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Kreuzfahrten stecken an

Gibt es einen Kreuzfahrt-Virus?

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MS Rotterdam vor Anker in der Nähe eines Hafens.
Foto: Burkhard Nowotny

„Wo geht Eure nächste Kreuzfahrt hin?“ so fragen uns mittlerweile viele unserer Freunde. Vor Jahren war das anders – damals noch wunderten wir uns über die jährlichen Kreuzfahrten der Eltern. Sie rieten uns, auch mal eine zu machen. Jahre später haben wir dann doch eine Nilkreuzfahrt gebucht. Eine Schnupperreise.

Regelmäßig bekommen wir seither Prospekte mit vielen spannenden Reiseangeboten ins Ausland. Dann mache ich meiner Frau den einen oder anderen Vorschlag; ihre Antwort lautet meistens: „NEIN.“ Ostern 2010 war wieder so eine Situation: „Flug nach Sydney, zwei Nächte Hotel; dann Kreuzfahrt mit den Stationen Neuseeland, Fidschi, Samoa, Französisch Polynesien, Hawaii und Los Angeles, zwei Übernachtungen und Rückflug – rund sechs Wochen unterwegs. Der Preis war gut. Die überraschende Antwort meiner Frau: „JA.“

Erste Kreuzfahrten für Einsteiger

2010 ging unsere erste Kreuzfahrt als mittlere „Weltreise“.los. Weil die uns sehr gut gefallen hatte, folgten 2011 eine Karibik-Kreuzfahrt, danach die Transatlantik-Tour ab Barcelona. 2012 waren wir dann gut einen Monat auf Seereise ab Buenos Aires zum Kap Hoorn, dann Chile, Peru, Ecuador und durch den Panama-Kanal bis New York. Schon 14 Tage später ging es ab Kiel nach Norwegen und bis Spitzbergen. Danach schlossen wir spontan noch zwei Wochen Mittelmeer–Kreuzfahrt ab Venedig an – der Preis war einfach zu verlockend. Sechs Kreuzfahrten in drei Jahren ist also unsere erste Einsteiger-Bilanz. Seither winkt ein leichter Suchtfaktor am Horizont. Der Kreuzfahrt-Virus hatte uns gepackt.

18 Tage Kanarische Inseln

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Das Schiff der Holland America Line für 1400 Passagiere.
Foto: Burkhard Nowotny

Wir reisten auf der MS Rotterdam zusammen mit 1316 Passagieren. Es überraschte uns, dass bei dieser Kreuzfahrt nur 31 Deutsche, dafür aber 976 Niederländer an Bord des 1997 gebauten Schiffes waren. Zum ersten Mal erlebten wir auf einem US-Schiff, dass die englischsprachigen Gäste mit 245 in der Minderheit waren. Und zur Freude meiner niederländischen Ehefrau gab es beim Frühstück holländische Besonderheiten. Und erstmals erlebten wir auf einem Kreuzfahrtschiff in der Kabine das niederländisch-flämische Fernsehprogramm BVN neben ansonsten meist unattraktiven US-Sendern. Das TV der Deutschen Welle suchten wir vergebens. Englisch war denn auch die Sprache an Bord. Bei Bedarf fanden wir aber unter den 593 Offizieren und der restlichen Besatzung auch Mitarbeiter, die deutsch oder niederländisch sprachen.

Angemessener Preis

Und wir empfanden den Preis bei der Holland America Line (HAL) angemessen. Wir verstehen es als günstig, wenn auf einem guten Schiff der Preis für ein Doppelzimmer bei etwa 100 € pro Tag und Person liegt. Zu den Kosten der reinen Kreuzfahrt, die Vollpension – in der Regel aber nicht die Getränke – einschließt, kommen noch die Trinkgelder. Das sind  11,50 US-Dollar pro Nacht und pro Person. Außerdem sind die Kosten der An- und Abreise einzuplanen. Und ratsam ist es, einen Tag vor der Abreise in der Hafenstadt anzukommen und dort zu übernachten. Denn eins ist sicher: Wenn der Flug verspätet sein sollte, wartet das Kreuzfahrtschiff nicht.

 

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Die Köche zaubern täglich Kulinarisches.

Geschäfte und Kasino

Und Shopping in einer Reihe von Geschäften an Bord ist einfach ein verführerisches Muss. Zollfrei gibt es bekanntlich Parfüm, Zigaretten, Uhren, Schmuck und Spirituosen. Wer aber denkt, man könnte während der Seereise seinen Whiskey günstig an Bord trinken: Irrtum. Die gekauften Flaschen werden erst am Abend vor der Ankunft am Ziel ins Zimmer geliefert. Man soll schließlich in den Bars und Restaurants Wein, Bier und Schnaps konsumieren, zu angemessenen Preisen (in der Bordwährung US-Dollar). Bezahlt wird immer und überall durch Vorlage der Kabinenkarte. Insoweit sollte man sich ab und zu mal an der Rezeption einen Kontostand ausdrucken, damit man nicht den Überblick über die Finanzen verliert. Apropos Finanzen und Überblick: Jedes Schiff hat ein größeres Spielkasino, das nur in internationalen Gewässern geöffnet ist, dann aber auch nachts. Manche Gäste haben dort viel Zeit verbracht und Geld verspielt.

Hafen und Ausflüge

Der kleine Ausflug an den Strand darf nicht fehlen.

Taxis sind im oder am Hafen meistens besonders teuer. Deshalb sollte der Tourist in jedem Fall mit dem Fahrer einen Festpreis für x Stunden oder für eine Route aushandeln. Weiter weg vom Hafen normalisieren sich übrigens die Preise.

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Einige der Rettungsboote werden gelegentlich als Tenderboote eingesetzt.
Foto. Burkhard Nowotny

Oft legen die Kreuzfahrtschiffe in den Häfen an und man verlässt das Schiff über eine Gangway. Manchmal allerdings, wie auf unserer Reise in Portimao/Algarve, geht das Schiff auf See vor Anker. Die Passagiere müssen dann Tenderkarten abholen und können per Tenderboot zum Hafen – und später wieder zurück – fahren.

Manchmal – nicht auf unserer Kanaren-Reise – legen die Kreuzfahrtschiffe jedoch nicht im Hafen der Stadt, sondern in einem Industriehafen in der Nähe an. Dann kann man – kostenpflichtig – mit Bussen in die nächste Stadt fahren.

Viel Unterhaltung

Jeden Abend gibt es sehenswerte Shows an Bord. Wir fragten den Kreuzfahrtdirektor Glenn, ob das sein Verdienst sei? Ist es nicht. Denn die Zentrale in Seattle/USA versorgt die 15 Schiffe über einen Pool und via Agenturen mit Künstlern. Glenn kann lediglich eine Beurteilung an die Zentrale schicken, ob und wie die Künstler beim Publikum ankommen. Seattle nimmt aber anscheinend wenig Rücksicht darauf, dass – nur diesmal? – in der Masse Europäer an Bord sind, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Bei Musik und Magie ist das sicher kein Problem. Wer aber außerhalb des Königreichs versteht schon britischen Humor? Und wer kennt schon Internas der US-Unterhaltungsbranche, auf die Künstler in ihren Shows gelegentlich Bezug nehmen?

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Für reichlich Sport und Unterhaltung ist immer gesorgt.

Telefonieren an Bord

Wer von seiner Kabine aus nach Deutschland anruft, dessen Gespräche gehen über Maritim-Satelliten. Am letzten Tag hat sich wohl manch Reisender über die präsentierte Telefonrechnung erschreckt. Denn pro Minute sind – egal wohin – 7,95 USD fällig. Da ist es schon sinnvoller, sein Handy zu nutzen. In der Nähe des Festlandes telefoniert man meist noch über das jeweilige nationale Netz zum Beispiel der Niederlande und damit günstig nach EU-Tarif. Auf hoher See taucht aber plötzlich auf dem Display als Netzbetreiber NOR 901 18 auf. Der Sender befindet sich an Bord. Aber NOR ist nicht etwa Norwegen! Zum Glück kommt eine SMS mit den Kostenangaben: Telefonat 2,99 € pro Minute, SMS 39 Cent, während es kurz zuvor in Rotterdam noch 0,34 € bzw. 9 Cent waren.

Internet über Satellit

Ohne Internet geht auch auf See nichts. Das entsprechende Café gibt es daher auf jedem Schiff. Nach Aussagen des Managers nutzen 40 bis 50 Prozent der Gäste an Bord das Internet. Die Preise sind happig: Die Minute kostet 75 US-Cent, ein Paket von 100 Minuten ist für 55 USD, 250 Minuten kosten 100 USD, 500 Minuten 175 USD und für 1000 Minuten sind es 250 USD. Der Empfang auf dem Meer ist eher langsam, bei stürmischem Wetter sogar schwierig.

Lieber gesund und fit als krank

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Bei Passagieren beliebt: die Pool-Landschaft.

Keiner wünscht sich, während einer Kreuzfahrt krank zu werden. Aber sicherheitshalber erkundigte ich mich an Bord der „Rotterdam“ nach der Krankenstation. Holly A. ist Head Nurse und gab mir bereitwillig Auskunft. Bei Seetagen kommen rund 15 Patienten auf das untere Deck, zum Teil auch nur zur angeschlossenen Apotheke. Bei Landgang sind es eher so um die sieben. Von den beiden Ärzten an Bord kümmert sich einer um die Passagiere und der andere um die Besatzung.

Bis zu vier Personen können gleichzeitig stationär aufgenommen werden. Und wenn es mal mehr sind? Dann werden Passagiere ggf. auch in ihren Kabinen medizinisch betreut. Operationen sind an Bord nicht möglich. Kranke werden notfalls im Hafen in das nächste Krankenhaus gebracht. Hier sei die medizinische Hilfe, je nach Staat und Kontinent, sehr unterschiedlich. Und – sehr selten – werden Patienten auf See per Hubschrauber vom Schiff abgeholt. Holly meint, Passagiere mit Behinderungen oder Erkrankungen sollten bereits frühzeitig ihr Risiko bei einer Kreuzfahrt beurteilen: „Understand the risc“. In keinem Fall also ist ein Kreuzfahrtschiff ein schwimmendes Krankenhaus.

Mariner Society

Bedienung

Service wird auf und unter Deck immer groß geschrieben.

Die Zahl der deutschen Kreuzfahrer steigt ständig; bald werden es zwei Millionen Reisende pro Jahr sein. Einer davon ist Hubert G. (58). Er war zum ersten Mal auf einem Kreuzfahrtschiff. Warum? Seine Nachbarn sind schuld, sie haben von ihren Reisen geschwärmt und sind jetzt mit ihm an Bord. Was hat ihm besonders gefallen? Antwort: Madeira. Nicht gefallen hat ihm, dass man an Bord draußen kaum einen ruhigen Platz findet. Das Schiff sei relativ gut in Ordnung, keine defekten Möbel, nichts verwohnt. Das Essen sei hervorragend. Und das Personal sei immer sehr entgegenkommend. Gibt es eine nächste Kreuzfahrt? Ja, aber als Alleinreisender wohl eher auf einem Clubschiff.

Sind weitere Kreuzfahrten geplant?

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Drei Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Teneriffa.
Foto: Burkhard Nowotny

Schon bisher konnte man bei dieser Gesellschaft ein Future Cruise Deposit erwerben, den man bei zukünftigen Kreuzfahrten anrechnen lassen konnte; und zusätzlich bekam man ein Bordguthaben. Bisher hatten wir das nicht gemacht, weil das Guthaben nach einiger Zeit schlichtweg „verfallen“ sollte. Dieser Missstand ist zwischenzeitlich behoben. Aber trotzdem ist die Neuregelung mit Staffelung nach Reisetagen nicht so richtig durchdacht, denn wer weiß bereits an Bord, wie lange seine nächste Reise werden wird.

 

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Im Jahr 2013 haben wir schon vier Kreuzfahrten gemacht. Für Frühjahr 2014 ist ein Monat Asien ab Singapur gebucht. Im Sommer geht es ab Warnemünde für zwei Wochen in die Ostsee. Es muss also einen Kreuzfahrt-Virus geben! Davon sind wir inzwischen überzeugt.

 

 

Burkhard Nowotny




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