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Nuggets vom Ausbeuter

Arbeitssklaven produzieren Hühnerfleisch für deutsche Supermärkte

Edeka, Rewe, Lidl und Aldi verkaufen offenbar Chicken Nuggets aus Hühnerfleisch, das in Brasilien unter sklavenähnlichenchicken Arbeitsbedingungen produziert wird. Mit der Billigware ist das Land zum größten Geflügelexporteur der Welt aufgestiegen.

Für die Eigenmarken von Edeka, Rewe, Lidl und Aldi ist anscheinend selbst das Fleisch aus europäischer Massentierhaltung noch zu teuer. Um die Preiserwartungen der Supermärkte und Discounter zu erfüllen, stocken die produzierenden Betriebe PHW Gruppe und Gebr. Stolle GmbH nach Recherchen der Christlichen Initiative Romero (CIR) ihre Bestände mit Geflügelware aus Brasilien auf, wenn sie die Ketten beliefern.

Die Angaben der CIR stützen sich auf einen Report des brasilianischen Journalistennetzwerks Repórter do Brasil. Danach herrschen in Brasiliens Geflügelmast- und Schlachtfabriken sklavenähnliche Arbeitsbedingungen: Wanderarbeiter aus Haiti, Bolivien und dem Nordosten Brasiliens werden ohne schriftliche Verträge über Subunternehmen als Geflügelfänger beschäftigt. In Zehner-Kolonnen fangen sie 50.000 Hühner am Tag. Geschlachtet und zerlegt werden die Tiere im Akkord am Fließband, die Schichten dauern 12 bis 17 Stunden. Eine Minute haben die Arbeiter Zeit, um vier Hühnerkeulen zu entbeinen – Schnittverletzungen sind damit programmiert. Unterkunft, Essen und Transport werden zu überhöhten Preisen rechtswidrig vom Lohn abgezogen, der ohnehin weit unter dem Niveau der Existenzsicherung liegt. Auf diese Weise entsteht eine Art Schuldknechtschaft, aus der sich die Arbeiter kaum mehr befreien können.

Der Preisdruck der Discounter und der Geiz der Kunden

„Dieser Skandal hat System: Auf der Suche nach dem billigsten Lieferanten scheuen Supermärkte und Discounter nicht davor zurück, Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen in der Produktion in Kauf zu nehmen“, sagt Sandra Dusch Silva von der CIR. Durch ihre Größe und Marktmacht könnten die Supermarkt- und Discounterketten den Produzenten Lieferbedingungen und Preise diktieren.

huehnerNirgendwo in der Welt wächst die Fleischproduktion schneller als in Brasilien. Nach Angaben der CIR ist das Land mit jährlich sechs Milliarden geschlachteten Hühnchen zum weltweit größten Geflügelexporteur aufgestiegen und hat damit China und die USA überholt. Die EU importiert pro Jahr rund 270.000 Tonnen Fleisch aus Brasilien, gut die Hälfte der deutschen Geflügelfleischimporte kommen aus dem südamerikanischen Land. 75 Prozent des ausgeführten brasilianischen Geflügelfleisches ist bereits verarbeitetet – zu Produkten, wie etwa Chicken Nuggets. Diese werden vor allem in den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien vertrieben.

Die Untersuchungen von Repórter do Brasil wurden im Rahmen der internationalen Kampagne Supply Change durchgeführt, die über eine Petition Druck auf europäische Supermarktketten macht, fair produzierte und nachhaltige Produkte zu verkaufen. Nach Recherchen der Aktivisten von Supply Change werden auch 80 Prozent des in Europa vertriebenen Orangensafts in Brasilien auf Kosten der Arbeiter und der Umwelt produziert – der steht dann zumeist als billige Eigenmarke in den Supermarktregalen.

Maria-Elisa Schrade „Greenpeace Magazin




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