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Weihnachtsmarkt – alles nur Kitsch oder was?

Teufelchen

Eine Teufelchen-Backform zu Weihnachten ?

Sie sind überfüllt, laut, und zu kaufen gibt es hauptsächlich Nippes. Trotzdem gehen die Leute hin in diese überfüllten Attrappendörfer aus kunstverschneiten Holzhütten, wo genau der Kitsch angeboten wird, den wirklich keiner braucht und der die Wohnungen voller, aber keineswegs schöner macht. Es liegt ein schwerer Duft von Glühwein, gebrannten Mandeln, Bratwürsten und Reibekuchen über allen Innenstädten. Aus den Boxen dudeln sentimentale Weihnachtslieder und selbst vor „Heidschi, bumbeidschi bum bum“ scheint niemand zurückzuschrecken.

Manch einer findet all das nur grausig und sehnt den Tag herbei, wenn der Budenzauber endlich wieder verflogen ist. Warum also gehen die Leute hin? Da ist einmal die düstere Jahreszeit, der man für kurze Zeit entfliehen will und selbst in diesem nachgebauten Idyll diffuse Wohlgefühle sucht. Der gespielte Dorfplatz scheint der Gegenentwurf zu den seelenlosen Innenstädten mit kalten Glasfassaden zu sein, die überall gleich aussehen.

Schon vor Jahrhunderten wurden die Menschen auf die Jahrmärkte gelockt. Zu keiner Zeit hatten diese „Niveau“; aber es gab Sensationen, Neuigkeiten, Abwechslung vom grauen Alltag, etwas zu begucken und zu bestaunen, Passanten wurden begutachtet und es wurde kräftig abgelästert.

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Weihnachtsmärkte ohne Glühwein, undenkbar!

Der Weihnachtsmarkt ist also vor allem ein sozialer Treffpunkt. Kollegen verabreden sich nach der Arbeit noch schnell auf einen Glühwein, Eltern stehen geduldig an Karussellen, und alle, alle scheinen zu essen und das über sämtliche gesellschaftliche Schichten hinweg. Geduldig steht der Professor neben dem Pförtner und der Reinigungskraft in der Schlange vor dem Stand, wo es die besten Reibekuchen gibt und schaut fasziniert auf das vierschrötige Personal, das sich zumindest räumlich einmal über die Menge erheben kann.

Es werden immer mehr

Geschätzt gibt es etwa drei- bis fünftausend Weihnachtsmärkte in Deutschland. Zählt man die kleineren vor Verkaufszentren und Möbelhäusern dazu und die Büdchendörfer in Vorortzentren, dann kommt man mittlerweile sogar auf 10.000 Märkte. Und es scheint bei der Zielgruppe keinerlei Ermüdungserscheinungen zu geben. Den Passanten sitzt das Geld locker und die Budenbranche setzt mittlerweile Milliardenbeträge um.

Wirtschaftsfaktor Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmärkte sind ein Massenphänomen und ein Milliardengeschäft. Die großen Märkte in Nürnberg, Dresden oder im Ruhrgebiet ziehen pro Saison 2 bis 3 Millionen Besucher an. Allein in Dortmund, einem der größten Märkte in Deutschland, werden jährlich 2,5 Millionen Besucher gezählt, die an den über 300 Buden jedes Jahr 30 Millionen Euro lassen.

Die geschätzten Umsätze der Marktbeschicker werden in den vier Wochen irgendwo jenseits der 5 Milliarden angesiedelt. Genau weiß das niemand. Die von wenigen Schaustellerclans dominierte Branche geht mit konkreten Zahlen ausgesprochen zurückhaltend um. Warum wohl?

Bratwurst

Egal ob Thüringer-Bratwurst oder Curry-Wurst, Hauptsache der Rubel rollt

Aber es sind nicht die Rauschgoldengel-Händler und Kerzenmacher, die sich eine goldene Nase verdienen. Es sind vor allem die Getränke- und „Fressbuden“, die das große Geld bringen. Die Kommunen scheint es nicht zu stören, dass sie mit den Märkten im Grunde zu Mitausrichtern von öffentlichen Besäufnissen werden. Denn sie profitieren ja reichlich davon.

Der durchschnittliche Umsatz eines Beschickers einer Vierwochen-Veranstaltung liegt bei ca. 26.000 €, doch die Einkünfte sind ungleich verteilt. Während ein Geschenkehändler weniger als 10.000 € einnimmt, gehen bei den Imbissbuden laut Umfrage über 50.000 € über den Tisch des Holzhäuschens. Ein Glühweinstand in guter Lage bringt in einer Saison locker 100.000 €, und das trotz Standgebühren für Ausschankbuden im fünfstelligen Bereich.

Heiße Ware Glühwein

Rund 50 Millionen Liter Glühwein trinken die Deutschen im Jahr. 80 % kommen aus der Weinkellerei Gerstacker in Nürnberg. Bereits im Juli muss der Glühwein-Weltmarktführer mit der Produktion beginnen, denn nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland steigt der Umsatz. Selbst in die USA exportiert das Unternehmen mittlerweile beträchtliche Mengen.

Versöhnliches

Windlicht

Ganz oben auf der Wunschliste: Das Windlicht

Weihnachtsmärkte sind ein schwer zu erklärendes Phänomen unserer Zeit und nur auf den ersten Blick erscheinen sie banal und für manchen ärgerlich und überflüssig. Offenbar wird hier aber eine Sehnsucht nach Heimat gestillt. Man kann trotz der hektischen Vorweihnachtszeit herumstehen, klönen, erzählen, ohne lange Vorplanung Familie, Freunde und Kollegen treffen und das Ganze unverbindlich,  so wie in der Kneipe, nur eben draußen.

Keiner muss sich also schämen, wenn er sich durch die überfüllten Budengassen schiebt, fettige Bratwürstchen isst und trotz guter Vorsätze auch noch das tausendste Windlicht kauft.

Ursa Kaumans

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    Süßer die Glocken nie klingen? Auf den rund 2500 Weihnachtsmärkten in Deutschland könnte das alte Lied heißen: Lauter die Kassen nicht klingen. Weihnachtsmärkte sind längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und mittlerweile sogar ein Exportschlager geworden.
    Tags: nur, noch, für, euro, mehr, weihnachtsmärkte, glühwein, sondern, jahr, width
  • 36
    Alle Jahre wieder dasselbe Thema - "Wie, du gehst auf den Weihnachtsmarkt? Mich bringen da keine zehn Pferde hin." Nun bin ich bekennender Weinhnachtsmarkt-Geher. Einmal im Jahr schön krosse Reibekuchen mampfen, einmal im Jahr (egal wie fett) Backfisch mümmeln, einmal im Jahr (auch wenn er vorgefertigt und zu süß ist)…
    Tags: jahr, weihnachtsmarkt, selbst, immer, einmal, schon, so, nur, denn, ganz




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