- Anzeige -

Selbst ist die Frau

Masturbation erhält die sexuelle Ausgeglichenheit bei über 65-Jährigen

Kalt und abweisend  kommen dudenfähige Begriffe wie Onanie, Masturbation, wichsen, reiben, sich einen runterholen, daher. Wie aber könnte man es denn ausdrücken, um zu beschreiben, was man dabei empfindet?83909287953 Besser passt wohl einfach der Begriff „Selbstbefriedigung“. Er schafft eher die Brücke zum Empfinden vieler Menschen: Es ist eben einfach ein Glücksgefühl. Das Schöne daran ist: Man kann es bis ins hohe Alter ausüben und erleben, alleine –  aber auch zu zweit.

Wenn ein Drittel der über 70-jährigen Frauen angibt, keine Sexkontakte mehr zu haben, dann liegt das oft nicht an einer erloschenen Libido, sondern am fehlenden Partner. Wer aber nun glaubt, dass sich für partnerlose Senioren, egal ob Frau oder Mann, das Thema “Sex” endgültig erledigt habe, der irrt. “Hilf dir selbst” lautet das Motto. Masturbation genießt einen hohen Stellenwert für den Erhalt der sexuellen Ausgeglichenheit bei den über 65-Jährigen. Immerhin jeder zweite Mann und jede dritte Frau in dieser Gruppe onanieren mindestens einmal im Monat. Bei “mehrmals die Woche” stimmen noch 17 Prozent der befragten Männer zu, aber nur noch 2 Prozent der Frauen.

Ältere Frauen und viele sexuelle Optionen

SexualtriebMenschen jeden Alters können auf unterschiedliche Weise mit ihrer Sexualität umgehen. Ältere Frauen nutzen verschiedene sexuelle Optionen – oft auch mehrere unterschiedliche Möglichkeiten gleichzeitig. Das können sein:  „Flirten bzw. erotische Interaktion”, ” Träume, Phantasien und Erinnerungen”, Selbstbefriedigung (auch mit Nutzung von literarischen oder visuellen Erotika)”, oder Austausch von Zärtlichkeit. Frauen bleiben ebenso wie Männer lebenslang sexuelle Lebewesen. Zwar nimmt die koitale Aktivität während der Wechseljahre durchschnittlich ab (nicht aber die Selbstbefriedigung), doch das ist auch schon vor und weiterhin auch nach der Menopause der Fall. Es ist ein Effekt des Alters (insbesondere des Partners) und der Beziehungsdauer. Doch die Mehrheit der älteren Frauen hat eher Probleme mit dem Fehlen sexueller Kontakte (z.B. weil der Partner krank ist oder Potenzprobleme hat oder kein Partner vorhanden ist) und dem Fehlen zärtlicher Kontakte (ein Viertel aller älteren Frauen und Männer hat gar keinen zärtlichen Kontakt). Und viele ältere Frauen schließlich leben sexuell zufrieden – eine Tatsache, die in der Fokussierung der Medizin auf Defizite, Beschwerden und Patientinnen leicht übersehen wird.

hilde_heinz 006Interessant zum Thema Selbstbefriedigung ist es, sich zunächst aktuelle Zahlen anzuschauen. In einer Studie der Uni Bonn aus dem Jahr 1998 heißt es, dass 90 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen gelegentlich “selbst Hand anlegen”. 23 Seiten Papier bringen Licht ins Sexleben der Frauen in Deutschland. Die Charité Berlin veröffentlichte 2004 die Ergebnisse einer Umfrage mit 575 Frauen zwischen 17 bis 71 Jahren. “Wir haben die Fragebögen in ganz Deutschland an Orten wie Arztpraxen, Friseursalons und Universitäten verteilt”, berichtet Studienleiterin Dr. Sabine Grüsser-Sinopoli vom Institut für Medizinische Psychologie. Die Befragten lebten zu 74 Prozent in einer festen Partnerschaft, acht Prozent hatten eine offene Beziehung und 17 Prozent keinen Partner. Bei der Befragung gab es keine Tabus, Grüsser-Sinopoli sagt: “Es handelt sich hier um eine der detailliertesten Umfragen zum weiblichen Sexualerleben, die je in Deutschland gemacht wurden .”

Erster Orgasmus durch Masturbation

Demnach erleben die Frauen ihren ersten Orgasmus im Schnitt mit 16 Jahren, die meisten – nämlich 50 Prozent – bei der Masturbation. Beim Geschlechtsverkehr mit einem Mann kamen 26 Prozent der Befragten erstmals zum Höhepunkt, 15 Prozent genossen ihren ersten Orgasmus in den Armen eines Mannes beim Sex ohne Penetration. Die durchschnittliche Dauer bis zum Orgasmus, so schätzen die Befragten, beträgt acht Minuten. 56,9 Prozent der Frauen gaben an, mehrere Orgasmen (“multipler Orgasmus”) beim Geschlechtsverkehr zu erleben. Die Intensität des Orgasmus hängt nicht davon ab, ob er durch Selbstbefriedigung, Streicheln oder Geschlechtsverkehr zustande kommt. “Letztlich geht jeder Orgasmus von der Stimulation der Klitoris aus”, so Grüsser-Sonopoli. Ohne diese sei ein Orgasmus fast nicht möglich.Das durchschnittliche Alter beim ersten heterosexuellen Verkehr lag bei 17 Jahren, die Anzahl der Sexualpartner reichte laut Umfrage von Null bis Achtzig. Im Schnitt kam jede Frau damit auf acht Sexualpartner.

Sex-Faktoren: Geruch und Stimmung

Welche Faktoren beeinflussen das weibliche Orgasmuserleben? Der Umfrage zufolge steht der Geruch des Partners ganz oben auf der Hitliste, gefolgt von der Stimmung, Hygiene des Partners, Klitorisstimulation undSexualitaet Sicherheit vor Krankheiten. Weit vorne liegen auch die Faktoren “Offenheit” und “Vertrauen”. Attraktivität des Partners, Verliebtsein oder Erfahrung des Partners belegen hingegen nur mittlere Plätze beim Ranking der Sex-Faktoren. Auch die “Länge des Penis” spielt nur eine nachgeordnete Rolle und rangiert gleichauf mit “dirty talk” und Sex in der Öffentlichkeit.

“Der weibliche Orgasmus ist in erster Linie eine Stimmungsangelegenheit, eine Frage des Sich-Einlassens”, fasst Diplom-Psychologin Anja Lehmann vom Institut für Medizinische Psychologie (Charité Berlin)  zusammen. Die Zufriedenheit mit dem Sexualerleben habe weniger mit dem Orgasmus oder der Partneranzahl zu tun, sondern mit Vertrauen und Kommunikation. “Weibliche Sexualität ist komplex, eine einfache Handlungsanweisung gibt es nicht”, so Lehmann .

Phantasien bei der Selbstbefriedigung sehr wichtig

Die Mehrheit der Frauen kennt den eigenen Körper sehr gut. So gaben 77,8 Prozent der Befragten an, sich selbst zu befriedigen – wobei Phantasien wichtig sind und die Rückenlage bevorzugt wird. Frauen kommen beiOnanie-01 der Selbstbefriedigung auch nicht immer zum Orgasmus – dies geschieht in 80 Prozent der Fälle. Das Durchschnittsalter für den Beginn der Selbstbefriedigung liegt bei 14,3 Jahren. Als erstaunliches Ergebnis wertet Grüsser-Sinopoli die Tatsache, dass 18 Prozent der Befragten zum Thema Selbstbefriedigung keine Angaben machten. “Trotz der allgegenwärtigen Sexualisierung unserer Gesellschaft ist Masturbation offenbar für einen größeren Teil der Frauen immer noch ein Tabu.”

Start im Kopf: Techniken und die Vorbereitung

Selbstbefriedigung beginnt im Kopf. Um sich auf die selbständige, sexuelle Befriedigung vorzubereiten wird darum oft zu visuell stimulierenden Mitteln gegriffen. Dazu dienen Pornos oder auch Bilder aus Magazinen. Auch erotische Geschichten können bei manchen Menschen sexuell stimulierend wirken. Des Weiteren ist es für die meisten wichtig, dass sie sich an einem Ort befinden, an dem sie sich wohl fühlen, die Umgebung und Stimmung behaglich ist und dass kein Zeitdruck oder andere Stressfaktoren vorherrschen. Zudem kann man zu Hilfsmitteln greifen um eine der bevorzugten Selbstbefriedigungstechniken anzuwenden. Dazu gehören z.B. Gleitgele oder Sexspielzeuge.

Zwischen Sünde, Krankheit und ordnungswidriger Handlung

genussSelbstbefriedigung wurde in der Historie immer als etwas Negatives oder sogar Verbotenes angesehen. Besonders verpöhnt war sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Zeitalter der Aufklärung. Zu dieser Zeit galt Onanie als “Sünde”. 1710 veröffentlichte Bekkers das Buch “Onania, oder die erschreckliche Sünde der Selbstbefleckung”. Bekkers glaubte herausgefunden zu haben, dass Onanie für Krankheiten wie Epilepsie und Unfruchtbarkeit verantwortlich ist. In den Jahren nach der Veröffentlichung des Buches machten immer mehr Wissenschaftler Selbstbefriedigung für Erkrankungen wie Gehirnaustrocknung, Schädelverformung, Erblindung, geistige, sowie seelische Schäden u.a. verantwortlich.

Im 20. Jahrhundert glaubte man sogar, dass Selbstbefriedigung zu Tuberkulose und bis zum Tod führen kann. Masturbation wird als “Laster der Gesellschaft”, “primitivste Form sexueller Befriedigung” beschrieben. Selbst im Jahr 1970 hielt man Selbstbefriedigung noch für eine Krankheit, die behandelt werden muss.

Über die Jahrhunderte hinweg wurde Onanie auch von Seiten der Kirche als “Sünde” betrachtet. Papst Paul VI äußerte 1975: Masturbation sei “eine zumindest schwer ordnungswidrige Handlung”.

Das am meisten benutzte Wort “Onanie” beruht eigentlich auf einem Irrtum. In einer Stelle in der Bibel (1. Buch Moses) wird erzählt, dass der Jüngling Onan seine Schwägerin Tamar schwängern sollte, um den Namen seines toten Bruders vor dem Aussterben zu bewahren. Diese “Schwagerehe” war ein sehr verbreiteter Brauch in der Antike. “Aber da Onan wusste, dass der Nachwuchs nicht sein eigener sein sollte, ließ er seinen Samen “auf die Erde fallen und verderben, wenn er einging zu seines Bruders Frau …”. Seine »Sünde« war also nicht die nach ihm benannte »Onanie«, sondern der unterbrochene Geschlechtsverkehr.

Sepp Spiegl




--- ANZEIGE ---

Diesen Artkel versenden Diesen Artkel versenden