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Inbegriff des Völkermords

Am 27. Januar fand in Auschwitz eine öffentliche Gedenkfeier zum 70.Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee statt. Der Name des Todeslagers in Polen steht stellvertretend für das größte Verbrechen des 20. Jahrhunderts.

Von 1942 bis Ende 1945 brachten Güterwaggons Juden aus allen von den Nazis besetzten Ländern Europas in das Vernichtungslager Auschwitz. Hier prangt über dem Eingangstor der zynisch-berüchtigte Spruch „Arbeit macht frei…“ Mehr als 1,1 Millionen Menschen fanden in dem Konzentrationslager den Tod. Hunderttausende starben in den Gaskammern, andere an Hunger, an Erschöpfung, Krankheit oder durch die grauenvollen medizinischen Experimente durch Ärzte wie Josef Mengele, der unter den Häftlingen nur „Engel des Todes“ genannt wurde.

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Ferdinand Höß, kurz vor seiner Hinrichtung in Auschwitz

Hier wurde Rudolf Franz Ferdinand Höß, ein deutscher Nationalsozialist, SS-Obersturmbannführer und von Mai 1940 bis November 1943 Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, als Kriegsverbrecher 1947 zum Tod durch den Strang verurteilt und am Ort des ehemaligen Stammlagers hingerichtet.

Die nordhrein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Die Grünen) begleitete zum Gedenktag eine Gruppe junger Menschen mit jüdischem Bekenntnis bei ihrem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz/Birkenau. Für die Politikein war es bereits der vierte Besuch der Gedenkstätte gemeinsam mit Schülergruppen aus NRW. „Die Reise nach Auschwitz hat einen festen Platz in meinem Jahreskalender, weil sie mich als Schulministerin jedes Mal wieder bewusst werden lässt, wie wertvoll und wichtig diese Erfahrungen für die Schülerinnen und Schüler sind – vor allem, da es immer weniger Zeitzeugen gibt“, betonte Löhrmann.

Wenige Zeitzeugen

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Ignacy Krasnokucki ©seppspiegl

Einer der noch wenigen Zeitzeugen ist der 90-jährige Ignacy Krasnokucki, mit der eintätowierten Häftlingsnummer  83827, der ein Ghetto und drei Lager überlebt hat (zuletzt Buchenwald). Seinen Vortrag vor den Jugendlichen will er als Botschaft gegen Fremdenhass verstanden wissen, und er sieht sich heute in der Pflicht: „Erinnern, nicht vergessen“. Beeindruckend und bildhaft schildert Krasnokucki das Leben in den Lagern, die Folter, Schläge, Unterdrückung, Hunger und Krankheit. Manch einer der zuhörenden Jugendlichen schämte sich nicht für die Träne, die über seine Wange rinnt.
Zum Gedenken an die Opfer legte Sylvia Löhrmann in Begleitung der Jugendlichen an der „Schwarzen Wand“ (wegen der dort erfolgten Eschießungen auch „Todeswand“ genannt) einen Kranz nieder. Bei der ersten Exekution wurden hier am 11. November 1941 insgesamt 151 Häftlinge durch die Lager-SS erschossen. Unter den Verurteilten befanden sich auch minderjährige und alte Menschen.

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

Sylvia Löhrmann und David Kopoul blaettern im Buch der Namen ©seppspiegl

Shoah-Ausstellung Yad Vashem

Für viele sehr beeindruckend war die Dauerausstellung „Shoah“ im ehemaligen Block 27. Stille herrschte in dem Raum mit dem „Buch der Namen“. Mehr als vier Millionen Namen haben die Forscher von Yad Vashem (der zentralen jüdischen Gedenk- und Forschungsstelle in Jerusalem) in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen. Das Ergebnis ist ein monumentaler Buchband mit 14 Meter Umfang. In 58 Bänden sind auf jeweils 140 Seiten 500 Namen niedergeschrieben. In Auschwitz, dem Ort, der für so viele den Tod bedeutete, sollen die Identitäten der Toten der Nachwelt zurück gegeben werden.
Ohne zu zögern greifen die jungen Besucher in die Seiten des Buches und suchen nach Namen aus ihrer Verwandschaft. Viele werden fündig und sind zum Teil doch schockiert, ihre Angehörigen hier gefunden zu haben.

Erinnern und bewältigen

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Viele sind nach den Erlebnissen schockiert ©seppspiegl

Nach zwei Tagen voller Termine sitzt man zur Diskussion zusammen, und einige der jungen Besucher erzählen, wie sie Auschwitz erlebt haben:
Swenja Peters (18): „Ich bin überwältigt von diesem Ort. Die dunklen, kalten Baracken, in denen die Häftlinge hausen mussten, haben mich zutiefst schockiert.“
Liana Kotliar (22): „Solch eine menschliche Grausamkeit ist kaum vorstellbar.“
Zeev Reichard (19), zum zweiten Mal in Auschwitz: „Diesen Ort bei Schnee und Kälte zu erleben, ist noch ergreifender als im Sommer. Mein Großvater hat Birkenau überlebt, deshalb liegt es mir so am Herzen.“
Julia Shemaryahu (16): „Meine Familie wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. Mein Großvater überlebte. Selbst zu erleben, welchen schrecklichen Bedingungen sie ausgesetzt waren, macht mich sehr traurig.“

70.Jahrestag

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Wachturm in Birkenau ©seppspiegl

Schulministerin Löhrmann erklärte abschließend: „Der 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ist in diesem Jahr für die Erinnerungskultur von besonderer Bedeutung. Aber auch die aktuellen Ereignisse in Deutschland, Frankreich, Nigeria, Syrien oder in der Ukraine verlangen im Zusammenhang mit den Erfahrungen unserer eigenen Geschichte unsere besondere Aufmerksamkeit. Vor diesen Entwicklungen muss es mehr denn je unser gesellschaftlicher Ansporn sein, eine demokratische Schulkultur zu stärken. Teilnahme und Engagement für Menschenrechte, Freiheit, Toleranz und Demokratie lassen sich lernen! Je früher, desto besser.“

Sepp Spiegl

 

 

 

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    "Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die lebendige Erinnerung an die und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte." Roman Herzog 19. Januar 1996 im Deutschen Bundestag
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    Tags: auschwitz, für, mehr, menschen, löhrmann, sylvia, width, caption, id="attachment, birkenau


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