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Der große „Bums“ am Bundes- kanzlerplatz

Eduard Reisch ©seppspiegl

Auf keinen trifft dieser Werbeslogan einer Bank so zu, wie auf Eduard Reisch: „Wir machen den Weg frei“. Der Mann aus der kleinen Gemeinde Apfeldorf in Bayern, sprengt seit über 30 Jahren jedes Hindernis aus dem Weg. Der 55-Jährige gilt als der erfahrenste Sprengmeister Deutschlands und wird inzwischen weltweit angefordert. Gekleidet wie sein großes Vorbild Paul Neal („Red“) Adair (1) in einen feuerroten Overall (weltweites Markenzeichen der Sprengtechniker), dirigiert und organisiert er seine Mannschaft von der Planung bis zum großen „Bäng“.

Spitzname: Krater Edi

Reischs erster „explosiver“ Auftrag war – Mitte der 1980-er Jahre – das Zertrümmern eines fünf Kubikmeter großen Felsbrockens, der im Allgäu von einem Berg herab zwischen zwei Hotelanlagen gerollt war. Im März 1995 sorgte er für Aufsehen, als er einen Teich in der Nähe des Klosters Andechs hoch über dem Ammersee in die Luft jagte. Angesichts des dabei entstandenen Krater glaubten nicht Wenige an einen Meteoriten-Einschlag, dabei hatte das Landratsamt Starnberg bloß die Sprenggenehmigung nicht an die Polizei weiter geleitet. Jedenfalls brachte der Vorgang der Region eine  weltweite Berichterstattung und Sprengmeister Reisch den Spitznamen Krater-Edi ein.
Es folgten: 1999 die Beseitigung der Donaubrücke in Leipheim und 2006 des 152 Meter hohen Sendemastes Hohe Linie. 2008 kam das Agfa-Hochhaus in München an die Reihe, 2009 der 150 Meter hohe Kamin der Zuckerfabrik in Regensburg, und 2010 mussten Pfeiler der Autobahnbrücke über das Haseltal bei Aschaffenburg aus dem Weg geschafft werden.

Der Uni-Riese in Frankfurt

Am 2.Februar 2014 herrschte große Aufregung in Frankfurt. Alles fieberte der bis dahin höchsten Gebäudesprengung Europas entgegen – mitten in einem Wohngebiet. Und Reisch war dafür verantwortlich, dass alles reibungslos verläuft. Mit 950 Kilo Dynamit, verteilt in 1400 Bohrlöcher, ließ er maßgerecht den 116 Meter hohen AfE-Turm der Uni-Frankfurt im Stadtteil Bockenheim in sich zusammenfallen. „Bei einer Schwierigkeitsskala von 1 – 10, war dieser Auftrag eine glatte 10“: sagt Reisch heute noch mit Stolz in der Stimme. Die Sprengung sei fehlerfrei verlaufen – eine „Bilderbuchsprengung“ halt.

Jetzt das Bonn-Center

Feuerwerker Reisch beim Anbringen der Sprengladungen ©seppspiegl

Seit einem halben Jahr nun plante Eduard Reisch mit seiner 23-köpfigen Mannschaft die Sprengung des ehemaligen Geschäftszentrum Bonn-Center. Das 60 Meter hohe Gebäude, errichtet 1968/69, war jahrelang ein Wahrzeichen des Regierungsviertel in der ehemaligen Bundeshauptstadt am Rhein. In Zusammenarbeit mit dem Bauingenieur und Statiker Rainer Melzer aus Dresden musste zunächst eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Nachdem die Grundsatzentscheidung gegen einen mechanischen Abriss und zugunsten der Pyrotechnik gefallen war, begannen die Arbeiten an den Details.

Umfangreiche Schutzmaßnahmen

Sprengschutzmatten wurden bis zum 2. Stock an dem bereits entkernten Gebäude aufgezogen, dazu entstand rund um das „skelettierte“ Bonn-Center der bisher größte für eine Sprengung überhaupt errichtete Erdwall, um Staub und umherfliegende Steine möglichst aufzufangen. Im Umkreis von 100 Metern darf sich bei der Sprengung niemand aufhalten, erst ab 200 Metern ist es Zuschauern erlaubt, sich wieder ungeschützt zu bewegen. „Es ist eine schwierige Sprengung“, so Reisch, „da rund um das Bonn-Center eine dichte Bebauung vorhanden ist und – nicht zu vergessen -, die nur einen Steinwurf entfernte vom Objekt verlaufende Eisenbahnlinie“.

Die Sprengung

Eduard Reisch in der Teambesprechung ©seppspiegl

Für die Sprengung des einstigen Geschäftshauses und Hotels haben Eduard Reisch und sein Team einen Bedarf von insgesamt 250 kg Sprengstoff errechnet – davon 200 kg Sprengschnur 100 und 50 kg gelantinöser Sprengstoff (modernes Dynamit). Aufgeteilt in 1500 Bohrlöcher (je Loch 100 – 500 Gramm Sprengstoff) mit einer Tiefe von 0,50 – 2,50 Meter.
„Wenn alles richtig gemacht worden ist und alle Prüfungen ergeben, das wir eine gute Arbeit geleistet haben, überkommt mich ein ruhiges Gefühl“, bekennt der Feuerwerker Reisch. „Die letzte Prüfung führen wir am Samstag durch, am Sonntag wird noch mal das Gebäude nach Personen durchsucht, und dann steht dem Bums   nichts mehr im Wege“, so Reisch.

Übrigens: „Das Gebäude wurde Tag und Nacht von bewaffneten Sicherheitsbediensteten und der Polizei überwacht, damit sich ja kein Unberechtigter am Sprengstoff vergreift“.

Zum Abschied beklagt Sprengtechniker Eduard Reisch noch den fehlenden Nachwuchs in dem explosiven Gewerbe. „Sprengberechtigter“ ist kein Lernberuf, sondern erst ab 21 Jahren (gesetzliche Vorschrift des Alters beim Umgang mit Sprengstoff) über Schulungen und Praktika zu erwerben.

Sepp Spiegl

HIER GEHTS ZU DEN FOTOS DER SPRENGUNG

Hier das Video zur Sprengung

 

 

 

(1) Paul Neal Adair, bekannt als Red Adair (* 18. Juni 1915 in Houston, Texas; † 7. August 2004), war ein US-amerikanischer Feuerwehrmann und Gründer der Firma Red Adair zur Bekämpfung von Großbränden. Adair entwickelte spezielle Methoden, die mit gewöhnlichen Löscheinsätzen nichts mehr zu tun haben. So bekämpfte er Feuer an leckgeschlagenen Gasleitungen durch gezielte Sprengstoffexplosionen, bei denen so viel Sauerstoff verbraucht wurde, dass die Feuer dadurch erloschen. Seine ohnehin schon internationale Berühmtheit steigerte er durch noch die Löschung der 117 brennenden Ölquellen in Kuwait nach dem Ende des Zweiten Golfkriegs 1991.




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