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Ein Kleinod in Brandenburg

Außerordentlich lohnender Tagesausflug von Berlin – Schloss Rheinsberg.

Friedrich der Große verbrachte als Kronprinz die glücklichste Zeit seines Lebens in Rheinsberg, dessen Schlossausbau er begann. Sein jüngerer Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, vollendete das Bauwerk, schuf hier einen bedeutenden Musenhof und prägte nachhaltig Schloss und Garten im Stil des frühen Klassizismus. In seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ setzte Theodor Fontane der Stadt ein literarisches Denkmal, und bald darauf machte Kurt Tucholsky Rheinsberg zur charmanten Erfüllung unbeschwerter Liebe.

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Blick auf Schloß Rheinsberg

In Berlin-Mitte startend nehmen wir die Bundesstraße 96 nach Norden. Hinter Oranienburg wandelt sich die schier unendlich scheinende Stadtlandschaft Berlins geradezu plötzlich. Die Straße führt durch das Löwenburger Land, das sich in weiten Wiesen und Feldern öffnet, unterbrochen von Wäldern, Feuchtgebieten und Äckern, die ihrerseits weitläufig von Baumhecken eingegrenzt werden. Das am Weg gelegene Schloss Meseburg, Gästehaus der Bundesregierung, lassen wir im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Ab dem Städtchen Gransee bieten sich zwei Routen an. Die Schnellere und kürzere ist die L 22/223. Wir biegen kurz vorher rechts ab auf die untergeordnete L 222. Sie ist die langsamere und längere, meist auch holprige Strecke. Diese Landstraße ist aber eine fast durchgehende Alleestraße und führt über 38 Kilometer durch eindrucksvolle, menschenleere Landstriche. Dann sind das Städtchen Rheinsberg und das gleichnamige Schloss am Grienericksee erreicht, der wiederum mit dem Rheinsberger See durch einen Kanal verbunden ist. Mit beiden Seen eröffnet sich bereits nach Norden die Mecklenburgische Seenplatte.

Schloss und Schlosspark

Von einem der Parkplätze nähern wir uns von Westen zu Fuß dem Schloss und treten in den Schlosspark ein. Nach einigen hundert Schritten öffnet sich die Parkanlage linkerhand, die Südspitze des Grienericksees umfassend, in die Parkgestaltung einbeziehend. Im noch kahlen Vorfrühling ist schon das ein schöner Gesamtanblick. In den Vegetationsmonaten muss es hier schier traumhaft sein.

Rheinsberg, Schlossgarten Rheinsberg, Blick

Der Schloßpark bietet den Besuchern Architektur und Kunst

Nach weiteren Minuten erreichen wir die Gebäude der Schlossanlage, auf deren Areal sich bereits im Mittelalter eine Wasserburg befand, die Mitte des 16. Jahrhunderts als Wasserschloss im Stil der Renaissance ausgebaut, während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges jedoch schwer beschädigt wurde.

Wie kein anderes Schloss besticht Rheinsberg durch seine malerische Lage. Natur, Architektur und Kunst verbinden sich zu einem harmonischen Ensemble. Zahlreiche Kunstwerke schmücken die bereits aufwändig restaurierten Räumlichkeiten des Schlosses und laden zu einer Reise in die Zeit des 18. Jahrhunderts ein. Zu DDR-Zeiten in eine Diabetiker-Klinik umgenutzt und im Innern verschandelt, gelang es inzwischen durch umfangreiche Restaurierungsleistungen die originalen Raumdekorationen aus der friderizianischen Zeit (um 1740/1760) sowie die unter Prinz Heinrich geschaffenen frühklassizistischen Raumfassungen (um 1786) wieder herzustellen. Sie vermitteln gemeinsam mit den hier ausgestellten Gemälden und kunsthandwerklichen Objekten einen Eindruck von der Wohnkultur, dem Lebensgefühl und der Sammeltätigkeit der einstigen Besitzer. Eine geführte Besichtigung erwies sich als sehr lohnenswert.

Tucholsky Museum

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Der Schreibtisch von Kurt Tucholsky

Das Schloss beherbergt zudem das Kurt Tucholsky Literatur Museum, das sich dem Leben und Werk Kurt Tucholskys widmet. Beherbergt werden hier Erstausgaben, zeitgenössische Literatur und persönliche Dokumente Tucholskys, sowie von Siegfried Jacobsohn und Carl von Ossietzky. Die Ausstellung zeigt Briefe, Autographen, Programmhefte, Zeitschriften, Dokumente, Fotos und Bücher, persönliche Gegenstände, seinen Schreibtisch und die Totenmaske des Dichters, der kaum minder bekannt ist unter seinen Alias-Namen Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Kaspar Hauser, Peter Panter. Auch hier lohnt sich ein Besuch unbedingt. Das Museum bietet darüber hinaus wechselnde Kunstausstellungen und literarische Lesungen.

Das Städtchen Rheinsberg

Wie das Schloss wurde auch das Städtchen Rheinsberg durch das Buch Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte von Kurt Tucholsky und durch die Erwähnung in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg von Theodor Fontane bekannt. Der Kern von Rheinsberg, das sich im übrigen weitläufig in zahlreiche Stadtteile aufgliedert, besticht durch seine klassische brandenburgische Bebauung, die den Besucher durchaus in das 18. und 19.Jahrhundert zurückversetzt. Zahlreiche kleine Hotels und Gasthöfe laden hier zu gutbürgerlicher der deftigen oder auch schon gehobenen regionalen Küche ein. Gastzimmer sind zu moderaten Preisen verfügbar und laden auch zu mehrtägigen Aufenthalten ein.

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Das Hafendorf von Rheinsberg

Insgesamt ein Besuch, der sich trotz der Kürze gelohnt hat und zur Wiederholung zu Sommerzeiten reizt.

 

Dietrich Kantel

 

 

 

www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schlossRheinsberg

www.rheinsberg.de

www.kammeroper-schlossrheinsberg.de

 




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