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XXL-Loft für Fotobücher

Kurz vorweg

Eine Show der besonderen Art startete gerade im neuen Kölner Photobook-Museum. Im ehemaligen Mülheimer Industrieviertel öffnen sich alte Fabrikhallen für eine visuelle Diskussion mit Bildergeschichten. Ein Museumsloft auf Zeit.

Inszenierte und beobachtete Fotogeschichten

fotobuch

Polizeiwagen (Chevrolet Impala, 1965) vor Straßenszene in L.A. von Stephan Shore                   Foto: D. Buchholtz

Es ist nicht gerade leicht zu finden, das Photobook-Museum in Köln-Mülheim. Inmitten dieses alten Industrieviertels liegt es ziemlich versteckt. Heute teilen sich hier Firmen, Agenturen, Kulturbetriebe und nicht zuletzt das Kölner Schauspiel alte, aber überwiegend restaurierte Fabrikhallen. Dazwischen immer wieder mal ein Kiosk, ein italienisches Restaurant oder einfach eine Kantine. Wir passieren ehemalige Kabelwerke, entdecken den Hinweis auf das frühere Kupferwerk und – noch zweimal um die Ecke – stehen wir vor einem großen geöffneten Hallentor.  Hier wartet eine ungewöhnliche Fotoshow in 14 Containern und Exponaten an hohen und rohen Hallenwänden.

Geleitet durch Vorinfomationen lassen wir uns in die Tiefe der Halle hineinziehen. Hier parkt ein ehemaliger County-Police-Wagen (Chevrolet Impala, 1965) vor dem berühmten Straßenkreuzungsfoto, das Stephen Shore 1975 in Los Angeles aufgenommen hat. Ein weiteres Großprojekt in diesem sogenannten Carlswerk ist der Nachbau der Reeperbahnkneipe “Café Lehmitz” (1978).

Weltweit einziges und erstes Fotobuchmuseum

Der Rest aber der Foto-Exponate erobert sich den Besucher nicht mehr makro- sondern mikroskopisch – anstrengend. Denn hauptsächlich werden nun kleinformatige Geschichten erzählt – Fotobücher eben. Hier überwiegen das kleine Drama, die menschliche und zuweilen kulissenhafte Tristesse unseres Lebens, das serielle Beobachten von Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen. Da wird dann auch nicht das unendliche Shooting von zwei mehr oder minder bekleideten Männern ausgespart. Übrigens ist nach Aussagen der Veranstalter (Photoszene-Köln und die Kölner Schaden.com Foundation) diese Show “das weltweit erste und einzige Museum, das ausschließlich dem Fotobuch gewidmet ist”. Präsentiert wird die international ausgerichtete Expo auf über 5000 Quadratmetern mit Teil-Ausstellungen und PhotoBookStudies.

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Zwischen Projektion und inszenierter Flachware Foto: Dieter Buchholtz

Sich in die Flachware an den ummusealen Wänden “einzulesen”, braucht viel Zeit und Mühe die Botschaften herauszufiltern. Gleiches gilt für das Durcharbeiten zahlreicher und teilweise sehr herausragender Fotobücher. Sie liegen u.a. am Ende der Halle auf großen Kisten für jedermanns Einsicht. Hier verbirgt sich durchaus hervorragende Qualität. Hier kann der Fotointeressierte stundenlang abtauchen in die Ablichtungen einer großen Bandbreite von Sujets.

Sich einfach reinziehen lassen

Konkret: Im riesigen und dunklen Untergeschoss: Chargesheimer Reloaded 5 Uhr 30 (Aktion bezieht sich auf das 1970 veröffentlichte Fotobuch des Kölner Fotografen Chargesheimer). Hier werden in langen Fotofahnen depressive Blicke auf eine menschenleere und vom Wiederaufbau zum zweiten Mal zerstörte Stadt gezeigt. Bibliothek der Fotobücher: Die mehr als 300 Fotobücher liegen zum Anfassen und Blättern bereit. Mehr als 25 Präsentationen gleichzeitig. PhotoBookStudies in rekonstruierten Originalschauplätzen: Hierzu zählen auch das genannte Lehmitz Café, die La-Brea-Kreuzung in Los Angeles. Konzept: Nach der Carlswerk-Edition (erste Phase) besteht die zweite Phase von The PhotoBookMuseum aus einer weltweiten Tournee der Carlswerk- Edition in modifizierter Fassung. Danach wird The PhotoBookMuseum online präsent sein (dritte Phase). Ab 2016 soll The PhotoBookMuseum schließlich einen festen, permanenten Ort beziehen.

Unterm Strich: Wer die herrliche Ästhetik eines Hochkulturmuseums sucht, ist in dieser “rauhen” Kulturwelt am falschen Ort. Wer sich für ungewöhnliche Konzepte, für Alternatives, für andere Perspektiven begeistern kann, sollte sich in diesen alten Industrieprospekt und insbesondere in die Photobuchhalle reinziehen lassen.

Dieter Buchholtz

 

Info

Das PhotoBookMuseum im Carlswerk

Ehemaliges Kupferwerk

Schanzenstraße 6-20

51063 Köln-Mülheim

Geöffnet bis 3.Oktober 2014

Öffnungszeiten Di bis D und So von 10 bis 18 Uhr; Fr und Sa von 10 bis 20 Uhr (Café Lehmitz bis 23 Uhr)

Eintritt: 10 €  (ermäßigt 5 €)

 

 




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