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25 Jahre – Weltkindertag

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Illustriert von Harald Schröder

Seit 25 Jahren wird am 20. September der Weltkindertag gefeiert.

In diesem Jahr steht er ganz im Licht des 25. Geburtstages der UN-Kinderrechts- konvention und macht mit seinem Motto „Jedes Kind hat Rechte!“ darauf aufmerksam, dass auch die Kleinsten umfassende Rechte genießen. Die UN-Kinderrechtskonvention garantiert allen Kindern das Recht auf Überleben, persönliche Entwicklung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt und das Recht auf Beteiligung und viele mehr – ganz unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder Religion.

Die UNICEF, die Kinderrechtsorganisation der UNO, fasst in zehn Grundrechten zusammen:
1. das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht;
2. das Recht auf einen Namen und eine Staatszugehörigkeit;
3. das Recht auf Gesundheit;
4. das Recht auf Bildung und Ausbildung;
5. das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung;
6. das Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln;
7. das Recht auf eine Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens;
8. das Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen und auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung;
9. das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause;
10. das Recht auf Betreuung bei Behinderung.
In der Praxis heißt das, Kinder haben das Recht, in einer sicheren Umgebung ohne Diskriminierung zu leben. Sie haben das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung, Ausbildung und auf Mitsprache bei Entscheidungen, die ihr Wohlergehen betreffen.
Obwohl die UN-Kinderrechtskonvention seit 1992 auch in Deutschland gilt, besteht heute noch Handlungsbedarf bei der Verwirklichung der Kinderrechte.
Dies stellte zuletzt im Januar 2014 auch der UN-Kinderrechtsausschuss fest, der Deutschland empfiehlt, den Kinderrechten mehr politisches Gewicht zu verleihen.
Der Vorsitzende der Kinderkommission, Eckhard Pols, erklärt: „Ich wünsche mir, dass anlässlich des 25. Geburtstages der UN-Kinderrechtskonvention die Debatte um eine Stärkung der Kinderrechte wieder mehr in den Fokus von Gesellschaft und Politik gerät. Denn immer noch werden weltweit viel zu viele Kinder Opfer von Gewalt, Vernachlässigung, Diskriminierung und Ausbeutung – und das gilt leider auch für Deutschland. Kinder benötigen unseren besonderen Schutz, in dem Punkt sind sich alle einig, denke ich. Ich würde mir wünschen, dass wir das in unserer Gesetzgebung noch tiefer verankern.“
Das Grundgesetz kennt bislang keine speziellen Kinderrechte.
Im Grundgesetz finden Kinder zwar im Rahmen des Art. 6 GG Erwähnung, sind dort jedoch keine originären Rechtssubjekte, sondern nur „Regelungsgegenstand“ der
Norm. Damit sind für Kinder nur von den Eltern abgeleitete Rechte einklagbar. Zudem sind deutliche Defizite in der Rechtsposition von Kindern hinsichtlich ihrer Förder- und Mitbestimmungsrechte zu erkennen.

kindertag-quelle-unicefDas Aktionsbündnis Kinderrechte, bestehend aus dem Deutschem Kinderhilfswerk, UNICEF Deutschland und dem Deutschen Kinderschutzbund in Kooperation mit der Deutschen Liga für das Kind, hat dem Deutschen Bundestag und dem Deutschen Bundesrat vorgeschlagen, die Rechte der Kinder in einem neu zu schaffenden
Artikel 2a in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen:
(1) Jedes Kind hat das Recht auf Förderung seiner körperlichen
und geistigen Fähigkeiten zur bestmöglichen Entfaltung
seiner Persönlichkeit.
(2) Die staatliche Gemeinschaft achtet, schützt und fördert
die Rechte des Kindes. Sie unterstützt die Eltern bei ihrem
Erziehungsauftrag.
(3) Jedes Kind hat das Recht auf Beteiligung in Angelegenheiten,
die es betreffen. Seine Meinung ist entsprechend
seinem Alter und seiner Entwicklung in angemessener Weise
zu berücksichtigen.
(4) Dem Kindeswohl kommt bei allem staatlichen Handeln,
das die Rechte und Interessen von Kindern berührt, vorrangige
Bedeutung zu.

Keine andere gesellschaftliche Altersgruppe ist so stark von Armut betroffen wie Kinder und Jugendliche. Nach Berechnungen des Deutschen Kinderhilfswerkes leben ca. 2,8 Millionen arme Kinder und Jugendliche in Deutschland. Gerade
die Tatsache, dass konjunkturelle Aufschwünge der letzten Jahre nicht zu einer Abnahme der Kinderarmut beigetragen haben, macht deutlich, dass wir ein strukturelles Problem haben, dem Politik und Gesellschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Kompetenzen entgegentreten müssen.

Schulische Bildung von Kindern und Jugendlichen verbessern

Bildungspolitik muss in Deutschland endlich als gesamtstaatliche Aufgabe begriffen und bearbeitet werden. Dabei geht es in erster Linie darum, dass die Bildungspotentiale unserer Kinder voll und ganz ausgeschöpft werden. Es muss
sichergestellt werden, dass endlich Chancengerechtigkeit für alle Kinder hergestellt wird. Denn mehr Chancengerechtigkeit, besonders auch für die Kinder aus sozial benachteiligten Familien, ist ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland.

Kindern kompetenten Umgang mit dem Internet ermöglichen

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Eltern sollten darauf achten, was sich ihre Kinder im Internet ansehen

Kinder nutzen Medien eigenständig nach ihren jeweiligen Interessen und Bedürfnissen. Individuell gestalten sie ihr Leben und ihren Alltag und bauen sich durch ihre Aktivitäten und Handlungen eine eigene Lebenswelt auf. Kinder und Jugendliche in Deutschland nutzen Medien und insbesondere das Internet wie nie zuvor. Eine kompetente Mediennutzung ist dabei heute ein entscheidender Schlüssel
für Teilhabe an gesellschaftlichen Informations- und Entscheidungsprozessen.
Das Internet beispielsweise kann zum Ausdruck der persönlichen Meinung und für eine gestalterische Beteiligung an gesellschaftlicher Öffentlichkeit genutzt werden. Ein in diesem Sinne kompetenter Umgang mit dem Internet erfordert jedoch Fähigkeiten, die sich im Laufe der individuellen Entwicklung und abhängig vom sozialen Umfeld aufbauen. Bei der Entwicklung dieser Fähigkeiten bedarf es vor allem der Unterstützung durch Eltern und Lehrkräfte. Nur wenn Kinder Medien kompetent nutzen lernen, stehen ihnen die Chancen für gesellschaftliche Partizipation in der Informationsgesellschaft in einem umfassenden Sinne offen.

Jugendliche nicht ausgrenzen

Aktuelle Fälle von Jugendgewalt lassen die öffentliche Diskussion, wie ihr zu begegnen ist, immer wieder aufflammen. Dabei fällt der Anstieg der Jugendgewalt in Wirklichkeit schwächer aus, als es einzelne schockierende Vorfälle signalisieren.
Die Forcierung des Themas von verschiedenen Politikerinnen und Politikern sowie Medienvertreterinnen und Medienvertretern legt daher nahe, dass zu Lasten einer
Bevölkerungsgruppe ohne Lobby eigene Interessen verfolgt werden. Der Ruf nach rechtsstaatlichen Mitteln ist in solchen Situationen nicht unbekannt. Der Weg, Kinder und Jugendliche härter zu bestrafen und einzusperren, kann immer nur ein letztes Mittel sein. Er verdeckt den Blick auf die Ursachen von Problemen und lässt sich leicht für politische Zwecke instrumentalisieren. Stattdessen brauchen wir eine
ernsthafte Diskussion um die Förderung von Kindern und Jugendlichen. Wir haben kein strafrechtliches oder ethnisches Problem, sondern ein soziales Problem.

Wir leben in einer Zeit, in der Jugendliche an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, in der ihre gesellschaftlichen Bildungs- und Zugangschancen sich zu- nehmend verschlechtern. Regelmäßig verlassen über 7,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne Abschluss, die meisten davon mit Migrationshinter- grund.

Schutz vor sexuellem Missbrauch

zbernrSexuellen Missbrauch erleben die meisten Mädchen und Jungen als ein extremes Ereignis, dem sie nicht ausweichen können. Es ist mit Gefühlen der Hilflosigkeit und der Angst verbunden. Erinnerungen an den Missbrauch überfluten die Opfer unkontrollierbar in Form von „Erinnerungsblitzen“ oder Albträumen. Sie leiden oftmals unter starken Stimmungsschwankungen, sind oft ohne erkennbaren Anlass ängstlich, traurig, wütend oder sie schämen sich.
Etwa 40 Prozent der sexuell missbrauchten Kinder zeigen zunächst in ihrem Verhalten keine Auffälligkeiten. Andere bringen über Verhaltensänderungen ihre Gewalterfahrungen zum Ausdruck. Kinder im Vorschulalter spielen oftmals die erlebte Gewalt nach, einige vermeiden Situationen, die Erinnerungen an die Gewalterfahrung hervorrufen. Viele betroffene Kinder verhalten sich in alltäglichen Situationen plötzlich wie unbeteiligt und leiden unter Schlafproblemen, Konzentrationsstörungen, Wachsamkeit, Schreckreaktionen und Wutausbrüchen, deren Heftigkeit nicht im Verhältnis zur Geringfügigkeit des Anlasses steht.
Nicht alle Kinder, die sexuell missbraucht wurden, leiden unter lebenslangen Folgen. Wird einem Kind geglaubt, wird es geschützt und bekommt es Hilfe bei der Bewältigung der Gewalterfahrung, so besteht eine große Chance, dass sie/er die Gewalterfahrung verarbeitet. Kinder, die vor dem Missbrauch psychisch stabil waren, sind eher in der Lage, die schädlichen Auswirkungen der Gewalterfahrungen zu bewältigen.
Alle beschriebenen Auffälligkeiten können ein Hinweis auf erlebten sexuellen Missbrauch sein, sie können jedoch auch andere Ursachen haben. Verhaltensauffälligkeiten von Kindern sind immer ein Hilferuf, dessen Ursache mit fachlicher Unterstützung abgeklärt werden sollte.

 

Sepp Spiegl


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