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Großes Biotop mit kleinen Bäumen

Ausstellung im Düsseldorfer Bonsai-Museum: Kleine Bäume – Große Kunst

Werner M. Busch, mit einem Aprikosenbaum, ca. 80 Jahre alt

Eine Steinlinde, 200 Jahre alt, Wert: ca. 8000,- Euro

Deutschlands wohl einziges Bonsai-Museum hat nach der Winterpause wieder geöffnet. Mit 1.500 Quadratmeter Freiluft-Präsentation sind 150 dieser kleinen Baumkunstwerke am westlichen Düsseldorfer Stadtrand zu bewundern. Zum Auftakt zeigt Museumschef Werner M. Busch (58) eine Sonderausstellung mit Bäumen aus Kroatien von Marija Hajdic und Andrija Zokic. Hier findet der Besucher einen 150 Jahre alten Olivenbaum im „Taschenformat“ mit einem Wert von rund 8.000 Euro oder eine 200 Jahre alte Steinlinde mit ausgeprägter Borke für 10.000 Euro. Tolle Ergebnisse für eine erst fünfjährige Sammlertätigkeit.

Das Museum ist in den drei Jahren des Bestehens in liebevoller Detailarbeit zu einem informativen Einstieg in diese kleine Welt der großen Kunst am Mini-Baum geworden. Ziel ist es, die Bonsaikultur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Thematische Räume zeigen mit ihren 150 Bäumen zum Beispiel die Philosophie dieses Veredelungshandwerks, also warum man die Pflanzen klein hält. Durch viele ausgesuchte und wertvolle Beispiele ist zu erkennen, welche Stilarten (Literatenform, Kaskade, Besenform, Felsenform) es gibt. Deutlich wird auch die unendliche Geduld, die erforderlich ist, um eine Mädchenkiefer, eine Hainbuche oder einen Apfelbaum in eine der klassischen Formen zu drahten, zu ziehen, zu schneiden.

Im Raum Gestaltungstechniken wird sichtbar, wie schwer und langwierig es ist, auch kleine Bäume aus dem Hochgebirge einen Bonsai-Wuchs zu geben. An der Station der Solitäre bekommt der Besucher eine Ahnung, wie wichtig Proportionen, also etwa Blattgröße im Verhältnis zum Stamm, sind. Eine Weisheit gibt Busch bei einer Führung zum Besten: „Besonders Männer wollen in ihrem Leben Spuren hinterlassen. Der Bonsai bietet dazu eine Gelegenheit.“ Der Zulauf des „starken Geschlechts“ zu dieser Miniaturenkultur ist auch ein Beleg dafür. Busch erzählt einen weiteren Aspekt: In Japan gehört es zur Familientradition, dass Bonsai vererbt werden. Bei hohen Festen holen sie ihren Bonsai von der Pflege aus ihrer Gärtnerei, stellen ihn zu Hause auf und gedenken ihrer Ahnen, deren Geist über diesen Weg bei ihnen ist.

Seit 1984 betreibt Werner M. Busch die Bonsai-Werkstatt mit viel Engagement

Japanischer Fächerahorn, 80 Jahre alt, Wert: 12.000,- Euro

Werner M. Busch, Vorsitzender des Bonsai-Museums Düsseldorf e.V.

Das Alter spielt bei dieser aus China und Japan stammenden Kultur immer eine große Rolle. Die in Düsseldorf gezeigten Exponate sind überwiegend zwischen zehn und 100 Jahre alt. Und mit den Jahrzehnten und der erfolgreichen kunstvollen Gestaltung wachsen auch die Preise von 100 bis auf über 10.000 Euro. In Deutschland findet diese strengen und traditionellen Regeln unterliegende Gestaltung seit 30 Jahren zunehmend mehr Anhänger. So entdeckte Busch sein „Herz für den Bonsai“ bereits als 18-Jähriger. Er hatte einen Artikel gelesen und war sofort von dieser Welt gefangen. Nach seiner Banklehre folgte er seinem Bauchgefühl, verließ die Banker-Welt und tauchte ein in die Bonsai-Ästhetik. 1984 eröffnete er seine Bonsai-Werkstatt. Und genau diesen Workshop-Charakter atmet das „Atelier“ noch heute aus. Hier wird gelernt, gelehrt, Wissen und Können ausgetauscht. Immer wieder stehen Meister aus Japan, aber auch Spezialisten aus Deutschland zur Verfügung. Über das Internet wächst die Gemeinde der Lernbegierigen, jüngere, aber auch ältere. Die interessierten Männer stehen häufig an der Schnittstelle zwischen Berufs- und Rentnerleben.

Viet Luan Tran setzt vorsichtig ein Fräsgerät an

Vor den Augen vieler Interessierter und Fachleute findet am Besuchstag eine „Operation“ am lebenden prächtigen 60 Jahre alten Wacholderbaum statt. Viet Luan Tran setzt wie beim Zahnarzt ein kleines Fräsgerät an eine Astverzweigung, drückt die beiden Äste auseinander. Man glaubt schon, dass die Baumkrone geopfert wird. Aber nach drei Jahren Lehrzeit hat Luan die Sache voll im Griff. Vorsichtig wird bandagiert, gedrahtet. Der Laie sieht nicht, dass dieser Baum von jemandem aus Altersgründen nicht mehr kunstvoll gepflegt werden konnte. Die Proportionen haben sich verschoben, der Stamm ist zu dünn, so sieht es der Fachmann. Luan holte sich Rat von Meister Katagiri aus Japan. Der stellte u.a. fest: Der Baum braucht mehr Licht. Eine Zeichnung entstand, wohin es mit diesem Wachholder gehen soll. Dann erkennt auch der Laie den Unterschied. Die Fähigkeit, das Verändern von Natur in dieser Dimension auch zu zeichnen, schafft Sicherheit beim Arbeiten am Baum, wenn der Weg durchdacht und skizziert wurde.

Udo Claassen übt mit Laien das Zeichnen eines Bonsai

Und genau das wird einen Raum weiter geübt. Ganz spontan hat Udo Claassen Besucher eingeladen, eine Mädchenkiefer zu zeichnen. Sieben Freiwillige wagen das Experiment. Der Künstler und Bonsai-Liebhaber aus Bonn ermuntert, seinem Charakter und Temperament freien Lauf zu lassen, das eigene Gefühl hineinzulegen. Beim Zeichnen „kann man nichts falsch machen“, ist sein Credo. Denn „jeder sieht die Welt anders!“ Wenn die kleinen Kunstwerke fertig sind, gibt er Anregungen zur Verbesserung von Beobachtung und Ausführung. Offensichtlich erziehen die Bonsai zur Entschleunigung, zur Ruhe, zum langsam Werden-Lassen. Während draußen vor den Toren des Museums die Wachgänse schnattern, gelingt auch in dem 500 Quadratmeter großen Werkstatt-Bereich das Eintauchen in eine kreative Ruhe – hier zählen Geduld und Jahre.

Das Einsteigermodell: ein Apfelbaum

Zum Schluss an Fachmann Werner M. Busch die Frage für Bonsai-Einsteiger: Welcher Baum eignet sich am besten für den Anfänger? Busch rät zum Apfelbaum: „Der blüht sehr schön im Frühjahr, gefällt durch ansprechendes Laub im Sommer und trägt im Spätsommer sehr dekorative Früchte“.

 

Info

Bonsai-Museum Düsseldorf, Hammer Dorfstraße 167, 40221 Düsseldorf-Hamm.

www.bonsaiwerkstatt.de

w.busch@bonsaiwerkstatt.de

w.busch@bonsaimuseum.de

Öffnungszeiten

März bis Oktober täglich 14:30 bis 18:30 Uhr.

Sa und So 11 bis 17 Uhr.

Eintritt: 5 € (3 € ermäßigt für Kinder, Schüler und Studenten u. Gruppen ab 3 Personen).

Die Sonderausstellung „Bäume aus Kroatien“ dauert bis 12.05.13.

 

Tipp

20. NRW-Bonsai-Tage mit großer Jubiläums-Ausstellung.

Musikpavillon im Grugapark Essen.

Gezeigt werden die schönsten Bonsai aus den NRW-Arbeitskreisen, Händlerständen und Gestaltungsvorführungen.

25. und 26. Mai 2013 (10:00 bis 18:00 Uhr).

Eintritt in die Ausstellung ist frei, lediglich der übliche Preis für den Parkeintritt ist zu zahlen.

Zu den fünf Gästen der Veranstaltung zählt auch der Düsseldorfer Werner M. Busch.  Am 26. Mai 2013 wird er um 14:00 Uhr seine Gestaltungsvorführung beginnen.

 

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