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Fremd-Sexeln

Kaum einer redet darüber. Aber im Internet ist es ein gigantischer Wachstumsmarkt: Der Senioren-Seitensprung. Junge Leute haben es den Alten lange vorgemacht. Die Partnerbörsen im Web boomen für die Lust an der Abwechslung. Was steckt dahinter?

Verlieben ist einfach – auch im Alter

Wer bei Google als Suchkriterium „Senioren-Seitensprung“ eingibt, bekommt etwa 4,8 Millionen „Treffer“. Diese Luftnummer sollte nicht überbewertet werden. Aber sie signalisiert, dass dieses Tun abseits der festen Partnerschaft in der virtuellen Welt hoffähig ist. Der Begriff hat sich deutlich in vielen Singlebörsen etabliert. Und in der realen Welt wird das sexuelle Ausbrechen in der reiferen Zeit zunehmend mit quirrligem Leben gefüllt.

Was sind die Gründe? Es sollte die knackige Jugend nicht verwundern, dass Menschen in langjährigen Partnerschaften ihre sexuellen Wünsche teilweise dem anstrengenden Alltag geopfert haben. Wenn sich das Leben aber nach Überschreiten der 50er Marke vielfach etwas entspannt, sucht sich die Erotik eher wieder einen anregenden Raum. Vorrangig sollte sicher in der bestehenden Partnerschaft nachjustiert werden. In nennenswerter Zahl aber wählen Männer und Frauen auch den kribbelnden Sprung zur Seite. Immer noch ein moralisches Abenteuer, zerstörerische Folgen inbegriffen.

Idealistische Ehe und Partnerbörsen

Ein diskreter Blick auf schweizer Zahlen zeigt auch ein Stück der deutschen Wirklichkeit des Fremdgehens. Umfragen belegen, dass 36 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer Sex außerhalb ihrer Beziehung hatten. Über 70 Prozent würden es gerne tun, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten. Durch Untreue scheitern denn auch die meisten Ehen. Eigentlich ein niederschmetterndes Ergebnis für die von vielen Paaren gewünschte Idealform.

Das Problem scheint tiefer zu liegen. Es geht im Kern um unser Beziehungsideal. Die moderne Liebesehe in westlichen Industrienationen fordert monogames Leben. Der Mensch aber, so sagen Fachleute, ist eigentlich nicht monogam. Sie halten umfassende sexuelle Treue nicht für möglich. Symptome für die Brüchigkeit unseres idealistischen Partnermodells sind eben auch Partnerbörsen und Seitensprungportale. Eine milliardenschwere Sexindustrie, Pornografie, Prostitution, Pharmaindustrie und Paartherapeuten vervollständigen das wirklichkeitsnähere Bild. Möglicherweise sind es unrealistische Erwartungen an die Ehe, die Fluchtwege brauchen. Dann wird aber auch eventuell zerstört, was Treue im eigentlichen Sinn bedeuten und bewirken kann.

Aufschluss kann auch die historische Entwicklung der modernen Ehe geben. Die Liebe in diesem Partner-Biotop wird mit dem Anwachsen des Bürgertums Anfang des 19. Jahrhunderts zum romantischen Ideal verklärt. In der idealistischen Sicht wurde auch die innereheliche Sexualität verankert. Im 20. Jahrhundert verlor die Ehe ihre wirtschaftliche und soziale Bedeutung. Auch Sexualität wurde allgemein liberalisiert. Die Parameter aber für eine traditionelle Ehe wurden und werden bis heute weiter sehr hochgehalten. Hier finden sich dann alte Rollenbilder wieder, die wirtschaftliche Versorgung wird nach wie vor gerne mit Status verbunden, eine Trennung gerade im Alter über 50 wird vielfach als soziales Desaster verstanden und Untreue bleibt zumeist im Verbund mit Sexualität ein K.O.-Kriterium.

Test für seriöses Online-Dating

Dennoch scheint sich auch bei älteren Partnerschaften etwas zu verändern. Denn sie sind natürlich durch gesellschaftlichen Wandel mitgeprägt worden. Eine große Rolle spielt dabei die Emanzipation der Frau, nicht zuletzt die Pille. So sind heute deutlich mehr Frauen bereit, Sex ohne Bindung zu haben. In der Tendenz gleichen sich hier die Verhaltenweisen von Männern und Frauen immer mehr an. Und das gilt eben auch für die Seitensprünge. Somit ist der kleine Sturm auf die entsprechenden Internet-Portale zumindest erklärbar. Aber Vorsicht, hier lauern Gefahren. Vorabinformation kann unnötigen Schaden vermeiden helfen.

Karolina Schaefer kennt sich als Expertin im Online-Dating-aus. Für ein Dating über 50 geht sie grundsätzlich davon aus, dass idealerweise beide Partner über 50 sind. Als erster Schritt wird bei seriösen Partnervermittlungen ein Fragebogen ausgefüllt. Erst dann bekommen die Suchenden Vorschläge zugesandt. Denn „auch Frauen und Männer über 50 wollen gelegentlich noch mal ein Date, das nicht gleich zu einer Beziehung wird“, verrät Karolina Schaefer aus ihrer Erfahrung. „Diese Art von Sex Dating geht diskret und ohne Gesichtsverlust – zum Beispiel bei C-Date. Man sagt einfach, welche Begegnung man gerne hätte, und dann findet C-Date Partner(innen), die so etwas auch gerne wollen. Und so funktioniert einfach auch ein Casual Date ausgezeichnet – auch für Frauen über 50“, versichert Dating-Kennerin Schaefer. Auf diese Weise werden diese Internetportale auch zu diskreten Steigbügelhaltern für den Senior-Seitensprung.

Ungern werden natürlich solche Praktiken lauthals proklamiert. Aber es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Frau ihre sexuelle Lust nicht in den Wechseljahren verliert. Sie sehnt sich weiter oder verstärkt nach körperlicher Nähe. Das gilt natürlich auch ganz allgemein für ältere Paare. Besonders aber natürlich für Singles. Sie alle leiden vielfach unter Stress in einer hektischen Gesellschaft. Das schlaucht Seele und Körper. Die körperliche Liebe verirrt sich dann häufig auf einem Abstellgleis. Dennoch bleibt die heimliche Sehnsucht. Gesprochen wird immer weniger. Die Sparflamme der Partnerschaft fällt fast in sich zusammen. Doch bei vielen brodeln heimliche, eben auch sexuelle Wünsche. Die schwelende Leidenschaft sucht schließlich die Befriedigung. Der Seitensprung bietet sich nach solchen unterschwelligen Vorbereitungen als eine Lösung an. Deshalb geht, so belegen es Umfragen, jeder zweite Deutsche einmal in seinem Leben fremd. Und hierbei sind Seitensprung-Agenturen im Internet die großen Renner. Denn ganz offensichtlich senkt sich bei dieser Art der Partnersuche auch das Schamgefühl deutlich ab. Die Anbahnung kann in kleinen Schritten erfolgen – über das Austauschen von Mails, SMS bis hin zu einem Treffen – Rückzugsmöglichkeiten zu jeder Zeit inbegriffen.

Testsieger Lovepoint und Firstaffair,

Empfehlenswert – das Internet-Portal LovePoint

Das nach eigenen Aussagen „weltweit größte Seitensprung Info-Portal“ (seitensprung.de) hat diesen Markt – nach 100 Qualitätskriterien gewichtet – getestet. Die Kernaussage dort: „Die meisten Angebote am Markt müssen als nahezu völlig leistungsunfähig eingestuft werden.“ Als „sehr empfehlenswert“dagegen haben die Tester die Portale Lovepoint und Firstaffair eingestuft. Danach gilt „Lovepoint“ als seriös und erfolgreichste Seitensprung-Agentur im deutschsprachigen Raum. Frauen können den Service kostenlos nutzen. Und die Premium-Mitglieder dürfen sich auf das TÜV-Zertifikat für geprüfen Datenschutz verlassen.

Sehr schön zu diesem Thema passt der neue Film von Emmanuel Mouret „Die Kunst zu lieben“. Darin entdeckt beipsielsweise Emmanuelle, eine langjährige Ehefrau, neue Begierde in sich. Sie will raus aus der Routine, raus aus dem Alltag. Die Lust auf neue Erlebnisse im Bett schafft sexuelle Abenteuer mit anderen Männern. In ihrer Filmkritik fragt seitensprung-fibel folgerichtig nach dem „Haltbarkeitsdatum von Liebe und Standfestigkeit des abendländischen Konzepts von Ehe und Partnerschaft.“ Es erscheint also durchaus angeraten zu sein, zumindest gedanklich den Seitensprung zu wagen, also mal über die verzwickten Zusammenhänge zwischen Monogamie und Treue nachzudenken. Die Chance, eine bestehende und eben auch ältere Partnerschaft innovativ mit neuem Knistern zu beleben, muss dabei nicht notgedrungen verloren gehen.

Dieter Buchholtz




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