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Frauen weniger bestechlich

Frauen missbilligen politische Korruption eher als Männer und verhalten sich auch nicht so oft korrupt. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie der amerikanischen Rice University. Allerdings mit Einschränkung.Bestechung Die Erkenntnis gilt, so die Untersuchung, nur in “korruptionsfeindlichen” Systemen wie den meisten Demokratien. „Das Verhältnis von Geschlecht und Korruption scheint von von den äußeren Bedingungen abhängig zu sein“, meint Studienleiter Justin Esarey. Speziell in autoritären Gesellschaften konnte die neue Analyse nämlich kein “vorbildlicheres” Verhalten von Frauen nachweisen. Als einen Grund dafür vermutet der Politikwissenschaftler, dass Frauen sich eher als Männer an die politischen Normen einer Gesellschaft gebunden fühlen.  „In Autokratien sind Bestechung, Vetternwirtschaft und persönliche Loyalität oft typisch für den normalen Regierungsbetrieb und werden deshalb auch gar nicht als Korruption empfunden“, weiß Esarey. Er nimmt an, das Frauen deshalb dazu neigen, politische Entscheidungen diesen Normen entsprechend zu fällen.

Geringere Korruptionstoleranz

Mehr Frauen in der Staatsführung würden – dem Wissenschaftler zufolge – also in “gelenkten” Systemen die Korruption insgesamt wohl nicht mindern. Das funktioniert offenbar nur in Demokratien,  wo das Ausnutzen der öffentlichen Politik zum privaten Vorteil normalerweise von Wählern und Gerichten abgestraft wird. Hier zeigen Frauen ein geringeres Verständnis für Bestechung und Bestechlichkeit.

Frauen in Top-Positionen

rp-korruption-in-der-weltIn Zeiten wie diesen, in denen Korruption Tagesgespräch ist, drängt sich die Frage auf: Wäre die Welt eine gerechtere, gäbe es mehr Frauen in Top-Positionen? Also weibliche Finanzvorstände, Gewerkschaftsbosse, Bundeskanzler und -präsidenten? Keine hohle Phrase. Eine der wenigen Frauen an den Hebeln der Macht, Daimler-Vorstand Christine Hohmann-Dennhardt, hat den rund 260.000 Mitarbeitern des Konzerns vor Kurzem einen Knigge gegen Korruption verordnet. Hintergrund: Erst im vergangenen Jahr zahlte Daimler 180 Millionen Dollar für einen Schmiergeldvergleich. Bis 2013 sitzt deswegen ein Ex-FBI-Chef als Aufpasser im Haus, intern „Monitor“ genannt.

Unterschiede

Die Weltbank fand bereits vor einem Jahrzehnt heraus, dass Frauen weniger anfällig für Korruption sind. Befragungen in den 1980er- und 1990er-Jahren zeigten Unterschiede auf: Die Annahme von Schmiergeld hielten 77 Prozent der Frauen für moralisch verwerflich, bei den Männern waren es nur 72 Prozent.

 Polizistinnen weniger bestechlich

Die Autofahrer in Perus Hauptstadt Lima hatten bei Regelverstößen im Straßenverkehr eigentlich kaum etwas zu befürchten. Bemerkte ein Polizist (also männlich) einen Verstoß, so konnte der “Sünder” die Sache fast immer mit einem kleinen Trinkgeld aus der Welt schaffen. Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn man an eine Verkehrspolizistin gerät. Diese zeigen sich nicht so gnädig und leicht umzustimmen und kassieren ohne Mitleid die vorgeschriebenen Bußgelder ein. Nun hat man in der 8-Millionen-Stadt beschlossen, alle Verkehrspolizisten durch Politessen zu ersetzen, um für mehr Ordnung zu sorgen.

Risikoscheu

Für das “anständigere” Verhalten der weiblichen Probanden sieht Fernanda Rivas von der Universität Grenada, mehrere Gründe: Frauen seien unter anderem risikoscheuer. Zudem seien sie von den traditionellen – main-governance_de Kopiemännlich geprägten – Korruptionsnetzwerken lange Zeit ausgeschlossen gewesen. Ganz ähnlich sieht das auch die ehemalige iranische Frauenministerin Mahnaz Afkhami. Gegenüber der britischen Nachrichtenagentur Reuters, die kürzlich internationale PolitikerInnen nach ihren Erfahrungen zum Thema Korruption befragte, meinte sie, Frauen seien kein Teil der “Old Boys’ Network” – sprich der etablierten männlichen Seilschaften, und damit auch weniger anfällig für korrupte Geschäfte.

Der Journalist Bill Lambrecht bringt die jüngsten Wahlerfolge von Frauen in vielen Ländern auf den Punkt: “Überall wo Ärger und Korruption in der Luft hängen, setzen die Bürger vermehrt auf Frauen, die mit den ‘Bösejungenmachenschaften’ aufräumen sollen.” Beobachten wir also gespannt, wann die Welt endlich besser wird…

 

Sepp Spiegl




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