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Wirtschafts-Okkupation: Russen erobern Finnland

Geschäftsbeziehungen immer intensiver – Exporte bereits verdreifacht

Arctech

Ein Eisbrecher von Arctech Helsinki

Am Beginn dieser Woche hat Russlands Vereinigte Schiffbau-Gesellschaft (russische Abkürzung: OSK, dazu gehören 39 Schiffbaubetriebe und Reparaturwerften sowie neun Konstruktionsbüros ) verkündet, Arctech Helsinki, http://arctech.fi , eine Werft, die Eisbrecher produziert, zu kaufen. Dieser Coup folgte kurz nach der Bekanntgabe, dass der russische Atomreaktorbauer Rosatum ein Drittel des kriselnden finnischen Atomkraftwerks Fennovoima übernimmt. In Finnland wird der Deal mit Sorge unter der Bevölkerung verfolgt. Skeptiker erinnern an die schlechten Erfahrungen, die wegen Abhängigkeiten zum Nachbarn schon einmal entstanden.

Ziel Auslandsinvestitionen

Putin

Finnlands Premierminister Jyrki Katainen (li) und Russlands Präsident Wladimir Putin

Kritiker fühlen sich an die wirtschaftliche Depression in den 1990er-Jahren erinnert, als nach dem Untergang des Kommunismus mit Russland der wichtigste Handelspartner wegfiel. Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg sind unter den älteren Finnen noch immer präsent. Und der Schutz der 1.340 Kilometer langen Grenze zwischen beiden Staaten, ist noch immer ein wichtiger Teil des verpflichtenden Militärdienstes. Finnlands Premierminister Jyrki Katainen versucht hingegen zu beruhigen und die Wogen zu glätten: „Ich würde nicht sagen, dass die Russen ihren Griff straffen. Wir sind, im Gegenteil, sehr froh, wenn es mehr russische Investments in Finnland gäbe. Wir brauchen in Finnland derzeit Auslandsinvestitionen.“ Denn, auch wenn Finnland das einzige Land unter den Eurozonenländern mit einem Triple-A-Rating und einem stabilen Ausblick bei allen drei wichtigen Ratingagenturen ist, so macht man sich nach dem Niedergang der Papier- und Zellstoffindustrie sowie des Handyherstellers Nokia doch Sorgen darüber, von woher ein wirtschaftlicher Aufschwung in Finnland kommen soll.

Ausverkauf hat begonnen

RUSSIA/

Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko

Für viele Finnen stellt die von mehreren russischen Geschäftsmännern mit einem Naheverhältnis zu Präsident Vladimir Putin übernommene finnische Eishockeymannschaft Jokerit die symbolischste aller Transaktionen dar. Am 28. Juni 2013 wurde offiziell bekannt gegeben, dass sowohl das Stadium (Hartwall Areena) als auch der Klub an den russisch-finnischen Unternehmer Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko und die russisch-finnische Rotenberg-Familie verkauft wurde. So wird das Helsinki-Team ab der Saison 2014/15 nicht mehr in der nationalen Liga antreten, sondern in der russischen Kontinental Hockey League. Der Anstieg der Geschäftsintensität zeigt sich auch an den offiziellen Zahlen. So kletterte der Export nach Russland um einen Prozent in den ersten sieben Monaten des Jahres – und das zu einer Zeit, in der der Export in die Staaten der EU um vier Prozent gefallen ist. Seit dem Beginn des neuen Jahrtausends haben sich die finnischen Exporte nach Russland verdreifacht.

Kreml-Bevormundung befürchtet

finnland_umrisskarte_staedteDer Einfluss Russlands wird aber nicht nur im Geschäftsleben spürbar. 2012 wurde eine Rekordzahl von 1,3 Mio. Visa ausgegeben. Da jedes Visum durchschnittlich drei Mal genutzt wurde, beziffert man die Anzahl der russischen Besucher in Finnland auf fast fünf Mio. in 2012. Russisch ist bereits jetzt die am meisten verwendete ausländische Sprache in Finnland. Und der Chef des Instituts für Migration zieht dabei bereits in Betracht, dass Russisch, als zweite offizielle Sprache des Landes im Jahr 2050 Schwedisch ablösen könnte. Für Premierminister Jyrki Katainen gibt es noch immer zu wenige Finnen, die Russisch studieren. In einem Interview mit der Financial Times zeigt er auf, dass immer mehr russische Start-ups nach Helsinki kommen und die Stadt zu einem der europäischen Hot-Spots in diesem Bereich gemacht haben. „Mit Hilfe der Russen wandelt sich die Stadt von einer Industriellen- in eine Unternehmerstadt, und das ist gut so“, sagt der Premier.

 

Sepp Spiegl

 

 




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