- Anzeige -

Kulinarisches Nirvana

Gaumenfreuden in Vietnam

Frisch, schmackhaft und preiswert – so verführerisch präsentiert sich die Street Food Küche in Fernost.

Huong Lien mit dem großflächige Foto von Präsident Barack Obama

 Um ein Haar wäre ihr das Tablett aus der Hand gefallen. So sehr war sie im ersten Augenblick beeindruckt von dem hohen Gast, der sich in ihr unscheinbares Restaurant verirrt hatte. Und selbst in der Zeit danach hält Huong Lien immer wieder das großflächige Foto von Präsident Barack Obama stolz empor, das seit dieser denkwürdigen Begegnung anlässlich eines seiner letzten Staatsbesuche in Vietnam den bescheidenen Speiseraum ihres Street Food Restaurants ziert.

Immerhin hätte Präsident Obama auch standesgemäß speisen können. Beispielsweise in dem legendären „Metropole Hanoi“, dem schon in kolonialer Zeit der Ruf voraus eilte, „bestes Haus östlich von Suez“ zu sein. Dass er jedoch ausgerechnet hierher kam, um ihre frische Gemüsesuppe und ihre mit Fleisch gefüllten Frühlingsrollen zu probieren, kommt für sie einem Lottogewinn gleich. Denn nie hätte sie sich träumen lassen, dass ihr kleines „Huong Lien Restaurant“ in der Le van Huu Straße Nr. 24 über Nacht Weltruhm erlangen würde.

Künstlerische Freiheit

Auch sonst ist das wiedervereinigte Land nach dem unseligen Vietnamkrieg in Fahrt geraten.

Zwar sind noch überall die Symbole des Sozialismus zu sehen, fröhliche Menschen, die in stets gleicher Pose gemeinsam mit „Onkel Ho“ von den Plakatwänden der Stadt herunter lächeln. Da sich das innere Klima eines Landes jedoch häufig bemisst an der „von oben“ zugestandenen künstlerischen Freiheit, lohnt sich die Nachfrage in der Kunstuniversität von Hanoi, deren Ursprünge bereits in die Franzosenzeit des letzten Jahrhunderts zurück reichen. Eine Ausstellung der diesjährigen Kunstabsolventen zeigt eine breite Palette künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten. Allenthalben ein Hauch künstlerischer Normalität?

Moderne vietnamesische Kunst

Differenzierter sieht es Manzi, die sich als weit gereiste Repräsentantin moderner vietnamesischer Kunst mit einer Kollegin eine eigene Kunstgalerie teilt. Sie hat im Verlauf ihrer Karriere die Grenzen der künstlerischen Freiheit längst für sich ausgetestet und den persönlichen Rahmen für ihre abstrakten Darstellungen gefunden. Allerdings, so gesteht sie ein, gilt diese von ihr wahrgenommene Freiheit nur bedingt für alle jene, die sich in ihren künstlerischen Ausdrucksformen nicht in Einklang befinden mit dem politischen System.

Pikante Kostproben

Doch die Freude am Essen verbindet sie alle. Denn schon immer war die gute Küche Bestandteil der vietnamesischen Kultur. Da erstaunt es nicht, dass sich das Land inzwischen als Weltmeister der Street Food Küche etabliert hat. So sieht es Starköchin Ai, die dieser Kochkunst als eine ihrer führenden Repräsentantinnen soeben ein Buch gewidmet hat und dafür mit Auszeichnungen überhäuft wird. Mit Kennerblick führt sie ihre Gäste durch die kleinen Straßenrestaurants der Altstadt von Hanoi und erklärt die nicht immer leicht zu identifizierenden tropischen Früchte.

Natürlich sind auch kleine pikante Kostproben Teil ihrer Führung: hier ein scharf gewürzter Chili-Gemüsesalat, der dicke Schweißperlen auf die Nase treibt, dort hingegen eine sämige Schneckensuppe bei der niemand von Anfang weiß, worauf er sich einlässt. Abschließend dann der genießerische Höhepunkt in Ais Lieblingsrestaurant, dem „Quan an Ngon“, bekannt wegen seiner pikanten Zutaten von außerordentlicher Qualität, zuweilen eingewickelt in hauchdünnes Reispapier.

Kunterbunte Welt

Vorführung im Wasserpuppentheater

So stellt sich immer stärker die Frage nach dem Ursprung der nahezu unerschöpflichen Produkte, die hier tagtäglich in die Kochtöpfe des Landes gelangen. Einen ersten Anhaltspunkt bietet das vietnamesische Wasserpuppentheater. Einst aus dem Landleben erwachsen, hat es dieses natürlich zu seinem Hauptgegenstand erhoben. Geführt an langen und dabei doch unsichtbaren Bambusstangen, umfassen die Puppen mythologische Figuren wie Einhorn, Phönix und Drachen, die auf der Wasseroberfläche ihr ausgelassenes und zugleich schelmisches Unwesen treiben.

Den Höhepunkt jedoch bilden die Menschen bei ihrer täglichen Arbeit: charmante junge Bäuerinnen, die geduldig die Setzlinge der Reispflanzen auf den Reisterrassen ausbringen. Oder die eher tollpatschig auftretenden Fischer, die sich auch noch einen Spaß daraus machen, wenn ihnen ihre Fangmethoden zuweilen aus dem Ruder laufen. Eine kunterbunte Welt inmitten der Natur, die dazu einlädt, sie sich selbst einmal anzuschauen.

Ländliche Kochkunst

Mit Reispapier umwickelte Krabbenrolle

Der weitere Weg führt in Richtung Süden über den legendären Wolkenpass über Danang bis hinunter in die alte Kaiserstadt Hué. Die Ebenen am Fuß einer gewaltigen Gebirgskulisse sind überzogen vom satten Grün der Reis- und Gemüsefelder. Kleine Fahrradwege und schmale Radfurchen geben bei einem Ausflug die Richtung vor entlang natürlichen Gewässern und künstlich angelegten Fischteichen. Bis hin zu einer überschaubaren landwirtschaftlichen Anlage in dem Dorf Tra Que, in der, wie Bäuerin Hing erklärt, sieben unterschiedliche Kräuter angebaut werden.

Da bekanntlich die Götter vor den Genuss den Schweiß gesetzt haben, fordert Hing ihre Gäste auf, sich unter ihrer sachkundigen Anleitung zunächst der anspruchsvollen Feldarbeit zu widmen. Um dann, im nächsten Schritt, an vorbereiteten Töpfen und Pfannen von ihr in die Geheimnisse der ländlichen Kochkunst eingeführt zu werden. So entsteht die frische Frühlingsrolle „Tam Huru“ und gleich darauf der knusprige Reismehlpfannkuchen „Banh Xeo“. Wie von selbst entwickelt sich dabei ein fröhliches Koch-Gemeinschaftserlebnis, nur noch gekrönt von dem ausgelassenen Mahl nahe dem Wasserrad an der Fassade des Hauses.

Klösterlicher Genuss

Die Mönche des „Ba La Mat“ Klosters erweisen sich als Genießer

Auch die Mönche des direkt an den Parfümfluss angrenzenden „Ba La Mat“ Klosters erweisen sich als Genießer. Nur nicht so lautstark und spontan sondern eher liturgisch und in sich versunken. Mit getragener Stimme wird das Mittagessen der kleinen Mönchsgemeinde vom Abt des Klosters angekündigt. Gebete folgen und immer deutlicher artikuliert sich die Botschaft, dass das tägliche Brot nicht zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens zählt. Ein junger Novize tritt schließlich hervor, um mit etwas unbeholfener Stimme die Natur zu bitten, es auch weiterhin gut zu meinen mit allen, die von ihr abhängig sind.

Inzwischen sind die beiden Tafelreihen beiderseits des Altars gedeckt und dampfende Schüsseln werden einander zugereicht. Wuchtig dröhnend erklingt eine riesige Klangschale. Für alle nicht an dieser Zeremonie direkt Beteiligten das diskrete Zeichen dafür, die Mönche mit ihrem Appetit allein zu lassen und sich anderen Orten kulinarischer Lustbarkeit zuzuwenden.

Individuelles Geschmackserlebnis

Diese sind selbstverständlich auch in Ho Chi Minh Stadt zu finden, wie Saigon als die frühere Hauptstadt Südvietnams heute genannt wird. Nach den bislang landesweit gesammelten Erfahrungen trifft man hier noch auf eine besondere Attraktion – das „Cyclo Abenteuer“. Als Beifahrer auf einer schnittigen Vespa geht es im Spurt durch das legendäre Verkehrsgewimmel im nächtlichen Saigon. Dabei stets auf der Suche nach den außergewöhnlichsten Restaurants und Cafés der Stadt am Saigon Fluss. Vespa-Chef Tien in wilder verwegener Fahrt immer vorneweg und Fahrer Minh nebst Fahrkollegen im Zickzack-Konvoi hinterher. Dabei rechts und links vorbei huschend die erleuchteten Hotel- und Bürotürme der schnell wachsenden „Stadt im Aufbruch“.

Irgendwann ist das „662 Vinh Khanh“ Restaurant erreicht. In seinem Angebot ein kulinarisches Kaleidoskop von See- und Süßwassertieren, in dem ein zarter Froschschenkel einem saftigen Hühnerschenkel zum Verwechseln ähnlich schmeckt. Ganz anders das Restaurant „Banh Xeo“. Hier stehen riesige mit Gemüsesprossen gefüllte Pfannkuchen im Mittelpunkt. Und als saftige Zwischenmahlzeit großflächige Salatblätter, in die je nach Lust und Laune fernöstliche Köstlichkeiten zu einem individuellen Geschmackserlebnis eingerollt werden.

 
Ankunft in der Moderne

Fehlt noch der Cocktail wie etwa der Singapore Sling, der gegen Ende des Cyclo Abenteuers bei klassischer Live Musik im „Vungoi mora Café“ eingenommen wird. Oder die schwungvolle Disco Musik, die im „Woodstock“ die Gelegenheit bietet zum Abtanzen. Spätestens nach diesem ereignisreichen Abend wird klar, dass das traditionelle Vietnam vielerorts längst zur Moderne aufgeschlossen hat.

Dr. Bernd Kregel

 

Reiseinformationen “Vietnam”:

Anreise

Am flexibelsten erweist sich Vietnam Airlines mit 3 Direktflügen pro Woche ab Frankfurt nach Ho Chi Minh City ab Euro 800 und 5 Direktflügen nach Hanoi (Umsteigen nach Ho Chi Minh City zum gleichen Preis). www.vietnamairlines.com

Einreise

Erforderlich ist ein 6 Monate über den Aufenthalt hinaus gültiger Reisepass. Kein Visum ist erforderlich für Deutsche bei einem Aufenthalt von max. 15 Tagen. Bei mehrfacher Einreise innerhalb von 30 Tagen ist ein Visum erforderlich, das mit dem Reiseveranstalter vorher arrangiert werden sollte.

 Reisezeit

Vietnam kann ganzjährig bereist werden. Bei der großen Nord-Süd-Ausdehnung Vietnams ist die beste Reisezeit abhängig von der Region. Günstigste Reisezeit sind die monsunfreien Monate Dezember bis Juni; stärkste Regenzeit sind die Monate Oktober und November.

Reiseveranstalter

Optimal: Enchanting Travels mit maßgeschneiderten Vietnamreisen für jedes Budget, Tel. 089 -289788-40, kontakt@enchanting-travels.de, www.enchantingtravels.de

Unterkunft

Hanoi: Intercontinental Hanoi Westlake, www.hanoi.intercontinental.com; Silk Path Hotel Hanoi, www.silkpathhotel.com; Da Nang: Fusion Maia Da Nang, www.fusionmaiadanang.com; Saigon: Hotel Majestic Saigon, www.majesticsaigon.com

Auskunft

über den Reiseveranstalter oder die Vietnamesische Botschaft, Elsenstraße 3, 12435 Berlin, Tel. 030 53630 108, Fax. -200, sqvnberlin@t-online.de, www.vietnambotschaft.org




--- ANZEIGE ---

Diesen Artkel versenden Diesen Artkel versenden