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Make it

Liebe machen kann man lernen

Ann-Marlene Henning

Ann-Marlene Henning
©2012, Gunnar Meyer

Mutiges Gebührenfernsehen ist ja eher die Ausnahme. Denn die öffentlich rechtlichen Konsensanstalten schrecken gerne vor dem erschreckten TV-Gucker zurück. Noch mehr fürchten sie die institutionalisierten Bedenkenträger einer hypersensibilisierten Betroffenheitskultur. Allen aber ist unausgesprochen ebenso wie den privaten Sendern klar, dass „Sex sells“ nach wie vor gilt. Mitten in diese Brachlandschaft ritualisierter Quotentabus hat jetzt der MDR einen beherzten Vorstoß gewagt. Vom 3. November bis 1. Dezember 2013 zeigen die TV-Macher des Mitteldeutschen Rundfunks mit Hilfe der Sexologin/Neuropsychologin Ann-Marlene Henning, wie man (sexuelle) Liebe macht. Durchbrechen wollen die Protagonisten das oft große Schweigen über Sexualität in Beziehungen. Die Botschaft der Serie: Man kann es lernen. Und Produzent Christian Beetz unterstreicht mit der Idee der Serie: „Wir finden eine Sprache für die natürlichste Sache der Welt und holen uns den Sex zurück, den uns die Pornografie genommen hat.“

Alles von gestern mit Oswalt Kolle?

Der etwas Lebensältere wird sich nun sagen: Haben wir doch alles schon gehabt. Schmunzelnd und vermeintlich wissend heuchelt er Souveränität in Sexualfragen. Er beruft sich auf den Aufklärungsguru der siebziger Jahre: Oswalt Kolle. Da wurde ja alles schon gezeigt, gesagt, diskutiert – bis zum Abwinken. Also nicht nochmal. Muss doch nicht sein. Der Sexualkunde-Unterricht hat die Kolle-Revolution doch auch noch pädagogisch verstetigt. Diese abwehrenden Scham-Reaktionen sind ja durchaus verständlich. Doch die real existierende Alltagserotik belegt dennoch einen massiven Nachholbedarf in allen Altersklassen. Vor allen Dingen, wenn es um die eigene Sexualität geht. Verlegenheit, Axel zucken und immer noch viel Unwissenheit nähren die Hilflosigkeit mit der Welt da unten.

Offene Intimität ohne Peinlichkeiten

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Wo liegt der G-Punkt bei der Frau
© MDR

Und genau an diesem Punkt haben die MDRler nochmal richtig nachgelegt. In einer fünfteiligen Dokureihe “Make Love” nehmen sie viele Details auf´s Korn. Lassen kein Problemfeld aus. Die 49-jährige gebürtige Dänin Henning aus Hamburg hat den Aufklärungsbestseller „Make Love“ (im Sommer 2012 auf Platz 1 der Ratgeber-Literatur) geschrieben. Sie führt nun auch durch die gleichnamige TV-Serie, die auch im SWR läuft. Das macht sie in lockeren Gesprächs- und Interview-Szenen drinnen und draußen. Es wird mit fröhlichem Ernst viel gelacht. Peinlich ist es nie. Für einige Einspieler setzt Anne Henning ihren Tablet-PC ein, andere Informationen werden in die Szenen perspektivisch eingespielt. Die Kamera ist immer in Bewegung. Der Film kommt medial-handwerklich modern rüber. Offene Intimität ist die Stimmungslage.

Einfach drüber sprechen und mehr wissen…

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Ann-Marlene Henning demonstriert mit einem Modellpaar, wie man besseren Sex haben kann. © MDR/Gebrueder Beetz

Im Mittelpunkt des ersten Teils „Was ist guter Sex?“ stehen Jessica und Olli aus Böblingen. Seit zehn Jahren sind sie zusammen, sie lieben sich noch immer – nur der Sex ist ihnen abhanden gekommen. Die Sexual- und Paartherapeutin Ann-Marlene Henning zeigt den beiden, wie man mit dem Partner wieder in Kommunikation treten kann. Mit Humor und Charme nennt Henning die Dinge beim Namen, jenseits von Leistungsdruck und Normierung, ohne Tabu und ohne Peinlichkeit. “Auch heute noch ist das weibliche Geschlecht ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das fällt mir jeden Tag in der Praxis auf. Kaum eine Frau kennt sich selbst dort unten“, sagt Ann-Marlene Henning. Deshalb zeigt die Sexologin, wie wir unser Gehirn auf guten Sex trainieren können. Und sie gibt Anregungen, wie wir unseren Körper und den unseres Partners besser kennenlernen. Außerdem hat sie konkrete Tipps für besseren Sex parat. Aber über Sexualität wird hier nicht nur geredet. Es werden auch beispielhaft reale Szenen mit einem Modellpaar gezeigt. Dabei wird durch 3D-Animationen sogar die Innenansicht des menschlichen Körpers beim Sexualakt erlebbar.

Sex ohne Altersgrenze

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Modell mit projizierter grafischer Darstellung der innenliegenden Organe, Nervenbahnen, usw. So, bzw. ähnlich, werden Körperfunktionen in der Reihe illustriert. © MDR

Henning hat in einem Hamburg-Eppendorfer Teehaus mit vier Frauen zwischen 42 und 67 Jahren gesprochen. Ein Stück Klarheit entstand auch darüber, warum Frauen im Unterschied zu den Männern „da unten“ so wenig Selbstwertgefühl haben. Es ist ein Problem, das wohl altersunabhängig besteht. Eine wichtige Botschaft übermittelt Henning im Film auf die Frage, ob es denn eine Altersgrenze für Sex gibt. Ann-Marlene Henning tröstet: Solange der Körper mitmacht, ist das „bis zum bitteren Ende“ möglich. Und noch etwas haben Forscher ermittelt: Wer Sex bis ins hohe Alter hat, lebt sogar länger. Egal ist dabei, „ob die es selbst machen oder einen Partner haben.“

Info

Nachholen über Mediathek

Wer die letzte Sendung (02.12.13 im MDR und 04.12.13 im SWR) versäumt hat (Make Love (5): Sex ist Kommunikation), der kann sich diese nachträglich in der Zeit von 22 bis 6 Uhr in der Mediathek des MDR ansehen (Ist noch für eine Woche nach Sendetermin eingestellt). Die eine oder andere Nachtstunde lohnt sich sicherlich, um Wissen aufzufrischen oder auch das eigene Sexualleben mit neuen Akzenten zu beleben – auch als Lebensälterer.

Wer aber auch andere Folgen versäumt hat oder die Wiederholung sucht, kann sich ein Jahr lang auf www.make-love.de die komplette Serie ansehen. Bald werden auch alle Folgen auf DVD zu sehen sein. Diese kann man bereits jetzt bei amazon vorbestellen.

 

 bu

Unter Verwendung von Material des MDR.




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