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Mein erstes Auto – ein VW „Deluxe“

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Rudolf Strauch (1957)

Als ich im Dezember 1957 nach nur zehn Semestern in Bonn ein zunächst gar nicht geplantes Studium erfolgreich beendete, war ich noch Fußgänger und der Überzeugung, nun nie mehr eine Prüfung bestehen zu müssen. Doch da hatte ich vergessen, dass ich noch den Führerschein bräuchte. Nur vier oder fünf Wochen später, nach knappen Fahrstunden am linken Niederrhein in einem Opel-Kapitän, wurde mir das Dokument ausgehändigt. Die Gebühren waren damals mangels eigener Einkünfte von meiner Freundin Ulla bezahlt worden, die ich selbstverständlich – auch deshalb – noch 1958 am 27. September geheiratet habe -in Boppard. Und ich besäße das ansehnliche Original mit Jugendbildnis wohl noch heute, wäre es mir nicht im Mai 2006 mit Portemonnaie,  Personalausweis, Kreditkarten u. a. in Prag gestohlen worden.

Nur so zur Übung…

Nur so zur Übung habe ich im Sommer 1958 in Dortmund für einen halben Tag zum ersten und bisher einzigen Mal ein Auto gemietet. Und zwar für eine Fahrt ins westliche Münsterland, bei der ich kurz nach Beginn dieser Reise in der Innenstadt ein erstes Abbiegen nach links wegen zu starken Gegenverkehrs auf der Märkischen Straße unterließ und  stattdessen lieber geradeaus sofort den Ruhrschnellweg ansteuerte. In Bochum legte ich im Rathauskeller eine Kaffeepause ein. Der geräumige Parkplatz und die übrige Stadt waren mir aus erster beruflicher Tätigkeit wohlbekannt. Das  Auto war natürlich auch ein Opel, mit Weißwandreifen, aber kein Kapitän, sondern preiswerter.

Zur Vorgeschichte meines ersten eigenen Autos gehören einerseits retardierend eine unerfreuliche finanzielle Lage sowie als Beschleuniger ein glücklicher Zufall. Da ich in Dortmund zusätzlich zu meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Redakteur der  „Ruhr-Nachrichten“ den Auftrag erhielt, die Firmengeschichte des Verlagshauses Lensing mit der Gründer-Zeitung „Tremonia“ im Jahr 1870 zu schreiben, und zwar gern ausführlich, aber vor allem schnell, entstand plötzlich der Anspruch auf ein ebenso ordentliches wie unverhofftes Honorar. Und obwohl ich ansonsten kaufmännisch nicht besonders begabt bin, entwickelte ich in diesem Zusammenhang im Einvernehmen mit Verlagsdirektor Schopp ein Kompensationsgeschäft: Statt Bargeld erhielt ich ein Auto – einen Gebrauchtwagen zwar, einen Firmenwagen mit Lüdinghauser Kennzeichen. Hier war das Auto für die Lokalausgabe im Einsatz gewesen, aber ein VW Käfer „Deluxe“, mit Radio und Schiebedach, wahrscheinlich drei oder vier Jahre alt, noch mit Zeiger statt Blinker für den Fall eines Fahrtrichtungswechsels. An den Km-Stand kann ich mich nicht mehr erinnern, und einen reellen Preis hat es eben gar nicht gegeben. Der VW hatte ein schon im Vergleich zu den ersten Nachkriegs-Jahren vergrößertes ovales, jedoch noch nicht das spätere breite, viereckige Heckfenster. Es war in einem gelblichen Braun lackiert, der Farbton ist trotz aufwendiger Internet-Recherche nicht mehr zu identifizieren.

Streicheleinheiten für den „Käfer“

VW Deluxe

VW Käfer Deluxe

Mit diesem Auto also bin ich täglich zwischen Wohnung und Redaktion hin und her gefahren, auch mittags, auch sams- sowie sonntags. Das Auto hatte einen festen Parkplatz auf dem Verlagshof, blieb unfallfrei und erhielt nicht einmal einen Kratzer, sondern viele Streicheleinheiten mit Lappen, Schwamm oder Feudel. Es wurde stets von Hand gewaschen und war während unserer Dortmunder Zeit am Johannisborn und anschließend in der Karl-Liebknecht-Straße ein äußerlich stets gepflegtes Garagen-Fahrzeug. Es hat uns nie im Stich gelassen, nicht bei einer ersten Urlaubsfahrt von Dortmund nach Grömitz, auch nicht bei einer ersten Dienstreise zu einem Parteitag des BHE (das hieß: Bund der Heimatvertrieben und Entrechteten) nach Bückeburg und  ebenfalls nicht während eines anderen bedeutenden Termins, einem Bundeskongreß der Jungen Union in Mainz mit dem damaligen JU-Bundesvorsitzenden Gerhard Stoltenberg, dem späteren Ministerpräsidenten in Kiel und Bundesfinanz- und auch Bundesverteidigungsminister in Bonn.

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Mein VW Deluxe und der meines Freundes Walther Schmieding, Dortmund 1960

Das eine von zwei besonders schönen Erinnerungs-Fotos zeigt dieses Auto auf dem Trümmergrundstück gegenüber unserer zweiten Dortmunder Wohnung seitlich neben dem fabrikneuen VW des späteren ZDF-Redakteurs Walther Schmieding („Aspekte“), letzteres mit großem Heckfenster. Das andere Foto entstand, als ich zur Berichterstattung über den Landtagwahlkampf 1962 ins südliche Ruhrgebiet entsandt worden war: Bei einer Vorbeifahrt der Kanzler-Wagenkolonne spiegelt sich Konrad Adenauers Mercedes 300 im Seitenblech meines VW.

…zu einem Freundschaftspreis

An diesem, meinem ersten Auto hatte ich allerdings auch noch Anteil, als ich es nicht mehr besaß. Ich wechselte nämlich bald danach zu einem Ford 17 M aus Köln und überließ meinem jüngeren Kollegen Ralf Lehmann den VW zu einem Freundschaftspreis. Wir haben heute noch Kontakt, er wohnt in Hattingen. In Dortmund allerdings gab er den VW sofort nach dem Kauf in die Inspektion, und als danach die Rechnung für die Beseitigung etlicher Mängel an Bremsen oder auch Kupplung und ähnlichem überraschend hoch ausfiel, übernahm ich kulanterweise die Hälfte der Kosten, denn ich hatte das Auto nie inspizieren lassen und ein richtig schlechtes Gewissen.

Und so ist auch Ralf Lehmann, der aus Leipzig stammt und als DDR-Flüchtling von der „Westfalenpost“ in Hagen nach Dortmund befördert worden und zuletzt Chefredakteur der WAZ in Essen war, auch noch lange nach unseren gemeinsamen Jahren durchaus dankbar für die Beihilfe zu seiner ersten Motorisierung gewesen. Er war übrigens bei seinem Auto-Start nicht weniger unerfahren als ich. Deshalb rief er auch an einem Wochenende nach einem Ausflug in Richtung Sauerland voller Verzweiflung an und sagte, nun sei der VW einfach stehen geblieben, woran denn das wohl liegen könne. Wir nahmen eine Ferndiagnose vor mit dem Ergebnis, daß ich vorschlug, er solle im Fußraum neben dem Gaspedal – oder war es neben dem Bremspedal? – einen schwarzen Metallhebel umlegen und dann den Motor wieder laufen lassen, – der Hebel öffnete den Benzinzufluß vom Reservetank mit sieben Liter Inhalt, eine Benzinanzeige gab es beim Volkswagen noch nicht.

Mit Dienstwagen nach Bonn

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Rudolf Strauch (heute)

Mein Nachfolger als VW-Besitzer ist jedenfalls  mit Hilfe dieses Tipps problemlos und mit seiner Frau nach Dortmund zurückgekehrt. Sie beide kamen kurz darauf zu uns zu Besuch, nun nach Hamburg. Von dort gelangte ich als Korrespondent der „Welt“ mit einem weißen Opel-Rekord als Dienstwagen 1966 nach Bonn, dem Fahrzeug Nr. 3. Ihm folgten gleichzeitig mit einem Stellenwechsel ein BMW, dann in Bonn und Hannover weiterhin als Dienstwagen je ein Mercedes. Und dieser Marke bin ich – längst im Ruhestand – immer noch treu.

 

Rudolf Strauch

 

Dr. Rudof Strauch war lange Jahre Vorsitzender der Bundespressekonferenz in Bonn. Er begann seine Laufbahn bei den Ruhr-Nachrichten in Dortmund, wechselte zur „Welt“ nach Hamburg und in die Parlamentsredaktion nach Bonn und war Stellvertretender Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen.

 

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