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Jogging-Point

Nie wieder Indien

 „Die letzte Asienreise hat uns zurückgeworfen“

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Die MS Volendam war mit 1800 Passagieren bei der Asienreise fast ausgebucht.
Foto: Burkhard Nowotny

Wir halten uns inzwischen schon für versierte „Kreuzfahrer“. In den Anfängen unserer Reisen als Rentner-Ehepaar haben wir das eine oder andere Lehrgeld gezahlt. Zwischenzeitlich passieren uns viele Dinge einfach nicht mehr. Der Erlebniswert der Seereisen wurde Stück für Stück gesteigert. Bis jetzt, denn unsere letzte Asienreise hat uns wieder zurückgeworfen.

Unsere Kreuzfahrt mit der „Volendam“ war gebucht für vier Wochen ab Singapur nach Hongkong. Sofern man ein Visum benötigt, sollte es das dann an Bord für ca. 50 bis 60 US-Dollar – also rund 40 € – geben. So weit – so gut.

„Wir bleiben an Bord. Kein Visum“

Doch dann begann der Ärger: Nur für den halben Tag in Port Blair – der größten Stadt auf den Andamenen-Inseln – war das Visum vor Abreise selbst zu beantragen. So hatte es uns die Holland America Line (HAL) vorher mitgeteilt. Wir erkundigten uns nach dem Hafen und der Insel: touristisch eher Ödland. Also stand unser Entschluss fest: Wir bleiben an Bord, kein Visum.

Eine Nachfrage sicherheitshalber bei unserem Reisebüro erbrachte die Antwort von HAL, dass wir ein Visum brauchen, auch wenn wir nicht von Bord gehen wollen. Ansonsten dürften wir in Singapur nicht an Bord, lautete die Drohung!

„Konsulate haben sich besonderen Service einfallen lassen“

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Aberdeen Bazar in Port Blair

Wir schrieben an die Indische Botschaft in Berlin, ob das eine Bedingung der indischen Behörden sei – keine Antwort. Wir schrieben an das zuständige Generalkonsulat in Frankfurt und fragten dort nach – keine Antwort.

Auf den Internetseiten der indischen Botschaft in Berlin steht, dass das Visum für Touristen 52 € kostet. Doch für viele Deutsche sind nur die Generalkonsulate in Hamburg bzw. Frankfurt zuständig. Die wiederum haben sich einen ganz besonderen „Service“ einfallen lassen: Das Visum muss über die beauftragte Agentur IGCS beantragt werden; die verlangt weitere 13,50 € Gebühren, pro Person. Dazu kommen noch Einschreibekosten für Hin- und Rückversand.

„Eine Masse seltsamer Fragen“

Für den Visumsantrag über Internet muss man sich viel Zeit nehmen. Eine Masse zum Teil seltsamer Fragen ist zu beantworten. Wie etwa: in welchen Ländern man in den vergangenen zehn (!) Jahren war, Details zu den Eltern, Referenz in Indien (Wir kennen niemand!?!), frühere Reisen und Visa für Indien (welche Nummer hatte das Visum, und wo haben Sie gewohnt?) Wir können uns an den Namen des Hotels vor 15 Jahren wirklich nicht mehr erinnern. Haben Sie für Militär oder Sicherheitsdienste gearbeitet – wenn ja, Detailangaben? Wozu brauchen indische Behörden diese Angaben von Touristen? Das alles und sehr viel mehr für einen halben Tag als Besucher auf einer kleinen Insel.

Es gab eine handfeste Drohung: Wer kein Visum für Indien hat, wird in Singapur erst gar nicht an Bord gelassen. Im Hafen vor Betreten des Kreuzfahrtschiffes wurden wir dann wirklich gefragt, ob wir ein Visum hätten. Nach unserer Aussage JA wollten wir von der Dame wissen, was wäre, wenn wir keines hätten. Die Antwort erstaunte uns sehr: NICHTS!

733_w„Im Waschsalon erfährt man so einiges“

Gerüchte an Bord besagten, dass die indischen Behörden Mitte Januar die Visumsbestimmungen liberalisiert hätten; von HAL kam keine Info. Im Waschsalon erfährt man dann aber so einiges. Eine Australierin berichtet, ihr Ehemann habe extra in der US-Zentrale von HAL angerufen und dort erfahren, dass man kein Visum brauche, wenn man an Bord bleibe. Wir treffen Deutsche, die unmittelbar vor ihrem Flug von der Visumspflicht erfuhren, sofort per Bahn zum nächsten Generalkonsulat gefahren sind und rund 700 € an Kosten hatten – für einen halben Tag in Port Blair.

An Bord gibt es in der ersten Woche nur ein einziges Reizthema: Visum Indien. Eine Mitarbeiterin der Reederei erzählt, dass die indischen Behörden nach Lust und Laune Gäste ohne Visum in Myanmar aussteigen lassen würden; die können dann sehen, wie sie nach Malaysia und wieder an Bord kommen. Wir fragen den Kapitän am Rande eines Mittagessens, ob ihm die schlechte Stimmung wegen Port Blair bekannt sei und wer diesen Hafen eingeplant habe. Antwort: die Zentrale in Seattle.

„Die Herren in Uniform machen sogar Scherze“

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Pflicht bei jedem Besuch von Rangun/Myanmar ist die Shwedagon-Pagode.
Foto: Burkhard Nowotny

In Myanmar kommt dann die Stunde der Wahrheit: keiner muss von Bord. Dafür wird jedoch für die Ankunft im Hafen angekündigt, dass alle Passagiere mit Unterlagen zunächst persönlich bei den indischen Beamten vorstellig werden müssten. Eingeplant war dafür von 8 bis 10 Uhr, also ein Teil unserer Liegezeit im Hafen.

Dann aber läuft es nach Ankunft im Hafen ganz locker. Wer von Bord gehen will, zeigt den Beamten das Visum, bekommt sofort einen Tagespass und verlässt das Schiff. Die Herren in Uniform machen sogar Scherze….

„Warum musste die Volendam den indischen Hafen anlaufen?“

Wozu also die ganze Aufregung vorher? Warum gegensätzliche Informationen aus Rotterdam und aus Seattle? Rund 75 Passagiere an Bord hatten kein Visum für Indien….und passiert ist ihnen NICHTS. Im Gegenteil: Sie haben sich viel unnötige Aufregung und Geld gespart.

Eine Australierin sagte mir zu diesem Thema, dass für sie die Holland America Line einen Stern verloren habe.

Zwei Fragen an die Holland America Line und deren Zentrale in Seattle sind bis heute unbeantwortet geblieben: Warum musste die „Volendam“ diesen indischen Hafen anlaufen? Und: Haben die Verantwortlichen in den USA je einen Visumsantrag für Indien stellen müssen?

Insgesamt aber war die Asienreise schön und spannend zugleich. Vor allem in Myanmar, das sich gerade öffnet. Der Service an Bord wie immer gut, das Personal sehr freundlich. Keine Frage.

Für uns aber steht fest: Nie wieder Indien !

 

Burkhard und Gerda Nowotny

 


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