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Neues aus der Alternsforschung

Gesund und fit mit 65 Plus: Die zweite Berliner Altersstudie BASE II

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden im Jahr 2030 etwa die Hälfte der Deutschen über 50 und fast jede dritte Person älter als 65 Jahre alt sein. Höchste Zeit also mehr Detailwissen über das Altern zu erlangen. In Berlin untersucht nun eine neue wissenschaftliche Studie über 2000 Probanden zu diesem Thema – vor allem auch im Hinblick darauf, ob und warum man im Alter glücklich sein kann.

BASE I – eine Überraschung

Elisabeth Steinhagen-Thiessen

Elisabeth Steinhagen-Thiessen,
(Forschungsgruppe Geriatrie der Charité, Berlin), Sprecherin

In der ersten Berliner Studie BASE I untersuchte Elisabeth Steinhagen-Thiessen gemeinsam mit 30 Kollegen von 1988 bis 1994 mehr als 500 West-Berliner im Alter von 70 bis 95. Diese Studie, die 2009 abgeschlossen wurde, lieferte damals ein erstes Bild über die Alterswelten in Deutschland und setzte damit international Maßstäbe: Sie war weltweit einzigartig in ihrer Breite und hat das Bild des Alterns grundlegend revidiert. Bis zu dieser Studie galt der alternde Mensch vor allem als Patient. Er diente der Wissenschaft lediglich als Forschungssubjekt. Zahlreiche Vorurteile über das hohe und höchste Alter, das man vor allem mit Siechtum und Gebrechen assoziierte, konnten entkräftet werden.

Überraschenderweise beurteilten in BASE I knapp 30 Prozent der 70jährigen und ältere ihre körperliche Gesundheit als gut bis sehr gut, 38 als befriedigend. 70 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie das Gefühl hätten, ihre Geschicke vor allem selbst zu beeinflussen.

Schon die Auswertung von BASE I zeigte, dass nicht alle Hirnfunktionen gleichermaßen von altersbedingten Abbauprozessen beeinflusst werden. Manche sind sogar bis ins hohe Alter erstaunlich stabil. Dazu zählen z. B. Allgemeinwissen und Vokabular, während die Wahrnehmungsfähigkeit, aber auch das Merken von neuen Informationen eher abnehmen.

Die heutige Wissenschaft ist damit beschäftigt, zu erforschen, was diese Prozesse beeinflusst. Warum gelingt es gut 6 bis 8 Prozent der Älteren, ihre kognitive Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten – sogar auf dem Stand von deutlich jüngeren Probanden?

Studie BASE II – gesund und fit mit 65 Plus

Gesund und Fit mit 65 Plus

Gesund und Fit mit 65 Plus

 Die neue Studie BASE II ist keine Fortschreibung sondern eine Weiterentwicklung der ersten. Neueste Untersuchungen zeigen, dass sich auch im Gehirn einer älteren Person, die körperlich sehr aktiv ist, bestimmte Strukturen noch verändern können. Diese Veränderung, also die Zunahme von Strukturen durch körperliche Aktivität, steht auch im Zusammenhang damit, dass kognitive Tätigkeiten besser ausgeprägt sind.

Welchen Einfluss „Lebensstil-Faktoren“ wie Bewegung, Ernährung oder soziale Kontakte auf das kognitive Altern haben, ist bis jetzt noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Hier soll BASE II genauere Erkenntnisse liefern.

1.600 Probanden im Alter von 60 bis 80 Jahren durchlaufen die Testreihen; dazu noch eine Vergleichsgruppe von 600 jüngeren Teilnehmern im Alter von 20 bis 35 Jahren.

Das Programm des ersten Untersuchungstages der Probanden besteht aus verschiedenen Aspekten: Selbsteinschätzung des Gesundheitszustandes, Fragebögen zur sozialen Situation, zur Sexualität, zum Schlafverhalten und zur Medikamenteneinnahme. Dann noch Blutdruckmessung, Blutentnahme, ein kurzer Gedächtnis- und Konzentrationstest. Außer Medizinern, Psychologen, Soziologen und Bildungsforschern sind diesmal auch Ernährungswissenschaftler und Genetiker beteiligt

Glück im Alter

<strong>"Glück im Alter"</strong><br />Foto: djd/www.initiative-hausnotruf.de

“Glück im Alter”
Foto: djd/www.initiative-hausnotruf.de

Einer der Hauptbefunde in BASE I war die Einsicht, dass das Wohlbefinden im Lebensverlauf relativ gleich bleibt. Das sogenannte Wohlbefindens-Paradoxon des Alters besagt, dass trotz der negativen Alterserfahrungen das Wohlbefinden des Menschen gleich bleibt. Das zeigt, dass die menschlichen adaptiven und selbstregulativen Prozesse sehr robust sind.

Was beeinflusst die Lebenszufriedenheit im Alter? Vermutlich spielen soziologische Faktoren eine Rolle, z. B. eine gute materielle Absicherung. Wichtig ist aber auch das Lebensumfeld: eine gute soziale Einbettung, die Möglichkeit Pflegedienste in Anspruch zu nehmen, weil dadurch die Selbstständigkeit aufrechterhalten wird. Das Gefühl noch alles im Griff zu haben ist entscheidend.

Selbstbestimmen und Loslassen

Ein wichtiger Faktor – so die Wissenschaftler – ist die unglaubliche Anpassungsleistung des Menschen. Wer es z. B. schafft gern ausgeübte Sportarten oder Hobbies loszulassen, die später durch körperliche Einschränkungen nicht mehr möglich sind, sich dann aber auf andere neue Quellen des Wohlbefindens konzentriert, der wird trotz des Verzichts auch weiterhin seine Lebenszufriedenheit finden.

Die „neuen“ Alten

Die “neuen” Alten von heute scheinen gesünder zu altern als ihre Vorgänger. Während in der ersten BASE-Studie Anfang der 90er Jahre noch sehr stark die sehr belastete Kriegsgeneration vertreten war, kommen nun die meisten Probanden aus der Nachkriegsgeneration. Eine verbesserte Ernährung und Fortschritte in der medizinischen Versorgung haben ihren Alterungsprozess mit beeinflusst.

Erste Daten zur Ernährungssituation zeigen, dass sich die „neuen“ Alten ausgewogener ernähren als die vorhergehende Untersuchungsgruppe. Die jetzt alternde Generation ist aktiver, gesünder und mobiler als jede andere Generation davor.

Auf weitere Ergebnisse der aktuellen Altersstudie BASE II darf man gespannt sein!

Ursa Kaumans

Mehr im WWW

Berliner Altersstudie BASE

www.base-berlin.mpg.de

http://www.swr.de/swr2/wissen/gesund-und-fit-im-alter-studie




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