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Erfolg als Altenpfleger

Altenpfleger einmal anders

Altenpfleger

Ein Altenpfleger stützt eine ältere Dame beim Aufstehen. © planet-beruf.de

 

Rund 660.000 Beschäftigte sind in der Altenpflege tätig. 14.000 vakante Stellen könnten sofort besetzt werden. Altenpfleger ist eine schwere Arbeit – und unattraktiv. Umso bewundernswerter ist der Entschluss von Oliver, Altenpfleger zu werden. Der junge Mann brauchte in der Schulzeit sonderpädagogische Förderung. Er hat sie bekommen und ist glücklich, weil er jetzt arbeiten kann.
Oliver besuchte bis vor kurzem die Fürstin Anna Luisen-Schule im thüringischen Bad Blankenburg. Es ist eine sogenannte Schule für geistige Entwicklung. Und Oliver hatte sonderpädagogischen Förderbedarf. Der Besuch dieser Schule war erfolgreich und hat sich für ihn gelohnt. Denn nun ist er zur großen Freude seiner Lehrer, seiner Mutter und natürlich seiner selbst Altenpfleger im diakonischen Altenhilfezentrum in Bad Blankenburg. Damit hat sich sein lang gehegter Berufswunsch erfüllt.
Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, welch große Chancen die Inklusion für die Gesellschaft bereithält. Es ist der Beweis, dass ehemalige Förderschüler nicht nur in Werkstätten für geistig behinderte Menschen arbeiten können, wie sie beispielsweise Lebenshilfe, Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Diakonie bereitstellen. Sie können darüber hinaus eben auch auf dem Arbeitsmarkt Erfolg haben.

„Da bin ich stark“

Aber einfach ist das heute immer noch nicht.Vieles bleibt sehr kompliziert. Umso schöner ist es, die Zuversicht von Oliver zu hören:„Ich bin auf dem Weg, eine gute Pflegekraft zu werden“, sagt er über sich. „Und ich lasse mir die Freude von keinem nehmen. Da bin ich stark.“
Die Arbeit macht ihm jeden Tag Spaß, auch wenn ihm das Heben schwer fällt. Dass er aber viel Anerkennung bekommt, ist für ihn das Schönste. Auslöser für Olivers Berufsentscheidung war ein Bericht im Fernsehen. Er hatte gesehen, dass alte Menschen teilweise vernachlässigt werden. Aus diesem Anlass reifte in ihm der Entschluss selbst tätig zu werden. Seine Mutter unterstützte ihn dabei nach Kräften und rät ihm immer wieder„stets nach Vorne zu schauen“.
Und die Mutter wird belohnt durch den Optimismus, den Oliver ausstrahlt. Er ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit und findet: Sie ist „gerade gut für mich, weil ich einigen damit sagen will, dass Arbeit für´s Leben wichtig ist.“. Bestätigt wird Oliver auch durch die Tatsache, dass die Lebenserwartung von Menschen zum Beispiel mit Down Syndrom sprunghaft angestiegen ist, seit sie selbst arbeiten dürfen.

Rentnerschwemme

Gute Umgangsformen gehören ebenso zum Berufsbild des Altenpflegers wie Respekt vor dem Alter.

In guten Händen

Oliver hat seine eigenen Sichtweisen: „Die alten Menschen sind wie meine eigenen Kinder, die lieb gehabt werden wollen“. Folgerichtig sind seine Kollegen ein Stück „wie seine Geschwister.“ Und er möchte alten Menschen Mut machen. Aus seiner Erfahrung müssen alte Menschen keine Angst vorm Pflegeheim haben. Sie seien dort, so versichert der 23-Jährige in guten Händen. Um das mit Taten unter Beweis zu stellen, opfert er gerne seine Mittagspause, damit er mit einem Heimbewohner mal ausführlich sprechen kann.
Oliver arbeitet täglich sieben Stunden. Und, ja, die Arbeit ist anstrengend. Das bestreitet Oliver auch nicht. Aber er stellt sich gerne dieser Anforderung. Und noch etwas ganz Wichtiges: Auch mit seinem sehr geringen Gehalt (72 € im Monat) ist er zufrieden.

Pflege von der Pike auf gelernt

Olivers Schule hat auch eine eigene Geschichte. So können sich etliche Bewohner Bad Blankenburgs an die Aufarbeitung der Euthanasievorfälle an der Fürstin Anna Luisen-Schule nach dem Ende des Dritten Reiches erinnern. Und nicht wenige haben noch den Putzmittel-Geruch in der Nase, als in dieser Schule schwerst- und mehrfach behinderte Menschen aus der gesamten DDR betreut wurden. Mit der Wende aber kam endlich das Schulrecht für Menschen mit geistiger Behinderung. Aus dem Stift wurde in Folge eine Schule. Und nun kommen aus diesem Lernort selbst Pfleger. Was für ein Weg!
Pflege hat Oliver also schon an seinen Klassenkameraden und somit quasi von der Pike auf gelernt. Denn er durfte täglich seinen Lehrern und Erziehern bei nötigen Pflegeaufgaben schwerst- und mehrfach behinderter Mitschüler ohne Berührungsängste zur Hand gehen. Bereits dabei hat er schon die empfangene Anerkennung und Liebe schätzen gelernt, um diese heute weiterzugeben.
Birgit Steffani




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