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„Wer seine ewige Ruhe haben will, der bleibt offline“

meint der Kölner Steinmetz Andreas Rosenkranz und nutzt QR-Codes für Grabsteine

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QR-Code auf einer Grabsäule

Man findet sie mittlerweile fast überall, die schwarzweißen Pixelquadrate, die so genannten QR-Codes, eine Kurzform von „quick response“, zu Deutsch schnelle Verbindung. Mit kleinen tragbaren Computern – Tablet PC, I-Pad oder Smartphone – kann man sie ablesen und wird dann blitzschnell auf die Webseite eines Unternehmens geleitet. Bislang wird diese Technik vor allem in der Werbung als Marketinginstrument genutzt.

Dass diese QR-Codes aber nicht nur der Umsatzsteigerung dienen, sondern auch mit völlig anderen Inhalten hinterlegt werden können, hat seit einiger Zeit der Bildhauer und Steinmetz Andreas Rosenkranz aus Köln-Ehrenfeld entdeckt.

„Ich möchte Grabsteine lebendig gestalten.“

In Zeiten, in denen Familien und Freunde weit verstreut sind und regelmäßige Besuche am Grab Seltenheitswert haben, hat sich über das Internet eine neue Trauerkultur etabliert: Virtuelle Kondolenzbücher und spezielle Trauerseiten werden immer häufiger genutzt. Das brachte den Kölner Steinmetz darauf, sich ebenfalls mit völlig neuen Trauerritualen zu beschäftigen. Er begann, Trauerskulpturen, Gedenksteine und Grabmale mit QR-Codes zu versehen, die beim Abscannen zu Webseiten im Internet weiterleiten. Dort finden sich dann Fotos, kleine Filme, persönliche Lieder, Biographien und Informationen über den Verstorbenen.

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Steinmetz Andreas Rosenkranz mit einer Grabsäule und QR-Code

Seit 20 Jahren arbeitetet Rosenkranz als Steinbildhauermeister, hat Figuren für das Kölner Rathaus gestaltet, fertigt individuelle Grabsteine an und arbeitet in der Denkmalpflege. Aber auch mit Internetprogrammierungen kennt er sich aus und hat schon in den 90er Jahren seine eigene Webseite gestaltet.

Die Codes selber wandelt er ab. Aus dem rein technischen Pixelquadrat entstehen gestalterische Entwürfe, die als kunstvolle Reliefs in die Steine eingearbeitet werden. Mehr als ein halbes Jahr hat Rosenkranz an einer speziellen Sandstrahltechnik getüftelt, bis er zufrieden stellende Ergebnisse hatte. Denn das größte Problem war die gute Lesbarkeit für die Geräte.

Virtuelle Welt und Steine machen Trauer „greifbar“

Die Idee, mit QR-Codes auf Grabsteinen Besuchern und Trauernden weitere Informationen über die Verstorbenen zur Verfügung zu stellen, ist in Deutschland noch sehr ungewöhnlich und innovativ. So steht in Nordrhein-Westfalen bislang nur ein einziges so konzipiertes Grab. Es befindet sich auf dem privaten Waldfriedhof Roth-Pütz in Bergisch-Gladbach. Wenn man an den schlichten Findling ein internetfähiges Handy hält und den Code abscannt, wird automatisch die Internetseite des verstorbenen Herausgebers und Publizisten Jochen Greve aufgerufen. Dort erfährt man viel über sein Leben und seine Arbeit und kann auch Fotos betrachten, also weitaus mehr als eine einfache Inschrift auszudrücken vermag. Ein weiterer Vorteil solcher Internetseiten besteht darin, dass man sie im Nachhinein immer wieder anders gestalten kann. Texte, Fotos oder Filme können neu hinzugefügt werden.

Andreas Rosenkreuz bringt aber nicht nur das schwarz-weiße Pixelquadrat auf Grabsteinen an, sondern experimentiert mit der Form und gestaltet künstlerische Skulpturen mit QR-Codes. Eine seiner ersten Arbeiten ist eine hohe dunkelgraue Säule aus Granit, in die ein großer weißer QR-Code in Kreuzform integriert ist, der zu individuell gestalteten Webseiten weiterleiten kann. „Das Ende des Lebens ist der Beginn der Unendlichkeit“ steht auf der Skulptur, deren schlichter Name „Icon 2.0“ lautet.

Dass der Bildhauer mit seinen innovativen Ideen auf dem richtigen Weg ist, zeigt ein Preis, den er beim Online-Voting erworben hat. Online-Leser der Verbraucherinitiative zur Bestattungskultur „Aeternitas“, sowie die Leser der Zeitschrift „Naturstein“ wählten dieses ungewöhnliche Grabmal zur besten modernen Trauerskulptur.

Steine mit QR-Code zum Mitnehmen

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Rosenkranz bei der Feinarbeit

Eine weitere Skulptur nennt Rosenkranz „Come together“. Es handelt sich um eine hohe, dunkle Steinsäule mit integriertem plastischen QR-Quadrat. Das ist seinerseits wieder in vier Quadrate aufgeteilt. Den grauen Zwischenraum formt ein Kreuz. Die einzelnen weißen Steinquadrate lassen sich aus den Steinnischen herausnehmen und zu einem Ganzen zusammenlegen. Nur so kann man den QR-Code lesen und wird dann durchs Scannen wieder mit der entsprechenden Internetseite verlinkt.

Rosenkranz stellt sich ein Trauerritual vor, das zur Gemeinschaft beitragen soll. Menschen, die dem Verstorbenen nahe waren, tragen je ein Stück des QR-Codes mit sich; und zu bestimmten Gelegenheiten treffen sich die Hinterbliebenen, legen den Code zusammen und haben dann Zugang zu ihren ganz speziellen Erinnerungen wie Fotos oder Liedern, je nachdem was auf einer Internetseite an Informationen hinterlegt worden ist.

Es ist auch möglich, ein bereits vorhandenes Grab nachträglich mit der Internettechnik zu verknüpfen, nämlich durch einen zusätzlichen gemeißelten schmalen Sockelstein, auf dem der QR-Code obenauf angebracht ist.

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Grabsäule mit QR-Code

Solch eine Arbeit hat Rosenkranz für eine Familie in Süddeutschland geschaffen, die ihren Sohn auf tragische Weise beim Surfen verlor. Das ungewöhnliche Grab schmückt eine Skulptur in Form eines Surfbretts. In den grauen Stein gravierte der Steinmetz die Unterschrift des jungen Mannes auf der einen Seite und den QR-Code auf der anderen Seite ein.

Das brachte den Bildhauer auf die Idee, auch kleine Steine zu gestalten, die man bei sich tragen kann. Trauernde brauchen Dinge zum Anfassen und Fühlen, findet der Bildhauer. Und dies lasse sich nun mal am besten in Stein ausdrücken.

Bis QR-Codes auf Gräbern üblich werden, wird es sicher noch dauern. Einige Behörden diskutieren, ob diese Technik auf dem Friedhof angemessen ist. Aber der Steinmetz bleibt gelassen. „Es gibt Bedenken, dass hörbare Inhalte die Friedhofsruhe stören könnten, dabei gibt es doch zu jedem Smartphone auch Kopfhörer.“

 Ursa Kaumans

Quelle. U. a. ARD Sendung von Anja Friehoff vom 18.11.2012

andreas rosenkranz
steinmetz- / steinbildhauermeister
steinart
rochusstr.219
50827 köln
0221 – 95 92 026
www.steinart.info
www.infostein.de
www.gedenken-gestalten.de


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