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Jogging-Point

Vergnüglich auf blutiger Spur

 Spannung, Natur, Erholung – der Eifel-Krimi-Wanderweg

kriminalhaus

Das Kriminalhaus in Hillesheim ©kriminalhaus

Die Eifel – Teil des Rheinischen Schiefergebirges zwischen der Grenze zu Belgien im Westen, der Mosel im Osten, dem Rhein im Norden und dem Großherzogtum Luxemburg im Süden. Ein rauer Landstrich mit tiefen Taleinschnitten und lichten Hochplateaus, über die im Winter die kalten Winde peitschen, die aber in den anderen Jahreszeiten den Blick freigeben auf herrliche Wacholderhaine und weit entfernte Bergkuppen mit Burgruinen. Eine schöne Gegend mit immer neuen Überraschungen vor allem für Wanderer.

Seit einigen Jahren, freilich, lockt die Eifel mit einer zusätzlichen, besonderen Attraktivität – mit Mord, Totschlag, Betrügern und haarsträubenden politischen Affären. Wobei die Blutspuren und Gaunereien zumeist an einem ganz bestimmten Ort – und dessen Umgebung – ihren Anfang nehmen. In dem kleinen, malerischen Städtchen Hillesheim nämlich, der drittgrößten Gemeinde im rheinland-pfälzischen Vulkaneifel-Kreis. Längst hat sich denn auch unter Kennern und Liebhabern von Grusel-Geschichten und spannenden Thrillern herumgesprochen, dass der Name des 3200-Seelen-Ortes sozusagen für Deutschlands heimliche Krimi-Hauptstadt steht.

Ein Haus mit 26 000 Krimis

Krimi

26.000 Bände umfasst die Bibliothek im Kriminalhaus ©kriminalhaus

Will man indessen der ganzen Wahrheit die Ehre geben, dann muss unbedingt auch ein Dörfchen ein paar Kilometer außerhalb von Hillesheim genannt werden – Berndorf. Denn es war der Journalist Michael Preute, der viele Jahre dort lebte und unter dem Pseudonym Jacques Berndorf 1989 mit „Eifel Blues“ nicht nur den Siegeszug der „Eifel-Krimis“ durch die Buchläden der Republik begründete, sondern mittlerweile bundesweit der regionalen Gänsehaut-Schocker überhaupt. Inzwischen lassen etwa 50 Autoren in der beschaulichen Eifel morden, betrügen, rauben, kidnappen und andere bösen Dinge tun. Eine ganze Krimi-Bibliothek kommt dabei zusammen in dem Raum zwischen Aachen, Köln, Bonn, Koblenz und Trier. Der Grund für diese Erfolgsgeschichte? Es sind sicherlich auch die den Verfasser-Fantasien entsprungenen Schocker-Stories, den darin beschiebenen Protagonisten und teils skurrilen Typen. Doch es hängt wohl auch zusammen mit der Authentizität der intensiv geschilderten Schauplätze, die es ermöglicht, mit Freude und Aufmerksamkeit den Spuren der „Täter“ und der Ermittler zu folgen.

Speisekarte_Cafe_Sherlock-1

Speisekarte Sherlock im Kriminalhaus

Das „Verbrechen“ residiert in Hillesheim im Herzen des Städtchens. Und das sogar in einem eigenen Gebäude – dem Kriminalhaus, das seine Gäste von nah und fern nicht nur mit einem stilvollen Café (und wunderbaren, selbst gebackenen Kuchen) lockt, sondern – darüber hinaus – mit einer sage und schreibe rund 26 000 (!) Bände umfassenden Bibliothek. Wohlgemerkt: Ausschließlich Kriminalromane. Aus dem In- und Ausland. Und in jeden einzelnen davon darf der Gast sich vertiefen. Stundenlang schmökern, wenn er möchte. Schöpfer und Betreiber dieses Ensembles ist Ralf Kramp, im Übrigen neben Jacques Berndorf der zweite erfolgreiche Eifelkrimi-Autor.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Man mag es glauben oder nicht, aber der Krimi ist tatsächlich längt zu einem beträchtlichen Wirtschaftsfaktor in der früher touristisch doch eher unbekannten Eifel geworden. Um es genau zu sagen: Zusammen mit den wichtigsten Schriftstellern des „blutigen Genres“ haben findige Fremdenverkehrs-Manager pfiffige Ideen entwickelt und umgesetzt, wie man die gespannten Besucher sowohl direkt in die grausigen Stories eintauchen und sie doch gleichzeitig auch die Schönheiten und Attraktionen der Landschaft erleben lassen kann. Als Ergebnis steht dabei an erster Stelle der so genannte Eifelkrimi-Wanderweg.

WanderwegDie mit einem besonderen Logo versehene Strecke führt (streckenweise identisch mit dem gleichfalls sehr empfehlenswerten „Eifel-Steig“ von Aachen nach Trier) über etwa 55 Kilometer und erschließt – in drei Etappen aufgeteilt – den Anhängern des Gänsehautgefühls zwölf Schauplätze von bekannten Romantiteln. Also Orte, wo – literarisch – gemordet wurde, Verfolgungsjagden stattfanden oder die Ermittler nach getaner Arbeit (also Lösung des Falles) einfach mal einkehrten. Liebhaber dieser speziellen Eifel-Kriminalistik blättern in den Bänden deshalb häufig ja auch in doppelter Absicht. Einmal natürlich, um sich mit spannend geschriebener Lektüre zu unterhalten. Aber, zweitens, auch, weil sie in der genauen, intensiven Beschreibung von Landschaft und Ortschaften gleichzeitig eine Art Reiseführer sehen. Wem das noch nicht ausreicht, sollte nach dem vom Trierer Studiendirektor Josef Zierden geschriebene Taschenbuch „Eifel-Krimi-Reiseführer“ (KBV-Verlag, Hillesheim, €16,50) greifen, inzwischen ein Standardwerk für Thriller-Freunde, in dem hunderte von Schauplätzen aus den Werken von insgesamt 47 Autoren zusammengetragen und beschrieben sind.

Übernachtung in der einstigen Zelle

Au·enaufn. Krimihotel

Das Krimihotel in Hillesheim ©Bermond / Krimihotel

Wer reist und wandert, isst und schläft in aller Regel auch gern und gut. Oder, wenn es möglich ist, beides und dazu noch stilecht oder zünftig. Auch solche Wünsche können in Deutschlands heimlicher Krimilandschaft leicht erfüllt werden. Zum Beispiel in Hillesheim selbst. Wer es ganz nobel mag, steigt wahrscheinlich im Hotel „Augustinerkloster“ (€ 128,– pro Nacht) ab. Möchte der Gast seine Wahl hingegen eher milieugerecht treffen, dann böte sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Augustiner“ das „Krimihotel (€ 79,–) an, das zudem auch Arrangements mit Dinner und schaurigen Events anbietet. Oder der um 1860 herum errichtete Backsteinbau um die Ecke, der einstmals die Hillesheimer Außenstelle des „Königlich Preußischen Amtsgericht“ beherbergte und heute unter dem Namen „Zum Amtsrichter“ die einstigen Zellen – allerdings teilweise mit Doppelstockbetten – gemütlich und mit allem, was der Gast halt braucht, anbietet. Preis auf Anfrage.

Natürlich macht es Spaß, sich seine eigenen Routen zusammenzustellen und – außer den Krimi-Örtlichkeiten – die zahlreichen Natur-Sehenswürdigkeiten in der Gegend wie etwa den „wachsenden Wasserfall“ oder die mächtige Burgruine über dem hübsch herausgeputzten Dörfchen Kerpen (nicht zu verwechseln mit dem Kerpen am gleichnamigen Autobahnkreuz westlich von Köln) aufzusuchen. Auch Kerpen (Eifel) präsentiert zwei bemerkenswerte kulinarische und /oder zur Übernachtung empfohlene Zentren. Da ist einmal „Das kleine Landcafé“ mit diversen künstlerischen Offerten, und da ist zum anderen das aufwändig restaurierte, einstige Bürgermeisteramt, das jetzt unter dem Namen „Die Einkehr“ als Restaurant und Hotel mit schönen Zimmern sowie einer exzellenten Küche und sardischen Weinen lockt.

Gisbert Kuhn

Alle Einzelheiten können abgefragt werden bei der
Tourist-Information Hillesheim
Am Markt 1
54576 Hillesheim

E-mail: tourist@hillesheim. org


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