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Erinnerungskultur in unruhigen Zeiten

 Sylvia Löhrmann: Ein Schwerpunkt der Erinnerungskultur ist das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Polenreise: NRW-Schulministerin begleitete Schülerinnen und Schüler nach Auschwitz

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Min. Löhrmann legt mit Schülern des Stoppenberg-Gymnasiums in Auschwitz einen Kranz nieder

Am 27. Januar 2016 jährte sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zum 71. Mal. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) reiste aus diesem Anlass für vier Tage (25. bis 28. Januar) an den Ort des Geschehens, um eine Schülergruppe des Essener Gymnasiums am Stoppenberg bei ihrem Besuch der Gedenkstätte zu begleiten und mit Jugendlichen weiterer Schulen aus Nordrhein-Westfalen sowie erstmals auch mit polnischen Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen. Am Jahrestag der Befreiung nahm die Löhrmann an der großen Hauptzeremonie in Auschwitz teil und legte einen Kranz nieder. Zur offiziellen Gedenkfeier wurden unter anderem Überlebende des Holocausts, der polnische Staatspräsident Andrzej Duda sowie weitere Vertreterinnen und -vertreter aus Politik und Bildung verschiedener Staaten erwartet.

Für Schulministerin Löhrmann ist es der fünfte Besuch der Gedenkstätte gemeinsam mit Schülergruppen. Im vorletzten Jahr besuchte sie Auschwitz als Präsidentin der Deutschen Kultusministerkonferenz, 2015 nahm sie an den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der KZ-Begreiung teil. Löhrmann: „Erinnerungskultur ist zeitlos: Das Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus ist eine fortwährende Generationenaufgabe – gerade auch dann, wenn es nicht im Zentrum der Medien und der Öffentlichkeit steht. Mir ist es persönlich ein großes Anliegen, dass sich Schülerinnen und Schüler auch außerhalb ihrer Klassenräume mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen und möglichst viele von ihnen die Möglichkeit haben, Gedenkstätten wie Auschwitz zu besuchen.“ Neben ihrer Polenreise zur Erinnerungskultur des Zweiten Weltkriegs im Januar haben auch Besuche von Erinnerungsorten zum Ersten Weltkrieg, etwa rund um das belgische Ypern, einen festen Platz im Terminkalender der Ministerin.

Der 27. Januar ist der offizielle Internationale Gedenktag an die Opfer des Holocausts. Er geht auf die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz/Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 zurück. Programmpunkte der Polenreise waren neben der Teilnahme an den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten unter anderem die Besichtigung des KZ´s, eine historische Führung durch die Stadt Auschwitz, der Besuch einer Sinti-und-Roma-Ausstellung sowie zahlreiche Gespräche – unter anderem in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz, die vielfältige Workshops für Jugendliche anbietet.

Außerdem legte die Schulministerin gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern bei der Besichtigung des Stammlagers Auschwitz einen Kranz zum Gedenken an die Opfer niederlegt. Ein weiterer besonderer Programmpunkt der Reise war das Gespräch mit dem Zeitzeugen Tadeusz Smreczyński im deutschen Generalkonsulat Krakau. Smreczyński wurde während der deutschen Besetzung Polens zur Zwangsarbeit nach Sachsen verschleppt. Nach seiner Flucht arbeitete er im Untergrund, bis er Ende 1943 verhaftet und im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert wurde.

An der Reise des Essener Gymnasiums am Stoppenberg nahmen insgesamt 27 Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe (Qualifikationsstufen I und II) teil. Die Schule hatte sich zur Vorbereitung mit dem Ruhrbischof Overbeck getroffen und mit ihm vor allem über die Rolle der Kirche im Nationalsozialismus, aber auch über das „Gottesbild nach Auschwitz“ gesprochen. Erstmals kam Löhrmann, außer mit der Essener Gruppe, vor Ort auch mit polnischen Schülerinnen und Schülern (aus der Kleinstadt Krosno im Karpatenvorland) sowie mit weiteren nordrhein-westfälischen Schülergruppen zusammen – vom Städtischen Albert-Schweitzer-Gymnasium Plettenberg, vom Duisburger Abtei-Gymnasium und von der Erzbischöflichen Ursulinenschule Bornheim-Hersel. Dazu die Ministerin wörtlich: „Auf den Austausch mit der Gruppe der deutschen und polnischen Jugendlichen habe ich mich besonders gefreut. Wenn die Erinnerungsarbeit an Auschwitz gleichzeitig zur Stärkung der deutsch-polnischen Freundschaft beiträgt, bekommt Erinnerungskultur einen noch höheren Stellenwert. Das Erinnern für die Zukunft ist angesichts der letzten schrecklichen Ereignisse, etwa der Terrorattacke in Paris, der Angriffe auf Frauen in Köln oder der Anschläge auf Synagogen und Flüchtlingsunterkünfte ein Gebot der Stunde. Das gilt aber auch im Hinblick auf schnell aufgebaute Ressentiments gegen Neuzugewanderte. All diese Ereignisse verlangen, vor dem Hintergrund der Erfahrungen unserer eigenen Geschichte, besondere Aufmerksamkeit.“

Ziel der Erinnerungskultur in den Schulen Nordrhein-Westfalens ist die Stärkung der Demokratie- und Friedenserziehung sowie die Vorbeuge gegen den Extremismus. Schülerinnen und Schüler sollen ermutigt werden, verantwortungsvoll und aktiv zu einer gewaltfreien und demokratischen Gesellschaft beizutragen. In Nordrhein-Westfalen wurde dazu im Oktober 2013 in Zusammenarbeit mit vielen Partnern ein neues Konzept. Darüber hinaus war Erinnerungskultur eines der Schwerpunktthemen Löhrmanns während ihrer Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz 2014. In dieser Zeit wurden spezielle   Empfehlungen erarbeitet.

Das Schulministerium unterstützt zudem vielfältige Initiativen und Programme in NRW wie zum Beispiel das Förderprogramm „Demokratisch Handeln“, „Jugend debattiert“, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, „Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie“ und „Sozialgenial – Schüler engagieren sich“, „Buddy“. Alle diese Projekte und Initiativen leben vom gemeinsamen Engagement des Landes und der vielen engagierten Partner der Zivilgesellschaft, der Stiftungen und der Landeszentrale für politische Bildung.

„Erinnerungskultur ist der Blick durch die Linse der Vergangenheit auf das, was ist und das, was kommen kann. Sie warnt uns vor Fehlern der Vergangenheit, weil wir Werte, Moral und Verantwortung in den Mittelpunkt rücken. Deshalb kann uns Erinnerungskultur, besonders in unruhigen Zeiten, durch einen differenzierteren Blick auf vermeintlich einfache Lösungen eine große Hilfestellung sein“, betonte Löhrmann und: „Ich danke allen Lehrerinnen und Lehrern, die sich in ihrer Schule für Erinnerungskultur als wichtigen Teil der historisch-politischen Bildung engagieren. Sie stärken damit nicht nur die demokratische Schulkultur, sondern den demokratischen und kritischen Geist junger Menschen.“

Sepp Spiegl

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