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Unvergessen – meine erste (Motor) Liebe

Die Erinnerung, die einen das ganze Leben nie verlässt

Sieg in Monaco beim Grand Prix 1960 - Stirling Moss mit dem Königspaar Prinz Rainier III und Gracia von Monaco © Moss

Sieg in Monaco beim Grand Prix 1960 – Stirling Moss mit dem Königspaar Prinz Rainier III und Gracia von Monaco © Moss

Erinnerungen sind Begleiter unseres Lebens. Je mehr die Zahl der Jahre zunimmt, desto größer der Berg der Reminiszenzen. Das ist ein Naturgesetz. Aber das Gedächtnis speichert die zurückliegenden Ereignisse keineswegs alle in gleicher Schärfe. Namen sind verloren gegangen, sowohl von Menschen als auch von Orten. Ereignisse – schöne, schlimme, dramatische – werden in der Rückschau mehr und mehr konturlos. Das ist auch gut so, weil es hilft, böse Erlebnisse zu verarbeiten. Nur eines ist (egal welchen Geschlechts) Allen messerscharf präsent und jederzeit abrufbar – die Geschichte von und mit dem ersten Auto. Zumindest jedenfalls bei denen, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts groß geworden sind.

Kaum jemand hat dieses Phänomen auf eine so kurze und doch treffende Formel gebracht, wie die britische Rennfahrer-Legende Stirling Moss, inzwischen auch schon 85 Jahre alt. „Das erste Auto vergisst man ebenso wenig wie seine erste Frau“, sagte der Mann einmal, der in den 1950-er und 60-er Jahren, zusammen mit Juan Manuel Fangio, die Hochgeschwindigkeits-Pisten auf den Kontinenten beherrschte. Ob diese Erkenntnis auch für die jetzigen und künftigen Generationen Bestand haben wird, ist schwer vorauszusagen. Denn – anders als vor 50, 60 oder gar 70 Jahren – ist der Besitz eines Automobils heute selbstverständlich, der Umgang damit (von einigen wenigen, ganz besonderen Typen vielleicht abgesehen) viel emotionsloser geworden. Längst hat die Benzinkutsche ihre einstmals unbestrittene Rolle als Statussymbol verloren und ist stattdessen ins Zentrum höchst kontroverser Auseinandersetzungen um Klimaschutz und Ressourcen-Verschwendung gerückt.

Der Pfau mit dem Lenkrad   

Natürlich gilt das nicht für (bitte, wörtlich nehmen) Jeder-Mann. So mag man die Beobachtung der großen italienischen Schauspielerin Anna Magnani zwar als recht zugespitzt belächeln. Aber es steckt doch häufig mehr als nur ein Quäntchen Wahrheit dahinter, wenn sie sagt: „Ein Mann am Steuer ist ein Pfau, der sein Rad in der Hand hält“. Und der Schwabe lässt – aller gesellschaftskritischer Dispute zum Trotz – nach wie vor nichts auf „mei heiligs Blechle“ kommen. Trotzdem meint man in dem Satz des doch immer noch mitten im Leben stehenden einstigen Rennfahrers Walter Röhrl eher eine Stimme aus vergangener Zeit zu hören: „Man kann ein Auto nicht behandeln wie ein menschliches Wesen. Ein Auto braucht Liebe“.

Roehrl

Walter Röhrl

Mit Weisheiten wie dieser wäre Röhrl vor 50 Jahren ganz gewiss auf ziemlich viel Zustimmung gestoßen. Damals mahnten hierzulande ja wohl auch nicht grundlos Ärzte, Hygieniker und Dentisten die Notwendigkeit von Körper- oder Mundpflege mit der drastischen Bemerkung an, manche Leute putzten leider ihren Wagen häufiger als sich und ihre Zähne. Ja, früher… „Früher“, meint die französische Schauspielerin Francoise Arnouille sarkastisch, „fuhr man dorthin, wo es etwas Schönes zu sehen gab. Heute fährt man dahin, wo man einen Parkplatz findet“. Na klar, früher gab es ja keine verstopften Autobahnen (es gab überhaupt viel weniger Autobahnen), die Städte und die Straßenränder boten Parkplätze in Hülle und Fülle, Parkuhren als Finanzierungshilfe klammer Kommunen wurden erst in den 60-er Jahren erfunden. Und der Sprit kostete vor einem halben Jahrhundert als „Normal“ nicht mal 50 Pfennig. Obwohl: Die damaligen Einkommen und die Kaufkraft auf die aktuellen Verhältnisse umgerechnet, lässt den seinerzeitigen „Fuffziger“ keineswegs mehr so billig erscheinen…

Was für Namen!!!

Dass die ältere Generation blanke Augen bekommt, wenn die Rede auf das „erste Auto“ kommt, hat natürlich Gründe. Gewiss nicht nur in Deutschland, aber vor allem hier, ist das Motorgefährt d a s Symbol schlechthin für das Auferstehen aus den Kriegsruinen, für zunehmenden Wohlstand, Mobilität mit ersten Auslandsreisen – kurz: für das Wirtschaftswunder. Und was tauchten da ab Ende der 40-er Jahre für kuriose Fahrzeuge auf den Straßen auf. Exotische Wägelchen mit Motoren, die eigentlich für Kettensägen konstruiert worden waren. Namen, die keiner (zumindest aber kaum jemand) mehr kennt. Wer weiß, zum Bespiel, noch etwas mit dem „Kleinschnittger“ anzufangen? Jener, im westfälischen Arnsberg gebauten, zweisitzigen Roll-Maus ohne Türen und ohne Rückwärtsgang. Wollte man wenden, wurde der Winzling (170 Kilogramm Gesamtgewicht, 6 PS mit Seilzug zu starten) einfach vorn angehoben und umgedreht.

Goggomobil_480p

Die deutsche Firma Glas stellte von 1955 -1969 ein „Rollermobil“ auf vier Räder. Dieses Kleinstauto durfte damals mit dem Motorradführerschein gefahren werden.

Oder die Kabinenroller, wahlweise mit einem oder zwei Heckrädern, die aus den einstigen Flugzeugwerken von Messerschmitt und Heinkel rollten. Man stieg durch das zur Seite geklappte Dach ein, saß hintereinander, und der Lenker glich dem Steuerhorn eines Bombers. Es gab – wenig erfolgreich – das Fuldamobil mit nur einem Heckrad, das so aussah wie ein kleiner Wohnwagen mit Nase. Außerdem den Zündapp „Janus“, frontal und rektal zu besteigen und mit den Rücken gegeneinander zu „besitzen“. Und auch noch den Gutbrod Superior, den Victoria „Spatz“ und, und, und… Ganz zu schweigen von den lange Jahre außerordentlich erfolgreichen Goggomobilen des genialen (aber leider nicht wirtschaftlich kalkulierenden) Dingolfinger Konstrukteurs Hans Glas.

Geniale Konstrukteure, schlechte Kaufleute

Mit diesen Straßenflöhen verbinden sich Erinnerungen an die ersten Ferienreisen nach dem Krieg. Unglaublich, was da alles an Gepäck untergebracht wurde. Und dazu oft noch die ganze Familie. Zumindest, wenn man sich bereits einen Käfer leisten konnte. Natürlich meistens noch nicht die Ausführung „Export“, sondern allenfalls den „Standard“ mit Seilzugbremsen, ohne synchronisiertes Getriebe und daher Zwischengas-„pflichtig“ beim Schalten. Könner legten hier ihren ganzen Ehrgeiz in das Kunststück, ohne zu kuppeln nur nach dem Motorgeräusch den Gang zu wechseln. Weitere legendäre Namen gefällig? Borgward in Bremen baute wunderbar schöne und technisch exzellente Autos. Angefangen vom einfachen „Leukoplastbomber“ Lloyd 500 bis zu der atemberaubend schönen „Isabella“ und dort besonders der zweisitzigen Coupé- und Cabrio-Version. Auch hier leider: Genialer Konstrukteur, aber schlechter Kaufmann. Ebenalls klangvolle Namen schließlich: DKW/Auto-Union und NSU mit dem eigentlich in die Zukunft weisenden Ro 80, dessen Wankelmotor dummerweise noch sehr anfällig war. Und der spritzige „Prinz“…

Erinnerung, heißt es, sei eine Form der Begegnung. Das gilt auch – vielleicht sogar besonders – für die Rückschau auf sein erstes Auto. Ist mit dem Fahrzeug nicht häufig genug auch die Geschichte der eigenen Familie verbunden? Wen überschwemmen denn, zum Beispiel, selbst noch im fortgeschrittenen Alter nicht fröhliche Gedanken an die wunderbare durchgehende vordere Sitzbank beim Ford 12 M (mit und ohne Weltkugel) oder dem Opel Olympia ?

Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen!

Wir, die Redakteure von rantlos, haben gleichfalls unsere Gedanken zurückschweifen lassen – eben zu unserem jeweils ersten Auto. Die Ergebnisse werden wir Ihnen in lockerer Folge präsentieren – Erinnerungen an Freuden, Spannungen, Abenteuer, Lebensumstände mit dem „liebsten Spielzeug der Deutschen“ in einer Zeit, die mitunter unendlich weit entfernt zu liegen scheint von unserer heutigen, digitalisierten Gegenwart. Aber gehören Sie denn nicht auch dazu? Bestimmt! Geben Sie doch ebenfalls Ihren Erinnerungen freien Lauf?

Schreiben Sie uns ihre Erlebnisse mit dem ersten Auto und lassen Sie die vielen rantlos-Leser teilhaben. Schicken Sie uns Ihre Geschichten!

Gisbert Kuhn

Tipp:

Wer seine eigene Erinnerung an das erste Auto noch zusätzlich ein bisschen schärfen möchte, sei der Besuch eines der wirklich guten Automobilmuseen empfohlen, die es in Deutschland und unweit jenseits unserer Grenzen gibt. Hier einige Ratschläge:

– Die tolle Sammlung des vielleicht besten, leider vor einiger Zeit verstorbenen Motorjournalisten Fritz B. Busch in der Remise des fürstlichen Schlosses Wolfegg im oberschwäbischen Städtedreieck Ravensburg/Wangen/Bad Waldsee (württembergisches Allgäu) nördlich des Bodensees. Tägl. geöffnet v. 9,30 – 17,30 h. Eintritt: Familienticket (2 Erw. mit Ki. bis 14 J.) € 15. Einzeln: Erw. € 7.50, Ki. v. 5 – 14 J. € 3. Gruppen ab 20 Pers. € 6,50 pp.

– Das höchst sehenswerte Horch-Museum im sächsischen Zwickau (Audistraße 7), untergebracht und exzellent präsentiert in den ehemaligen Werkshallen von Auto-Union und später vom Trabi. Öffnung Di – So 9,30 – 17 h. Preise: Familien (2 Erw. + 1 Kind € 12,50, + 2 Ki. € 14, + 3 und mehr € 15,50. Einzel: Erw. € 5,50, ermäßig € 3,50, Gruppen bis 12  Pers. € 30. Ki. bis 15 J. kostenlos.

– Das französische nationale Automuseum im elsässischen Mühlhausen (Mulhouse) mit der größten Ansammlung von Bugattis. Adresse: 192, Av. de Colmar. Offen tägl. v. 10 – 17 h. Preise: Erw. € 14,50 (als Fam. ki. v. 7 – 17 J. kostenlos), ermäßigt € 11, Ki. (auch außerhalb des Familientickets) unter 7 J. kostenlos

– Das sowohl architektonisch als auch von seinen Exponaten her außerordentlich beachtenswerte Museum Louwman in der Nähe von Den Haag (Niederlande), unmitttelbar benachbart der privaten Villa von Hollands Ex-Königin Beatrix. Adresse: Louwman-Museum, Leidsestraatweg 57, Den Haag, NL. Offen Si – So 10 – 17 h. Preise: Erw. € 14,50, Ki. v. 6 – 12 J € 7,50, unter 6 J. gratis. Gruppen ab 20 Pers. € 11 pp.

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    Erinnerung, heißt es, sei eine Form der Begegnung. Das gilt auch – vielleicht sogar besonders – für die Rückschau auf sein erstes Auto. Schreiben Sie uns ihre Erlebnisse mit dem ersten Auto und lassen Sie die vielen rantlos-Leser teilhaben.
    Tags: auto, erstes, erinnerungen, ersten, ihren, für, ohne, uns, noch, weltkugel
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    Unsere Älteren sind mobil: Selbst von den 80- bis 85-Jährigen ist mehr als die Hälfte an vier Tagen in der Woche unterwegs, ein Viertel von den alten Alten fährt mehrmals pro Woche mit dem Auto. Jeder zweite Rentnerhaushalt hat ein Auto.
    Tags: auto, ford, mehr, noch, jahre, für, nur, ohne, erstes


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