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Vatertag

Aktuelles

Ob mit oder ohne Kostüm: Hauptsache viel Spass

Der volkstümliche Vatertag wird in Deutschland am christlichen Feiertag „Christi Himmelfahrt“ gefeiert, dem 40. Tag nach Ostern. In diesem Jahr findet er darum am 29. Mai statt. Je nach Landschaft spricht man auch vom Männer- oder Herrentag. Seit 1936 ist Christi Himmelfahrt in Deutschland gesetzlicher Feiertag.

Die Geschichte des Vatertages findet, wie so Manches, ihren Ursprung in den USA. Die Amerikanerin Sonora Louisa Dodd rief diesen Tag anfangs des vorigen Jahrhundrts zu Ehren ihres Vaters ins Leben.

Ein „Kind“ des Bürgerkriegs

Sonora Louisas Vater, William Smart, hatte im amerikanischen Sezessionskrieg (1861-1865) geämpft und gehörte zu den Bürgerkriegsveteranen. Tief beeindruckt von diesem Mann, der sich nach dem Tod seiner Frau ganz allein um die sechs Kinder kümmerte, wollte sich die Tochter für diese Selbstlosigkeit und Fürsorge bedanken und organisierte mit Hilfe der örtlichen Geistlichkeit 1910 die Bewegung zur Ehrung von Vätern. Nach Dodds Vorstellung sollten die Väter dabei mit Geschenken, Gottesdiensten und leckeren Speisen bedacht und geehrt werden. Der erste Vatertag wurde am 19. Juni 1910 in Spokane (Washington) gefeiert. Schnell verbreitete sich die neue Sitte in ganz Amerika, und schon 1924 forderte der damalige US-Präsident, Calvin Coolidge, seine Landsleute auf, den Vatertag zu feiern. Zwei Jahre später wurde in New York ein „National Father`s Committee“ gegründet, dessen Mitglieder – wen erstaunt es? – vor allem Geschäftsleute waren.

Der richtige „Riecher“

Mit dem richtigen „Riecher“ für Vermarktungschancen machte es sich dae Komitee zur Aufgabe, den Vatertag als nationalen Feiertag zu etablieren. Trotzdem dauerte es noch geraume Zeit, bis die Idee sich durchsetzte. Zwar wählte die Vereinigung seit 1942 jährlich einen „National Father of the Year“. Doch dauerte es bis 1974, bis Präsident Richard Nixon den Tag für die USA in den Rang eines offiziellen Feiertages erhob – zu begehen jeweils am dritten Sonntag im Juni.

Bierselige Horden singender Männer, ein ganzes Volk Männer, nur Männer fahren ins Grüne. Männer aus allen sozialen Schichten, Männer, nur Männer wollen unter sich sein! Ledig der Röcke und Lockenwickler, wollen nur weg von der Brust, frei vom Strickstrumpf, dem Abwasch, dem Haar in der Suppe, wollen außer sich sein und ins Grüne, mit Flaschen und Stullen, Kuhglocken und Trompeten wollen sie die ganze große Sau rauslassen, herrlich, selbstherrlich und abgenabelt von Muttern sein.“

Vatertag im Deister

Nostalgisch mit Bollerwagen

So beschäftigt sich Günter Grass in seinem 1977 erschienenen Roman „Der Butt“ auf sarkastische Weise mit dem „Ehrentag der Väter“.

Es gibt viele verschiedene Varianten die jährliche Vatertagssause als Herrenpartie zu begehen: Sei es in kleinem Kreise auf dem heimischen Gartenstuhl neben dem Grill, auf Kneipentour in der Stadt oder in größeren Gruppen auf längeren Wanderausflügen ins Grüne.
Geschmückte Kutschen und Traktoren mit Anhängern werden meist mit diversen Alkoholika beladen und transportieren die Väter und Nichtväter, die an „Christi Himmelfahrt“ den Herrentag begießen, auf ihrer Tour. Andere wandern mit bepackten Bollerwägen durch Wald und Flur. Schon die traditionellen, früheren Herrenpartien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts fanden „zu Fuss und Rad, auf Lastautos oder in Gesellschaftswagen“ statt.

Jung oder alt – Hauptsache männlich

Dabei spielt die Anzahl der Teilnehmer keine Rolle, und auch das Alter kann variieren. Von jung bis alt ist meist alles vertreten. Wichtig ist, auch bei der „modernen“ Herrenpartie, dass an diesem Tag die Männer unter sich bleiben – gleichgültig, ob nun Vater oder nicht. Erstaunlicherweise ist die Mehrzahl der feiernder „Väter“ in Wirklichkeit kinderlos und ledig.

Vor allem in Nord- und Ostdeutschland feiert man den Vatertag als Herren- oder Männertag mit einer makulinen Partie. Aber auch in den anderen Teilen Deutschlands ist er als Anlass einer zünftigen Männerrunde beliebt. Der in Strömen fließende Alkohol unterstreicht den „Spaßfaktor“ dieser Unternehmungen.1591128_2a543ab588_m Gibt man den Begriff „Vatertag“ in der marktführenden Suchmaschine ein, findet man unter den 356000 Ergebnissen so einige Spaßseiten. Zum Bespiel hat Man(n) im World Wide Web die Möglichkeit seine Vatertagstauglichkeit zu testen oder sich für den Ernstfall über „Anti-Katertipps“ zu informieren. Sollten die Herren für ihre Tour noch nicht vollständig ausgerüstet sein, wird ihnen auch in diesem Falle geholfen – Liedmaterial, Wanderkarten oder Bollerwagen erscheinen nur einen Klick entfernt.
Heutzutage wird der Vatertag freilich zunehmend als Familienfest gefeiert, etwa um gemeinsame Tagesausflüge zu gestalten, aber auch um über das verlängerte Wochenende – mit Freitag als Brückentag, der in vielen Schulen freigegeben wird – einen Kurzurlaub zu unternehmen.

Aufgrund des erhöhten Alkoholkonsums und der häufig durchgeführten Massenveranstaltungen (hierzu zählen u. a. gemeinschaftliche Ausflüge, z. B. Grillausflüge) gibt es, wenn man die Statistik betrachtet, am Vatertag erheblich mehr Schlägereien als an gewöhnlichen anderen Tagen. Laut dem Statistischen Bundesamt steigt die Zahl der durch Alkohol bedingten Verkehrsunfälle an diesem Tag auf das Dreifache des Durchschnitts an und erreicht einen Jahreshöhepunkt.

 

Sepp Spiegl


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