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Jogging-Point

Becher mit konischem Innenleben

Ornamin verblüfft rantlos.de-Redakteur

Katharina Herrmann zeigt das Innenleben des "konischen" Bechers

Key Account Managerin Katharina Herrmann zeigt das Innenleben des „konischen“ Bechers
Foto: Spiegl

Der rote Becher hat es mir angetan. Mit einer nur leichten Neigung des Gefäßes trinke ich den Cappuccino aus. Kein lästiges In-den-Nacken-legen, um den Rest der anregenden Flüssigkeit aufzunehmen. Sehr angenehm hier am Konferenztisch. Um nicht zu sagen: Deutlich ästhetischer ohne die sonst üblichen Halsverrenkungen gegenüber der Tischnachbarin. Sie lächelt mit dem Habe-Ich-es-nicht-gesagt-Ausdruck.

Während ich das Becherritual bis zum letzten Tropfen genieße, hält sie einen grünen Becher hoch. Dieses senkrecht halbierte Exemplar offenbart das versteckte Geheimnis dieser hilfreichen Unterstützung beim Trinken. Der Innenteil wiederholt nicht, wie zumeist üblich, die äußere Form des Bechers, sondern ist konisch geformt. Außerdem habe ich meinen Becher gut im Griff, weil der Henkel groß und handlich ist. „Sie haben soeben die Vorteile von Universal Design ganz praktisch genossen!“ kommentiert Katharina Herrmann meinen Trinktest. Mein Entschluss steht spontan fest: Ich werde dem Trinkbecher einen Platz neben dem Computer einräumen. Dann wird der Nacken beim Trinken angenehm entlastet.

Ein kleiner Designtrick erleichtert das Trinken bis zum letzten Tropfen

Ein kleiner Designtrick erleichtert
das Trinken bis zum letzten Tropfen
Foto: Spiegl

Key Account Managerin Herrmann ist umgeben von buntem Geschirr. Sie wertet meinen spontanen Becher-Entschluss als Erfolg für die Konzeption des Vital-Geschirrs; so nennt die Firma ihr seit 2005 entwickeltes Kunststoff-Geschirr „mit dem Trick“. Das in Minden an der Weser ansässigeFamilienunternehmen Ornamin will damit innovativ den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft begleiten. Unbemerkt wurde ich im Konferenzraum zum Teil dieser Entwicklung. Glücklicherweise bin ich als 68-Jähriger noch nicht von körperlichen Einschränkungen betroffen. Aber ich muss meine Phantasie nicht über Gebühr bemühen, um mir Situationen vorzustellen, in denen dieser Trinkkomfort nicht der eigenen Bequemlichkeit dient, sondern wegen aktueller oder chronischer Einschränkungen das Alltagsleben erleichtert. Ornamin-Geschäftsführer Dr. Holger von der Emde sitzt mir gegenüber und bestätigt meine Gedanken: „Was für den einen notwendig ist, ist für den anderen einfach nur bequem.“ In beiden Fällen können starke Farb-Akzente hilfreich sein, wenn die Unterscheidungsfähigkeit der Augen beeinträchtigt ist.

Der „reddot design award“ für den „schrägen“ Teller

Mit nur einer Hand ein Toastbrot schmieren

Mit nur einer Hand ein Toastbrot
schmieren – das Geschirr unterstützt
Foto: Spiegl

Mein Testfrühstück ist aber noch nicht zu Ende. „Sie haben im rechten Arm eine Sehnenscheidenentzündung vom Tennisspielen und können nur den linken Arm zum Schmieren der Scheibe Toastbrot einsetzen. Versuchen Sie es mal.“ Ich drücke das Messer auf das Brot und will die Butter verstreichen. Kläglich scheitere ich. Das Brett rutscht weg. Die mit einem Klumpen Butter garnierte Brotscheibe hängt halb auf dem Tisch. Ich komme mir ein wenig vorgeführt vor. Die Managerin tröstet mich wieder mit einem Lächeln und schiebt mir aus der äußerlich völlig unauffälligen, aber modern und frisch wirkenden Kollektion ein zweites Brett neben meinen Notizblock. Ich mache den zweiten Versuch. Lasse meinen Tennisarm rechts liegen. Deutlich besser ist nun das Ergebnis: Brett bleibt liegen, Toastbrot ebenfalls, die Butter lässt sich mühelos verteilen. Hier sind die dezenten Tricks: Leichte Gummierung auf der Unterseite des Kunststoffbretts, an den Oberseiten kleine Stege, die die Scheibe halten. Mit dem Streichergebnis fühle ich mich nicht mehr so blamiert wie zuvor. Herrmann bestätigt dieses Gefühl: „Das geht jedem so, der beispielsweise durch einen Unfall, durch eine Krankheit oder eben durchs Alter kleine Einschränkungen hat. Die Betroffenen möchten selbstbestimmt ihr Alltagsleben weiterführen. Das hat auch ganz viel mit Würde zu tun.“ Ich verstehe nun durch Selbstversuch besser und setze für einen Moment meinen Tennisarm außer Kraft, um mit rechts einen Schluck neuen Cappuccino aus dem Trickbecher zu genießen. Dass der Kaffee noch heiß ist, gehört zu den weiteren versteckten Vorteilen dieses Bechers.

Virtuell ist gleich anschließend Mittagszeit. Katharina Herrmann serviert mir ein kleines Erbsengericht – natürlich wieder auf einem Normal-Teller. Für den Test sind die kleinen grünen Kugeln noch ungekocht. Erneut hängt mein Tennisarm ab. Ich versuche mit der Gabel, dann mit dem Löffel die kleinen Teufelchen auf die Essgeräte zu bugsieren. Schieben, tricksen…alles hilft nicht. Magere Ergebnisse von ein bis zwei der Minikugeln hätte ich zum Mund führen können. Wieder schleicht mein Versagensgefühl vom Magen her hoch. Als Rettung ersetzt nun Ornamin-Geschäftsführer Dr. Holger von der Emde den Normal-Teller durch einen aus dem „Design-für-alle-Service“.

Gut 200.000 Stück pro Jahr

Tellertrick: hier hilft der angeschrägte Boden

Tellertrick: hier hilft der angeschrägte Boden
im Inneren beim Essen
Foto: Ornamin

Neuer Versuch von mir mit gleicher Einschränkung. Schnell habe ich die Gabel voll und… lasse sie wieder wegen Ungenießbarkeit der harten Erbsen auf den Teller zurückrollen. „Wo ist denn nun hier der Trick?“ frage ich ahnungsvoll. „Ganz einfach“, erklärt von der Emde: „Der Boden beim Teller Vital ist leicht angeschrägt und der Rand wie eine kleine Welle nach innen hin abgerundet. Dadurch ist es immer möglich, die Speisen, aber insbesondere Flüssigkeiten, also Suppe oder Sauce, einfach auf Gabel oder Löffel zu bekommen. Darum hat dieser Teller neben anderen Auszeichnungen 2009 den`reddot design award´gewonnnen, sozusagen den Oscar für gutes Design.“ Als erstem Unternehmen überhaupt wurde den Ornaminern außerdem schon 2009 der „universal design company award“ verliehen. Ausschlaggebend für die Auszeichnung waren neben dem innovativem Produkt und der engen Zusammenarbeit mit den Kunden im Bereich der Produktentwicklung vor allem das Engagement für Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung.

Das Besteck „Elan“ erhielt den „reddot design award“

Schon vor der Markteinführung erhielt auch
das Besteck „Elan“ den „reddot design award“
Foto: Spiegl

So ein bisschen hat mir diese Teststrecke jetzt die Angst vor möglicherweise auf mich zukommenden altersbedingten Einschränkungen genommen. Ich bin erstaunt, was hier an generationenübergreifendem Geschirr entwickelt worden ist. Die Mindener Experten in Kunststoff haben ganz offensichtlich die Zeichen der Zeit mehr als verstanden. Für sie ist Demografie ein Megatrend, auf den sie sich schon rechtzeitig eingestellt und im wahrsten Sinne Farbe bekannt haben. Ihnen ist wichtig, dass das „Geschirr mit dem Trick“ sowohl eine Hilfe für Kleinkinder, aber auch für Menschen mit Einschränkungen wie auch für kranke oder alte Menschen ist, also ein Geschirr für alle. Und der Erfolg gibt ihnen Recht: Pro Jahr produzieren sie mehr als 200.000 Stück dieses demografiefesten Geschirrs. Hierfür hat Ornamin viel Entwicklungsaufwand getrieben. Dicht am Verbraucher kreiert die eigene Entwicklungsabteilung ständige Verbesserungen in Technik und Ästhetik. Zum Beispiel auch bei dem ab Juli 2013 erhältlichen futuristisch anmutenden Besteck „Elan“, das schon vor der Markteinführung als Prototyp mit dem „reddot design award“ ausgezeichnet wurde. Beim Messer beispielsweise manifestiert sich mit gebogenem Messerschaft und einer griff-angenehmen runden Scheibe am Ende der gleitende Übergang zwischen Bedarf, Bedürftigkeit und Bequemlichkeit (B-Nutzen).

Geschäftsführer Holger von der Emde

Geschäftsführer Holger von der Emde:“Wir stehen erst am Anfang des demografischen Wandels“
Foto: Spiegl

So gesehen marschiert Ornamin sicherlich an der Spitze des Fortschritts. „Leider“, das gibt Firmenleiter von der Emde ganz offen zu, „ist das Bewusstsein für die Möglichkeiten vom B-Nutzen noch nicht beim Endverbraucher gelandet.“ Ihn umgeben oft viele Firewalls aus Vorbehalten zu Kunststoff allgemein, zu Behindertenhilfen als unangenehm und aus dem vermuteten Negativpunkt Umweltverträglichkeit. Zumeist stehen hierbei Unwissen, Klischees oder Vorurteile gehörig im Wege. Wer weiß schon, dass beispielsweise aus nur vier Prozent der Ölförderung sinnvolle Produkte auf Kunststoffbasis entstehen?

Japan ist zehn Jahre voraus

Ornamin hat jahrzehntelang sein Know how bei Aufträgen für Großkunden optimiert. Den Einzelkunden für sich als modernen Markt haben die Mindener Kunststoffhersteller erst so richtig Ende 2011 entdeckt. Von der Emde weist aufgrund seiner internationalen Erfahrung besonders darauf hin, dass „wir in Deutschland sehr viel von Japan lernen können. Die sind uns in der demografischen Entwicklung mindestens zehn Jahre voraus.“ Deshalb unterhält Ornamin enge Kontakte dahin. „Denn“, so der mittelständische Manager, „hierzulande stehp en wir noch am Anfang, ohne so recht zu wissen, wie der Umgang mit dem demografischen Wandpel funktioniert.“

Ornamin-Manager von der Emde:
„Auch bei hohem Prpeisdruck Nein sagen können“
Foto: Spiegl

In Sachbr / en Kunststoff kann das seit 1883 bestehende Familienunternehmen viel Erfahrung und Solidität vorweisen. Schon seit 1955 stellt Ornamin Produkte oder Komponenten aus Kunststoff her und beliefert bis heute Firmen und Konzernebr /. Viel Erfahrung wurde auch im Kantinenbereich gesammelt. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit des hochwertigen Werkstoffes Melamin (langlebig, rückstandsfrei, brillante Oberfläche) und die Umweltverträglichkeit durch nachhaltiges Wirtschaften sind Elemente, die hier in Minden gelebt und belegt werden. Man „produziert eben keine Wegwerfprodukte“, betont Key-Managerin Herrmann. Und schlussendlich legt das Unternehmen mit seinen 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei 13 Millionen Euro Jahresumsatz größten Wert darauf, dass alle Produkte zu hundert Prozent „Made in Germany“ sind. Auch hier setzen die Ornaminer wohl auf den richtigen Trend. Von der Emde unterstreicht, „dass wir unsere Produkte nicht nur in Deutschland entwickeln, sondern genauso ausschließlich hier produzieren“.

Mit kleinen Tricks bequem essen

Mit kleinen Tricks bequem essen
Foto: Spiegl

Im Einzelfall ist von der Emde auch stolz darauf, selbst bei hohem Preisdruck aus Qualitätsgründen „Nein“ sagen zu können. Und es vollzieht sich in nicht wenigen Bereichen generell ein neues Qualitätsbewusstsein, dass gute Ware auch durchaus ihren Preis haben kann. Von der Emde: „Wir sind nicht die billigsten Anbieter!“ Und Ornamin bleibt dabei beweglich, um immer wieder Kundeninteressen genau zu treffen. Bunt oder Weiß als Dekorfarbe ist beim Geschirr nicht jedermanns Sache. Deshalb haben die Ornaminer sich mit Blick auf die ältere Zielgruppe auch schon mit der Übernahme des vielfach gewohnten blauen Zwiebelmusters auf das ProVita Geschirr an Kundenwünsche angepasst. Dieses Dekor aus der „guten alten Zeit“ wurde sehr schnell ein Verkaufsrenner. Übrigens liegen die Geschirrprodukte “mit dem Trick“ in einer Preisspanne zwischen fünf und 25 Euro. Also erschwinglich und dabei immer wertig. „Schön, sinnvoll und praktisch“, wie es Ornamin-Managerin Katharina Herrmann ausdrückt. Geschäftsführer Holger von der Emde spart bei der Verabschiedung dann auch nicht mit seiner optimistischen Vision 2025: „Wir wollen Vorbild für enkeltaugliches Handeln und Universal Design sein – als Marktführer im Bereich Ess- und Trinkhilfen.“

Wieder zu Hause sitze ich mit der Familie beim Abendessen mit traditionellem Geschirr. Ich berichte von meinen Testerfahrungen auf der Megawelle Demografie. Nach der kleinen Tellerstory reagiert unser 26jähriger Sohn zu meinem Erstaunen mit Begeisterung: „Genau das ärgert mich immer, wenn ich Mamas leckere Sauce mühsam und mit magerem Ergebnis durch den Teller wischen muss. Ein Teller mit angeschrägtem Boden wäre das Richtige für mich!“ Mehr Generationentauglichkeit ist wohl nicht drin.

Dieter Buchholtz

Info

Ideenkisten

Ornamin versteht sich als ein Ideengewächshaus. Überall im Unternehmen hängen Ideenkisten. Auf diesem Weg kommen jährlich über 70 neue Produktideen aus der Belegschaft.

Indianerweisheit

Begeistert ist Ornamin-Geschäftsführer Dr. Holger von der Emde von der ganzheitlichen Philosophie der Lakota-Indianer in Pine Ridge (USA/South-Dakota). Denn die Indianer lebten schon nachhaltig, bevor es dieses Wort – und vor allen Dingen das Bewusstsein – bei uns gab. Sie prägten den Spruch: „Du darfst alles tun. Es sei denn, es gefährdet die Zukunft der sieben nachfolgenden Generationen.“

Kleine Historie

Teller in der heutigen Form mit einer Vertiefung in der Mitte werden in Europa erst seit dem 16. Jahrhundert benutzt, und zwar zunächst nur an adligen Höfen. Der Adel benutzte vorher als Unterlage für Speisen flache Essbrettchen aus Holz oder Platten aus Zinn. Die Trinkbecher waren bis in die Neuzeit hinein meist aus Metall.

Und wo bekommt man Ornamin-Produkte?

  • In 19 ausgewählten Filialen von Galeria Kaufhof – z.B. in Köln Hohe Straße und Nippes, in Siegburg, Hagen und Leverkusen, Berlin Ostbahnhof, Braunschweig, Frankfurt, Hannover, Halle oder München Marienplatz…

Info

Zum Thema auch „Sensibel für Demografie“

Interview mit Dr. Holger von der Emde siehe unter „Auf der richtigen Spur“

mehr zu dem Thema:

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    In Minden wird generationsübergreifendes Geschirr produziert. Bunt, schön und praktisch ist es. Ein Design für alle. Nützliche Tricks sind kaum sichtbar „eingebaut“. Einfacher essen. Bequem trinken – und zwar von Jung und Alt. Das ist der Anspruch. „Hundert Prozent made in Germany“ noch dazu. Ein weiterer Mosaikstein im Megatrend Demografie.…
    Tags: emde, für, design, geschirr, ornamin, id="attachment, caption, foto, width, hat


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