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Jogging-Point

Teil 1: Erlebnis – Vietnam

Impressionen von einer Reise nach Vietnam und Kambodscha

Teil 1: Hanoi und Ha Long-Bucht

Wir (mein Mann, 79, und ich, 68,) haben uns mal wieder getraut: Eine Reise nach Vietnam und Kambodscha war schon seit langem unser Wunsch. Keine Gruppenreise sollte es sein, sondern zu zweit, aber mit Hilfe eines Reiseveranstalters, der die Arbeiten wie Unterkünfte in Hotels, Inlandsflüge und viele praktische Aufgaben, für die wir keine Zeit verwenden wollten, vorab erledigte. Wir fanden im Internet ein Angebot, bei dem wir uns aus vielen vorgeschlagenen Bausteinen die für uns attraktiv erscheinende Route und Programmpunkte heraussuchen konnten. Und – um es vorweg zu sagen – es hat alles hervorragend geklappt!

Hanoi, die Hauptstadt

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Hanoi – Hauptstadt von Vietnam. In der Mitte liegt idyllisch der Hoan-Kiem-See

Wir begannen die Reise Mitte Januar 2015 mit einem Direktflug von Frankfurt nach Hanoi, etwa 10 Stunden Flug, wurden dort von einem Fahrer abgeholt und wohnten – wie wir es gewünscht hatten – direkt in der Altstadt. Die tausend Jahre alte Hauptstadt Vietnams mit geschätzt sieben Millionen Einwohnern war schon immer Sitz von Fürsten und Königen, Verwaltung und Militär, Lehre und Wissenschaft. Hier treffen Tradition und Moderne unmittelbar aufeinander. Spiegelverglaste Hochhäuser, sozialistische Protzbauten und prachtvolle Kolonialvillen prägen das moderne Stadtbild. Obwohl unser gepflegtes Hotel im Herzen der Metropole inmitten der schrillen, turbulenten und ohrenbetäubenden Altstadt lag, bot unser nach hinten gelegenes Zimmer Ruhe und Entspannung. Für uns, die wir gerade aus dem deutschen Winter kamen, erwiesen sich die Temperaturen von 18 – 20 Grad als sehr angenehm.

Mit einem kleinen Stadtplan ausgestattet, machten wir uns dann bald auf den Weg und waren nach kürzester Zeit im chaotischen Labyrinth kleiner und kleinster Gassen nahezu verloren, in denen es von Menschen, Waren, Motorrollern, Geräuschen nur so wimmelte. Alles war schrill, turbulent und einfach ohrenbetäubend.

Straße überqueren – niemals anhalten!

In einem Reiseführer waren wir schon vorgewarnt worden: Vietnam ist kein Land für Fußgänger. Nach groben Schätzungen gibt es in ganz Vietnam mit ungefähr 80 Millionen Einwohnern etwa 40 Millionen Motorroller. Wer einmal das perfekte Chaos erleben will (Geräusch- und Abgaskulisse inklusive) muss unbedingt in dieses Land fahren!

Eine unserer ersten großen Herausforderungen bestand darin, eine Straße zu überqueren. Ungezählte Motorroller bewegten sich in einem riesigen Strom, ohne dass irgendwo eine Lücke zu erkennen war. Wenn man aber trotzdem die andere Seite erreichen will, hilft nur eines: Einfach losgehen, nicht rechts und links gucken, niemals anhalten und auf keinen Fall zurückgehen! Das erfordert zunächst einmal Mut zum Risiko, aber nach kurzer Zeit hatten wir es gelernt und trauten uns dann bald auch alleine zu gehen, nachdem wir uns zunächst an Einheimische angehängt hatten.

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Keine Verkehrsampel – es funktioniert.

Wir stellten uns diese Situation in Deutschland vor, wo etwas Ähnliches absolut undenkbar wäre. Wieder im Hotel angelangt, stöhnte ich „Still alife!“, was soviel hieß wie „Gott sei Dank, ich lebe noch!“ Worauf die junge Frau an der Rezeption bemerkte „in Germany you have rules?“ („in Deutschland gibt es Regeln?“)

Helm oder nicht Helm…

Mit Erstaunen bemerkten wir, dass alle Motorrollerfahrer Helme trugen. Seit 2008 hat die Regierung unter Androhung hoher Strafen die Helmpflicht durchgesetzt, nachdem der erste Versuch mit Freiwilligkeit von der Bevölkerung völlig ignoriert worden war. Wer die Helme allerdings genauer betrachtet, stellt fest, dass die meisten Fahrer den Gurt gar nicht erst geschlossen haben und – wie eine neue Studie der vietnamesischen Regierung ergab – bei einem Unfall so gut wie gar nichts nützen. Wir sahen ganze Familien auf einem Roller: Das kleinste Kind vorne, das nächste zwischen Vater und Mutter, die Erwachsenen mit und die Kinder ohne Helm. Denn für sie ist ein Helm nicht vorgeschrieben!

Viele Motorrollerfahrer, vor allem Frauen, tragen neben dem erwähnten Helm einen Mundschutz, dicke Sonnenbrille und Handschuhe, damit garantiert keine Sonne an den Körper kommt; denn ein gebräuntes Gesicht gilt als absolut unschön. Sehenswert ist besonders die vietnamesische Stapelkunst auf einem Motorroller. Egal ob es sich um lange Eisenstangen, Hühner, Möbel, Kühlschränke handelt, es wird einfach alles transportiert. Allein das ist schon ein Schauspiel und voller Bewunderung stellt man fest: Die Vietnamesen sind Meister im Improvisieren.

Es ist noisy!

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Mitten durchs Wohnviertel verläuft die Eisenbahn

Und sie sind offenbar sehr lärmunempfindlich. So führen die Schienen der Eisenbahn vom Hanoier Bahnhof direkt durch die angrenzenden Wohnviertel. Stundenlanges Hupen, ständige Bauarbeiten, andauerndes Klopfen und Rumpeln sind ununterbrochen zu hören. Auch als Tourist sollte man sich zu viel Lärmempfindlichkeit möglichst bald abtrainieren. Denn Hanoi erwacht früh am Morgen. Zwischen fünf und sechs Uhr morgens ist die Bevölkerung auf den Beinen, denn um halb sechs ist es das ganze Jahr über schon hell. Die Händler richten ihre Obst- und Gemüsestände oder ihre Suppen- und Garküchen auf den „Bürgersteigen“ ein.

Nur der Hoan-Kiem-See oder der „See des Zurückgegebenen Schwertes“ ist ein Zufluchtsort inmitten der lärmenden Betriebsamkeit. Rund um den See sind Grünanlagen und Spazierwege angelegt, und am frühen Morgen wird hier Sport getrieben: Jogging und Federball, Tai Chi und Aerobic zu Disco-Rhythmen. An Wochenenden und schönen Sommerabenden wimmelt es von ausgelassenen Cliquen und Liebespaaren, die Musik hören, und sich von Dutzenden mobiler Kleinküchen mit Tee, Eis, Hochprozentigem und Wasserpfeifen versorgen lassen.

Am Abend geht man zu den zahlreichen Night-Markets, trifft sich in der Altstadt auf kleinen Plastikhockern sitzend noch zum Bier und einem Imbiss, und lässt den Tag inmitten von feierfreudigen Vietnamesen und zahlreichen Touristen so langsam ausklingen. Wenn die kleinen Hocker nach und nach den Durchgangsverkehr behindern, kommt die Polizei und greift durch. Kurzfristig werden die Sitzgelegenheiten weggeräumt, aber sobald die Ordnungshüter verschwunden sind, beginnt das Spiel aufs neue. Allzu lange geht es aber nicht. Die Millionenhauptstadt geht früh schlafen. Um 10 Uhr abends wird es vergleichsweise „ruhig“.

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Bei einem Bier, auf kleinen Plastikhockern sitzend, lässt man den Tag ausklingen

Benutzerfreundliche Schriftzeichen

Mit Hilfe des kleinen Stadtplans lernten wir uns trotz der Anfangsschwierigkeiten doch relativ schnell in Hanoi zu bewegen, denn die lateinischen Schriftzeichen, die in Vietnam benutzt werden, waren dabei recht hilfreich. Zu verdanken ist diese Schrift dem französischen Missionar Alexandre de Rhodes, der 1651 die bis dahin gebräuchlichen chinesischen Schriftzeichen in lateinische Buchstaben transkribierte und ein vietnamesisches Wörterbuch verfasste. Anfang des 20. Jahrhunderts setzte sich diese Schreibweise dann nach und nach durch. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1945 behielt die kommunistische Partei die „fremden“ Schriftzeichen bei, denn sie erkannte, dass sich diese Schrift besser lernen ließ und so die Alphabetisierung des Landes leichter zu verwirklichen war. Wissenschaftler bedauern dies heute, weil junge Generationen ihre eigene Vergangenheit nicht lesen können, denn viele Bedeutungsnuancen der alten Zeichen sind in der lateinischen Schrift gar nicht darstellbar.

Landesvater Ho Chi-Minh

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Das Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi

Am zweiten Tag machten wir uns auf zum Ho-Chi-Minh-Mausoleum in Hanoi, wo schon am frühen Morgen lange Besucherschlangen entlang ziehen. Hier verlas der Revoutionsführer 1945 vor einer halben Millionen Landsleuten die Unabhängigkeitserklärung. Im Vietnamkrieg (1964 – 1975) – die Vietnamesen sprechen vom Amerika-Krieg – wurde er zur weltweiten Symbolfigur der Studenten- und Protestbewegung. Wir erinnern uns noch gut an die „Ho, Ho, Ho-Chi-Minh“-Rufe der Studentendemonstrationen Mitte bis Ende der 60-er Jahre in Deutschland.

Ho Chi-Minh wurde 1890 in Zentralvietnam geboren, heuerte nach dem Besuch eines französischen Gymnasiums 1911 als Schiffsjunge an, war in Paris 1920 einer der Mitbegründer der Kommunistischen Partei Frankreichs, gründete in Hongkong die vietnamesische KP, wurde wegen Anstiftung zum Aufstand gegen die seit 1862 bestehende französische Kolonialherrschaft zum Tod verurteilt, floh nach China und kehrte später nach Nordvietnam zurück, wo er den antikolonialen Befreiungskampf anführte.

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Die Statue von Ho-Chi-Minh im Mausoleum

Er war ein hochgebildeter Mensch, der sich in der Welt auskannte und geschichtliche und politische Zusammenhänge verstand, meditierte und Gedichte schrieb. Durch seinen bescheidenen, die marxistisch-leninistische Theorie in die eigene tägliche Praxis umsetzenden Lebensstil (er lebte in einer Hütte neben dem Regierungsgebäude), der Forderung nach politischer Partizipation der Bauern und nach Gleichberechtigung von Mann und Frau wurde er zur personifizierten Revolution und glaubwürdigen nationalen Vaterfigur.

Er wünschte nach seinem Tod keinerlei Staatsbegräbnis und eine einfache Einäscherung. Beides wurde nicht respektiert. Stattdessen baute die Partei ein riesiges Mausoleum, in dem die sterblichen Überreste in einem Glassarg zu „besichtigen“ sind. Von September bis Dezember ist das Mausoleum allerdings geschlossen, weil der Leichnam zur Konservierung nach Moskau gebracht wird.

Halong-Bucht

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Blick über die Halong-Bucht

Den ersten Ausflug machten wir in die weltberühmte Halong-Bucht, die in etwa vier Stunden Busfahrt von Hanoi zu erreichen ist. Fast jeder kennt die Bilder: über 3 000 Kalksteininseln, die in bizarren Formationen aus dem Wasser ragen. 1994 ist diese spektakulärste Sehenswürdigkeit Vietnams von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt worden. Der Legende nach entstand sie durch die wütenden Schweifhiebe einer gigantischen Drachenmutter, die den Vietnamesen auf Geheiß des Himmels gegen Feinde aus dem Norden zur Hilfe eilte. Als ihr massiger Leib nach getaner Arbeit schließlich im Meer versank, verdrängte er soviel Wasser, dass Täler und Schluchten schlagartig versanken und nur die schrundigen, zerklüfteten Gipfel übrig blieben.

Nüchtern betrachtet, handelt es sich um eine uralte geologische Formation – die Überreste gewaltiger Muschelkalkbänke, die vor 300 Millionen Jahren heranwuchsen und stehenblieben, als sich später das hinterindische Festland aus dem Meer empor hob. Viele der steil aus dem Wasser empor ragenden, skurril geformten Felsen weisen Hohlräume auf und sind durchzogen mit gigantischen Grotten. Im Innern mancher Inseln erstrecken sich sogar Seen eingefasst von schroffen Felswänden.

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Fantastische Grotten beherbergen die Kalksteininseln

Die archaische Schönheit der Bucht ist bei jedem Wetter faszinierend. Wir erlebten dieses Naturschauspiel im Sonnenschein bei angenehmer Wärme. Vorgesehen war eine Fahrt mit Übernachtung auf einem Kabinenboot, mit dem wir mit 12 anderen Touristen aus England, Belgien und Neuseeland einen eintägigen Ausflug machten. An Bord wurden wir mit einem mehrgängigen Menü mit feinstem vietnamesischen Essen verwöhnt (mehr zur vietnamesischen Küche im 2. Teil). Die Kabine erwies sich als sehr komfortabel und nach einem Besuch einer Höhle und einer Perlenzucht fuhren wir in den unbeschreiblichen Sonnenuntergang und lagen die Nacht über zwischen unwirklichen Felsformationen vor Anker. Dazu sei gesagt, dass eine Unzahl von Booten ebenfalls in der Bucht lag, denn zahllose Touristen aus aller Welt wollen natürlich dieses einmalige Schauspiel erleben. Trotzdem sind die Bilder des wechselnden Abendlichts und des Sonnenuntergangs einfach unvergesslich.

Als wir wieder nach Hanoi zurückfuhren, fragten wir uns, was denn noch in den vor uns liegenden zweieinhalb Wochen an Höhepunkten auf uns warten könnte. Aber es gab noch einige, von denen ich in Teil 2 und 3 berichten werde.

Ursa Kaumans

Unser Reiseveranstalter:

Auf der Suche nach einem passenden Anbieter für unsere geplante Reise nach Vietnam und Kambodscha stießen wir im Internet auf die Adresse www.erlebe-vietnam.de. Aus den vorgeschlagenen zahlreichen Bausteinen haben wir uns die Reise zusammengestellt und alles hat hervorragend geklappt: die Anreise und Übernachtung auf dem Boot in der Halong-Bucht, die Inlandsflüge, alle Hotels waren hervorragend, dreimal hatten wir einen Fahrer und einen private Guide, der Kochkurs in Hoi An, die Ausflüge im Mekong-Delta usw. Wir trafen unterwegs deutsche Reisende, die ebenfalls mit der o. g. Organisation reisten und genauso zufrieden waren wie wir. Wir hatten das Gefühl, von einer „unsichtbaren Hand“ sicher durch die für uns so fremden Länder Vietnam und Kambodscha geführt zu werden. Wir werden sicher wieder mit diesem Veranstalter reisen!

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www.erlebe-vietnam.de
info@erlebe-vietnam.de
Tel: +49 2837 6638 103

 

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    Reisen nach Vietnam sind seit Ende der 1980er immer beliebter geworden. Das liegt daran, dass sich die kommunistische Volksrepublik Vietnam für individuelle und Pauschalreisen immer weiter geöffnet hat.


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