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Blühendes Hobby

Nach Jura die Wende über Franz von Assisi

Schoenemund

Reinhold Schoenemund

Reinhold Schönemund ist 76 und lebt seit über 50 Jahren in Bonn. Den Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss hat er in dieser Zeit sehr zu schätzen gelernt. Sein Leben ist die Fotografie – und die beeindruckenden Ergebnisse aus dem Garten stellt er den Botanikern gern zur Verfügung. Wer ist der Mensch hinter der Kamera?

Wann sind Sie zur Fotografie gekommen?

Das ist schon sehr lange her. Ich habe als Kind in der Schule angefangen zu fotografieren, obwohl meine Eltern das nicht mochten. Ich komme aus dem Sauerland, bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Meine Eltern wollten, dass ich Pastor werde. Auf dem Internat hatte ich Heimweh und die Fotografie war mein Heilmittel, meine Medizin dagegen. So konnte ich die Natur als Foto auch überall mit hinnehmen.

Pastor sind Sie dann nicht geworden. Was haben Sie stattdessen gemacht, und wie hat es Sie hierher verschlagen?

Ich studierte Jura an der Universität in Bonn und ließ mich dort als Rechtsanwalt nieder. Es zog mich aber immer wieder mit der Kamera in die Natur. Als ich auf einer Italienreise für ein Buch über Franz von Assisi fotografierte, kam es zu einem Wendepunkt: Das wachsende Interesse an meinen Naturbildern bewog mich, eine Kalenderedition zu gründen. Seit 1986 erscheint meine Reihe „Das Jahr im Wald“ mit stetig steigender Auflage.

Was gefällt Ihnen an der Fotografie?

Stitched Panorama

Das Poppelsdorfer Schloss im Abendlicht

Das Ergebnis an sich. Die Kamera ist nur mein Instrument. Die muss funktionieren. Ich experimentiere viel herum. Es ist ein schönes Gefühl, wenn ich den Menschen mit dem Ergebnis Freude bereiten kann und mit meiner gefühlvollen Naturfotografie offensichtlich den Nerv der Zeit treffe.

Sie sind ja kein gebürtiger Bonner. Aber nach der langen Zeit, die Sie hier leben, kann man von einem Bonner Urgestein sprechen?

Ja, das schon. Ich wohne seit 1962 in Bonn und seit etwa 20 Jahren direkt am Botanischen Garten. Das hatte sich zufällig so ergeben, doch dann habe ich den Garten immer mehr für mich entdeckt. Besonders in den letzten Jahren war er ein besonderer Ort für mich.

Warum der Botanische Garten, was macht den Bonner Garten aus?

Hier fühle ich mich wohl. Für mich ist das ein Geschenk, das sich früher nur der Kurfürst leisten konnte (lacht). Deshalb gebe ich dem Gartenteam auch die Bilder. Das ist meine Form, „Danke“ zu sagen. Der Garten mit seinem barocken Schloss ist für mich die perfekte Kulisse. Er ist ein Refugium für so viele Menschen. Ich komme ein- bis zweimal die Woche her. Und man entdeckt jedes Mal etwas Neues, es verändert sich auch viel.

interview_forsch

Reinhold Schönemund (r.) präsentiert ein Poster mit seinen Fotos aus dem Botanischen Garten. Doktorand Philip Testroet führte das Interview Foto: Volker Lannert

Was sind Ihre Lieblingsmotive innerhalb der Gärten?

Die Lotusblume ist meine liebste Pflanze hier. Auch die zarten Elfenkrokusse im Frühling mag ich sehr und die Magnolien. Auch die Menschen hier sind wichtig, aber die lassen sich nicht so einfach fotografieren (lacht). Die Titanenpflanze finde ich nicht so toll. Die ist mir zu mächtig, zu grotesk – aber beeindruckend.

Schießen Sie auch Mottoserien, zum Beispiel zu den verschiedenen Jahreszeiten?

Ja, das mache ich gerne, denn die Natur ist vor allem im Wechsel schön. Jede Jahreszeit ist besonders.

 

Ulrike Eva Klopp und Philip Testroet

 

Das Interview wurde etwas gekürzt und mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von forsch 2-3/2014 universitätbonn übernommen.

Fotos von Reinhold Schönemund sind auf der Homepage und der Facebook-Seite des Botanischen Gartens zu sehen.

Kontakt: www.schoenemund.de

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    Herbst im Botanischen Garten Bonn. In warmen bis leuchtenden Erdfarben ist es einfach ein unvergleichliches Erlebnis. Auf elf Hektar sind hier 11.000 Pflanzenarten zu bewundern.
    Tags: garten, botanischen, bonn, für, hat, botanischer, natur, über, width, bonner




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