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Alter Schwede

Sehnsuchtsziel im eiskalten Norden: Ein Mann und seine Wetterstation

Åke Siikavupois, Foto: djd/Vaillant GmbH

„Alter Schwede!“ Wie oft nutzt man im Alltag diese Redewendung, um sein Erstaunen zu zeigen oder einen guten Freund zu begrüßen. Im 30-jährigen Krieg, so vermuten Historiker, soll das geflügelte Wort entstanden sein. Heute jedenfalls hat es eine friedfertige Bedeutung. Aber es gibt ihn tatsächlich in Person – den alten Schweden, der dem Bild vom einsamen, herzlich-rauen, aber auch gastfreundlichen Mann gerecht wird. Åke Siikavupois heißt er, ist 80 Jahre alt und stammt aus dem nordschwedischen Naimakka, dem kältesten Ort des Landes.

Naimakka ist einer dieser Orte, die man aus Geschichten kennt, aber nicht für möglich hält, dass sie existieren. Der kleine Ort liegt im tiefsten Lappland in Schweden, knapp vor der Grenze zu Finnland. Bewohner: 1.

Ganz allein und doch mit der Welt verbunden

Aus lediglich zwölf Häusern besteht das kleine Naimakka, der kälteste Ort Schwedens. Foto: djd/Vaillant GmbH

Hier findet sich alles, was gerade für uns das Sehnsuchtsziel Schweden ausmacht: schier unendliche Weite, Natur, Ruhe, die charakteristische nordische Gelassenheit. Und vielleicht auch mal ein Rentier, das die Straße blockiert. Vom Tourismusboom, der große Teile Skandinaviens und insbesondere Schwedens erfasst hat, merkt man in Naimakka herzlich wenig. Eher im Gegenteil: Noch viel häufiger würde sich Ake Besuch wünschen. Gerade im Winterhalbjahr, wenn es auch tagsüber kaum hell wird und die Temperaturen bei frostigen minus 40 Grad Celsius liegen. An diesem Ort, 235 Kilometer nördlich des Polarkreises, betreibt der agile 80-Jährige eine kleine Wetterstation. Dort werden regelmäßig Wetterrekorde gemessen – im Januar 2016 zum Beispiel minus 42,8 Grad Celcius. Oder im Januar 1999: minus 48,9 Grad Celsius. Fellmütze und dicke Kleidung sind also absolute Pflicht. In der Abgeschiedenheit des hohen Nordens entwickelte Ake seinen ganz eigenen Blick auf die Welt und wurde damit zum Kult im Internet. Unter facebook.com/LifeofAke berichtet der Wetterforscher aus Leidenschaft neuerdings regelmäßig über Sitten und Gebräuche in Schweden, gibt Wissenswertes und Skurriles preis.

Eine Nacht im Baum

Åke Siikavupois mit seinem Rentier Foto: djd/Vaillant GmbH

Zum Beispiel darüber, dass der einsame Nordmann im Winter üppig und reichhaltig speisen darf. Der Grund? Bei derart strengem Frost steigt der Grundumsatz an Kalorien automatisch bis auf das Dreifache an. Einen außergewöhnlichen Reisetipp für die Gemeinde Kiruna hat der alte Schwede auch parat: Im Tree Hotel übernachten die Urlauber in Baumhäusern etwa vier bis sechs Meter über dem Boden – näher kann man der ursprünglichen Natur Nordschwedens wohl kaum kommen. Wer sich nach einer Nacht im Baum bei Rentierschinken und einem guten Kräuterlikör aufwärmen will, ist bei Ake herzlich willkommen: Dank moderner Heiztechnik ist es in seiner Holzhütte kuschelig warm. Und so einsam es gerade im Winter hier sein mag, die Welt ist für den Wetterforscher dennoch zum Greifen nah. Denn schnelles Internet ist hier im Niemandsland eine Selbstverständlichkeit – auch das ein Phänomen, das so typisch ist für Schweden. Tradition, Ursprünglichkeit und modernste Technik passen hier ganz unkompliziert zusammen.

Natürliche Wimperntusche und faszinierende Nordlichter

Im nordschwedischen Naimakka lassen sich viele erstaunliche Phänomen beobachten. Die Top 5 von facebook.com/LifeofAke:

1. Hier gibt es kostenlos weiße Wimperntusche. Das Auftragen ist einfach: Einmal im Winter vor die Tür gehen – schon sind die Wimpern gefroren.
2. Naimakka besteht aus zwölf Holzhäusern, zwei davon sind auch noch Plumpsklos.
3. Jedes Jahr am 21. Juli wird die Nacht zum Tag. Am Polartag gibt es keine Minute Dunkelheit.
4. Von August bis April hingegen kann man regelmäßig die faszinierenden Nordlichter beobachten – laut Statistik in acht von zehn Nächten.
5. Sommer gibt es auch in Naimakka. Der Juli ist der wärmste Monat – selbst dann liegt die Durchschnittstemperatur bei gerade einmal 11,5 Grad.

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