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Gehirnleistung steigt im Alter in einigen Bereichen

Grandfather laughing with grandchildren

Mit ihrem Allgemeinwissen können die Älteren punkten

Jugend sehr merkfähig – Senioren punkten mit emotionaler Intelligenz

Ältere Gehirne funktionieren in einigen Dingen besser als junge, wie eine neue Studie des General Hospital Centers in Boston herausgefunden hat. Während einige Denkfähigkeiten mit dem Alter nachlassen, erreichen einige Kompetenzen wiederum ihre Höchstleistung erst im mittleren Alter oder sogar noch später. Fast 50.000 Studienteilnehmer wurden online befragt.

Kein „optimales“ Alter möglich

Menschen in ihren 40er- und 50er-Jahren können emotionale Signale von anderen Menschen besser übersetzen, während die Senioren mit ihrem Allgemeinwissen punkten. Junge Erwachsene wiederum denken schneller und haben ein besseres Kurzzeitgedächtnis. „Es gibt kein Alter, in der das Gehirn am leistungsfähigsten ist. Es kommt immer auf den Aspekt an, den man untersucht“, unterstreicht Forscherin Laura Germine.

Die Studie zeigt, dass verschiedene Denkfähigkeiten in verschiedenen Phasen des Lebens ihren Höhepunkt erreichen. So denken Menschen im Alter von 18 und 19 Jahren am schnellsten, während ihr Kurzzeitgedächtnis mit ungefähr 25 Jahren den Höhepunkt erreicht. Die Fähigkeit, die emotionale Situation eines Menschen zu interpretieren, erreicht ihren Höhepunkt in der Lebensmitte.

Kristalline Intelligenz im hohen Alter

Die Wissenschaftler kommen bei der Auswertung und Analyse der Daten auch zu dem Schluss, dass die sogenannte kristalline Intelligenz, also jene Intelligenz, die im Laufe des Lebens erlernt wird und basierend auf einem Vokabeltest geprüft wurde, zeigt ihren Höhepunkt erst im hohen Alter. Die späten 60er und frühen 70er sind in dieser Disziplin die Besten unter den Studienteilnehmern.

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Raymond Bernard Cattell (1905 – 1998)

Der Psychologe Raymond Bernard Cattell hat die intellektuelle Leistungsfähigkeit mit einem Modell beschrieben, das in der Psychologie heute weit verbreitet ist und viele Beobachtungen erklären kann. Demzufolge verfügt der Mensch über eine „fluide“ und eine „kristalline“ Intelligenz. Beide sind eng miteinander verknüpft und doch sehr unterschiedlich. Die fluide Intelligenz ist uns weitgehend in die Wiege gelegt. Dazu zählen eine schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis. Mit seiner Hilfe gelingt es Kleinkindern, erstaunlich schnell sprechen zu lernen und sich ohne Vokabelpauken einen Wortschatz anzulegen. Wer in fortgeschrittenem Alter noch einmal eine neue Sprache lernt, kann das nur bewundern. Denn im Laufe des Lebens geht die fluide Intelligenz zurück. „Ab etwa 25 Jahren nimmt sie immer mehr ab“, sagt der Psychologie-Professor Detlef Rost von der Philipps-Universität in Marburg. Kein Grund zur Sorge: „Die kristalline kann dafür noch lange wachsen.“ Sie nehme erst mit 60, 70 Jahren oder noch später ab – bei manchen Menschen nie.

Die kristalline Intelligenz umfasst unter anderem das verbale Ausdrucksvermögen, das Fachwissen und die soziale Kompetenz. Sie beruht auf Übung, setzt Gelerntes zueinander in Beziehung und wird kulturell beeinflusst. Der Entwicklungspsychologe Paul Baltes, einst Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, nannte sie „die Pragmatik der Intelligenz“ – im Gegensatz zur fluiden Mechanik des Geistes, die die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Informationsverarbeitung bezeichnet. In jungen Jahren, wenn die Mechanik noch gut funktioniert, nutzen wir die fluide Intelligenz zur Aneignung von Wissen. Die kristalline Intelligenz verknüpft dieses Wissen. So entsteht Erfahrung. „Ein großer Schatz an Erfahrung kann den biologischen Abbau der intellektuellen Leistungsfähigkeit sogar überkompensieren“, sagt Detlef Rost.

Die kognitiven Fähigkeiten des Gehirns sind äußerst komplex und hängen stark von verschiedensten Faktoren wie dem Alter und der Lebenserfahrung ab. „Zusammengefasst gibt uns die Studie eine hoffnungsvolle Aussicht auf die Änderungen im Gehirn, während wir altern“, verdeutlicht die Autoren abschließend.

Sepp Spiegl

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    Wer mit über 60 Jahren noch Gewichte stemmt oder regelmäßig joggt, hat gute Aussichten, gesund zu altern. Selbst wer dann erst mit Fitnesstraining beginnt, kann das Wohlbefinden noch deutlich stärken, zeigt eine aktuelle Studie.
    Tags: jahren, studie, alter, menschen, noch, hat, ab


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