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Urlaubshobby: Schmuggeln

Urlaubszeit ist Reisezeit. Und Reisezeit ist Schmuggelzeit. Zu Auslandsferien gehören nun einmal Mitbringsel für die lieben Daheimgebliebenen, oft genug jedoch auch nur für sich selbst. Wer hat nicht schon selbst dieses Kribbeln im Bauch nach der Landung verspürt und die stumme Frage formuliert: „Hoffentlich lässt mich der Zoll nicht den Koffer öffnen!“. Denn im Prinzip kennt man ja seine „Sünden“ – weiß sehr gut, dass bei weitem nicht alle mitgeführten „Andenken“ aus der großen weiten Welt zollfrei oder legal sind. Besonders nicht, wenn sie aus dem Nicht-EU-Ausland stammen. Es ist darum auch kein Geheimnis: Wer gegen gesetzliche Einfuhrbestimmungen verstößt und von einem der über 30 000 Zoll-Beamten in Deutschland ertappt wird, muss mit saftigen Geld- oder gar Haftstrafen rechnen. Dennoch drängt sich (besonders wenn die Fahnder wieder einmal eine Fundstatistik veröffentlichen) nicht selten der Eindruck auf, als wäre das Einschleusen von Konterbanden speziell in der Hochsaison schon so etwas wie ein Volkssport geworden. In einer repräsentativen Erhebung bei 3000 Bundesbürgern wollte es das Flugbuchungsportal fluege.de deshalb  genau wissen und fragte: Haben Sie schon einmal vorsätzlich aus Ihrem Urlaub etwas am Zoll vorbei geschmuggelt?

Tabakschmuggel sehr beliebt

Zigarettenschmuggel ist besonders attraktiv
©zoll

Das Ergebnis: 16 Prozent der Befragten antworteten mit „ja „, sie hätten bereits Andenken oder andere Produkte am deutschen Zoll vorbeigeschleust. Und für die anstehenden Sommerferien planen immerhin auch schon wieder zehn Prozent einen „Urlaubsschmuggel“ ein. Hoch beliebt sind folgende Konterbanden: Vor dem Hintergrund der hohen Tabaksteuer in Deutschland ist der Zigarettenschmuggel besonders attraktiv. Selbst Freimengen von bis zu 200 Zigaretten aus dem Nicht-EU-Ausland oder 800 aus dem EU-Ausland (Personen über 17 Jahre für den persönlichen Ge- und Verbrauch) reichen vielen Reisenden nicht aus. So schieben 49 Prozent Zigaretten, jenseits der Freimengen, unentdeckt am Zoll vorbei.

Auch gefälschte Markenkleidung hoch im Kurs

Gern wird auch gefälschte Markenkleidung nach Deutschland eingeführt. Bei der Umfrage gaben 27 Prozent der potentiellen „Urlaubsschmuggler“ dies an. Speziell Touristen, die aus asiatischen Ländern zurückkehren, fallen in diese Kategorie. Dies weiß logischerweise auch der Zoll und schaut darum schon genauer hin. Gern gepanscht wird auch Alkohol: Ebenfalls 27 Prozent gaben dies offen zu. Unter den Begriff „Schmuggel“ fällt hier etwa eine – für einen Touristen – recht unrealistische Menge von mehr als 16 Litern Bier oder von einem Liter Alkohol mit mehr als 22 Volumen-Prozent (Nicht-EU-Ausland).

Weitere Konterbanden: Schmuck, Arznei, gefälschte Produkte

Das Roentgenbild zeigt das versteckte Kokain
©Zoll

Fast ein Viertel (21 Prozent) bringen Schmuck oberhalb des erlaubten Warenwertes von 430 Euro (Flug- oder Seereisende) mit nach Deutschland. Wer mehr Arzneimittel als für den persönlichen Bedarf einführt, verstößt desgleichen gegen Zollbestimmungen. 12 Prozent der „Schmuggelaspiranten“ räumten dies ein. Das sind, statistisch betrachtet, immerhin mehr als eine dreiviertel Million Reisende. Faustregel ist: „Alle Arzneimittel, die in Deutschland rezeptpflichtig angeboten werden, sind von der Einfuhr ausgeschlossen, sprich verboten“, so der Zoll auf Nachfrage von fluege.de. Das heißt zum Beispiel, dass die günstigen Viagra-Angebote in Thailand oder der Türkei auch dort bleiben sollten. Ganz abgesehen davon, dass solcherlei gepanschte Pharmazeutika nicht selten sogar in hohem Maße gesundheitsgefährdend sind. Den „Import“ von Falsifikaten (unter anderem Markenuhren, Sonnenbrillen) gaben 10 Prozent zu. Rund acht Prozent schummelten Textilien nach Deutschland, vier Prozent exotische Tiere, drei Prozent Waffen und ein Prozent Drogen.

Bremer und Hamburger top

Betrachtet man das Umfrageergebnis auf Landesebene, so gaben die Bremer am offenherzigsten zu, Produkte unerlaubt nach Deutschland gebracht zu haben: 35 Prozent. Platz zwei im „Schmuggel-Ranking“ belegen die Hamburger mit 24 Prozent. Die sparsamen Baden-Württemberger landen mit 20 Prozent auf Platz drei. Der Zoll freut sich hingegen über die Urlauber aus Mecklenburg-Vorpommern. Nur sechs Prozent der Befragten gaben an, bereits Waren „schwarz“ mit heimgebracht zu haben. Doch wenn sie mal schmuggeln, dann langen sie richtig zu. So führen sie im Bereich der gefälschten Markenkleidung mit 43 Prozent die Betrügerliste an. Auch beim Alkohol-Schmuggel sind die Ostsee-Küstler mit 57 Prozent im Bundesländer-Vergleich spitze.

Wer mogelt am meisten?

Nicht besonders schlau: die Schmugglerweste
©Zoll

Zigarettenschmuggel wird laut der Studie besonders von niedersächsischen, hessischen (beide 59 Prozent) und Berliner Urlaubern (57 Prozent) praktiziert. Im Bereich des illegalen Arzneimittel-Imports führen die Brandenburger mit 23 Prozent vor den Hamburgern mit 16 Prozent. „Wer bei der Einreise an einem deutschen Flughafen im Zollkontrollbereich durch den grünen Ausgang geht, gibt damit indirekt eine Steuererklärung ab und an, dass er nicht gegen Einfuhrbestimmungen verstößt. Wer danach vom Zoll mit Schmuggelgut erwischt wird, muss zwangsläufig mit Strafen rechnen“, so Holger Friedrich, Bereichsleiter Flug von fluege.de.

Freimengen und Grenzwerte

Wer aus dem Nicht-EU-Ausland einreist, muss mit geringen Freimengen und Warenwerten klarkommen. Einfuhrgrenzen aus dem EU-Ausland sind teilweise vier Mal so hoch. So können etwa notorische Qualmer bis zu 800 Zigaretten nach Deutschland einführen. Auch beim Alkohol sind die Grenzwerte höher. Bis zu zehn Liter Schnaps dürfen ganz legal mitgebracht werden. Bei Warenwerten gilt: Grundsätzlich 300 Euro, bei Flug- bzw. Seereisenden bis zu 430 Euro und bei Reisenden unter 15 Jahren ein Warenwert von insgesamt 175 Euro.

Die kuriosen Ideen der Schmuggler

Viel Kreativität bewies ein Mann aus Mannheim bei seinem Schmuggelversuch. Er versteckte Sexspielzeug in einer Hausmacherwurst und wollte diese nach Dubai mitnehmen – dort sind Sexspielzeuge verboten.

Vom Zoll gerettet: Eine Schildkröte befand sich im Koffer
©Zoll

Mit 180 Schildkröten im Gepäck erwischten Zollfahnder einen 44-jährigen Augsburger an der ungarischen Grenze. Er wollte die geschützten Landschildkröten von Serbien nach Deutschland schmuggeln.

Falsches Viagra im Wert von rund 2,4 Millionen Euro stellten Zollbeamte am Pariser Flughafen Charles de Gaulle sicher. Der Fund hätte zahlreiche Männer in Brasilien glücklich machen können – dorthin waren die 224.000 Tabletten unterwegs.

Zweckentfremdet hat ein Drogenkurier seine Beinprothese. Der 35-Jährige versuchte, in seinem künstlichen Bein Kokain zu schmuggeln. Die Zollfahnder auf dem Flughafen in Frankfurt kamen dem Mann jedoch schnell auf die Schliche.

Mit fast einem Kilo Kokain im Bauch ist dem Zoll am Frankfurter Flughafen ein Schmuggler ins Netz gegangen. Er hatte 900 Gramm Kokain in 94 Säckchen geschluckt.

In Simmersdorf entdeckten Fahnder in einem Auto aus Paderborn knapp 3000 illegale Knallkörper aus Polen. Die Kracher lagen auf der Rückbank, nur verpackt in zwei Mülltüten.

Microsofts Spielekonsole Xbox 360 diente einem Drogenschmuggler als kurioses Versteck für eine brisante Fracht. Zwei Kilo Kokain steckten in der Spielekonsole, die ebenso wie die Droge weiß ist. Die Spürhunde ließen sich davon allerdings nicht täuschen.

Drogen in den Außenspiegeln: Das Rauschgift war in den Außenspiegeln eines Kleinwagens versteckt und hätte für rund 1.000 Konsumeinheiten gereicht.

Eine exotische Schlange, begehrtes Schmuggelobjekt
©Zoll

36 lebende Schlangen haben Zöllner am Flughafen München am 22. August 2011 bei einem 22-jährigen Australier im Gepäck entdeckt.

Ein deutsches Rentnerpaar hat beim Grenzübergang Dettighofen (D) versucht, illegal Bargeld vom Kanton Zürich nach Deutschland einzuführen. 27.500 Euro hatten die Eheleute im Alter von 75 und 78 Jahren in den Schuhen versteckt.
Ein Leutkircher Rentner ist am Stuttgarter Flughafen mit unerlaubten Mitbringseln aus der Türkei zurückgekommen. Der 66-Jährige hatte 11.280 Zigaretten ( 56 Stangen)  in seinen beiden Koffern verstaut.
Am Flughafen von Barcelona nahm die spanische Polizei  einen 66-jährigen Chilenen mit einem Gipsbein fest, das fast ausschließlich aus gepresstem Kokain bestand.

Die Zöllner des Hauptzollamts Singen haben einen sonderbaren Schmuggler aus dem Verkehr gezogen: Sie ertappten einen 70-jährigen Schweizer Rentner dabei, wie er fast 4.100 Glückwunschkärtchen nach Deutschland bringen wollte.

Einer Mitarbeiterin des Hauptzollamtes Lörrach, das den Grenzabschnitt zwischen Weil am Rhein und Rheinfelden überwacht, ist ein Mann ins Netz gegangen, der 140.000 Euro fein säuberlich in eine Erwachsenenwindel verpackt hatte.

ssp.


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