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BrotZeit-Schule

Der Hunger steht nicht auf dem Stundenplan. Aber schon in der ersten Schulstunde sinkt eine Schülerin in sich zusammen. Die Lehrerin fängt den Fall der Sechsjährigen auf den Boden gerade noch ab. Ein Teil der Schüler bekommt den Vorfall gar nicht mit. Sie sind erschöpft, schläfrig. Solche Ereignisse waren in dieser Brennpunktschule lange Zeit Alltag. Der Grund: Die Grundschüler sind extrem hungrig. Sie haben zu Hause kein Abendessen und kein Frühstück bekommen. Den unterzuckerten Kindern wird schlecht, der Kreislauf geht in den Keller, sie übergeben sich. Verzweifelte Lehrerinnen suchten Hilfe. Heute bauen jeden Morgen junggebliebene und qualifizierte Seniorinnen ein Frühstücksbüffet auf. Teilweise waren sie selbst früher Lehrerinnen oder Schulleiterinnen. Ein Wunder? Mitnichten: Dahinter steht prominentes Bürgerangagement aus München. Betroffenheit war der Auslöser.

Ihr erstarrte fast das Dauerlächeln, als Uschi Glas (68) auf einer Autofahrt durch München 2008 die Meldung hörte, dass in ihrer „Partystadt“ an der Isar täglich 3000 bis 5000 Kinder mit einem extrem knurrendem Magen in die Grundschule gehen. Sehr schnell erfuhr sie, dass bundesweit bis zu 30 Prozent der sechs- bis zehnjährigen Schüler an Grundschulen während des Unterrichts an akutem Hunger leiden. Damit war auch klar, dass hier kein Bloulevardjournalist über das Ziel hinausgeschossen ist. Die Wirklichkeit sah eigentlich noch trister aus. „Zur Sache Schätzchen“ war zusammen mit ihrem Mann, Dieter Hermann, der Start zum Handeln. Denn Rumlamentieren, auf andere warten, das ist nicht die Sache von Uschi Glas.

Uschi Glas bei der Eröffnung in der Hermann-Boddin-Grundschule in Neukölln

Sie schickten einen Erhebungsbogen an 140 Münchner Grundschulen. 17 Schulen schrieben zurück. Von offizieller Seite hatten sie keine Auskünfte bekommen. „BrotZeit“ wurde als Verein aus der Taufe gehoben. Ohne Umschweife wurden im November 2008 beherzt und schnell 52 „Notfallboxen“ mit Zwieback zwischen Baumarkt und Supermarkt gepackt. Erste und schöne Erfolge bei und mit den Kindern wurden dann ab März 2009 sichtbar, als das Frühstück erstmalig an vier Schulen in München angeboten wurde. Heute werden dort 28 Schulen betreut. Im Mai 2010 wurde das Projekt auf vier Pilotschulen in Berlin in den Bezirken Kreuzberg/Friedrichshain und Neukölln ausgeweitet. 26 sind es dort heute insgesamt. Derzeit werden die Förderregionen Heilbronn (11)/Neckarsulm, Leipzig (14) und Hamburg aufgebaut. Sobald die Fianzierung sichergestellt ist, sind Förderregionen in Frankfurt/Main und in weiteren Städten wie auch in der Rhein-Ruhr-Region geplant.

Adecco sucht gezielt Seniorinnen und Senioren

Den Gründern von „BrotZeit“ war schnell klar, dass sie ein nachhaltiges Konzept brauchen, um den Kindern wirksam zu helfen und vor allen Dingen Verlässlichkeit erlebbar zu machen. Ihre ersten Erfahrungen machten sie zunächst in den vier Schulen in München. „Die fanden das mit dem Zwieback gut. Als die dann aber fragten, wer das denn jeden Tag machen soll“, rutschte der engagierten Schauspielerin dann doch „das Herz in die Hosentasche“. Schnell kamen sie deshalb auf die Idee, aktive Senioren anzusprechen. Diese konnten und sollten sicherstellen, dass jeden Morgen vor der ersten Schulstunde das Frühstück angeboten werden kann. Gute Idee – sicherlich. Aber diese zu finden, gestaltete sich in der Startphase als schwierig.

Und wieder kam für Uschi Glas ihr „guter Stern“ zur Hilfe. Bei einer Talkshow bot ihr der Personaldienstleister Adecco an, in jeder Stadt Helfer zu finden. Seither hilft die Firma, gezielt Seniorinnen und Senioren anzubieten, die beispielweise Deutsch-Nachhilfe geben, als Gärtner den verwaisten Schulgarten in Schuss bringen oder einen Ofen bauen können. Und der Ofenbauer hat dann mit den Kindern die Voraussetzung geschaffen, dass sie ihr Brot selbst backen können. Über diese Hilfen können die Kinder auch mal einen Wald erleben, denn dies haben die Großstadtkinder teilweise noch nie erleben können. Uschi Glas auf der Hompage des Vereins: „Ich bin davon überzeugt, dass der generationsübergreifende Gedanke ein großartiger Wurf ist. Das Miteinander ist hier das Zauberwort. Erfahrung, Lebensweisheit und Zuverlässigkeit treffen auf Wissensdurst und ein Bedürfnis nach Zuwendung und Zuverlässigkeit.“

Aber der Verein bietet auch den Senioren etwas: Pro Schule werden für die Senioren rechnerisch 8.400 Euro bereitgestellt. Es kann sich also jemand als Rentner beispielsweise ein kleines Zubrot verdienen, wenn er den Kindern das Schachspielen beibringt. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass sich dadurch die Sprachfindung und mathematische Fähigkeiten verbessern. Die Senioren dürfen dann miterleben, wie sich 160 Kinder konzentriert und mit Begeisterung gegenüber sitzen, so dass man keine Nadel fallen hört. All das kann aber nur mit erheblichen Spenden ermöglicht werden. Im Endausbau der BrotZeit-Aktivitäten werden pro Jahr 1,2 Millionen Euro gebraucht. Obwohl die Josef- und Luise-Kraft-Stiftung fördert, Daimler und Linde helfen, Lidl tatkräftig unterstützt, Frigorent kostenlos Kühlfahrzeuge zur Verfügung stellt und Adecco als Vorreiter einer generationsübergreifenden Beschäftigungspolitik erfahrene Senioren vermittelt, „Ein Herz für Kinder“ das Projekt unterstützt und die Vitanas sich bei der Verbindung von Jung und Alt engagiert, sind die BrotZeitler weiter auf zusätzliche Spendergelder angewiesen.

Harz-IV-Empfänger und das Amt

Für viele Kinder das einzige warme Essen

Von den älteren Helfern ist also vielfach erstmal Grundlagenarbeit zu leisten. Sie müssen auch bereit sein, relativ früh aufzustehen. Denn das Frühstücksbüffet baut sich nicht alleine auf. Das Angebot soll schon appetitlich, hygienisch und vielfältig sein. Hier stehen die Schulleitungen in der Verantwortung die richtigen Senioren auszusuchen. Ein Führungszeugnis ist beispielsweise obligatorisch. Denn die Unterstützer brauchen ganz besonders Verständnis für die Probleme der kleinen Persönlichkeiten. Die sind „in den ersten Tagen total gehemmt“, weiß Filmschaupielerin Glas. Eine wichtige Brücke ist für die Initiatoren, dass „jedes Kind selbst auswählen darf, was es essen will.“ Das wiederum müssen sie erst lernen. Ungläubig fragen sie vor dem Angebot die geduldigen BrotZeit-Helfer: „Kann ich da wirklich hingehen?“ Schnell merken alle Mitwirkenden, „wie sich die Kinder geehrt und respektiert fühlen und keiner mit ihnen schimpft“, berichtet Uschi Glas. Teilweise müssen die Schülerinnen und Schüler erstmal lernen Messer und Gabel einzusetzen. Auch die Lehrer erfahren Neues: „Die Schülerinnen und Schüler kommen fröhlich und ausgelassen in die erste Stunde, setzen sich hin und können sich konzentrieren.“

Uschi Glas wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Kinder in den Brennpunktschulen teilweise aus Familien stammen, die schon in der dritten Generation arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger sind. Hier lernen die Kinder: „Wenn man was braucht, geht man zum Amt.“ Sie lernen aber auch, leise und im Dunkeln aus der Wohnung zu schleichen, weil die Eltern schlafen. Das hat dann zur Folge, dass sie teilweise mit Hausschuhen oder Sandaletten durch Schneematsch zur Schule kommen – und aus der Hose guckt dann noch der Schlafanzug. Nicht selten kaufen Lehrerinnen dann von ihrem Geld Schuhe für die kleinen Opfer. Und das mitten in Deutschland, mitten im Wohlstand. Die Schauspielerin berichtet regelrecht schockiert, dass viele Familien keinen Esstisch und keinen Herd mehr haben. Es gibt lediglich Couch, Mikrowelle und Flat-Screens. Und es fehlt die Kommunikation. Alle schauen in eine Richtung – ab Mittag über Satelit auch in die Heimat. Deutsch bleibt dann einfach als wirkliche Fremdsprache auf der Strecke. Glas: „Ich plädiere deshalb für Ganztagshorte, Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen.“

Wenn an einer Schule über 30 Nationalitäten vertreten sind, ist eine Schulleiterin zu verstehen, die sich regelrechte Horrorszenarien im Frühstücksraum ausgemalt hat. Nächtelang vor dem ersten neuen Frühstück konnte sie nicht schlafen. Sie hat gedacht, „es gibt Mord und Totschlag im Frühstücksraum“. Sicherheitshalber hatte sie zur Verstärkung die Schulpsychologin mitgenommen, damit nur nichts passiert. Passiert ist dann doch etwas: Bisher hat es nicht ein einziges schiefes Wort gegeben, keine Rempelei, keine Auseinandersetzungen. Die Kinder sind glücklich, setzen sich hin, reden miteinander. Diese positiven Erfahrungen haben die BrotZeitler an allen zwischenzeitlich über 80 betreuten Schulen gemacht.

„Jedes Kind darf selbst auswählen , was es essen will“

Wichtig ist ihnen auch, dass alle Schülerinnen und Schüler freien Zugang zum Frühstücksraum haben. Keinesfalls darf sich so etwas wie eine unterschwellige Hungerleider-Diskriminierung einschleichen. „Es soll eben ein gemeinschaftliches Erlebnis sein“, betont Glas vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen vor Ort. Hierbei hat sie auch einen kritischen Elternbeiratsvater erlebt, der ihrem Tun sehr skeptisch gegenüber stand. Plötzlich schaute er an ihr vorbei und entdeckte sprachlos seine Tochter im Frühstücksraum. Schlussendlich wurde er noch Zeuge, dass seine Tochter das benutzte Geschirr ohne Aufforderung in die Küche brachte. Sein Kommentar: „Das hat sie zu Hause noch nie gemacht“. Ein Junge aus Hamburg sagt: „Ich habe noch nie mit anderen zusammen gefrühstückt. Das hier ist 500mal besser als zu Hause.“

Kein Hauptschulabschluss – Kein Deutsch

Wenn Uschi Glas ihren Erfahrungsschatz aus vier Jahren BrotZeit-Engagement ausbreitet, dann blinkt immer wieder auch die Wutbürgerin durch. Sie hätte nie gedacht, in welches Wespennest sie mit ihrer Grundschulbetreuung gestochen hat. Und deshalb nimmt sie bei ihrer Kritik an der Bildungspolitik in diesem Land kein Blatt vor den Mund: „Es ist eine solche Katastrophe, was in unseren Schulen, in den Vorschulen und Kitas los ist. Es ist unglaublich, in welcher Parallelgesellschaft wir leben.“ Sie macht das auch daran fest, dass jedes Jahr 60.000 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in die Gesellschaft entlassen werden, davon 40 Prozent mit katastrophalem Deutsch. Nach ihrer Darstellung kostet das „dem Steuerzahler in jedem Jahr 1,5 Milliarden Euro. Ihr Kommentar dazu: „Und jedes Jahr wundern wir uns, warum das so ist.“

Von Chancengleichheit haben wir uns wohl seit langem verabschiedet. Dieses Desaster im Blick, setzt Uschi Glas ihre herausragende Popularität ganz bewusst ein. „Auch um mich in der Politik mit Leuten anzulegen, die so tun, als ob es sowas nicht gibt.“ So war auch selbst der bekannte Bürgermeister in Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, zunächst skeptisch über das Vorhaben der Uschi Glas in seinem Stadtbezirk. Doch heute sagt er: „Für mich ist das tätige Nächstenliebe.“ Denn er kennt die „kleinen Möchtegern-Gangster“, die schon als acht- oder zehnjährige Jungs „nur das Faustrecht kennen.“ Für ihn sind Familien nicht fremd, bei denen der Fernseher den Tagesaublauf bestimmt und nicht die Mahlzeiten.

Folgerichtig bezeichnet Uschi Glas mit ihren Erfahrungen das von der Bundesregierung beschlossene Betreuungsgeld „als eine absolute Katastrophe. Das ist ein Schuss nach hinten.“ Sie führt Statistiken aus Norwegen und Finnland an, wonach genau die Familien, die ihre Kinder in die Kita´s geben sollten, dies nicht tun. Ihre andauernden Schulerlebnisse sagen: „Unsere Kinder kommen nicht ohne Frühstück, weil sie zu Hause das Geld nicht haben, sondern weil das Kindergeld für etwas anderes verwandt wird. Die können oft nicht haushalten. Das geht dann in die Sterioanlage und dann ist wieder kein Geld mehr da. Das Kind muss das Geld haben und nicht die Familie.“ Aber Glas betont auch: “Wir wollen nicht in die Familien hineinhetzen. Wir sprechen dann einfach von der Überforderung der Eltern. Auch ihr ist sicher dabei klar, dass es nicht am „bösen Willen der Eltern“ liegt, wie es eine Schulleiterin ausdrückt. Denn für schlecht bezahlte Jobs müssen die Eltern oft mitten in der Nacht aufstehen oder schlafen morgens noch wegen der Nachtschicht.

Und Uschi Glas findet mit ihrem Verein Nachahmer. Der ehemalige CDU-Abgeordnete und Stuttgarter Roland Sauer (72) hatte die Münchnerin in einer Fernsehsendung gesehen, als sie „BrotZeit“ vorstellte. Schnell fand er engagierte Personen, die etwas bewegen wollten. An der Fasenhofschule ging es los. Im Grundsatz konnte Sauer das Modell „BrotZeit“ eins zu eins übernhemen. „Das ist gewollt“, freut sich Dieter Hermann (59). Denn dem Verein ist klar, dass sie mit ihrem Plan von 120 betreuten Schulen und 5000 Kindern nur eine Initialzündung geben können und auch wollen. In Verbindung mit einer Professorin wollen sie parallel auch den Beweis wissenschaftlich unterfüttern, dass dieses Model sich für die Länder und Kommunen rechnet. Denn, wer bei den Kindern investiert, muss nicht später viel Geld für Harz-IV-Empfänger oder den Kampf gegen Kriminalität ausgeben. Das ist auch der Grund, warum mit den Sponsoren regelmäßig nur Dreijahresverträge geschlossen werden.

Von der „Ketzerin“ zur konservativen Weltsicht

Uschi Glas hat als Kind auch Ausgrenzung erlebt
Foto: API

Ihre Beliebtheit und damit auch ihre Charity-Erfolge hat Uschi Glas sicherlich auch ihrer Bescheidenheit und ihrer Bodenhaftung zu verdanken. Und die kommen nicht von ungefähr. Die im März 1944 in Landau an der Isar geborene Helga Ursula Glas erlebte ein „nicht besonders eingesäumtes Zuhause“, wie sie das nennt. Aber, so erinnert sie sich, „meine Mutter hat es immer fertig gebracht, ein tolles Essen auf den Tisch zu stellen. Ihr Vorbild hat die Dinge einfach gemacht, hat sich in der Kirche engagiert, geholfen, wo es nur ging.

Mit Blick auf ihre hilfsbedürftigen Grundschüler hat sie als Kind ebenfalls Ausgrenzung erlebt. Sie weiß, wie sich das anfühlt. Denn als eher dunkelhäutiges Mädchen mit schwarzen Locken wurde sie oft Negerlein gerufen. Als Protestanten in der katholischen Diaspora wurden sie „Ketzer“ genannt. Deshalb wurde immer nach dem evangelischen Kindergottesdienst in der katholischen Kirche mit Weihrauchampeln die Kirche wieder gereinigt. „Ich habe mir immer den Kopf zerbrochen, ob wir so stinken oder die Ketzer-Düfte rausgetrieben werden müssen“, erzählt Uschi Glas.

An sich selbst hat sie erleben dürfen, wie man mit eiserner Disziplin, anpackend und zielstrebig Klippen und Benachteiligungen überwinden kann. Sie ist nach der Mittleren Reife (1965) und der Ausbildung zur Sekretärin („Ich kann auch zehn Finger“) den Weg aus der Kleinstadt in die Großstadt gegangen, hat sich mit ihrem Berufswunsch Schauspielerin zu Hause durchgesetzt. Und sie hat unendlich viele Rollen gespielt, eben auch die Barbara in dem Kultfilm der 68er „Zur Sache Schätzchen“. Dieser Film zeichnete das Milieu einer jugendlichen Sub- und Gegenkultur. Die damalige Jugend stemmte sich gegen das Gut-Böse-Schema der bürgerlichen Welt und stellte deren Vorstellungen von Normalität in Frage. Auch damals verlangten die jungen Menschen nach menschlichen Beziehungen. Uschi Glas ist genau da wieder angekommen, wo sie Teil einer Bewegung ist und Generationen verbinden will für eine gute Sache. Dennoch hat sie nach dem Kassenerfolg schnell ihren Weg zu einer eher konservativen Weltsicht gefunden, aus der sie bis heute auch keinen Hehl macht. Offensichtlich liegt hier ein Kraftpotenzial, helfend für die Schwachen einzutreten.

Keine Tabus für Alter und Hospize

Deshalb fiel sicherlich die Bitte von Eugen Brysch bei ihr vor 15 Jahren auf fruchtbaren Boden, mitzuhelfen, den Hospiz-Gedanken in Deutschland voranzubringen. „Das musst du machen, habe ich mir gesagt“, erinnert sich die Schauspielerin. Sie findet es unwürdig, dass im Krankenhaus Verstorbene nachts aus der Tiefgarage abtransportiert werden. „Denn wenn jemand gestorben ist, ist das eine Niederlage für den Arzt.“ Wir müssen uns eben frühzeitig auch überlegen, „wie will ich sterben? Wie will ich meine letzten Tage leben? Und was können wir in die Wege leiten, dass wir menschlich sterben können?“ Deshalb kann sie auch täglich mal an den Tod denken, ohne Angst zu haben. Ihr Testament und ihre Patientenverfügung hat sie natürlich auch gemacht. Sie spricht ganz offen über die immer noch irgendwie tabuisierten Themen. Nach wie vor ist sie konsequenterweise Schirmherrin von der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung. Ihre Bewertung: „Die Hospizentscheidung war eine mutige, die BrotZeit ein Schicksal.“

Aber nun mal „zur Sache Schätzchen“, wie ist das denn wirklich mit dem Alter? Das muss doch für eine atraktive Schaupielerin ein riesen Problem sein. Die Medien thematisieren immer wieder ihre 68 Jahre. Sie glauben offensichtlich nicht so recht, dass und wie sie damit klar kommt. Uschi Glas singt aber nicht das Leidenslied der Altersfalten und Botoxreparaturen. Sie will einfach so sein, wie sie ist. Pflege gehört dazu. Eiserne Disziplin beim Essen, Sport treiben (Punkt 6 Uhr 30 ist Stretching angesagt) und jeden Tag die Ganzkörperabreibung mit der harten Wurzelbürste: „Ich will nicht einen Millimeter Zellulitis an mir, keinen einzigen Millimeter.“ Deshalb fühlt sie sich zusammen mit ihrem etwa zehn Jahre jüngeren Eheman Dieter Hermann auch pudelwohl („Wir haben noch nie gestritten“).

Sie ist eben einfach überzeugt davon, dass man auch in ihrem Alter noch sexy aussehen kann. Apropos Sex: „Er ist sehr wichtig. Ohne Sex wäre eine Beziehung doch etwas dünn“, unterstreicht die jung gebliebene 68igerin. Und noch etwas entspannt sie und gibt ihr Kraft für das soziale Engagement – neben ihren Film-Engagements: „Das Schöne am Älterwerden ist die Gelassenheit, die zu einem ständigen Begleiter geworden ist.“ Folgerichtig beantwortet sie auch die Frage von Bild-online, ob sie mal in Rente geht mit „I wo! Ich geh nicht in Rente. Ich kann zwar keine 30-Jährige mehr spielen, aber dafür spiele ich demnächst die Oma.“ Vehement wendet sie sich auch gegen diskriminierende Unwörter wie „Rentnerschwemme“, „Methusalem-Komplex“, „Alterslast.“ Ihrer Ansicht nach wird „das Alter von vielen Menschen oder Medien unwürdig behandelt, es fehlt an Respekt.“ Vor dem Hintergrund von so vielen jungen und fitten Alten fragt sie sich, warum keine Teams „Jung + Alt“ gebildet werden – hier Innovation – da Erfahrung. Deshalb ist sie auch „Botschafterin gegen Altersdiskriminierung, weil ich dafür werben möchte, dass wir alle in Würde alt werden können.“ Und sie setzt noch einen drauf: „Wenn du nicht älter werden willst, dann musst du früher sterben.“ Im Kern aber macht sie sich keine Gedanken über das Alter und lebt lieber in der Gegenwart. Und sie möchte „noch viele interessante Aufgaben haben und sie zustande bringen.“ Uschi Glas bleibt „neugierig und freut sich auf jeden Tag.“

Dieter Buchholtz

 

Infos

brotZeit e.V.

Spenden an:

Reuschel Bank München

Kontonummer 22 777 00

Bankleitzahl 700 303 00

 

Bierbrunner Straße 25

D-811379 München

Tel: +49-89-710516-80

Tel:  +49-89-710516-81

www.brotzeitfuerkinder.org

 

Hospiz

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist eine Organisation zur Interessensvertretung von Schwerstkranken und Sterbenden. Sie nimmt Einfluss auf Politik, Krankenkassen und Leistungserbringer, um das Gesundheitswesen im Interesse der Schwerstkranken und Sterbenden zu verbessern.

Schirmherrin ist Uschi Glas.

Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung
Europaplatz 7
44269 Dortmund
Telefon: 0231 / 73 80 73 -0
www.hospize.de

 

Noch recherchieren, wenn rantlos-Erscheinungstermin klar ist:

Wann ist Glas zu sehen? (aktuelle Filme/TV)

Film

Uschi Glas hat die Dreharbeiten zur ZDF-Produktion Rosamunde Pilcher „Schlangen im Paradies“ unter der Regie von Heidi Kranz begonnen. Sendetermin nächstes Jahr. (Nachrecherche, wenn Erscheinen feststeht)

 

Zitat

„Ich stehe auf der Sonnenseite des Lebens und fühle mich verpflichtet, etwas zu tun. Insbesondere, wenn ich solche Not vor der Haustür erlebe. Unsere Kinder dürfen nicht hungern!“

Uschi Glas


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