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Ein Traum hat sich erfüllt

Mit dem Motorrad durch Pampas und über Schotter bis ans „Ende der Welt“

Thomas Kohl am Ortseingang von Ushuaia

Thomas Kohl am Ortseingang von Ushuaia

Es war ein Traum. Ein lang gehegter Traum. Einmal mit dem Motorrad durch Patagonien bis ans Ende der Welt fahren – genauer: bis Ushuaia auf Feuerland, der südlichsten Stadt der Erde an der südlichsten Spitze Südamerikas. Und der Traum ist wahr geworden. 4 500 Kilometer in 17 Tagen, bei Hitze und Kälte und zumeist über ruckelige Schotterstrecken. Mit Pannen, Stürzen – und unbeschreiblichen Glücksgefühlen.

Das berufliche Ende, die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand 2009, hatte also keineswegs zu einem Sturz ins „Pensionsloch“ geführt. Im Gegenteil, sie war für mich – als begeisterten Biker und „Reiseonkel“ – der Auftakt, etwas zu realisieren, was mir jahrelang als Sehnsucht vorschwebte. Trotzdem dauerte es noch zwei Jahre, bis aus dem Wunsch Wirklichkeit wurde. Bis zum Februar 2011. Ein solches Abenteuer anzugehen, erfordert sorgfältige Planung. Dazu gehörte für mich die Lektüre von Reiseführern und anderer Literatur über Patagonien. Und ich befasste mich eingehend mit der Geschichte Chiles und Argentiniens.Nicht zu vergessen ein ärztlicher Check, um sicher zu sein, dass ich den Strapazen eines solchen Trips tatsächlich gewachsen bin. Zudem muss die Ausrüstung Temperaturen zwischen Gefrierpunkt und Tropenhitze gleichermaßen standhalten. Sie sollte aber auch ins Fluggepäck passen. Nicht zuletzt lohnt ein Vergleich verschiedener Anbieter. In aller Regel sind beispielsweise deutsche Reisebüros teurer als Unternehmen vor Ort.

Nicht mit der eigenen Maschine

Das eigene Motorrad mitzunehmen, kam für mich von vornherein nicht infrage. Die Kosten wären zu hoch, der Transport zu zeitraubend und die Zoll- und übrigen Behördenformalitäten zu mühselig gewesen. Außerdem wollte ich zur Bewältigung der in Patagonien überwiegenden Schotterpisten ohnehin eine möglichst leichte Geländemaschine benutzen. Und schließlich schien es mir– nicht zuletzt mangels ausreichender Spanisch-Kenntnisse – auch vernünftig, das Wagnis in einer der am dünnsten besiedelten Regionen Südamerikas nicht alleine anzugehen.

All das führte nach längerer Recherche im Internet zum Vertragsabschluss mit der von dem Deutsch-Chilenen Roberto Baum und seiner Frau Sonja professionell geführten Agentur „motoaventura chile“, die als BMW-Generalimporteure für Chile auch die geeigneten Miet-Motorräder stellen konnte. Und dann kam, zu meiner freudigen Überraschung, auch noch der Anruf meines alten Motorradkumpels Matthias: „Du kannst Dir den Einzelzimmerzuschlag sparen; ich komme mit“.

Brütende Hitze im Februar

Blick aus dem Flugzeug auf die Vulkane der Hochanden

Blick aus dem Flugzeug auf die Vulkane der Hochanden

So starteten wir an einem eiskalten Februarmorgen in Düsseldorf zum ersten Ziel Madrid. Von dort ging es per Nachtflug mit der LAN Chile diretissima nach Santiago de Chile, wobei der Flug über die schneebedeckten Vulkane der Hoch-Anden bei bester Sicht einen der ersten Höhepunkte der Reise bildete. Dann zunächst endloses Warten bei brütender Hitze (in Chile ist im Februar Hochsommer!) auf die Anschlussflüge nach Süden, bis nach insgesamt 27 Stunden tief in der Nacht endlich Punta Arenas erreicht wurde.

Ein munteres Grüppchen, Roberto vorne links, und seine Truppe

Ein munteres Grüppchen, Roberto vorne links, und seine Truppe

Punta Arenas, am Nordufer der legendären Magellanstraße (die das südamerikanische Festland von Feuerland trennt) gelegen und Ausgangspunkt vieler Antarktis-Kreuzfahrten, ist eine überraschend hübsche, von Gründerzeithäusern geprägte Stadt. Dort tankten wir einen Tag Ruhe (und guten chilenischen Rotwein…), bis wir endlich die „Mopeds“ besteigen konnten. Wir – das waren sechs Deutsche, drei Amerikaner, ein Brasilianer und ein Venezolaner. Ein lustiges, internationales Trüppchen. Übrigens drei davon Frauen. Jüngster Teilnehmer, mit Anfang 40, war unser venezolanischer Tankerkapitän Julio, Ältester der 70-jährige, knorrige, glatzköpfige Ami „hairy (haariger) Larry“. Dazwischen alles von 50 bis 65, körperlich fit und im Herzen jung – eben Träumer wie ich.

Das Gepäck wird separat transportiert

Einsamkeit und Schotterstrassen in der südpatagonischen Pampa

Einsamkeit und Schotterstrassen in der südpatagonischen Pampa

Mein Gepäck: „Zivilkleidung“ für abends, warme Sportsachen, um mich (nach dem Zwiebelprinzip) den wechselnden Temperaturen anpassen zu können, Waschzeug usw. Es wurde in einem staubdichten Packsack verstaut und auf einen großen Pick-up-Truck geladen. Außerdem jede Menge Werkzeug, Ersatzteile, Benzinkanister, Reifen und, und, und… Kutschiert wurde der LKW wechselweise von Alejandro, einem pfiffigen chilenischen Mechaniker, und  Robertos Frau Sonja. Und wenn geschraubt werden musste, dann geschah das unter Anleitung unseres Tourguides Roberto. Dann mussten alle ran, die einen Schraubenschüssel halten konnten. Angesichts dieser Ausrüstung keimte schon frühzeitig die Ahnung, was uns auf den insgesamt fast 4 500 Kilometern Strecke – davon zwei Drittel „ripio“, das heißt: Schotter – erwarten würde. Am Ende standen: vier Reifenpannen, zwei defekte Federbeine, mehrere Stürze, verbogene Lenker und, als absoluter Tiefpunkt, ein fulminanter Rahmenbruch an Matthias´ Motorrad.

mehr zu dem Thema:

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    Die Panamericana (englisch Pan-American Highway, spanisch Carretera Panamericana und Ruta Panamericana) ist ein System von Schnellstraßen, das – mit wenigen Lücken – Alaska mit Feuerland verbindet, sich also über die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung des amerikanischen Kontinents erstreckt.
    Tags: über, chile, motorrad, argentinien

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