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Mit Dampf und Gloria

  Drei Träume

Rheingold-01

Schriftzug des berühmten Waggon “Rheingold”
© gisbertkuhn

Wenn man gleich mehreren Träumen ähnlichen Inhalts nachhängt, wächst beinahe naturgesetzlich die Chance, dass zumindest einer davon in Erfüllung geht. Da war (und ist) erstens der Wunsch, sich einmal in den luxuriösen Polstern des legendären Orient-Express´ zu räkeln – und sei es auch nur auf einigen Etappen. Da wäre – zweitens – fast schon einmal das lang gehegte Vorhaben in Erfüllung gegangen, mit dem Glacier- und dem Bernina-Express die schweizerische Alpenwelt zu durchqueren; aber eben nur fast. Dafür aber wurde – drittens – der, ebenfalls über Jahre gehegte, Plan Wirklichkeit, in einem historischen Waggon des wegen seiner üppigen Ausstattung und des hoch gepriesenen Service´ einstmals berühmten „Rheingold“-Zugs der Deutschen Reichsbahn nostalgischen Gedanken über die Freuden des Reisens damals und jetzt nachzuhängen.

Rheingold

Der Rheingold auf Nostalgiefahrt

In den Genuss dieses Erlebnisses zu kommen, ist eigentlich ganz einfach. In Köln gibt es den Freundeskreis Eisenbahn (www.rheingold-zug.com), dessen Mitglieder jede freie Minute (und vermutlich auch noch eigenes Geld) opfern, um alte – natürlich am liebsten berühmte – Schienen-Rollgefährte zu retten und in Betrieb zu halten. Absoluter „Star“ dabei ist der, weithin original erhaltene oder wieder hergestellte, Speisewagen des einstigen Luxuszuges „Rheingold“, der zwischen 1928 und 1939 das romantische Rheintal durchquerte. Der Pullman-Waggon trägt sogar noch die originale violett-cremefarbene Außenlackierung. In den Kölner Depots stehen jedoch auch noch andere Schmuckstücke. Zum Beispiel der verglaste Aussichtswagen, den die Deutsche Bundesbahn (zusammen mit einem 1.-Klasse-Speisewagen) in ihrem Nachkriegs-„Rheingold“ der 60-er und 70-er Jahre entlang dem Strom fahren ließ. Und in Bottrop gibt es ein Unternehmen namens Arbeitsgemeinschaft NostalgieZugReisen (www.notalgiezugreisen.de), das entsprechende Ausflüge zu den unterschiedlichsten, attraktiven Zielen ermöglicht und dafür wahlweise dieses Zug-Ensemble oder eine Reihe anderer historischer Fahrzeuge chartert.

Mainz ist überall   

Wer sich abenteuerlichen Fahrzeugen anvertraut, lässt sich von abenteuerlichen  Vorkommnissen kaum überraschen. So kommt denn auch erst einmal keine Unruhe auf, als der frühmorgens in Bonn eingesetzte Zug bereits in Köln eine halbe Stunde festsitzt. Aber dann doch fassungsloses Staunen nach Bekanntgabe der Ursache – ein Stellwerk in Wuppertal ist nicht besetzt. Die Bahn vermeldet erneut Personalknappheit. Im Nu macht der Sarkasmus die Runde: „Mainz ist in Deutschland überall“. Jedenfalls muss der Zug (und alle fahrplanmäßigen  Züge müssen das, logischerweise, auch) umgeleitet werden. Was bedeutet, dass die in Wuppertal aufs Zusteigen wartenden Passagiere zusehen müssen, wie sie irgendwie nach Hagen kommen – was, wie sich später herausstellt, tatsächlich auch alle mit Hilfe der S-Bahn schaffen. Dass danach irgendwo auf freier Strecke ein weiterer, ungeplanter Halt zu verzeichnen ist, wird bereits mit Achselzucken und Schmunzeln quittiert: Fehlerhaftes Signal. Wie schon erwähnt – die Pannen gehen nicht auf das methusalemisch alte Rollmaterial zurück, sondern auf die hochtechnisierte Deutsche Bahn…

Wohliges Behagen

rheingold_speisewage

Blick in den Speisewagen des Rheingold

Im Wageninnern (es ist der begehrte Pullman von 1928) hat zum Glück mittlerweile die Heizung die ihr zugedachte Aufgabe übernommen, so dass sich jenes wohlige Gefühl der Behaglichkeit ausbreiten kann, welches die Einrichtung mit ihren gepolsterten Sesseln, weiß gedeckten und mit Lämpchen versehenen Tischen sowie die noble hölzerne Deckenverkleidung dem Fahrgast versprechen. Längst ist dem interessierten Bahn-Laien inzwischen natürlich bewusst geworden, dass er sich auf ein Erlebnis besonderer Art eingelassen hat. Ringsumher sitzen ausschließlich Experten. Da ist zum Beispiel jener Fan, dem offensichtlich kein Geheimnis des eidgenössischen Eisenbahntunnelbaus verborgen geblieben ist. Sein Gegenüber kennt dafür sämtliche Details der Dampflokomotiven auf den Schmalspurstrecken in Wales. Und ein Dritter behauptet allen Ernstes, der Knick auf der ansonsten schnurgeraden Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg rühre daher, dass Stalin während der Planung persönlich einmal das Lineal zur Hand genommen habe, dieses ihm dann auf dem Reißbrett ein wenig verrutscht sei, aber keiner der umstehenden Techniker sich getraut habe, den “verrutschten” Strich wieder zu korrigieren…

41

Die 41 096 nimmt Fahrt auf

Die Diskussionen nehmen an Intensität zu, je näher man sich dem ostwestfälischen Knotenpunkt Altenbeken nähert. Allerdings steht jetzt etwas anderes im Mittelpunkt – Lokomotiven. In Altenbeken wartet nämlich – mächtig von Dampf  umhüllt und Rauch ausstoßend – die mit Öl befeuerte Dampflok 41 096 aus dem Jahr 1939, hergestellt von Krupp in Essen. Das fauchende Ungeheuer gehört Eisenbahnfreunden in Salzgitter, die bereits am Vortag ankamen und in einem eigens mitgeführten, zum Schlafen umgebauten, ehemaligen Paketwagen übernachteten. Die „41“ („Wissen Sie, der Hauptunterschied zur ´44` ist nämlich folgender….“) soll jetzt anstelle der (in Fachkreisen) natürlich ebenfalls legendären Elektrolok „EuroSprinter“ 127 001 – ein Einzelstück – den Nostalgiezug mit Dampf nach Braunschweig ziehen. Was sie, wie von ihr erwartet, auch wacker tut.

„Ist das ´Görlitz` ?“

Lok 41

Herstellerschild der Friedrich Krupp AG an der Lok 41 096
© gisbertkuhn

Doch allein das Annähern der „41“ und schließlich das Ankoppeln an den Zug ist für den Beobachter ein Erlebnis, dem man in „modernem” Deutsch durchaus den Begriff „event“ zubilligen könnte. Diese „Ah´s“ und „Oh´s“ aus der Menge, das einem Maschinengewehr ähnelnde Klicken der Kameras, das nicht selten halsbrecherische Überqueren der Gleise zum Zwecke des Eroberns einer besonders günstigen Fotografier-Position – so sieht Begeisterung, ja Enthusiasmus aus. Und das soll ja auch so sein. Wie aber befreit sich der nur interessiert vom Rand aus beobachtende Laie aus der Klemme, wenn plötzlich ein älterer Herr auf ihn zustürmt und ebenso aufgeregt wie wohl hoffnungsfroh fragt: „ Sagen Sie, das Achsgelenk dort – ist das nicht ´Görlitz`“? Vielleicht ist es unfair, weil aus totaler Unkenntnis heraus geantwortet: „Na klar, das ist eindeutig ´Görlitz`! Das erkennt man doch auf den ersten Blick“.  Gerettet! Und der Mann scheint glücklich. Später, wieder im Zug, gibt es dann jede Menge Gelegenheit, aus berufenen Mündern ein Seminar privatissime et gratis über die lange Geschichte des Waggonbaus im sächsischen Görlitz und der dort spezifischen Achskonstruktionen über sich ergehen zu lassen. Auch das gehört halt zum lebenslangen Lernen.

Gisbert Kuhn

Info

Arbeitsgemeinschaft NostalgieZugReisen

Im Johannestal 28

46240 Bottrop

Tel: 02041 3484 668

Fax: 0208 301 75 87

e-mail: info@nostalgiezugreisen.de

www.nostalgiezugreisen.de

Freundeskreis Eisenbahn Köln e.V.

Grünebergstraße 21

51103 Köln

Tel: 02133 973 98 87 (AB)

Fax: 02133 973 98 88

e-mail: info@rheingold-zug.com

www.rheingold-zug.com

 

 

 

 

 

 

 




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