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Gewinn mit Teddy

Plüschtiere als relativ sichere Anlageform

Begehrte Sammlerobjekte: Teddybären
©dorotheum

Sie heißen Molly, Zotty oder Waldi und schauten schon mit ihren drolligen Kulleraugen in die Welt, als Willy Brandt noch Bundeskanzler war, die Ölkrise die Autobahnen leerfegte und sich Kofferradiobesitzer noch als Helden des Alltags verstanden. In der Kindheit der treueste Freund, in der Pubertät noch heimlicher Seelentröster und mit dem Einzug in die erste eigene Wohnung plötzlich nur noch liebgewonnener Ballast, der im Karton in Frieden ruht. Gemeint sind die Teddybären, Hasen oder Hunde, die uns als Kuscheltiere durch die Kindheit begleiteten und inzwischen durchaus vom Dachboden aus eine zweite Karriere als begehrtes Sammlerobjekt starten können.

Klassische Geldanlagen wie Sparbücher oder Festgeld werfen kaum noch Renditen über der Inflationsrate ab. Die kürzlich verkündeten Dauerniedrigzinsen der Europäischen Zentralbank lassen keinen Zweifel daran, dass sich Lebensversicherung und Co auch in absehbarer Zeit nicht wieder zu Renditehighlights entwickeln. Dazu kommt das allgemein schlechte Image der Finanzbranche, die trotz Deckung unter dem staatlichen Rettungsschirm weiterhin schwer zu durchschauende Anlagemöglichkeiten kreiert. Der deutsche Anleger, ohnehin eher konservativ und risikoscheu, sucht nach Alternativen und findet sie manchmal in exotischen Marktnischen.

Comic-Helden und Steifftier-Zoo

Neben Oldtimern, Wein, Diamanten oder Uhren, rücken zunehmend auch alte Spielsachen, Comics oder Stofftiere in den Fokus von Sammlern. Bereits seit knapp 20 Jahren veranstaltet Micky Waue in Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main Comicauktionen. In der 33. Veranstaltung am 29. und 30.November 2013 werden wieder einige hundert Besucher erwartet. Über 1.800 Positionen von Mickey Maus, Bessy oder Superman kamen Ende 2012 unter den Hammer und fanden fast alle ein neues Zuhause. Eine Ausgabe von „Buntes Allerlei“ von 1953 erzielte bei einem Limit von 2.700 Euro einen Preis in Höhe von 5.500 Euro.

7000 Euro wurden für den Bernhardiner „St. Bernard“ KFS 3329 H erzielt

Auch die lustigen Plüsch-Gesellen haben Renditepotenzial. In Bad Godesberg brachte im Frühjahr der Wachtberger Auktionator Carsten Esser rund 400 Stofftiere und Bären, vornehmlich aus dem Hause „Steiff“, unter den Hammer. Es gibt zahlreiche andere Hersteller von Stofftieren, die Tiere aus dem Zoo von Margarete Steiff, sind jedoch die Wertbeständigsten. Bei einem Startpreis von 1.931 Euro zog der Bernhardiner „St. Bernard“ KFS 3329 H letztendlich für 7.000 Euro in eine Sammlervitrine ein. Und auch der Hund „Flieger Ajax“ bekam für 1.900 Euro ein neues Herrchen.

Ob Koko, der Schimpanse oder Hermann, der Bär echte Raritäten sind, hängt von ihrem Allgemeinzustand und der Anzahl ihrer Familienmitglieder ab. Die vor 1970 produzierten Kuscheltiere gelten inzwischen als besonders wertvoll, umso mehr, wenn damals nicht allzu viele von ihnen von Giengen an der Brenz aus auf die Reise gingen. Fachleute können an Hand der Stofffahne im Ohr oder des Brustschildes das Alter und den geschätzten Wert erkennen. Auf den ersten Blick ist natürlich der weltberühmte Knopf im Ohr, der übrigens immer im linken Ohr bzw. sofern kein Ohr vorhanden ist, auf der linken Körperhälfte angebracht ist, ein Garant für die Herkunft aus Baden-Württemberg. Wohl dem, dessen Mutter vollstes Vertrauen in die Haltbarkeit des Knopfes hatte und ihn nicht vor vielen Jahren einfach heraustrennte. Damit wäre Teddys Karriere als Sammlerstück beendet. Besonders spannend wird es, wenn das Zotteltier bereits ein Familienerbstück aus früheren Generationen war und somit auf ein beachtliches Lebensalter zurückblicken kann.

Der Knopf entscheidet

Der Knopf im Ohr adelt das Plüschtier

Wer sich nicht sicher ist, kann sein Kuscheltier in Auktionshäusern oder direkt bei der Margarete Steiff GmbH in Giengen an der Brenz vorstellen und seinen Wert schätzen lassen. Auch, wenn Teddy und seine Freunde sicherlich nur kleine Kapitalmarktnischen bedienen, so zeigt der Zulauf doch, dass die Anleger nach Alternativen auf dem Finanzmarkt suchen. Während man sich jedoch völlig emotionslos von Wertpapieren und Fondsanteilen trennt, fällt es bei Molly und Waldi schon schwerer. Wer dies nüchterner sieht, trifft jedoch auf einen faszinierenden Markt, denn weltweit suchen Experten für Anleger nach Sammlerstücken.

Diese Erfahrung machte vor drei Jahren auch ein durch die Finanzkrise hoch verschuldeter Hedge-Fonds -Manager. Seine historische Steifftiersammlung erzielte beim Londoner Auktionshaus Christie’s die Rekordsumme von rund 1,23 Millionen Euro. Zeigt dieses Beispiel doch, dass Plüschtiere selbst in Händen von Spekulanten relativ krisensichere Anlageformen sind. Das einzige Risiko auf Totalverlust geht ausgerechnet von uns Teddymüttern- und vätern selbst aus: Wenn sich in den leuchtenden schwarzen Knopfaugen unsere Kindheit widerspiegelt, werden die pelzigen Spielgefährten für uns eigentlich unbezahlbar und ziehen wieder zurück auf den Dachboden.

Brigitte Freitag




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