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Ein Schulplatz für einen „Hamburger“

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Ulla Mäueler mit zwei Waisenkinder in Ouagadougou

So langsam redet sich Ulla Mäueler in Fahrt. „Ganze 60 Euro würde es im Jahr erfordern“, ereifert sie sich, „um dort die Patenschaft für ein Waisenkind zu übernehmen. Der Junge oder das Mädchen bekäme dadurch die Chance auf Bildung und mithin auf ein menschenwürdiges Leben“. 60 Euro jährlich, das seien gerade einmal 5 Euro im Monat – „also weniger als ein einziger ´Hamburger´ an der Frittenbude“! Mit „dort“, meint die frühere Bonner Realschullehrerin für Französisch und Sport den westafrikanischen Staat Burkina Faso, die einstige französische Kolonie Obervolta. Ins Deutsche übersetzt, bedeutet Burkina Faso „Land der aufrechten Leute“. Das klingt anspruchsvoll für ein politisches Gebilde, das zu den am wenigsten entwickelten auf dieser Erde zählt, auf Platz 181 der 187 von den Vereinten Nationen untersuchten Gebieten steht, und wo mehr als 60 Prozent der insgesamt rund 19 Millionen Einwohner mit rund 1 Dollar pro Tag auskommen müssen.

Sabatjahr und Tischtennis

Aber genau diese Menschen haben es Ulla Mäueler angetan. 2009 war sie zum ersten Mal nach Burkina Faso gekommen. Eine befreundete Ärztin hatte sie, die gerade von ihrer Schule in ein „Sabbatjahr“ verabschiedet worden war, neugierig gemacht. Doch von wegen Auszeit. Prompt stand sie plötzlich vor Schülern eines Gymnasiums in der Hauptstadt Ouagadougou und gab zwei Monate lang für alle Altersklassen als Sportlehrerin Kurse in – Tischtennis. Denn es waren zwar – Geschenk aus Belgien – Tischtennis-Platten vorhanden, aber niemand kannte die Regeln des Spiels. Damals wohnte die Frau aus dem fernen Deutschland bei einer einheimischen Familie. Und das tut sie auch jetzt noch bei Besuchen dort. Längst, nämlich, nach mittlerweile zehn Aufenthalten, ist sie nicht mehr Gast, sondern als „Mamie Ulla“ voll integriertes Mitglied der „grande famille“. Und, bekannt und beliebt wie der berühmte „bunte Hund“, auch in der gesamten Nachbarschaft.

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Ohne Bildung gibt es keine Perspektive, Blick in eine Schulklasse

Inzwischen, freilich, geht es Ulla Mäueler nicht mehr um Tischtennis. Es geht um Bildung. Etwa ein Viertel der Bevölkerung in Burkina Faso besteht aus Analphabeten – mit einem besonders hohen Anteil an Frauen. Zwar existiert – im Prinzip – eine sechsjährige Schulpflicht im Lande und auch Schulgeldfreiheit. Aber dennoch haben bei weitem nicht alle Kinder das Glück, einen Platz zu bekommen. Denn, erstens, sind zahlreiche Klassen mit bis zu 120 Kindern hoffnungslos überbesetzt. Zweitens, müssen Einschreibe- und Verwaltungsgebühren berappt werden, was viele Eltern überfordert. Und dann sind da ja auch noch jene Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden, um die sich niemand (oder kaum jemand) kümmert – die Waisen und Halbwaisen, normalerweise ohne jede Perspektive im Leben.

Aus eigener Erfahrung…

Um nun vor allem dieser Gruppe eine Zukunft zu eröffnen, hat Philippe Sinebkieta Nitiema 2004 einen Verein gegründet und diesem einen geradezu programmatischen Namen gegeben: Kiib Teega Wende. Auf deutsch: „Das Waisenkind verlässt sich auf Gott“. Allerdings, allein auf den Allerhöchsten mag sich der heute 49-Jährige nicht verlassen. Schließlich kann er auf eine eigene, leidvolle Erfahrung blicken. Nitiema war selbst Waise. Er hatte jedoch das Glück, nicht nur Grund- und weiterführende Schule bis zum Abitur besuchen, sondern sogar auch noch studieren zu dürfen. Dafür möchte er jetzt etwas zurückgeben. Deshalb der Verein, den er nicht nur leitet, sondern für den er um Spenden und Unterstützung wirbt.

2009

Ulla Mäueler im Kreis einer befreundeten Familie

Und Nitiema hat in Deutschland eine engagierte Unterstützerin gefunden – Ulla Mäueler. Wenn sie berichtet von den Kindern, von deren Freuden und Hoffnungen, dann leuchten ihre Augen. Aber die Stimme wird auch wieder leiser und trauriger; dann schildert sie die Schwierigkeiten vor Ort und die mitunter zögerliche Bereitschaft daheim zum Spenden. Das Zentrum der Arbeit von“ Kiib Teega Wende“ liegt in der Provinzhauptstadt Kludougou, einer Universitätsstadt mit rund 132 000 Einwohnern, etwa 75 Kilometer westlich der Landesmetropole und an der einzigen Eisenbahnstrecke des Landes gelegen. Fünfzig Kinder hat der Verein gegenwärtig unter seinen Fittichen, finanziert ihnen also nicht nur den Schulbesuch, sondern versorgt sie darüber hinaus mit Kleidung und Unterrichtsmitteln wie zum Beispiel Schreibstiften und Heften. Aber 150 Bewerbungen liegen vor…

Kleiner Einsatz, große Wirkung

Immer wieder kommt „Mamie Ulla“ darauf zu sprechen, mit welchem (für unsere Gesellschaft) vergleichsweise geringen Einsatz eine große Wirkung in dem armen Land auf dem schwarzen Kontinent werden kann. „60 Euro im Jahr für eine Patenschaft zugunsten eines Kindes – das sind fünf Euro je Woche, weniger als ein Hamburger an der Frittenbude oder nicht einmal ein Euro pro Tag…“ Allein diese Rechnung, meint sie, müsste die Menschen hier doch eigentlich dazu bewegen, junge Menschen in Afrika zu unterstützen. Zumal sie sich auf eine doppelte Garantie verlassen könnten – die Spenden kämen „bis auf den letzten Cent“ an der richtigen Stelle an, und die Geber erhielten auch die für das heimische Finanzamt erforderliche Quittung.

Gisbert Kuhn

Info:  Ulla Mäueler mail: ulmae@gmx.de

Spenden bitte an:

Name: Association Kiib Teega Wende (AKTW)

Adresse: BP 65 Koudougou

Burkina Faso

IBAN: BF26 0220 5244 4100 3000 1180 47

(BIC) Code UBFV: BIBUBFBF




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