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Jogging-Point

Zum Knutschen

Auch im Alter noch zum Knutschen: Die BMW Isetta ist 60 geworden

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„Barockengel“ BMW 501 V8

Wer in den Aufbaujahren nach dem Krieg motorisiert mobil sein wollte, musste sich meist auf einem Motorrad den Unbillen des Wetters aussetzen. PKWs waren für den kleinen Geldbeutel unerschwinglich. Doch 1955 kam ein Fahrzeug auf den Markt, bei dem man auf die Schlechtwetterkleidung verzichteten konnte. Am 5. März 1955 präsentierte BMW der staunenden Öffentlichkeit ein Vehikel, wie man es so noch nicht kannte. Nur eine Tür und die öffneten wie bei einem Kühlschrank nach vorne, Rundumsicht wie in einer Glaskugel, die hinteren Räder quasi als Zwillingbereifung in Fahrzeugmitte. Und im Heck bollerte ein luftgekühlter 250-Kubik-Motor. Zwar gab es keinen Kofferraum aber mit einem ans Heck geschraubten Gepäckträger konnte man auch den Koffer für die Italien-Reise unterbringen.

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Curd Jürgens und Cary Grant als prominente Werbepartner

In den 1950er Jahren stand BMW wirtschaftlich am Abgrund, denn außer Motorrädern hatte man nur den „Barockengel“ BMW 501 im Angebot. Dieser formschöne aber teure Sechszylinder entwickelte sich zunehmend zu einem Flop, denn seine Zielgruppe war eher eine Zielnische und die griff lieber zum „Adenauer-Mercedes“ 300. Zunehmenden Mobilitätsbedürfnisse verlangten aber einen Wagen für die breite Masse. Leider fehlten in den Kassen von BMW die finanziellen Mittel für eine Neuentwicklung. In dieser Notsituation besorgte man sich bei Iso in Italien die Lizenzrechte an der Isetta für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Skandinavien und optimierte die Konstruktion. Im Gegensatz zum dreirädrigen Original rollten hinten zwei Räder, der Motor wurde aus dem BMW-Motorradprogram implementiert und mit Gebläsekühlung standfest gemacht. Das kleine 250 Kubik-Motörchen mit 12 PS war nicht nur bewährt und robust sondern bot zudem den Vorteil, dass man die Isetta mit dem alten Führerschein IV fahren konnte, für viele Moped- und Motorradfahrer ein verlockendes Angebot.

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Zwischen 1955 und 1962 verließen ca. 160.000 Isettas das Münchner Werk, Eine für damalige Zeit beachtliche Produktionszahl, nur das Goggomobil war bei den Kleinfahrzeugen noch beliebter. Der anfängliche Verkaufspreis von 2.850 DM spülte genügend Geld in die Unternehmenskassen, um zu überleben und Zeit zu gewinnen für die Entwicklung eines neuen Mittelklasse-Modells. Vorher wurde aber noch eine weniger erfolgreiche, viersitzige Variante als ‚Line-Extension‘ auf den Markt gebracht, der BMW 600. Aber der feiert erst 2017 seinen 60. Geburtstag.

Wer jemals mit einer Isetta unterwegs war, wird es nie vergessen. Die knackige Schaltung links vom Fahrer, die direkte Lenkung, das straffe Fahrwerk mit minimalem Federweg verhalfen zu einem Kart-ähnlichen Fahrverhalten – gut dass behäbige Beschleunigung und zahme Höchstgeschwindigkeit den Ehrgeiz begrenzten. Sorgfalt musste man auch walten lassen beim Schließen der Tür. Denn einmal nicht ordentliche verriegelt stand man beim nächsten schärferen Bremsen im Freien, nur das Lenkrad als Halt gegen ein ungewolltes Verlassen der motorisierten Kapsel.

Heute kann man mit einer Isetta mehr Eindruck schinden als mit einem Porsche. Als Oldtimer selten und dementsprechend sehr begehrt, werden in gepflegtem Zustand Preise über 15.000 EURO aufgerufen. Damit liegt die niedliche Knutschkugel auf dem Niveau des damals teureren VW Käfer !

Klaus D. Lehmann-Gräve

 


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