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Sterbehilfe: Unterschiedliche Gesetze in Europa

Das Ende des Lebens aus rechtlicher Sicht

Menschenwürdiges Sterben und somit auch das Thema Sterbehilfe wird in den meisten europäischen Ländern immer wieder hitzig und kontrovers diskutiert. Der Begriff Sterbehilfe umfasst viersterbehilfe-umfrage unterschiedliche Tatbestände: die passive Sterbehilfe, die indirekte Sterbehilfe, die Beihilfe zum Selbstmord (assistierter Suizid) und letztlich die aktive Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen). Die einzigen Länder weltweit, die Sterbehilfe in unterschiedlichem Maß in ihrem gesamten Staatsgebiet legalisiert haben, sind die Niederlande, Belgien, die Schweiz und Luxemburg. In den USA haben einzelne Bundesstaaten und in Australien einzelne Regionen eine abgestufte Legalisierung beschlossen.

Holländer als “Vorreiter”

2001 ließen die Niederlande als erstes Land der Welt mit dem Gesetz zur Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und Hilfe bei der Selbsttötung die aktive Sterbehilfe zu. Das Gesetz und seine Praktizierung ermöglichen es Menschen, zu Hause und im Kreis ihrer Angehörigen zu sterben. Formelle Prozeduren sollen sicherstellen, dass ein Patient wirklich für einen freiwilligen Tod bereit ist. Das lebensbeendende Handeln findet in etwa 90 Prozent der Fälle zu Hause statt (2008 wurde es in 2.083 von 2.331 Fällen vom Hausarzt durchgeführt). Seit 2013 ist in den Niederlanden auch die Sterbehilfe bei todkranken Babys legal.

Holland ist somit das erste Land der Welt, in dem die aktive Sterbehilfe legalisiert wurde. Damit der begleitende Arzt straffrei dem schriftlich niedergelegten oder mündlich ausgesprochenem Wunsch nach Sterbehilfe entsprechen darf, muss er gemäß den nachfolgenden Sorgfaltskriterien handeln:

Er muss zu der Überzeugung gelangt sein, dass der Patient seine Bitte freiwillig und nach reiflicher Überlegung geäußert hat.
Er muss zu der Überzeugung gelangt sein, dass keine Aussicht auf Besserung besteht und der Patient unerträglich leidet.
Er muss den Patienten über dessen Situation und über die medizinische Prognose aufgeklärt haben.
Er muss mit dem Patienten zu der Überzeugung gelangt sein, dass es für dessen Situation keine andere annehmbare Lösung gibt.
Er muss mindestens einen anderen, unabhängigen (Konsiliar)arzt zu Rate ziehen, welcher den Patienten untersucht und schriftlich zur Einhaltung der Punkte 1. bis 4. Stellung nimmt.
Er muss den Beistand oder die Hilfe zur Selbsttötung fachgerecht durchführen.

Kontrollkommission prüft

Arzt und Leichenbeschauer melden die Tötung an eine regionale Kontrollkommission, der auch die Erklärung des unabhängigen Konsiliararztes zugeht. Die Kontrollkommission überprüft die Tötung auf Einhaltung der Sorgfaltskriterien. Gelangt sie zu der Überzeugung, dass der Arzt sorgfältig gehandelt hat, greift der Strafausschließungsgrund und der Arzt wird nicht strafrechtlich verfolgt. Der Kontrollkommission gehören sechs Mitglieder, hierunter mindestens ein Arzt, ein Jurist und ein Ethiker an.

Der Wunsch nach Sterbehilfe ist nicht an die Volljährigkeit (18 Jahre) gebunden, auch Minderjährige können die aktive Sterbehilfe beanspruchen, wenn die Zustimmung der Erziehungsberechtigten (bei 12 bis 15 Jahre) oder eine Einbeziehung der Erziehungsberechtigten in die Entscheidungsfindung (bei 16 und 17 Jahre) erfolgt ist.

Kein Arzt ist in Holland verpflichtet, die aktive Sterbehilfe durchzuführen. Medizinische Hilfskräfte dürfen selber keine Tötungshandlungen durchführen und sind ebenfalls nicht verpflichtet, an einer Tötungshandlung mit zu wirken.

Sterbehilfe in Belgien: “Loi relatif à l’euthanasie”

Sterbehilfe-BelgienSeit September 2002 ist in Belgien das “Gesetz bezüglich der Euthanasie” in Kraft, das Ärzten unter bestimmten Voraussetzungen den ärztlich assistierten Suizid erlaubt. Das Gesetz nennt Voraussetzungen für die Sterbehilfe, eine Kontrollkommission überwacht die Einhaltung der Bestimmungen.

Voraussetzung für die Erlaubnis eines Tötens auf Verlangen ist, dass der Patient volljährig oder – falls minderjährig – mit hinsichtlich dieser Frage vergleichbarem Rechtsstatus ausgestattet ist (“mineur émancipé”), im Moment seines Verlangens zurechnungsfähig ist und sein Wunsch freiwillig, überlegt und ohne äußeren Druck formuliert wurde. Der Patient muss sich in einer medizinisch ausweglosen Situation befinden, in der ein anhaltendes, unerträgliches physisches oder psychisches Leid besteht, das durch einen Unfall oder eine schwere und unheilbare Krankheit verursacht ist und nicht gelindert werden kann.

Schriftlicher Sterbewunsch

Die Rechtmäßigkeit einer ärztlich begleiteten Tötung auf Verlangen wird dabei an die Einhaltung eines bestimmten Verfahrens gebunden. So muss der Arzt den Patienten über dessen Gesundheitszustand und Lebenserwartung sowie über therapeutische und palliative Möglichkeiten informiert haben und mit diesem zu der gemeinsamen Überzeugung gelangt sein, dass es in dieser Situation keine andere “vernünftige Lösung” (“solution raisonnable”) für den Patienten gibt. Der Arzt hat sich in mehreren, über eine angemessene Periode hinweg geführten Gesprächen mit dem Patienten der Dauerhaftigkeit seines physischen oder psychischen Leids sowie seines Sterbewunsches zu versichern. Hinsichtlich der Frage, ob ein anhaltendes, unerträgliches und nicht zu linderndes physisches oder psychisches Leid vorliegt, ist ein zweiter, unabhängiger und in der betreffenden Pathologie kompetenter Arzt zu konsultieren. Der Sterbewunsch muss vom Patienten selbst schriftlich aufgesetzt und unterschrieben sein. Ist er dazu nicht in der Lage, kann dies durch eine Person seiner Wahl, die kein materielles Interesse am Tod des Patienten hat, im Beisein des Arztes erfolgen. Ist nicht zu erwarten, dass der Tod des Patienten in absehbarer Zeit eintreten würde, muss mindestens ein Monat zwischen dem schriftlich gefassten Sterbewunsch und der Tötung auf Verlangen vergangen sein.

Jeder Volljährige oder Minderjährige mit einem vergleichbaren Rechtsstatus (“mineur émancipé”) kann für den Fall, dass er später nicht mehr seinen Willen äußern kann, vorsorglich eineKrankenbett Willenserklärung abgeben. Diese muss das Verlangen enthalten, dass ein Arzt an ihm “eine Euthanasie praktiziert”, wenn er an einer schweren und unheilbaren Beeinträchtigung infolge eines Unfalls oder einer Erkrankung leidet, bewusstlos ist und die Situation “nach aktuellem Stand der Wissenschaft” irreversibel ist. In der Willenserklärung können gesondert (Präferenzordnung) eine oder mehrere Vertrauenspersonen benannt werden, die in die Ermittlung des mutmaßlichen Patientenwillens einzubinden sind.

“Ohne materielles Interesse”

Im Fall der andauernden physischen Unfähigkeit, selbst eine solche Willenserklärung zu verfassen, kann diese von einer vom Betroffenen gewählten Person aufgesetzt werden, die kein materielles Interesse am Tod des Patienten hat. Ein Arzt, der im Falle eines bewusstlosen, schwer, unheilbar und irreversibel Kranken auf der Grundlage einer solchen Willenserklärung “eine Euthanasie praktiziert”, handelt auch hier rechtmäßig, sofern er bestimmte Verfahrensregeln einhält. Dazu gehört, dass er zur Einschätzung der medizinischen Situation einen zweiten Arzt und zur Ermittlung des mutmaßlichen Patientenwillens die in der Willenserklärung genannten Personen konsultiert hat.

Jede praktizierte Tötung auf Verlangen muss bei einer einzurichtenden “Föderalen Kontroll- und Evaluations-Kommission” angezeigt, registriert und bewertet werden. Dieses Gremium hat dann zu beurteilen, ob die Bedingungen und die jeweils vorgesehenen Verfahrensregeln für eine legale Tötung auf Verlangen erfüllt sind. Kommt eine Zweidrittelmehrheit der 16-köpfigen Kommission (8 Mediziner, 4 Juristen und 4 unmittelbar mit der Problematik unheilbar Kranker befasste Personen) zu dem Schluss, dass diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, ist der Fall an den zuständigen Staatsanwalt weiterzuleiten.

Luxemburg

Nach den Niederlanden und Belgien verfügt Luxemburg seit 2009 als drittes europäisches Land über eine gesetzliche Regelung der Sterbehilfe. Es ist geregelt, dass ein Arzt unheilbar kranken Patienten auf deren ausdrücklichen Wunsch hin helfen darf, ihr Leben zu beenden. Ähnlich wie in den Niederlanden gibt es dazu strenge Auflagen. So müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen, dass der Patient unheilbar krank ist. Außerdem muss der Patient den Willen zur Beendigung des Lebens wiederholt schriftlich äußern.

Die aktuelle rechtliche Lage in der Schweiz

Selbsttötung

Eine Selbsttötung oder ein Selbsttötungsversuch sind in der Schweiz, wie in Deutschland, aus rechtssystematischen Gründen nicht strafbar. Von Bedeutung ist das natürlich nicht für den Selbstmörder, jedoch für alle Fragen der Beteiligung Dritter.

Aktive Sterbehilfe

SterbehilfeBBDie aktive Sterbehilfe, d. h. die Tötung eines Menschen, ist unabhängig von den Motiven des Täters in der Schweiz strafbar. Sie wird, soweit kein ausdrücklicher Wunsch des Opfers nachweisbar ist, als Totschlag (§113 StGB, ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug) oder gar als vorsätzliche Tötung (§111 StGB, fünf bis zehn Jahre Freiheitsentzug) eingestuft. Falls der Täter durch das ausdrückliche und ernstliche Verlangen des Opfers zur Tat bewegt wurde, nimmt man strafmildernd eine Tötung auf Verlangen (§113 StGB, bis zu drei Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe) an.

Beihilfe zum Selbstmord

Die Beihilfe zur Selbsttötung (assistierter Suizid) ist in der Schweiz dann straffrei, wenn keine selbstsüchtigen Motive des Beihelfers vorliegen und das Opfer letztlich seinen Tod selber herbeiführt. So darf z. B. die Giftspritze präpariert aber nicht verabreicht werden. Falls selbstsüchtige Motive nachgewiesen werden, erfolgt eine Verurteilung gemäß §115 StGB (bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe). Nach den Richtlinien der SAMW (Äquivalent zur deutschen Bundesärztekammer) ist die Suizidbeihilfe keine ärztliche Tätigkeit.

Indirekte Sterbehilfe

Die indirekte Sterbhilfe bedeutet die Inkaufnahme eines vorzeitigen Todes durch eine medizinische Behandlung, die primär der Schmerzlinderung dient. Als Beispiel kann die Verabreichung von starken Schmerzmitteln bei einer tödlichen Krebserkrankung dienen, welche als Nebenwirkung ein Versagen von Leber oder Nieren hervorruft. Diese Form der Sterbehilfe ist in der Schweiz nicht strafbar, wenn sie dem ausgesprochenen oder bei Bewusstlosigkeit vorab niedergeschriebenen Willen des Patienten entspricht, da ein schmerzfreies Sterben als das höhere Rechtsgut gegenüber einer Lebensverlängerung eingestuft wird.

Passive Sterbehilfe

Die passive Sterbehilfe bedeutet den Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen, wie z. B. eine künstliche Beatmung bei einer tödlichen Krebserkrankung. Auch diese Form der Sterbehilfe ist in der Schweiz nicht strafbar, wenn sie dem ausgesprochenen oder bei Bewusstlosigkeit vorab niedergeschriebenen Willen des Patienten entspricht. Welche Maßnahmen der Patient zulassen möchte, kann zuvor in einer Patientenverfügung formuliert werden.

In der Schweiz haben sich mit Dignitas und Exit zwei Organisationen etabliert, welche die “Dienstleistung” Sterbebeihilfe anbieten. Exit ist hierbei nur in der Schweiz, Dignitas auch außerhalb derJPG_6133 Kopie Landesgrenzen tätig.

In Frankreich dürfen die Ärzte einen unheilbar kranken Patienten „sterben lassen“, sein Leben aber nicht aktiv beenden. Das heißt, der Patient darf auf eigenen Wunsch schmerzstillende Mittel bekommen, auch wenn sein Tod durch die Medikamente möglicherweise beschleunigt wird. Die Ärzte dürfen auch lebensverlängernde Maßnahmen – wie künstliche Beatmung – einstellen.

Auch in Großbritannien dürfen Ärzte einem Schwerkranken hohe Dosen an Schmerzmitteln verabreichen, selbst wenn sie damit in Kauf nehmen, dass der Patient schneller stirbt. In Schweden und Norwegen ist es unter bestimmten Bedingungen möglich, lebensverlängernde Behandlungen einzustellen.

 In Griechenland, wo die orthodoxe Kirche sehr stark ist, gilt Sterbehilfe als Beleidigung Gottes und ist streng verboten. Auch das katholische Polen hat Sterbehilfe unter Strafe gestellt – wer gegen das Gesetz verstößt, nimmt bis zu fünf Jahre Gefängnis in Kauf.

Quellen: Wikipedia, Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften, Lebensschutz Rheinland-Pfalz

Ursa Kaumans

 

 

Holland ist somit das erste Land der Welt, in dem die aktive
Sterbehilfe legalisiert wurde. Damit der tötende Arzt straffrei dem
schriftlich niedergelegten oder mündlich ausgesprochenem Wunsch nach
Sterbehilfe entsprechen darf, muss er gemäß den nachfolgenden
Sorgfaltskriterien handeln:

  1. Er muss zu der Überzeugung
    gelangt sein, dass der Patient seine Bitte freiwillig und nach
    reiflicher Überlegung geäußert hat.

  2. Er muss zu der Überzeugung
    gelangt sein, dass keine Aussicht auf Besserung besteht und der
    Patient unerträglich leidet.

  3. Er muss den Patienten über dessen
    Situation und über die medizinische Prognose aufgeklärt haben.

  4. Er muss mit dem Patienten zu der
    Überzeugung gelangt sein, dass es für dessen Situation keine
    andere annehmbare Lösung gibt.

  5. Er muss mindestens einen anderen,
    unabhängigen (Konsiliar)arzt zu Rate ziehen, welcher den Patienten
    untersucht und schriftlich zur Einhaltung der Punkte 1. bis 4.
    Stellung nimmt.

  6. Er muss die Tötung oder die Hilfe zur Selbsttötung
    fachgerecht durchführen.

Arzt und Leichenbeschauer melden die Tötung an eine regionale
Kontrollkommission, der auch die Erklärung des unabhängigen
Konsiliararztes zugeht. Die Kontrollkommission überprüft die Tötung
auf Einhaltung der Sorgfaltskriterien. Gelangt sie zu der
Überzeugung, dass der Arzt sorgfältig gehandelt hat, greift der
Strafausschließungsgrund und der Arzt wird nicht strafrechtlich
verfolgt. Der Kontrollkommission gehören sechs Mitglieder, hierunter
mindestens ein Arzt, ein Jurist und ein Ethiker an.

Der Wunsch nach Sterbehilfe ist nicht an die Volljährigkeit (18
Jahre) gebunden, auch Minderjährige können die aktive Sterbehilfe
beanspruchen, wenn die Zustimmung der Erziehungsberechtigten (12 bis
15 Jahre) oder eine Einbeziehung der Erziehungsberechtigten in die
Entscheidungsfindung (16 und 17 Jahre) erfolgt ist.

Kein Arzt ist in Holland verpflichtet,
die aktive Sterbehilfe durchzuführen. Medizinische Hilfskräfte
dürfen selber keine Tötungshandlungen durchführen und sind
ebenfalls nicht verpflichtet, an einer Tötungshandlung mit zu
wirken.

Sterbehilfe in Belgien: “Loi
relatif à l’euthanasie”

Seit September 2002 ist in Belgien
das “Gesetz bezüglich der Euthanasie” in Kraft, das Ärzten
unter bestimmten Voraussetzungen den ärztlich assistierten Suizid
erlaubt. Das Gesetz nennt Voraussetzungen für die Sterbehilfe, eine
Kontrollkommission überwacht die Einhaltung der Bestimmungen.

Voraussetzung für die Erlaubnis des
Tötens auf Verlangens ist, dass der Patient volljährig oder, falls
minderjährig, mit hinsichtlich dieser Frage vergleichbarem
Rechtsstatus ausgestattet ist (“mineur émancipé”), im
Moment seines Verlangens zurechnungsfähig ist und sein Wunsch
freiwillig, überlegt und ohne äußeren Druck formuliert wurde. Der
Patient muss sich in einer medizinisch ausweglosen Situation
befinden, in der ein anhaltendes, unerträgliches physisches oder
psychisches Leid besteht, das durch einen Unfall oder eine schwere
und unheilbare Krankheit verursacht ist und nicht gelindert werden
kann.

Die Rechtmäßigkeit der ärztlichen
Tötung auf Verlangen wird dabei an die Einhaltung eines bestimmten
Verfahrens gebunden. So muss der Arzt den Patienten über dessen
Gesundheitszustand und Lebenserwartung sowie über therapeutische und
palliative Möglichkeiten informiert haben und mit diesem zu der
gemeinsamen Überzeugung gelangt sein, dass es in dieser Situation
keine andere “vernünftige Lösung” (“solution
raisonnable”) für den Patienten gibt. Der Arzt hat sich in
mehreren, über eine angemessene Periode hinweg geführten Gesprächen
mit dem Patienten der Dauerhaftigkeit seines physischen oder
psychischen Leids sowie seines Sterbewunsches zu versichern.
Hinsichtlich der Frage, ob ein anhaltendes, unerträgliches und nicht
zu linderndes physisches oder psychisches Leid vorliegt, ist ein
zweiter, unabhängiger und in der betreffenden Pathologie kompetenter
Arzt zu konsultieren. Der Sterbewunsch des Patienten muss vom
Patienten selbst schriftlich aufgesetzt und unterschrieben sein. Ist
er dazu nicht in der Lage, kann der Wunsch durch eine Person seiner
Wahl, die kein materielles Interesse am Tod des Patienten hat, im
Beisein des Arztes niedergelegt werden. Ist nicht zu erwarten, dass
der Tod des Patienten in absehbarer Zeit eintreten würde, muss
mindestens ein Monat zwischen dem schriftlich gefassten Sterbewunsch
und der Tötung auf Verlangen vergangen sein.

Jeder Volljährige oder Minderjährige
mit hinsichtlich dieser Frage vergleichbarem Rechtsstatus (“mineur
émancipé”) kann für den Fall, dass er nicht mehr seinen
Willen äußern kann, vorsorglich eine Willenserklärung abgeben,
dass ein Arzt an ihm “eine Euthanasie praktiziert”, wenn er
an einer schweren und unheilbaren Beeinträchtigung infolge eines
Unfalls oder einer Erkrankung leidet, bewusstlos ist und die
Situation nach aktuellem Stand der Wissenschaft irreversibel ist. In
der Willenserklärung können in einer Präferenzordnung eine oder
mehrere Vertrauenspersonen benannt werden, die in die Ermittlung des
mutmaßlichen Patientenwillens einzubinden sind. Im Fall der
andauernden physischen Unfähigkeit, selbst eine solche
Willenserklärung zu verfassen, kann diese von einer vom Betroffenen
gewählten Person aufgesetzt werden, die kein materielles Interesse
am Tod des Patienten hat. Ein Arzt, der im Falle eines schwer,
unheilbar und irreversibel Kranken, der bewusstlos ist, auf der
Grundlage einer solchen Willenserklärung “eine Euthanasie
praktiziert”, handelt auch hier rechtmäßig, sofern er
bestimmte Verfahrensregeln einhält. Zu diesen zählt, dass er zur
Einschätzung der medizinischen Situation einen zweiten Arzt und zur
Ermittlung des mutmaßlichen Patientenwillens die in der
Willenserklärung genannten Personen konsultiert hat.

Jede
praktizierte Tötung auf Verlangen muss bei einer einzurichtenden
“Föderalen Kontroll- und Evaluations-Kommission”
registriert und bewertet werden. Diese hat zu beurteilen, ob die
Bedingungen und die jeweils vorgesehenen Verfahrensregeln für eine
legale Tötung auf Verlangen erfüllt sind. Kommt eine
Zweidrittelmehrheit der 16-köpfigen Kommission (8 Mediziner, 4
Juristen und 4 unmittelbar mit der Problematik unheilbar Kranker
befasste Personen) zu dem Schluss, dass diese Voraussetzungen nicht
erfüllt sind, ist der Fall an den zuständigen Staatsanwalt
weiterzuleiten.

Luxemburg

Nach den
Niederlanden und Belgien verfügt Luxemburg seit 2009 als drittes
europäisches Land über eine gesetzliche Regelung der Sterbehilfe.
Es ist geregelt, dass ein Arzt unheilbar kranken Patienten auf deren
ausdrücklichen Wunsch hin helfen darf, ihr Leben zu beenden. Ähnlich
wie in den Niederlanden gibt es dazu strenge Auflagen. So müssen
zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen, dass der Patient
unheilbar krank ist. Außerdem muss der Patient den Willen zur
Beendigung des Lebens wiederholt schriftlich äußern.

Die aktuelle rechtliche Lage in der Schweiz

Selbsttötung

Eine Selbsttötung oder ein Selbsttötungsversuch sind in der
Schweiz nicht strafbar.

Aktive Sterbehilfe

Die aktive Sterbehilfe, d. h. die Tötung eines Menschen, ist
unabhängig von den Motiven des Täters in der Schweiz strafbar. Sie
wird, soweit kein ausdrücklicher Wunsch des Opfers nachweisbar ist,
als Totschlag (§113 StGB, ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug) oder
gar als vorsätzliche Tötung (§111 StGB, fünf bis zehn Jahre
Freiheitsentzug) eingestuft. Falls der Täter durch das ausdrückliche
und ernstliche Verlangen des Opfers zur Tat bewegt wurde, nimmt man
strafmildernd eine Tötung auf Verlangen (§113 StGB, bis zu drei
Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe) an.

Beihilfe zum Selbstmord

Die Beihilfe zur Selbsttötung (assistierter Suizid) ist hingegen
in der Schweiz nur dann straffrei, wenn keine selbstsüchtigen Motive
des Beihelfers vorliegen und das Opfer letztlich seinen Tod selber
herbeiführt. So darf z. B. die Giftspritze präpariert aber nicht
verabreicht werden. Falls selbstsüchtige Motive nachgewiesen werden
können, erfolgt eine Verurteilung gemäß §115 StGB (bis zu fünf
Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe). Nach den Richtlinien der
SAMW (Äquivalent zur deutschen Bundesärztekammer) ist die
Suizidbeihilfe keine ärztliche Tätigkeit.

Indirekte Sterbehilfe

Die indirekte Sterbhilfe bedeutet die Inkaufnahme eines
vorzeitigen Todes durch eine medizinische Behandlung, die primär der
Schmerzlinderung dient. Als Beispiel kann die Verabreichung von
starken Schmerzmitteln bei einer tödlichen Krebserkrankung dienen,
welche als Nebenwirkung ein Versagen von Leber oder Nieren
hervorruft. Diese Form der Sterbehilfe ist in der Schweiz nicht
strafbar, wenn sie dem ausgesprochenen oder bei Bewusstlosigkeit
vorab niedergeschriebenen Willen des Patienten entspricht, da ein
schmerzfreies Sterben als das höhere Rechtsgut gegenüber einer
Lebensverlängerung eingestuft wird.

Passive Sterbehilfe

Die passive Sterbehilfe bedeutet den Verzicht auf
lebensverlängernde Maßnahmen, wie z. B. eine künstliche Beatmung
bei einer tödlichen Krebserkrankung. Auch diese Form der Sterbehilfe
ist in der Schweiz nicht strafbar, wenn sie dem ausgesprochenen oder
bei Bewusstlosigkeit dem vorab niedergeschriebenen Willen des
Patienten entspricht. Welche Maßnahmen der Patient zulassen möchte,
kann vorab in einer Patientenverfügung formuliert werden.

In der Schweiz haben sich mit Dignitas
und Exit
zwei Organisationen etabliert, welche die
“Dienstleistung” Sterbebeihilfe anbieten. Exit ist hierbei
nur in der Schweiz, Dignitas auch außerhalb der Landesgrenzen tätig.

In Frankreich dürfen die Ärzte
einen unheilbar kranken Patienten „sterben lassen“, sein
Leben aber nicht aktiv beenden. Das heißt, der Patient darf auf
eigenen Wunsch schmerzstillende Mittel bekommen, auch wenn sein
Tod durch die Medikamente möglicherweise beschleunigt wird. Die
Ärzte dürfen auch lebensverlängernde Maßnahmen – wie
künstliche Beatmung – einstellen.

Auch in
Großbritannien dürfen Ärzte einem Schwerkranken hohe
Dosen an Schmerzmitteln verabreichen, selbst wenn sie damit in
Kauf nehmen, dass der Patient schneller stirbt. In Schweden
und Norwegen ist es unter bestimmten Bedingungen möglich,
lebensverlängernde Behandlungen einzustellen.

In
Griechenland, wo die orthodoxe Kirche sehr stark ist, gilt
Sterbehilfe als Beleidigung Gottes und ist streng verboten. Auch
das katholische Polen hat Sterbehilfe unter Strafe
gestellt – wer gegen das Gesetz verstößt, nimmt bis zu fünf
Jahre Gefängnis in Kauf.

Quellen: Wikipedia, Deutsches
Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften, Lebensschutz
Rheinland-Pfalz

Ursa Kaumans




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