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Fisch-Paradies Ahr

Tausende Lachse und dennoch sind sie rar

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2010 hat die ARGE-Ahr 11.000 Lachssmolts in der Ahr besetzt.

Zahlreiche Wehre sind zurückgebaut, der Flusslauf vielerorts in einen naturnahen Zustand zurückversetzt. Die Renaturierung der Ahr ist weit fortgeschritten. Mit seinem nun über 60 Kilometern barrierefreien Verlauf avanciert der Strom deutschlandweit zu einem in dieser Größenordnung nahezu einzigartigen Projekt für die Wiederansiedlung von Wanderfischen. Zehntausende Junglachse wurden unter Mithilfe der ARGE-Ahr (Arbeitsgemeinschaft – Ahr e.V., Verein zur Erhaltung und Förderung der Fauna und Flora an der Ahr und deren Zuflüssen) seit der Jahrtausendwende in die Ahr eingesetzt.

Ein Team aus Fachleuten unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Jörg Schneider, dem Lachsexperten des Büros für fischökologische Studien (BFS), bemüht sich, den Lachs in der Ahr wieder anzusiedeln. Das von der SGD Nord (Struktur- und Genehmigungsdirektion) initiierte Projekt verfolgt dabei eine Doppelstrategie: Ausgesetzt werden vorwiegend sogenannte „Sömmerlinge“, halbjährige Junglachse, die ein bis zwei Jahre im hiesigen Süßwassergrund verbleiben, bevor sie abwandern. Insbesondere im Flusslauf der Ahr zwischen Dernau und Insul werden dagegen „Smolts“ ausgewildert, ungefähr einjährige Lachse, die in der Regel sofort abwandern, aber zum Laichen zurückkehren.

Der Rückweg ist für Lachse ein Problem

Lachsbesatz

In mühevoller Handarbeit werden die Junglachse in die Ahr eingesetzt, nachdem sie langsam an das neue Gewässer angepasst wurden

Im Gegensatz zum Anstieg der Population von Bachforellen, Barben und Elritzen ist der Erfolg des langjährigen Lachs-Projekts bisher leider bescheiden ausgefallen. Bei sämtlichen Kontrollbefischungen der letzten Jahre landeten erstaunlich wenige Junglachse in den Keschern der Fachleute.

Doch der Biologe und Lachsexperte Schneider ist weiterhin überzeugt, dass die Naturvermehrung der Lachse in der Ahr funktioniert. Für die geringe Dichte an Junglachsen im Fluss weiß er eine Vielzahl von Gründen anzuführen. So wandern die Lachse beispielsweise hauptsächlich im Herbst und Winter zu ihren Laichplätzen und sind dann in der Hochwasser führenden Ahr wegen der Trübe des Wassers kaum aufzuspüren. Ein Lachszensus ist aber gerade in der Laichzeit sinnvoll.

Auch Trockenheit im Herbst, an der Ahr keine Seltenheit, setzt der Lachspopulation zu. Bei Niedrigwasser haben die Tiere erhebliche Probleme überhaupt erst vom Rhein zurück in die Ahr zu gelangen.

Kormorane und Lachsdiebe als Feinde

Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist auch der illegale Lachsfang. Zwar ist die Lachsbefischung in Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz verboten, kontrollieren kann man die Einhaltung allerdings nicht. Ob ein als Nordatlantiklachs deklariertes Tier auf einem holländischen Wochenmarkt nicht doch aus der Ahr stammt, kann nicht festgestellt werden. Zusätzlich setzt die in Ermangelung natürlicher Feinde explosionsartige Vermehrung der Kormorane dem Ahr-Lachs zu.

Underwater image of sea trout.  Brook trout

Auch Bachsaiblinge findet man wieder in der Ahr ©fotolia

Trotz vermeintlicher Rückschläge, Projektleiter Schneider möchte an dem eingeschlagenen Weg festhalten. Mit Hoffnung erfüllt ihn dabei die erfolgreiche Wiederansiedlung des Lachses im Saynbach im Westerwald, ebenfalls einem Nebenfluss des Mittelrheins. Das Projekt startete dort 1994. Heute ist eine hohe Dichte an Naturbrut, darunter sogar Jungfische der dritten Wildlachs-Generation zu verzeichnen. Auch bezüglich der Ahr bleibt Schneider optimistisch: „Geduld und Durchhaltevermögen sind allerdings unabdingbar“, so der Experte.

Dieter Zimny
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „Ahrlust – Das Magazin rund um die Ahr“


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