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Das Erinnern nicht vergessen!

KMK-Präsidentin Löhrmann besucht mit Schülerinnen und Schülern Erinnerungsorte des Ersten Weltkrieges in Belgien

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Sylvia Löhrmann und Michael Häusler (deutsche Botschaft-Brüssel) legen am Menentor einen Kranz nieder © seppspiegl

Die Schrecken des Ersten Weltkrieges nahmen vor 100 Jahren ihre Anfänge. Enden sollte das Völkermorden mit seinen Millionen Toten erst vier Jahre später – mit dem  Niederlegen der Waffen am 11. November 1918. Aus Anlass des Jahrestages des Waffenstillstandes reiste die gegenwärtige Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann in Begleitung der stellvertretenden KMK-Generalsekretärin Heidi Weidenbach-Mattar für zwei Tage ins belgische Westflandern, dem Zentrum des damaligen Kriegsinfernos. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Siegener Peter-Paul-Rubens Gymnasiums wurde der Opfer dieser – wie sie der amerikanische Historiker und Diplomat George F. Kennan einmal bezeichnete – „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ gedacht. Originalkommentar Löhrmann: „Orte des Erinnerns wie diese führen uns vor Augen, dass Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung keine Naturgesetze sind, sondern immer wieder erarbeitet und manchmal auch verteidigt werden müssen. Die zahlreichen Kriegsgräberstätten und Denkmäler in Belgien bergen die traurige Geschichte des Ersten Weltkrieges in sich. Wo, wenn nicht hier, kann die Geschichte dieses Ereignisses bewusst und erfahrbar werden?“

Denn in Flandern, vor allem im so genannten Yser-Bogen (benannt nach dem Verlauf des Yser-Kanals), spielte sich die ganzen vier Kriegsjahre über auf kleinstem Raum das Gemetzel der europäischen Mächte und deren Hilfstruppen aus den Kolonien am entsetzlichsten ab. Dort hatte Belgiens König Albert I. schon kurz nach Kriegsbeginn die Deiche fluten und das Land unter Wasser setzen lassen. Das war das Ende des deutschen Vormarschs und der Beginn eines Stellungskampfes mit Materialschlachten, wie sie sich keiner der seinerzeitigen Strategen auch nur im Traum ausgemalt hatte. Vor diesem Hintergrund war denn auch für die Siegener Schüler gleich zu Anfang ihres Reiseprogramms die Besichtigung des so genannten „Dodengangs“ – eines nach Granatenbeschuss verschütteten Laufgrabens etwas außerhalb des heute wieder malerischen Städtchens Diksmuide erkennbar beeindruckend. Und nicht weniger bewegend der anschließende Besuch des deutschenSoldatenfriedhofs Vladslo (s. rantlos: „Steinernes Leid„) sowie eine Kranznierlegung am „Menen-Tor“ im einst total zerstörten und nach alten Bildern wieder aufgebauten Ypern. Das monumentale, 1919 errichtete Tor gehört zu den vier britischen Ehrenmalen in Flandern, welche die Namen der Toten des Empire enthalten, deren Gräber nie gefunden oder deren Überreste nie identifiziert wurden. Seit 1928 wird hier allabendlich um 20 Uhr „Last Post“ geblasen, das Totensignal der britischen Armee.

Tragödie des Weltkrieges zu spüren

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Eine Rose auf einer Grabplatte auf dem deutschen Soldatenfriedhof „Langemark“ ©seppspiegl

Der 11. November, der Tag des Waffenstillstands also, ist in Frankreich, Großbritannien, den USA und den Ländern des Commonwealth nationaler Gedenktag. In Belgien wurde er sogar zum Nationalfeiertag erhoben. Im Rahmen des Besuchs- und Gedenkprogramms nahmen die Düsseldorfer Ministerin und die Schüler aus Siegen in Ypern an einem Gottesdienst in der St. Martins- Kathedrale sowie auf Einladung der deutschen Botschaft in Brüssel an der zentralen Zeremonie am Menen-Tor und am Empfang im Rathaus von Ypern teil. Um die wirkliche, internationale Tragödie des Weltkrieges zu erspüren und vielleicht auch zu begreifen standen anschließend Besuche auf dem  französischen Soldatenfriedhof „Cimetière Saint-Charles-de-Potyze“ in Ypern, dem riesigen britischen „Tyne Cot Cemetery“ in Zonnebeke und dem größten deutschen Soldatenfriedhof, Langemark bei Poelkapelle, auf dem Programm. Dort wurde mit einer Kranzniederlegung die Reise beschlossen.

Für Sylvia Löhrmann war dies bereits die zweite derartigte „Geschichtsreise“ nach Belgien. Auch vor einem Jahr suchte sie, ebenfalls mit Schülerinnen und Schülern, die Erinnerungsorte des Ersten Weltkriegs in Ypern und Umgebung auf. „Die Erinnerungskultur in unseren Schulen liegt mir persönlich sehr am Herzen. Und auch Fahrten mit den Jugendlichen nach Auschwitz oder Ypern zeigen mir immer wieder, wie wertvoll die Erfahrungen für alle Beteiligten sind“, sagt Löhrmann. „Eine lebendige Demokratie braucht die reflektierten Erfahrungen der Vergangenheit, um die Gegenwart zu gestalten und sich für die Zukunft zu öffnen. Darum ist historisch-politische Bildung in Form des Erinnerns so wichtig. So gibt uns zum Beispiel auch der 9. November gleich vierfachen Anlass innezuhalten: Die Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann im Jahr 1918, der Hitler/Ludendorf-Putsch mit dem Marsch auf das Münchener Siegestor 1923, die Pogromnacht von 1938 mit der Vernichtung der Synagogen in Deutschland und der Mauerfall vor 25 Jahren – das eben sind Ereignisse deutscher Geschichte, aus denen wir durch unser Gedenken immer wieder aufs Neue lernen können. Dass nämlich Freiheit, Demokratie und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind, und es an uns liegt, diese zu bewahren und zu verteidigen.“

Sepp Spiegl

Die ganze Fotostreck zur Erinnerungskultur  finden Sie hier!

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