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Der Wind des Franziskus

Physisch war er nicht da, der Papst, aber überlebensgroß als Poster, auf der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am 21./22. November 2014 in Bonn-Bad Godesberg. Zum ersten Male, so war zu vernehmen, hing überhaupt ein Bildnis des Papstes auf einer solchen Veranstaltung. Auf der Tagesordnung standen auch Themen, die mit dem neuen Wind aus Rom eng in Verbindung stehen: Ende des Lebens, die Sterbehilfe und die Ehe und Familie.

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Papst Franziskus
Überlebensgroß

Ob es nun Rücken- oder Gegenwind ist, was da aus Rom weht, das ist auch dem Laienparlament der Katholiken nicht ganz klar. Präsident Alois Glück brachte es in seinem Bericht zur Lage mit den Worten zum Ausdruck: “Franziskus ist für uns alle eine Herausforderung… er ist nicht konservativ, noch liberal“.

Es wurde beschlossen, eine Grußnote an Franziskus von der Vollversammlung in Bad Godesberg zu senden. „Das ZdK begleite Franziskus im Gebet und werde ihn auf seinem Weg unterstützen„. Dieses, so wollte der Präsident es verstanden wissen, ist keine Note gegen irgendwen, sondern eine Note des Dankes und der Unterstützung für den Papst. Damit wird sichtbar, wie viel Konfliktstoff gerade in der deutschen Kirche vorhanden ist. Es wurde sehr offen angesprochen, dass es erhebliche Gegenströmungen aus der Bischofskonferenz gibt. Diese weist zwar eine große Bandbreite an Meinungen und Persönlichkeiten auf, aber es gab Stimmen, die in Bezug auf Franziskus äußerten: „den sitzen wir auch noch aus!“, oder :“der muss wohl noch mal Theologie studieren!“. Das Plenum verurteile solche Art von Kritik.

Das gerade der deutsche Klerus sich mit einer Persönlichkeit wie Franziskus schwer tut, war schon kurz nach seiner Amtseinführung klar. Nach einer „Schockstarre“ wurden schon die Messer gewetzt. Das habe ich damals in meinem „angemerkt – Das Zittern der Hirten- “ etwas aufgeschlüsselt.

Starren auf Rom keine Lösung

Durch die neue Diskussionskultur, wie sie auch in der außerordentlichen Weltbischofssynode zu  Ehe- und Familienpastoral sichtbar wurde, wird als ein Hoffnungsstreif angesehen. Es wird als großer Fortschritt und Segen für die Kirche empfunden, Meinungsverschiedenheiten nicht mehr zu verdrängen, verdeckt auf nicht nachvollziehbaren Wegen abzuwickeln, sondern offen zur Sprache zu bringen. Der vorsichtige Versuch, innerhalb der bestehenden Struktur der Kirche neuen Dialog zu etablieren, ist die gemeinsame Konferenz des ZdK und der Bischöfe zu sehen. Hier wird deutlich, dass beide Seiten mit einer neuen Kultur des Dialoges ihre Schwierigkeiten haben.

Alois Glück

Alois Glück
Präsident des ZdK

Das ZdK hat mit seiner Anmahnung, selbst die Initiative zu ergreifen und auch die wissenschaftliche Theologie solle an der Fragestellung aktiv arbeiten, die Achillesferse des  ganzen Prozesses getroffen. Klerus und Laien starren auf Rom! Neuordnung von Aufgaben und Kompetenzen zwischen Weltkirche und Ortskirche ist noch nicht ausgebildet. Die Rolle der Laien, die sich eine weitergehende Beteiligung wünschen, ist ebenso wenig definiert, wie die Fragen zu Familie, Sexualität, Frauen in der Kirche und Neuordnung der Finanzen.

Hier hat das ZdK anscheinend etwas die Führungsrolle in Deutschland übernommen. Glück forderte weitere Schritte in Richtung Verwaltungsgerichtsbarkeit, künftige Pfarrstruktur, Ausgestaltung von Gremien und letztlich auch nicht nur beratende Funktionen, sondern auch Mitentscheidung.

Diese Weiterentwicklung des Dialoges zwischen den Laien und den Bischöfen ist die Aufgabe der Stunde. Hier werden auch Ideen zu ganz anderen Gremien gehandelt, die in die bestehende Struktur erst eingebaut werden müssen. Glück lobte ausdrücklich den bestehenden Dialog mit der Bischofskonferenz und hofft auf eine entsprechende Kooperationsbereitschaft.

Die Verteilung der Finanzen, insbesondere der Kirchensteuer, steht auch auf einem der oberen Plätze der Agenda. „Das die Kirchensteuer automatisch im Säckel der Diozöse verschwindet, ist auch kein Naturgesetz“, so ein Vollversammlungsmitglied unter großem Beifall. Das die finanzielle Abhängigkeit einiger Organisationen und Initiativen vom jeweiligen Bischof, durchaus ein politisches Instrument ist und auch genutzt wird, wurde ebenso beklagt.

Wer treibt wen?

Als eine sehr positive Erfahrung wurde die Vorgehensweise in Sachen „Limburg“ empfunden. Eine unabhängige Untersuchungskommission hat ermittelt und der Bericht ist öffentlich im Internet abrufbar. Diese Kultur des Umgangs, mit auch hoch emotionellen Konflikten, wünscht man sich im ZdK.

Ob die Bischöfe sich das auch wünschen ist nicht einheitlich zu beantworten. Das geflügelte Wort „Die Bischofskonferenz kann beschließen was sie will, solange sie sich nicht in mein Bistum einmischt….“ , zeigt die strukturellen Problematiken sehr deutlich.

Die Laien in der katholischen Kirche haben auf ihre Weise mit den gleichen strukturellen Problemen zu kämpfen, wie die Bischöfe. Sie agieren seit Jahrzehnten, sogar Jahrhunderten, in einem System, in dem sie sich eingerichtet haben. Rituale entwickelt und gemeinsam Teppiche angehoben, unter denen so manches verschwand.

Mit weiteren konkreten Vorschlägen des ZdK kann man die Bischöfe in Zugzwang bringen. Da hofft man auf den Wind des Franziskus, der sich durchaus bei dem einen oder anderen Bischof als Gegenwind entpuppen kann. Ob es sich als Vorteil oder Hindernis erweist, dass sich die Parteien oft seit langen Jahren kennen, wird die Zukunft zeigen. Die Laien in der katholischen Kirche haben durch den Papst eine Chance. Diese können sie wahrnehmen, aber nicht in den üblichen Denkmustern. Denn auch die katholischen Laien haben einen Anteil an diesen Strukturen.

„Wenn du wissen willst, was die Mutter Kirche glaubt, wende dich an das Lehramt… – wenn du aber wissen willst, wie die Kirche glaubt, dann wende dich an das gläubige Volk“ frei nach Daniel Deckers/ Papst Franziskus (Wider die Trägheit des Herzens). Das ZdK hat den Faden aufgenommen.

Paul Pawlowski/PP

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    Papst Franziskus hat 2015 erneut zu einer Bischofssynode eingeladen. Vom 4. bis 25. Oktober 2015 traf die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ in Rom zusammen.
    Tags: so, für, kirche, katholiken, deutschen, katholischen, haben, hat, war, diese




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