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Im Taunus in die Römerzeit

Das Kastell Saalburg lässt in Zeit Cäsars und Augustus´ eintauchen

Roemerturm

Obergermanischer Limes: rekonstruierter Wachturm im Taunus

Was haben wir nicht in der „Penne“ gestöhnt, als uns der Lateinlehrer wieder und wieder mit dem Satz des römischen Philosophen Seneca anödete: „Non scolae sed vitae discimus“ und ihn dann – um ja keine Missverständnisse aufkommen zu lassen – auch gleich ins Deutsche übersetzte: „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben“. Meistens schloss sich noch eine längere Abhandlung über die dann freilich nie abschließend beantwortete Frage an, ob das „c“ bei „discimus“ nicht eigentlich als „k“ gesprochen werden müsse. In jenen (man merkt schon: weit zurück liegenden) Jahren vergaß auch der Sportlehrer selten, mit „mens sana in corpore sano“ seine humanistische Bildung hervorzukehren, um uns zu weiterer Stählung der Muskeln anzuhalten. Denn angeblich wohnt ja „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“.

Die Faszination blieb

Hadrianus

Münzbild Hadrians, unter seiner Herrschaft nahm der Limes seine endgültige Gestalt an

Vergangene Zeiten, lange vorbei. Was freilich blieb, ist die Faszination, die von den Römern und der Römerzeit ausging. Jene absolute Hochkultur mit ihren grandiosen Bauten, den noch heute sprachlos machenden über- und unterirdischen Wasserleitungen und Kanalsystemen, den modernen Verwaltungsstrukturen, der militärischen Ordnung und dem strategischen Denken, aber auch der grandiosen Dichtung und Literatur. Liegt in dieser Faszination nicht sogar ein wenig das Geheimnis des Erfolges der lustigen Geschichten von Asterix und Obelix?
Rund ein halbes Jahrtausend waren die Römer auch in Germanien – bis an den Rhein. Zu den wohl am meisten beeindruckenden Hinterlassenschaften gehören die Reste des Limes, der vom 2. Jahrhundert n. Chr. für rund 150 Jahre, durchaus mit Durchlässen für Handel und Geschäfte, als Schutzwall die Grenze des Imperium Romanum zu den germanischen Stammesgebieten bildete. Mit seinen 550 Kilometern, von Bad Hönningen am Rhein bis an die Donau, stellt der Limes das mit Abstand längste Baudenkmal Europas dar und zählt seit 2005 mit Recht zum Welterbe der UNESCO.

Das Kastell im Wald

saalburg

Das Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg

In Deutschland gibt es viele Gelegenheiten und Orte, um in die Römerzeit einzutauchen. Die vorzüglich restaurierten Teile der alten Garnisonsstadt Colonia Ulpia Traiana vor dem Toren des niederrheinischen Xanten gehören ebenso unbedingt dazu wie das größte Römermuseum Süddeutschlands im schwäbischen Aalen. Doch an dieser Stelle sei besonders hingewiesen auf das Kastell im Wald – die Saalburg auf dem Kamm des Taunus, nur einen Steinwurf von der südhessischen Kurstadt Bad Homburg entfernt. Die Festungsanlage, so eindrucksvoll sie sich heute darstellt, war in der Blütezeit des Römischen Reiches allerdings nur eine Garnison mittlerer Größe und Bedeutung, einer von zahlreichen Vorposten des wichtigen Militärlagers Moguntiacum, dem jetzigen Mainz.
In dem Kastell (der jetzigen Saalburg, also) waren in seiner Hochzeit rund 600 Mann – Fußsoldaten und Reiter – stationiert. Vor dem Haupttor der Wehrmauer lagen ein Badegebäude und ein Gästehaus. Ein Dorf mit Handwerker-, Händler- und Wirtshäusern schloss sich an. Gräber und kleinere Heiligtümer säumten die Römerstraße nach Nida, dem heutigen Frankfurter Stadtteil Heddernheim. Alles in allem dürften in dem und um das Kastell bis zu 2000 Menschen gelebt haben. Nach den immer zahlreicheren Einfällen der Germanenstämme und dem letztendlichen Zusammenbruch Roms erging es dem Limes wie den meisten Bauwerken jener Zeit – sie verfielen oder wurden als Steinbrüche für Neuentstehendes genutzt.

Ein Steckenpferd des Kaisers

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Blickfänge sind das rekonstruierte Contubernium, die Mannschaftsstube, in der acht Soldaten auf engstem Raum gewohnt haben

Es ist Kaiser Wilhelm II. zu verdanken, dass wir das Kastell heute so anschaulich vorfinden. Wilhelm, der ins benachbarte Bad Homburg gern zur Kur kam, fand Gefallen an den Ausgrabungen, die seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts von Zeit zu Zeit eher Hobby mäßig von Archäologen betrieben wurden und machte die Saalburg sozusagen zu seinem Steckenpferd. Auf seine Initiative hin wurde die einstige römische Garnison von 1897 bis 1907 zu einem Forschungsinstitut und Freilichtmuseum mit einer umfangreichen Sammlung an Funden wieder aufgebaut. Wenngleich die eindrucksvolle heutige Anlage auch nicht zu 100 Prozent der ursprünglichen entspricht.
Dem Besucher erschließt sich auf seinem Rundgang durch das Kastell und dessen Umgebung ein anschauliches und sehr lebendiges Bild der römischen Lebensweise. Das gilt sowohl für den militärischen wie für den zivilen Bereich, in Sonderheit für Handel und Handwerk. Archäologische Funde, restaurierte Häuser sowie inszenierte Räume und Modelle erzählen vom Leben der Soldaten und der Bewohner des Dorfes vor den Toren des Kastells. Besondere Blickfänge sind dabei das rekonstruierte Contubernium, die Mannschaftsstube, in der acht Soldaten auf engstem Raum zusammen leben mussten, und – sozusagen Kontrastprogramm dazu – das reich ausgemalte und eingerichtete Triclinium, das Speisezimmer eines Offiziers. Sehenswert ist auch das Fahnenheiligtum (die Aedes), das kultische Zentrum des Kastells.

Speisen wie die Römer und die Hessen

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Handkäs mit Musik

Natürlich muss der wissbegierige Besucher auch nicht hungern. Im Museuscafé Taberna geben einerseits Einrichtungsgegenstände nach antikem Vorbild wie Herd, Anrichte oder Regale einen Eindruck vom Aussehen einer römischen Gaststube. Andererseits hat man die Wahl zwischen Speisen und Getränken aus dem gastronomischen Angebot aus der Küche der Römer. Das mag nun vielleicht nicht jedermanns Geschmack treffen. Wer es lieber „international“ oder möglicherweise auch „hessisch“ hätte, dem sei der nur wenige Meter dauernde Spaziergang zum „Landgasthof Saalburg“ empfohlen, um dort dann „Handkäs mit Musik und Äppelwoi“ oder „Frankfurter grüne Soße mit Ei und Salzkartoffeln“ zu ordern.

Gisbert Kuhn

Kontakt

Römerkastell Saalburg
Archäologischer Park
Am Römerkastell 1
61350 Bad Homburg
Tel: 06175/9374-0 (Mo-Fr von 10 -14 Uhr an Werktagen)
Fax: 06175/9374-11
E-Mail: info@saalburgmuseum.de
Öffnungszeiten

März bis Oktober täglich 9 – 18 Uhr
November bis Februar Di-So 9-16 Uhr (Mo geschlossen)
24. und 31. Dezember geschlossen
Letzter Einlass eine halbe Stunde vor Schließung
Museumscafé Taberna
März bis Oktober täglich 10-18 Uhr
November, Dezember, Februar Di-So 12-16 Uhr
Montag Ruhetag (außer an gesetzlichen Feiertagen in Hessen)
Im Januar sowie am 24. und 31. Dezember geschlossen

Eintrittspreise
Erwachsene
Erwachsene ermäßigt*
Kinder unter 6 Jahren
Kinder / Jugendliche (6-18 Jahre)
Familienkarte **
Familien ermäßigt***
Mitglieder des Fördervereins
Gruppen (ab 20 Personen)
-Erwachsene
-Kinder / Jugendliche 5,00 EUR


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