für außergerichtliche Streitigkeiten mit der Gegenseite Seite oder gegenüber Ämtern und Behörden.

Wartezeit bei einer neuen Versicherung

Bei vielen Versicherungspolicen gelten Wartezeiten. Für die Dauer der Wartezeit kann die Rechtsschutzversicherung für einen bestimmten Zeitraum nach Versicherungsabschluß noch nicht in Anspruch genommen werden. Zumeist gilt eine Wartefrist von drei Monaten. Damit schützen die Versicherer davor, daß eine Rechtsschutzversicherung gezielt für die Finanzierung eines Rechtsstreites abgeschlossen wird, der kurzfristig bevorsteht oder bereits anhängig ist. Für Reise-, Verkehrs- oder Mietrechtsschutz gilt eine solche Wartezeit oft nicht. Das ist bei dem jeweiligen Versicherer vor Abschluß eines Vertrages unbedingt zu prüfen.

Es gibt überflüssige, unsinnige aber auch sinnvolle Versicherungen. Eine Rechtsschutzversicherung zählt unbedingt zu Letzteren.

Dietrich Kantel





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