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Drohnen – Teuer, gefährlich, überflüssig?

Am Anfang das „Modellflugzeug“

kurz vorweg

BUNDESWEHR | ARMY |

Bundesverteidigungsminister a.D.  Dr. Thomas de Maiziere mit einem Modell der deutschen Drohne EURO HAWK (12.07.2011)

Manfred Eisele, ein hochrangiger ehemaliger Offizier der Bundeswehr und zeitweise oberster UNO-„Blauhelm“, plädiert für den Einsatz von Drohnen. Bereits 1993 leitete er als Kommandeur den ersten Vorführflug der Drohne CL-289. Er bezieht auch eine klare Ethik-Position…

Heiße Diskussion um eine vermeintlich coole Waffe: Die Drohne. Bei Bürgern, Medien und Politik gehen die Meinungen hierzu weit auseinander. Gegenüber rantlos unterstützt General a.D. Manfred Eisele (76) die Position der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Eisele war Beigeordneter Generalsekretär der UNO in New York unter Kofi Annan.

Nachdem Verteidigungsminister a.D. Thomas de Mazière über den Drohnenmisserfolg in seinem Amt gestolpert ist, schien es zunächst, als sei dieses Thema für Deutschland vom Tisch. Nun will Verteidigungsminsterin Ursula von der Leyen doch wieder zum Drohneneinsatz zurückkehren. Zunächst möchte sie Drohnen leasen, um später eigene, europäische Drohnen einzusetzen. Die deutsche Bevölkerung ist skeptisch.

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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Rückkehr zum Drohneneinsatz

„Drohnen sind ein sinnvolles Einsatzmittel…“

Der heute in Würzburg lebende hochrangige ehemalige Offizier Eisele kann in militärpolitischen Fragen auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Im Rahmen seiner Tätigkeit bei den Vereinten Nationen hat er sich intensiv für die Ächtung und Abschaffung von Landminen eingesetzt.
rantlos: Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung zum Thema Drohnen?
Eisele: Ich habe bereits 1993 als Kommandeur der 12. Panzerdivision in Veitshöchheim den allerersten Vorführflug der Aufklärungsdrohne CL-289 durchgeführt.
rantlos: Seit wann gibt es denn überhaupt die Idee, Drohnen militärisch einzusetzen?
Eisele: Schon nach dem Yom Kippur-Krieg 1973 hat Israel „Modellflugzeuge“ als Vorläufer von Drohnen eingesetzt, zumeist nur zur Aufklärung mit Fotogeräten. Bis heute liegt Israel bei der Drohnenentwicklung an der Spitze.

rantlos: Halten Sie diesen Einsatz für sinnvoll, notwendig und gerechtfertigt?

Eisele: Drohnen sind ein sinnvolles Einsatzmittel, weil sie verhindern, dass eigene Soldaten unter Lebensgefahr eingesetzt werden, wo eine Drohne das gleiche oder sogar bessere Ergebnis ohne Gefährdung eigener Staatsbürger erzielen kann. Es gibt aber auch Einsätze, in denen die Panzerhaubitze 2000 reichen würde, weil sie außergewöhnlich präzise ist.

„Soldaten fangen keine Kriege an“

rantlos: Würden Sie die Verteidigungsministerin in ihrem Entschluss bestärken, bewaffnete Drohnen zum Schutz der Truppe einzusetzen?
Eisele: Ja! Deutschland sollte dieses Einsatzmittel so bereithalten, dass es in einem Konflikt sofort einsetzbar wäre. Dazu müssen auch die rechtlichen und politischen Vorbereitungen abgeschlossen sein. Ich möchte in diesem Zusammenhang daran erinnern, dass stets Politiker die Entscheidung treffen, Kriege zu führen oder militärische Aktionen einzuleiten. Soldaten fangen keine Kriege an.
rantlos: Wie bewerten Sie das Risiko von „Kollateral-Schäden“, also versehentlichen Tötungen Unschuldiger?
Eisele: „Collateral Damage“ heißt „Unerwünschte Schäden“. Da man sie eigentlich vollkommen ausschließen möchte, ist ein solches Ereignis immer unerwünscht.
rantlos: Können Sie hierfür ein Beispiel nennen?
Eisele: Der irakische Staatspräsident Saddam Hussein hatte damals eines seiner Hauptquartiere unter einem Kindergarten/Hospital eingebaut. Als die USA – gestützt auf sehr genaue Aufklärung – Präzisionsbomben gegen das Hauptquartier einsetzten, durchschlugen diese die darüber liegende Einrichtung. Das ist ein trauriges Beispiel für ein „Collateral Damage!“

„Drohnen sind die Billiglösung für viele Einsatzaufgaben“

Eisele

General a.D. Manfred Eisele (76): Möglichkeiten von Präzisions-Zielaufklärung vorantreiben

rantlos: Und solche unerwünschten Schäden könnten durch Drohnen vermieden werden?
Eisele: Grundsätzlich sind die durch Drohnen verübten unerwünschten Schäden nichts im Vergleich zu dem vorher üblichen Einsatz von Landminen. Durch diese grausame Waffe wurden ganze Landstriche auf Jahrzehnte zu tödlichem Terrain. Hier muss eindeutig gesagt werden, dass die Zivilbevölkerung durch den gezielten Einsatz von Drohnen wesentlich geringeren Gefahren ausgesetzt ist.
rantlos: Wie bewerten Sie die Kosten für die Entwicklung und den Einsatz von Drohnen? Sind Drohnen zu teuer?
Eisele: Drohnen sind quasi die Nachfolger bemannter Flugzeuge. Sie können viele Stunden am Himmel bleiben, verbrauchen nur äußerst wenig Treibstoff, verursachen keine Kosten für die Ausbildung von Piloten. Ihr Verlust durch Abschuss/Absturz verursacht keine eigenen Personalverluste. Kurzum: Drohnen sind die Billiglösung für viele Einsatzaufgaben.
rantlos: Gibt es aus Ihrer Sicht sinnvolle Alternativen?
Eisele: Man muss die Möglichkeiten der Präzisions-Zielaufklärung immer weiter vorantreiben, um unerwünschte Schäden zu vermeiden. Dazu sind oft Satelliten ebenso notwendig, wie die Zusammenarbeit mehrerer Drohnen. Die klären zumeist unbewaffnet auf und übermitteln ihre Daten an das Kontrollzentrum. Von dort werden sie nach Prüfung als Auftrag an die Waffenträgerin gesendet. Oft sendet eine weitere Drohne danach die Ergebnisfotos an das Kontrollzentrum.

Euro Hawk

Die deutsche Drohne EURO HAWK

„Eine Waffe ist nicht an sich böse“

rantlos: Wie bewerten Sie die derzeitige Ethik-Diskussion um diese neue Waffe im Vergleich zu bisher üblichen High-Tech-Ausrüstungen der Bundeswehr.
Eisele: Erstens ist eine Waffe nicht an sich böse. Ihr Einsatz wird von Politikern verantwortet, und die müssen gute, ethisch verantwortliche Entscheidungen treffen.
Zweitens hat die Verteidigungsministerin zuvörderst Verantwortung für das Leben und die Gesundheit ihrer Soldaten. Wenn durch den Einsatz von Drohnen politische Entscheidungen ausgeführt werden können, dabei aber das Leben der Soldaten geschützt wird, sind diese Einsätze bemannten Flugeinsätzen vorzuziehen. Wird durch den Einsatz von Drohnen die Zivilbevölkerung des Landes, in dem Einsätze politisch angeordnet sind, geschädigt, so muss in genauer Gefahrenabwägung eine verantwortliche Entscheidung getroffen werden. Wichtig ist, dass das Vertrauen der Politik in die Streitkräfte so weit geht, dort Einzelfallentscheidungen den Verantwortlichen im Einsatz zuzugestehen.

Die Fragen stellte Birgit Steffani

 

Und hier finden Sie mehr über General a.D. Manfred Eisele: rantlos-Buchbesprechung „Des Friedens General. Manfred Eisele – Vom Kriegsflüchtling zum obersten Blauhelm“.

 




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