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Neue Alte wagen mehr

Best AgerEine neue Generation der Alten ist auf dem Vormarsch. Ihr Grau ist bunt. Sie pflegen ihren eigenen Lifestyle. Emanzipation vom Jugendwahn ist angesagt. Wirtschaft, Politik und Medien entdecken in riesen Schritten die neue Zielgruppe. Wachsendes Selbstbewusstsein ist ihr Markenzeichen.

Heute ist es spannend wie nie, älter zu werden. Der Puffer, sich deutlich jünger zu fühlen, ist zehn bis fünfzehn Jahre dick. Auch wenn wir die kritischen 50 überschreiten, können wir uns körperlich, seelisch und geistig durchaus noch so um die 40 fühlen. Wir haben dann viele Jahre Kraft für Neues. Wir stricken beispielsweise an der Encore (=Zugabe)-Biographie. Mit anderen Worten: Es wird immer häufiger, dass Menschen in diesem Alter in ein völlig anderes Berufsfeld umsteigen. Es kennzeichnet sie gegenüber früheren Generationen auch, dass sie nach dem 65. Lebensjahr zu 48 Prozent lieber Ihre Zeit mit dem Partner verbringen als mit Kindern (29 Prozent).

Und noch ein großes Potenzial öffnet sich: Die Alten sehen sich deutlich zufriedener als sie von Jüngeren eingeschätzt werden – und gelassener sind sie auch noch. Sie sind vielfach froh, dass sie den „globalen Gefrierpunkt“ zwischen 40 und 50 überwunden haben. Und schwach dürfen sie sich noch erinnern an die Zeit zwischen 18 und 25. Nach vielen Untersuchungen sind die Menschen in dieser Zeit weltweit weniger glücklich. Ihr gegenwärtiges Lebensgefühl beschreibt denn auch eine Frau, knapp vor dem 60. Geburtstag: „Ich weiß, wer ich bin und was mir gut tut, und versuche, was mir schadet, zu vermeiden. Ich mache jetzt viel mehr, was mir selbst gefällt“.

Neues Auto für die 70-Jährigen

Menschen mit jahrzehntelanger Lebenserfahrung verändern auch ihr Konsumverhalten Ein wichtiges Kriterium ist das zunehmende Qualitätsbewusstsein. Der praxisgewohnte Verbraucher macht einfach nicht mehr jeden Trend mit. Wenn er investiert, dann eher nachhaltig. Erstaunlicherweise nehmen Senioren zwischen 65 und 79 Jahren 84 Prozent ihres Einkommens für den Konsum. Der jüngere Bürger investiert durchschnittlich nur 76 Prozent für den Konsum. Ein interessanter Beleg dafür, dass die Älteren Freude an teuren Investionen haben, ist der sehr gut überlegte Autokauf. Immerhin fahren 43 Prozent der über 70-Jährigen einen neuen Wagen. Ihre damit dokumentierte Botschaft heißt: Wir wollen noch etliche Jahre bei der Verkehrsmobilität mitmischen.

Reisen: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Überhaupt bleibt Mobilität bei den Älteren ein großes Stichwort. Regelrecht umschwärmt werden sie von Reiseunternehmen. Erinnern wir uns noch: Als die heutigen Best Ager Hippies, 68er oder Friedens-Ökos waren, lächelten sie milde oder beißend spöttisch über touristisch einfallende US-Senioren. Diese durchstreiften damals in einer deutschen Aufbruchgesellschaft in betreuten Gruppen das romantische Deutschland. Ihre Erkennungszeichen: Gefärbte Haare, für traditionelle Augen des Old Germany zu bunt angezogen, immer aber gut drauf, interessiert und in ihrer Mobilität unersättlich. Damals wirkten dagegen die deutschen Alten grauer, seriöser, starrer – einfach deutlich älter. Und heute? Die neuen deutschen Alten wagen mehr, sind bunter geworden, wollen die Welt noch besser und weiter kennenlernen. Erstaunlich viele können sich das auch leisten. So gehen 60 Prozent der über 65-Jährigen öfter als einmal im Jahr auf Reisen. Gerne entdeckt die Generation „Reif“ auch die Schönheiten unseres Landes mit Kurzreisen, aber ebenso beliebt sind teure Reisen zu globalen Horizonten. Das Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Insbesondere jüngere Leute haben ein verstaubtes Altenbild. Teilweise tragen aber die Alten selbst dazu bei, indem sie unbewusst Klischees bedienen. Dazu gehört nach wie vor die Vorstellung, dass die Best-Ager auf keinen Fall nennenswert Silver-Surfer sind. Deutlicher zu diesem Thema werden diejenigen gehört, die als lauthalsige Methusalems ihre Online-Ignoranz oder ihr ausgeprägtes digitales Desinteresse in die Welt hinausposaunen. Jedoch spricht die lautlose Revolution in den eigenen vier Wänden an Laptop und Tablett-PC eine andere Sprache. Hier praktiziert die neue Altengeneration Globalisierung über die Teilhabe am digtalen technischen Fortschritt. Bereits über 60 Prozent der 60- bis 69-Jährigen sind heute online. Eine Infratest-Umfrage brachte weiter Erstaunliches zutage: Immerhin surfen rund 40 Prozent der befragten Internetnutzer ab 65 Jahren in sozialen Netzwerken. Beim Kontakt halten über Grenzen hinweg will sich nun wohl auch die ältere Generation nicht mehr limitieren lassen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis auch flashmob-bewegte Senioren Schlagzeilen machen.

Zwischen Wahlbeteiligung und Ehrenamt

Und genau an dieser Stelle wachsen die zunächst individuell motivierten Werkzeuge kommunikationsfördernder Netzwerke heran. Der nächste Schritt in politische Aktivitäten hinein ist dann nicht mehr weit. Denn diese dynamische Altengeneration hat auch Belange, die gesellschaftpolitisch schlecht oder gar nicht vertreten sind. Politikverdrossenheit, wer kennt sie nicht aus der medialen Diskussion, ist ein Stichwort. Zwar macht derzeit insbesondere die Jugend von ihrem Recht auf Verweigerung bei Wahlen Gebrauch. Nur 59 Prozent der 21- bis 25-Jährigen gingen 2009 zur Bundestagswahl. Diese staatsbürgerliche Gleichgültigkeit bekommt u.a. trauriges Gewicht, wenn die Jugend von der Politik erwartet, dass sie für sie verträgliche Lösungen findet, um die Soziallasten einer älter werdenden Gesellschaft zu schultern. Hier sind in der Vertretung ihrer Interessen vielleicht die Alten noch etwas besser aufgestellt. Denn dem gegenüber machten 80 Prozent der 60- bis 70-Jährigen von ihrem wichtigen demokratischen Recht Gebrauch. Damit wachsen ein wenig die Chancen, dass die Älteren in der Politik zunehmend Gehör finden. Aber die über 50-Jährigen rücken nach und bringen wieder eher Politiker- und Politikverdrossenheit mit.

Zum politischen Bewusstsein zählt ganz sicherlich die Bereitschaft, sich für die Belange anderer einzusetzen. Sicherlich wäre die ältere Generation prädestiniert, ihre Erfahrung in ein Engagement für andere einzusetzen. Aufgabenfelder hierfür gäbe es in unserer Gesellschaft genug. Die Senioren und die Jüngeren in der Gesellschaft diskutieren diesen Ansatz durchaus kontrovers. In welchem Maße sollen sich die über 65-Jährigen in einem Ehrenamt engagieren? Die Wahrnehmungen sind hier sehr unterschiedlich. Nicht wenige der Menschen, die nach einem langen Arbeitsprozess und viel Engagement auch in sozialen Bereichen den Ruhestand erreicht haben, pflegen nun die Einstellung, dass sie auch ein Anrecht darauf haben, die restlichen Jahre stärker an sich, ihre Partner, die Familie und die Hobbies zu denken. Dennoch rechtfertigen es die Zahlen nicht, von einer durchgehend egoistischen Alten-Generation zu sprechen: Eine INSA-Studie hat ergeben: 40 Prozent der über 65-Jährigen üben ein Ehrenamt aus. Mit nur 30 Prozent können da die 30-Jährigen nicht so ganz mithalten. Nicht selten erreicht der Einsatz in einem Ehrenamt vom Zeitansatz, von der Quantität und Qualität der Arbeit schon berufliche Dimensionen. Es ist dann auch für einen etwas älteren ehemaligen Arbeitnehmer durchaus die selbstgestellte Frage, ob er nicht noch ein paar Jahre Berufsleben dranhängen möchte.

Mit einem solchen Ansatz wachsen wohl auch die Chancen für entsprechende Tätigkeiten. Denn Rentner sind auf dem Arbeitsmarkt zunehmend begehrt. Selbst große Firmen holen ehemalige Mitarbeiter wieder an die Fließbänder oder in die Büros. Der Grund: Seit sechs Jahren geht die Erwerbsbevölkerung in Deutschland zurück. Gleichzeitig wächst die Erwerbstätigkeitsquote der 55- bis 64-Jährigen hierzulande seit 2004 ständig an. Nicht aufrecht erhalten werden kann somit die Mähr, dass die Älteren ein Klotz am Bein der Firmen sind. Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsförderung (ZEW) erhöht sich Produktivität eines Betriebes um 0,5 Prozent, wenn – gemessen an der gesamten Belegschaft – die 45- bis 50-Jährigen um ein Prozent zunehmen. Bei Berücksichtigung bestimmter Rahmenbedingungen und verhältnismäßig geringen Investitionen können Produktionseinheiten mit Älteren es schnell auf Augenhöhe mit den jüngeren Mitarbeitern bringen. Ein Modell ist auch, ehemalige Mitarbeiter als externe Berater für ihre früheren Firmen einzusetzen. Der DGB warnt aber davor, dass sich für die Wirtschaft die Tendenz öffnen könnte, ältere Arbeitnehmer als billige Arbeitskräfte einzusetzen. Als Bollwerk gegen Fehlentwicklungen haben die Gewerkschaften nun auch hier ein wichtiges Betätigungsfeld.

Kampf gegen die Diskriminierung der Alten

Und zunehmend wehren sich die Menschen an der Klippe zu Rente, Pension und Ruhestand gegen Altersdiskriminierung. Noch von einzelnen älteren Arbeitnehmern werden zunehmend Gerichte bemüht, die durch Urteile klären sollen, ob man bei Erreichen einer bestimmten Altersgrenze einfach so in die Rente geschickt werden kann. In diese Richtung gehen auch Rechtsstreitigkeiten, bei denen Arbeitgeber mehr oder minder deutlich erkennbar einen Mitarbeiter aus Altersgründen auf die Straße setzen. Ein Beispiel ist der Mediziner Jekabs Leititis aus Köln. Ihm wurde mit 62 Jahren gekündigt. Für ihn hatten die Kölner städtischen Kliniken aus Altersgründen einen 41-Jährigen eingestellt. Das Oberlandesgericht und nun auch der Bundesgerichtshof (BGH) sahen den Tatbestand der Altersdiskriminierung. Damit folgten die beiden Gerichte der Europäischen Richtlinie, auf der 2006 das Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verabschiedet wurde. Danach sind Benachteiligungen aufgrund ethnischer Herkunft, des Geschlechtes und des Alters verboten. 2011 hatte der BGH auch entschieden, dass die Altersgrenze von 60 Jahren für Piloten gegen das Diskriminierungsverbot verstoße. Hier offenbart sich ein neues Bewusstsein, das sich auch bei den Betroffenen selbst erst mühsam seinen Weg bahnen muss. Wir haben uns einfach an viele Dinge gewöhnt. Sie müssen deshalb aber nicht gut und richtig sein.

Dazu gehört auch eine realistische Sichtweise der demografischen Mitplayer. Es ist nämlich eine ganz einfache Rechnung in die Zukunft hinein: Sie besagt, dass im Jahr 2050 jeder Dritte in Deutschland älter als 60 Jahre ist. Die finanzielle Belastung für die Jüngeren wird wachsen. Es wird also unabdingbar, dass derjenige, der arbeitswillig und arbeitsfähig ist, auch länger arbeiten können muss. Die Wissenschaft hilft mit Untersuchungen, die das vertretbare Hinausschieben gesetzlicher Altersgrenzen unterfüttern: Der 70-Jährige ist ebenso arbeitsfähig wie früher 50-Jährige. Wenn dem in vielen Fällen so ist, dann kann auch Autofahren in diesem Altersspektrum nicht mutwillig zum automatischen Problemfeld umgesteuert werden. Hier gilt es, auch Vermutungsdiskriminierungen rechtzeitig auszubremsen.

Zu beobachten ist nämlich, dass Unfälle, die erkennbar ein älterer Autofahrer verursacht hat, in der Öffentlichkeit oft tendenziös zu Lasten der Senioren diskutiert werden. Mit belastbaren Zahlen könnten einseitige Diskussionen oft schnell und fair beendet werden. Wie wir wissen, sind es die 18 bis 25-Jährigen, die über zwanzig Prozent aller Unfälle mit Personenschaden verursachen. Bei den 65- bis 75-Jährigen liegt diese Quote bei sieben Prozent. Viele andere Zahlen belegen, dass die Älteren keine besondere Problemgruppe darstellen. In der Regel können sie auf Augenhöhe gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer bleiben. Dennoch darf nicht verkannt werden, dass beim weiteren Anstieg dieser Bevölkerungsgruppe auch die Zahlenverhältnisse sich ändern. Es muss – wie in vielen anderen Themenbereichen auch – ständig überprüft und geforscht werden. Denn wir betreten hier wirklich Neuland. Vorauseilende Pauschalurteile sind nicht hilfreich. Denn vom Grundsatz können die vitalen Alten mit ihrem sauer über viele Jahre erworbenen Rentenanspruch nicht daran gehindert werden, in der von ihnen gewählten Weise am Leben in dieser Gesellschaft teilzunehmen.

Alten-Soli und längere Arbeitszeit

Zukunftsangst: Auf der Suche nach der Rente

Geld spielt also für das Lebensgefühl der Älteren – wie in anderen Bereichen auch – ein große Rolle. Die meisten bestreiten ihr Leben ab 60 zunehmend über ihre Rente. Alle Signale aber stehen auf Rot. Wie lange können die Renten in den jeweiligen Höhen noch bezahlt werden? Für die Jüngeren ist ja bereits klar, dass sie sich zusatzversorgen müssen. Die Älteren können nur darauf hoffen, dass das Solidarsystem noch lange trägt. Politiker und Experten warnen aber schon seit geraumer Zeit davor, sich dem Trugschluss hinzugeben, die Renten seien sicher. Somit verwundert es auch nicht, wenn kürzlich aus der Projektgruppe Demografie der CDU/CSU der Vorschlag kam, eine Demografie-Steuer einzuführen. Mit diesem „Alten-Soli“ soll nach den Vorstellungen der Politiker jeder Deutsche vom 25. Lebensjahr an zu den Kosten der älter werdenden Gesellschaft beitragen. Dennoch gilt zumindest für die derzeitigen Älteren, dass sie sicherlich in großen Teilen zu den Senioren gehören, die in bisher einmaliger Weise ihren aktiven Lebensabend gestalten und auch genießen können. Perspektivisch aber werden sich hier in kommenden Jahren die Jüngeren und die Älteren für tragfähige Solidarmodelle zusammenraufen müssen. Je gesünder die älter werdende Gesellschaft bleibt, umso eklatanter wird das Unterstützungssystem. Der Trend wird hoffentlich anhalten. Denn viele Menschen tun auch eine Menge für eine gesunde und bewegte Lebensweise.

Gerne aber projezieren wir unser Gesundheitsbestreben in erster Linie auf die körperliche Fitness. Falsch ist das nicht. Daraus leiten viele ab, möglichst früh in den Ruhestand zu gehen, um möglichst lange die Rente zu genießen. Die Mobilität durch Beweglichkeit erhalten, die Kraftreserven für viele Dinge im Alltag auszubauen, den Geist zu trainieren. Sie wollen sich einfach eine schöne Dauerfreizeit einrichten. Insbesonders für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig in Rente gehen müssen, ist das sicherlich O.K. und leicht nachzuvollziehen. Menschen aber, die noch Leistungsressourcen in sich tragen, sollten nicht leichtfertig die Rente beantragen. Hierzu sagen die wissenschaftlichen Erkenntnisse klar: Wer seinen produktiven Lebensabschnitt verlängert, erspart sich vielfach damit auch eine Altersdepression. Der Anteil der Älteren, die sich eine Tätigkeit über die üblichen Altersgrenzen hinaus vorstellen kann, wächst. Die Gründe hierfür sind natürlich nicht immer nur die reine Selbstverwirklichung. Auch zunehmend finanzielle Engpässe (Altersarmut) zwingen teilweise zur weiteren beruflichen Tätigkeit. Nicht verwundert es somit, dass diese Entwicklungen, die noch stille Revolution, das neue Altersbild in den Medien Resonanz finden.

Sie entdecken zunehmend die „goldenen Jahre“ als Thema. ProSiebenSat.1 beispielsweise plant im Winter einen Spartenkanal für das ältere Publikum. Damit tritt dieses Format sozusagen in die Fußstapfen des Spartenkanals Sixx für Frauen. Auch der Printbereich großer Verlage will den Anschluss nicht verschlafen. Der Verlag „Gruner und Jahr“ brachte im April 2012 „Viva“ unter der Dachmarke „stern“ auf den Markt. Der Test lief mit 100.000 verkauften Exemplaren des Generationen-Heftes an. Ob daraus ein Periodikum wird, blieb offen. Jüngst aber ist eine weitere Ausgabe erschienen, jetzt schon in einer Auflage von 230.000. Der Trend ist unübersehbar; so verlässt insbesondere die traditionell altersallergische Werbung die ausschließliche Jugendfokussierung. In vielen Illustrationen mit werblichem Charakter tauchen symphatische Alte auf, immer agil und lächelnd. Nicht zu vergessen die vielen netten Filme über AltenWG´s, Aufstand im Seniorenheim oder Auswandern in Billigländer mit viel netterer Pflege als hier in Deutschland. Das Alter wird zeigbar. Die Kamera hat keine Angst mehr vor Falten.

Zwischen Methusalem und Geburtenförderung

Fassen wir zusammen: Ja, wir entwickeln uns zu einer Methusalem-Gesellschaft. Ja, wir müssen dennoch sicherstellen, dass wir als Gesellschaft nicht vergreisen. Ja, wir müssen mit allen Kräften darauf achten, dass sich die jüngeren Menschen in diesem Land wohl fühlen. Sie sind die Zukunft, sie schultern unser Sozialsystem. Ihnen könnte bange werden, wenn pro Jahr 15.000 Geburten weniger verzeichnet werden. Wir sprechen schon von der Schrumpf-Nation Deutschland. Aber die Menschen über 50 können hierfür sicherlich nicht mehr direkt verantwortlich gemacht werden. Die Biologie hat eben ihre eigenen Gesetze. Indirekt aber schon. Mit der dargestellten Power der älteren Bürger können auch Rahmenbedingungen verbessert werden, die jungen Partnerschaften helfen, sich mit der Gründung von Familien und ihrer Kinderplanung hier in Deutschland gut aufgehoben zu fühlen.

Die Forderungen nach finanziellen Maßnahmen zur Geburtenförderung, der Ruf nach mehr Einwanderern wird lauter und sollte auch und gerade von den Älteren nicht durch starres Festhalten an Negativ-Klischees unnötig behindert werden. Es steigt in deutlichem Tempo das Bewusstsein in Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, Öffentlicher Hand, in den Medien und allgemein in der Gesellschaft, dass die ältere Generation einen unermesslichen Wert für den qualitativen Fortbestand unseres Landes hat. Die Lebenskultur und damit auch der Lifestyle der Best Ager haben sich in den letzten Jahren bereits dramatisch gewandelt. Die Alten lassen sich eben nicht mehr einfach abschieben, aufs Altenteil eben. Unmerklich werden sie jünger. Sie wollen auf Augenhöhe am Leben teilhaben, sie wollen sich aber auch einbringen, gefragt sein, sie wollen einfach gleichberechtigt sein.

Mit dem wachsenden Selbstbewusstsein, aber auch mit einer lebenserfahrenen Gelassenheit treffen die neuen Alten nun aktuell auf wachsende Bedürfnislagen in vielen Bereichen des Landes. Es erinnert an die erfolgreichen Gleichberechtigungsbemühungen der Frauen. Warum sollte dies den älteren Bürgern nicht auch gelingen? Das Alter(n) wird zum Mainstream – Gewinner und Verlierer eingeschlossen. Spannend eben.

Dieter Buchholtz

 

Ein Spruch in Ehren

„Es ist nicht schön, alt zu werden“ – sagt der Jubilar. Darauf der Lobredner: „Bedenken Sie die Alternative!“

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    Nicht so wirklich glücklich sind viele Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. Noch so ein Glückstiefpunkt folgt zwischen 40 und 50 Jahren. Den "globalen Gefrierpunkt" - das haben David Blanchflower und Andrew Oswald erforscht - erreichen wir dann mit 46 Jahren. Ich nenne das mal den negativen G-Punkt des Alterns.…
    Tags: jahren, menschen, mehr, haben, noch, viele, einfach, älteren, gesellschaft, zunehmend




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